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Sonntag, 31. Mai 2020

The Grand Duo - Violinwerke von Strauss, Dorman und Schubert

Fulminantes Debüt


Label/Verlag: Genuin
Detailinformationen zum besprochenen Titel


So Jin Kim (Violine) und David Fung (Klavier) überzeugen mit Sonaten von Schubert, Strauss und Dorman.

Mit ihrer CD 'The Grand Duo' legen So Jin Kim (Violine) und Pianist David Fung ein fulminantes Debüt hin. Mit Werken von Franz Schubert, Richard Strauss und Avner Dorman halten sie sich an den bewährten Dreiklang aus Klassik, Romantik und Moderne und erzeugen so Abwechslung, Neugier und Konstanz zugleich. Eine herausragende Neuerscheinung dieser Saison des Leipziger Labels Genuin.

Die untypischerweise nur zweisätzige Sonate Nr. 2 für Violine und Klavier des 1975 geborenen, israelischen Komponisten Avner Dormann beginnt mit verhaltener Intimität. Zarte Klänge am Klavier untermalen einzelne, ausgedehnte Töne an der Geige. Die Musik scheint hier fast still zu stehen.Der Satz ist mit 'Adagio religioso' übertitelt und diese Stimmung fangen die Interpreten punktgenau ein. So Jin Kim verfügt über einen lupenreinen, zarten und doch so intensiven Ton, der sich wunderbar mit dem Klavier mischt. David Fung ist ein ausgezeichneter Klavierspieler, der mit der Violinistin hervorragend korrespondiert. Die 2008 vorgelegte Violinsonate wird hier zum ersten Mal auf CD eingespielt. Dorman schloss sein Studium an der Juilliard School of Music in New York mit der Promotion ab. Seine Kompositionen sind meist tonal, unter Einbeziehung exotischer Instrumente und Tonskalen. Von motorischer Aktivität spricht das Prestissimo, ein dreiminütiger Hexen-Zauber, der über den Hörer unverholen hereinbricht. So Jin Kim muss hier ihr ganzes technisches Know-how ausfahren, um die Dissonanten-Sekundklänge von fast nervtötender Eindringlichkeit servieren. Das reicht von Jonglage-Akrobatik des Bogens bis hin zu Oktav- und weiteren Doppelgriffen. Sicher ein Komponist, den man auf dem Schirm behalten sollte.

Bezaubernde Kontraste

Das Bezaubernde an dieser im Mendelssohn-Saal des Leipziger Gewandhauses aufgenommenen Platte ist auch der Kontrast von Dormans exzentrischer Musik zu Schuberts wunderbar klassischer Sonate in A-Dur D 574. Schon nicht ganz typisch für Geiger und Geigerinnen asiatischer Provenienz ist ja ihre Auseinandersetzung mit der Wiener Klassik, die ja so wenig an Material zur virtuosen Zurschaustellung besitzt. Das hat Frau Kim auch überhaupt nicht nötig, denn sie ist größtenteils überhaupt nicht in Korea, ihrem Heimatland, ausgebildet worden, sondern – freilich nach hervorragenden Erfolgen in Korea – trat 16-jährig bereits ins Bachelor-Programm der New Yorker Juilliard School ein. So gab es für sie auch Zugang zu den besten Konzertsälen, erst in New York, später weltweit. Nach spannenden Jahren als Konzertmeisterin des Luzerner Sinfonieorchesters ist sie mittlerweile Dozentin an der Hochschule für Musik, Theater und Medien Hannover. Umwerfend geradezu ist ihr Beginn bei Schubert: Seidenweich blüht der Klang auf und die Abmischung mit dem Klavier stimmt einfach. Daran hat Pianist David Fung seinen erheblichen Anteil, denn so ein Duo ist immer nur so gut wie seine Einzelteile. Der 34-jährige wurde in Edmonton (Kanada) geboren und war seinerzeit der erste Absolvent im Fach Klavier an der Colburn Conservatory Los Angeles. Sein Weg führte ihn in die Zentren amerikanischer, australischer und europäischer Musik. Auf dieser Platte zeigt er sein Format als prätentiöser Kammermusikpartner. Sein Anschlag ist präzis, sein musikalisches Verständnis zeugt von ausgiebigen Studien. Er begreift sein Tun immer als Unterstützung der melodischen Linien und hat einen bewundernswerten Pedalfuß. Dieser Schubert hat Flair und Format und büßt auch nach mehrmaligem, genauesten Hören nichts an Brillanz und seiner gediegenen musikalischen Gestaltung ein.

