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Montag, 25. Oktober 2021

Bach, Johann Sebastian - Cellosonaten (bearb. für Gitarre)

Cellosuiten für Gitarre


Label/Verlag: Christophorus
Detailinformationen zum besprochenen Titel


Nicht so dramatisch wie auf dem Cello, dafür sehr harmonisch - Bachs Cellosuiten auf der Gitarre. Dass diese Kombination viel für sich hat, beweist Tilman Hoppstocks neue Bach-CD. Ein facettenreiches Album.

Bachs Werke auf allen denkbaren Instrumenten zu spielen, ist keine Besonderheit. Bach selbst setzte nie ein bestimmtes Klangbild für seine Stücke grundlegend voraus und fertige häufig Umarbeitungen für andere Instrumente an. Schließlich eröffnet jedes Instrument ganz unterschiedliche interpretatorische Möglichkeiten. Im Falle der Gitarre gewinnen die Cellosuiten vor allem durch die sehr variantenreiche Harmonisierung und mehrstimmige Polyphonie dazu, die so auf einem Cello gar nicht möglich sind.

Der Bach-Experte

Dass die Werke jedoch erkennbar bleiben und Bachs kompositorische Intention nicht verloren geht, das ist die grundlegende Herausforderung einer jeden Bearbeitung und gleichzeitig die Leistung der CD ‚Cello Suites for Guitar‘ von Tilman Hoppstock. Der studierte Gitarrist und Cellist ist nicht ohne Grund der Experte für Bachs Lautenmusik und ihrer Bearbeitung für Gitarre. Fast 30 CDs hat er bereits herausgebracht, viele davon widmen sich Bach. Als Musikwissenschaftler und Verleger ist er darüber hinaus Herausgeber von 80 Notenausgaben sowie mehreren Büchern zu Bachs Lautenwerken, die mittlerweile zum Standardwerk für Gitarristen gehören. So kreativ wie sein Lebenswerk ist auch die vorliegende CD.

Bach oder Hoppstock?

Die Cellosuiten sind allesamt von Hoppstock sowohl werkverständig als auch virtuos für Gitarre umgeschrieben und bleiben stets in ihrer starken Melodik und Motivik erkennbar. Die Suite Nr. 5 beispielsweise ist unverkennbar ein typischer Bach, hier liegt der Bearbeitung allerdings auch eine Urfassung für Laute von Bach selbst zugrunde. Die Suite Nr. 2 dagegen wirkt deutlich komplexer. Die ‚Durchführungen‘ der einzelnen Teile verlieren sich schon fast in satztechnischen Erweiterungen und angesichts der vielen Bearbeitungsideen kann schon die Frage aufkommen, ob hier jetzt noch Bach oder vor allem Hoppstock zu hören ist.

Stimmungen und Verstimmungen

Generell wirkt Hoppstocks Herangehensweise sehr durchdacht; nichts auf dem Album scheint dem Zufall überlassen zu sein. So wählt er für eine möglichst authentische Interpretation der Stücke u.a. unterschiedliche Instrumente, Stimmungen und sogar Besaitungen. Im Falle der Suite Nr. 1, die ein paar Hertz tiefer mit einer dunkler klingenden spanischen Gitarre gespielt wird, klingt das zunächst allerdings unsauber und nimmt dem Prélude in D-Dur etwas von seiner Strahlkraft. In allen anderen Fällen findet Hoppstock jedoch ein sehr passendes Tuning, und der Ansatz, jedem Stück einzeln gerecht zu werden, ist in erster Linie ein Zeugnis für Hoppstocks intensive künstlerische Auseinandersetzung mit den Kompositionen.

Überraschende Tracks

Eine echte Neuheit ist der Milano-Bach-Zyklus, der den Suiten hintangestellt ist. Hoppstock kombiniert hier Fantasien Francesco da Milanos mit Chorälen Bachs. Eine zunächst ungewöhnlich anmutende Mischung, bei der komplexe Polyphonie auf sakrale Homophonie trifft. Als Hörerlebnis mischen sich die ausgewählten Stücke jedoch sehr gut und sorgen für Abwechslung. Mit dem Bonustrack, der 'Air' aus der Orchestersuite Nr. 3, setzt er der CD am Ende noch ein kleines Sahnehäubchen auf. Ob die recht eigenwillige Interpretation mit den durchgängig abgedämpften Bässen aber noch bachkonform ist, darüber lässt sich wohl streiten.

Genaueres Hinhören lohnt sich

Insgesamt ist ‚Cello Suites for Guitar‘ ein ungewöhnlich gut konzipiertes Album, das durch seine Ideenvielfalt und interpretatorische Freiheit auffällt. Besonders Interessierte finden außerdem im Booklet Ausführungen Hoppstocks für eine vertiefende musiktheoretische Auseinandersetzung mit den Stücken. Denn nicht zuletzt durch das genaue Hinhören lässt sich noch vieles entdecken.

Interpretation:
Klangqualität:
Repertoirewert: 
Booklet:




Sara Walther Kritik von Sara Walther,


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Detail-Informationen zum vorliegenden Titel:



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    Bach, Johann Sebastian: Cellosonaten (bearb. für Gitarre)

Label:
Anzahl Medien:
Veröffentlichung:
Christophorus
1
08.01.2018
Medium:
EAN:

CD
4010072774224


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Christophorus

Christophorus ist das älteste deutsche Plattenlabel mit dem Schwerpunkt "Geistliche Musik". Es wurde 1935 gegründet, um religiöse Inhalte mittels Schallplatten und Bücher auch während des Nazi-Regimes zu verbreiten. Heute - mehr als 75 Jahre später - stehen spirituelle Themen weiterhin im Mittelpunkt des Labels, mit besonderem Interesse für unbekannte Werke und historische Interpretation. Gregorianische Gesänge, geistliche Vokalmusik, Musik der christlichen Kirchen und die Gesänge aus Taizé sind im Katalog ebenso vertreten wie Musik des Mittelalters und der Renaissance. Mit diesem Repertoire gilt Christophorus heute als eines der wichtigsten unabhängigen Labels auf dem internationalen Klassikmarkt.


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