> > > Reinecke, Carl: Aschenbrödel
Donnerstag, 20. September 2018

Reinecke, Carl - Aschenbrödel

Reineckes Märchenstunde


Label/Verlag: cpo
Detailinformationen zum besprochenen Titel


Die vorliegende Veröffentlichung ist als Verdienst um die Wiederbelebung von Carl Reineckes Musik nicht hoch genug einzuschätzen.

Die Detmolder Carl Reinecke-Ausgrabungen gehen auf CD in die dritte Runde. Seit vielen Jahren setzt sich Markus Köhler an der Hochschule für Musik in Detmold für das Schaffen des viel zu sehr vernachlässigten Komponisten Carl Reinecke ein. Vor allem die Märchendichtungen, die im 19. Jahrhundert als Miniaturopern im heimischen Salon gespielt werden konnten, eignen sich hervorragend für die Arbeit mit Studenten der Hochschule. Und auch auf Tonträger haben 'Dornröschen' und 'Die wilden Schwäne' letztlich große Überzeugungskraft bewiesen.

Im März 2016 wurde nun Reineckes 'Aschenbrödel'-Vertonung beim Label cpo eingespielt, ergänzt durch seine Version von Hans Christian Andersens 'Der Schweinehirt'. Es sei gleich vorweggenommen: Das 'Aschenbrödel' hinterlässt den weitaus stärkeren Eindruck, was vor allem an der geringeren Präsenz des Erzählers liegt. In 'Aschenbrödel' fungiert der Sprecher Martin Christian Vogel als Teil des Ensembles, das durch zwei Sängerinnen und einen Chor aufgewertet wird, im 'Schweinhirt' lastet gut die Hälfte des Ausdrucks auf seinen Schultern, weil er neben den beiden hervorragenden Pianisten der einzige Solist ist. Und daran hapert es gewaltig. Was in 'Dornröschen' noch enervierend klingt, wird im 'Schweinhirt' schwer erträglich. Martin Christian Vogel pflegt einen pathetisch tenoralen Singsang, der an die schlimmsten Dialogvarianten mit deklamierenden Sängern in entsprechenden Opern erinnert. Obendrein ist die Betulichkeit seines Vortrags kaum zu überbieten. Da erscheinen die sprachlichen Hürden, die vermutlich auf einem Dialekt fußen – wie stimmhaftes und stimmloses ‚s‘ –, fast schon nebensächlich. Ja, auch die Dichtung atmet eine Großportion Pathos und Betulichkeit, aber die gälte es eben nicht auch noch zu unterfüttern. Die Besetzung des Sprechers mit Vogel mag lokalen Bezug haben, denn immerhin ist er ein verdienstvoller Professor in Detmold. Wirklich ansprechend – außerhalb eines nachvollziehbaren Sympathierahmens in Detmold – ist die Leistung aber nicht. Im Gegenteil: Sie wirkt eher abschreckend.

'Der Schweinehirt' punktet aber noch immer durch Reineckes klassisch angehauchter Musik für Klavier zu vier Händen. Vor allem die Ouvertüre und der finale Fackeltanz lassen unweigerlich Bilder vor dem inneren Auge entstehen, und Cornelia Weiß und Peter Kreutz lassen es aus ihren Fingern förmlich funkeln. Kreutz brilliert auch im romantisch klangvollen Klavierpart des 'Aschenbrödels'. Wieder einmal wird dem Hörer hier bewusst, wie kunst- und anspruchsvoll Reinecke sein Hauptinstrument behandelt hat. Es ist eben keine Klavierreduktion eines Orchesterapparats, sondern ein differenziertes Beleuchten der möglichen Farben und des Ausdrucks.

Erheblichen Anteil an der Faszination des 'Aschenbrödel' hat das weibliche Vokalensemble, das sowohl tanzende Kinder darstellt, vor allem aber den Chor der Vögel zum Leben erweckt. Die jungen Sängerinnen agieren mit einer Tonschönheit und rhythmischen wie dynamischen Prägnanz, dass es eine pure Freude ist, ihrem Gesang zu lauschen. Rebecca Blanz leiht dem Aschenbrödel ihren warmen und jugendlichen Mezzosopran, der den Schmerz und die Sehnsucht des Mädchens wunderbar einfängt. Das Vöglein wird mit glasklarem Sopran von Gun Young An gesungen.

Die vorliegende Veröffentlichung ist als Verdienst um die Wiederbelebung von Carl Reineckes Musik nicht hoch genug einzuschätzen. Im Hinblick auf die formulierte Schwäche dieser Produktion zeigt sich, wie schwierig die gern belächelte Form der romantischen Märchendichtung mit Musik zu meistern ist – aber auch, wie lebendig und effektvoll sie sein kann. Man darf gespannt auf die nächsten Raritäten sein.