Großartiges Hörerlebnis

Die CD eröffnete mit Strauss‘ Violinsonate Es-Dur op. 18, ein Werk des erst 23-jährigen. Da zeigen So Jin Kim und David Fung ihre künstlerische Reife. Voluminös, brillant und mit zartem oder auch emphatischem Vibrato angereichert ist der Klang von Kims Violine. Höchste Präzision und Ausdrucksstärke liefert dazu David Fung im Klaviersatz. Beides fügt sich zu einem unbeschreiblichen, fast wie live erlebten Hörerlebnis zusammen. Kims Rubati sind aufwühlend emotional und geben der Sonate ihre authentische Note, denn schließlich hatte sich Strauss gerade zur Zeit der Komposition in seine künftige Frau Pauline verliebt. Das romantische Hochkochen steckt also durchaus in dieser Musik drin und dieses Feuer entzünden die beiden Interpreten furios. Auch der zweite Satz ist hier bezaubernd dargeboten. Da passt kein Jota mehr zwischen dem, was hier zu hören ist und einer Idealvorstellung. Dynamisch zaubern die Künstler. Auch bogentechnisch befindet sich die Geigerin auf Weltklasse-Niveau. Ihr Ton singt, hat Eleganz und rührt an. Da steht Fung nicht nach: Seine Tastenwelt ist delikat und dennoch immer klar.

Interpretation:
Klangqualität:
Repertoirewert: 
Booklet:






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Detail-Informationen zum vorliegenden Titel:



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    The Grand Duo: Violinwerke von Strauss, Dorman und Schubert

Label:
Anzahl Medien:
Veröffentlichung:
Genuin
1
08.01.2018
Medium:
EAN:

CD
4260036254914


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Genuin

Im Jahr 2002 standen die jungen Tonmeister von GENUIN vor einer wichtigen Entscheidung: Sollte man sich weiterhin lediglich auf das Aufnehmen und Produzieren konzentrieren, oder auf die zahlreichen Nachfragen und positiven Rückmeldungen von Musikern und Fachzeitschriften eingehen und ein eigenes Label ins Leben rufen? In einer Zeit, in der praktisch alle großen Klassik-Label ihre Produktion eingestellt oder zumindest stark gedrosselt hatten, fiel die Entscheidung nicht leicht – aber sie fiel einstimmig aus: zugunsten einer offiziellen Vertriebsplattform für die GENUIN-Aufnahmen. Und der Erfolg hat nicht lange auf sich warten lassen.

Das Label GENUIN hat sich in seinem zwölfjährigen Bestehen zu einem Geheimtipp unter Musikern und Musikliebhabern entwickelt. Schon vor dem Leipzig-Debüt im Oktober 2004, einem Antrittskonzert im Robert-Schumann-Haus mit Paul Badura-Skoda, wurden die CDs in den deutschlandweiten Vertrieb gebracht und von Fachpresse und Musikerwelt hochgelobt. Inzwischen werden GENUIN-CDs in den meisten Ländern Europas sowie in Japan, Süd-Korea, Hongkong und den USA vertrieben.

Das Erfolgsrezept von GENUIN: Die gesamte Produktion, also die Beratung der Künstler bei Aufnahmeraum und Repertoire, die Vorbereitung und Durchführung der Aufnahme selbst, der Schnitt mit allen notwendigen Korrekturen, generelle Entscheidungen beim Cover- und Bookletentwurf bis hin zur fertigen Veröffentlichung liegen in der Hand der Tonmeister. Nur so haben die Musiker den größtmöglichen Entfaltungsspielraum bei der Einspielung und Gestaltung ihrer CDs. Und gleichzeitig kann bis zuletzt eine gleichbleibend hohe Qualität garantiert werden.

GENUIN bietet auch abseits ausgetretener Pfade etablierten Künstlern genauso wie der Nachwuchsgeneration die Möglichkeit, Musik nach eigenen Vorstellungen zu verwirklichen. Das macht sich positiv bemerkbar für die Hörer der mittlerweile mehr als 300 GENUIN-CDs mit Interpreten wie Paul Badura-Skoda, Nicolas Altstaedt oder der Dresdner Philharmonie.


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