Interpretation:
Klangqualität:
Repertoirewert: 
Booklet:





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Detail-Informationen zum vorliegenden Titel:



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    Reinecke, Carl: Aschenbrödel

Label:
Anzahl Medien:
Veröffentlichung:
Spielzeit:
cpo
1
13.12.2017
71:16
EAN:
BestellNr.:

761203508426
cpo 555 084-2


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Reinecke, Carl
 - Aschenbrödel op. 150 - Prolog
 - Aschenbrödel op. 150 - Deklamation
 - Aschenbrödel op. 150 - Der Tochter Klage
 - Aschenbrödel op. 150 - Deklamation
 - Aschenbrödel op. 150 - Lied des Vögleins
 - Aschenbrödel op. 150 - Deklamation
 - Aschenbrödel op. 150 - Aschenbrödels Bitte an die Vöglein
 - Aschenbrödel op. 150 - Chor der Vöglein
 - Aschenbrödel op. 150 - Deklamation
 - Aschenbrödel op. 150 - Aschenbrödels Bitte an die Vöglein
 - Aschenbrödel op. 150 - Chor der Vöglein
 - Aschenbrödel op. 150 - Deklamation
 - Aschenbrödel op. 150 - Lied des Aschenbrödels
 - Aschenbrödel op. 150 - Deklamation
 - Aschenbrödel op. 150 - Chor der Tanzenden Kinder
 - Aschenbrödel op. 150 - Deklamation
 - Aschenbrödel op. 150 - Chor der Tanzenden Kinder
 - Aschenbrödel op. 150 - Deklamation
 - Aschenbrödel op. 150 - Aschenbrödels Friedensgesang
 - Aschenbrödel op. 150 - Deklamation
 - Aschenbrödel op. 150 - Schluss-Chor
 - Der Schweinehirt op. 286 - Ouvertüre
 - Der Schweinehirt op. 286 - Deklamation 1
 - Der Schweinehirt op. 286 - Die Rose
 - Der Schweinehirt op. 286 - Deklamation 2
 - Der Schweinehirt op. 286 - Die Nachtigal
 - Der Schweinehirt op. 286 - Deklamation 3
 - Der Schweinehirt op. 286 - Spiel und Tanz
 - Der Schweinehirt op. 286 - Deklamation 4
 - Der Schweinehirt op. 286 - Des Prinzen Brautfahrt
 - Der Schweinehirt op. 286 - Deklamation 5
 - Der Schweinehirt op. 286 - Der singende Topf
 - Der Schweinehirt op. 286 - Deklamation 6
 - Der Schweinehirt op. 286 - Deklamation 7
 - Der Schweinehirt op. 286 - Fackeltanz


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Dirigent(en):Enke, Hagen
Interpret(en):Blanz, Rebecca
An, Gun Young
Vogel, Martin Christian
Weiß, Cornelia
Kreutz, Peter


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cpo

Wohl kaum ein zweites Label hat in letzter Zeit soviel internationale Aufmerksamkeit erregt wie cpo. Die Fachwelt rühmt einhellig eine überzeugende Repertoirekonzeption, die auf hohem künstlerischen Niveau verwirklicht wird und in den Booklets eine geradezu beispielhafte Dokumentation erfährt. Der Höhepunkt dieser allgemeinen Anerkennung war sicherlich die Verleihung des "Cannes Classical Award" für das beste Label (weltweit!) auf der MIDEM im Januar 1995 und gerade wurde cpo der niedersächsische Musikpreis 2003 in "Würdigung der schöpferischen Leistungen" zuerkannt.
Besonders stolz macht uns dabei, daß cpo - 1986 gegründet - in Rekordzeit in die Spitze vorgestoßen ist. Das Geheimnis dieses Erfolges ist einfach erklärt, wenn auch schwierig umzusetzen: cpo sucht niemals den Kampf mit den Branchenriesen, sondern füllt mit Geschick die Nischen, die von den Großen nicht besetzt werden, weil sie dort keine Geschäfte wittern. Und aus mancher Nische wurde nach einhelliger Ansicht der Fachwelt mittlerweile ein wahres Schmuckkästchen.
Am Anfang einer Repertoire-Entscheidung steht bei uns noch ganz altmodisch das Partituren-lesen, denn nicht alles, was noch unentdeckt ist, muß auch auf die Silberscheibe gebannt werden. Andererseits gibt es - von der Renaissance bis zur Moderne - noch sehr viele wahre musikalische Schätze zu heben, die oft näher liegen, als man meint. Unsere großen Werk-Editionen von Pfitzner, Korngold, Hindemith oder Pettersson sind nicht umsonst gerühmt worden. In diesem Sinne werden wir fortfahren.
Letztendlich ist unser künstlerisches Credo ganz einfach: Wir machen die CDs, die wir schon immer selbst haben wollten. Seien Sie herzlich zu dieser abenteuerlichen Entdeckungsfahrt eingeladen!


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