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Donnerstag, 17. Januar 2019

Mayer, Emilie - Klavierquartette

Raritäten und Preziosen


Label/Verlag: cpo
Detailinformationen zum besprochenen Titel


Die Suche nach unbekannten Schätzen hat etwas Neues zutage gefördert: zwei Klavierquartette von Emilie Mayer aus der Mitte des 19. Jahrhunderts.

Seit ein paar Jahren gibt es immer mal wieder ein Werk einer mecklenburgischen Komponistin namens Emilie Mayer zu hören, bei dem man erstaunt feststellt, wieviel Qualität doch in diesen Kompositionen versteckt ist – man überprüfe das beispielsweise im Internet. Das junge Mariani-Quartett hat nun Mayers beide Klavierquartette eingespielt, bei denen dieses positive Erstaunen wieder einmal entsteht.

Wer war Emilie Mayer? Sie stammt aus dem Städtchen Friedland, zwischen Neubrandenburg und Anklam gelegen, wo sie 1812 geboren wurde. Der wohlhabende Apothekervater ermöglichte seinen Kindern – und eben auch den Mädchen – eine umfassende Ausbildung. Trotzdem musste Emilie, passend zu ihrer Generation, erst 28 Jahre alt werden, bis sie nach Stettin ziehen konnte, wo sie bei der Familie ihres ältesten Bruders leben und vor allem bei Carl Loewe Komposition studieren konnte. Sie war begabt und bereit, ihr Leben der Musik zu widmen. Dank eines erklecklichen Erbes wurde ihr das auch möglich. Carl Loewe förderte sie sehr, sie machte sich in Stettin mit ihren ersten Kompositionen bald einen Namen, und schließlich versuchte sie, in der kulturellen Metropole Berlin Karriere zu machen. Das gelang ihr. Mit ihren Sinfonien, Konzertouvertüren  und Kammermusiken hatte sie Erfolg, so sehr, dass sie auch in München, Köln, Wien und Brüssel aufgeführt wurde. Nachdem sie sich für einige Jahre wieder nach Stettin zurückgezogen hatte, verbrachte sie die letzten Jahre ihres Lebens wieder in Berlin, wo sie mit 70 Jahren starb. Nach ihrem Tod verblasste ihr Ruhm ziemlich schnell, was angesichts des Ansehens, das sie genossen hatte, verwundert – oder auch nicht?

Es steht außer Frage, dass Emilie Mayer ihr Handwerk gelernt hatte und souverän mit den kompositorischen Mitteln umging. Trotzdem muss man sie – immerhin schrieb sie die meisten ihrer zahlreichen Werke ab 1850 – stilistisch eher als Epigonin einordnen. Die Prägung durch ihren Lehrer Loewe ist stark spürbar; sie gehört in die Reihe der Spohrs, Lortzings, Kuhlaus, auch wenn diese allesamt 20 bis 30 Jahre älter sind als sie. Manchmal blitzt ein wenig Mendelssohn auf, manchmal erkennt man eine poetische Linie à la Schumann, und dann geht es wieder zurück zu den in sich geschlossenen Themen und die Variation derselben. Das hat alles eine große Qualität und Könnerschaft, aber erklärt vielleicht auch, dass ihr Stern in den 80er Jahren, als die Musikwelt mit ganz anderen Stilen vertraut wurde (Schumann, Brahms, Wagner und bald schon ein Richard Strauss und ein Gustav Mahler) ziemlich schnell versank.

Trotzdem können wir froh sein, dass der größte Teil ihres Nachlasses gerettet wurde und in der Preußischen Staatsbibliothek aufbewahrt wird. Denn Emilie Mayer ist musikhistorisch ein interessantes Bindeglied zwischen Spätklassik, Biedermeier und Romantik – und das ganz besonders auch deshalb, weil sie eine Frau ist, die sich zu ihrer Zeit durchgesetzt hat und die sich als Komponistin sehr wohl auf der Höhe ihrer bekannteren Kollegen bewegt. Emilie Mayer hat vor allem Instrumentalmusik geschrieben, darunter sehr viel Kammermusik: Streichquintette, -quartette, Klaviertrios, Violin- und Cellosonaten.

Auf der vorliegenden CD hat sich das Mariani-Quartett der beiden Klavierquartette angenommen. Sie entstanden vermutlich zwischen 1857 und 1860, in der Zeit ihrer Berliner Erfolge. In beiden Quartetten steht der Streichersatz kompositorisch im wesentlichen dem Klavier gegenüber. Das Klavier hat – wie im 19. Jahrhundert selbstverständlich – den virtuosen Part, die Streicher übernehmen die melodiösen Themen. Der Aufbau orientiert sich an der Klassik mit gegensätzlichen Themen, Durchführungen, Reprise, mit Scherzo, langsamem Satz und schnellem Schlusssatz. Emilie Mayer hat viele, auch überraschende Einfälle, was die Tonartendisposition oder die Variation der Themen angeht. Die langsamen Sätze spinnen große Melodiebögen oder choralartige Blöcke. Launisch sind die Scherzi gestaltet, das Metrum gerät manchmal aus den Fugen, aber bald schon hat alles wieder seine überschaubare Ordnung.

Die Musiker des Mariani-Klavierquartetts bringen alle bereits Erfahrung aus anderen Kammermusikformationen mit, so dass die Ausgeglichenheit des Spiels und die musikalische Anlage der Werke wie selbstverständlich herüberkommt. Anfangs stellt sich zunächst der Eindruck ein, dass die Streicher zu sehr im Hintergrund bleiben, aber bei längerem Hören merkt man, wie sehr alles sehr wohl klanglich miteinander verschmilzt. Ganz besonders ist dabei der Pianist Gerhard Vielhaber hervorzuheben. Man kann nur bewundern, mit welcher selbstverständlichen Leichtigkeit und Durchsichtigkeit er die schwierigen Passagen meistert. Dann und wann stört etwas zu viel Pedal, aber das sind nur sehr kurze Momente. Hier ist kein Tastenlöwe am Werk, sondern jemand, der den Klang des 19. Jahrhundert-Klaviers, im Zusammenspiel mit den übrigen Instrumenten,  hervorzaubern kann. Es macht Freude, diese Musik wieder zu entdecken, wenn sie denn mit solcher Spielfreude und Perfektion dem Vergessen  entrissen wird.


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Detail-Informationen zum vorliegenden Titel:



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    Mayer, Emilie: Klavierquartette

Label:
Anzahl Medien:
Veröffentlichung:
cpo
1
13.12.2017
EAN:

761203509423


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cpo

Wohl kaum ein zweites Label hat in letzter Zeit soviel internationale Aufmerksamkeit erregt wie cpo. Die Fachwelt rühmt einhellig eine überzeugende Repertoirekonzeption, die auf hohem künstlerischen Niveau verwirklicht wird und in den Booklets eine geradezu beispielhafte Dokumentation erfährt. Der Höhepunkt dieser allgemeinen Anerkennung war sicherlich die Verleihung des "Cannes Classical Award" für das beste Label (weltweit!) auf der MIDEM im Januar 1995 und gerade wurde cpo der niedersächsische Musikpreis 2003 in "Würdigung der schöpferischen Leistungen" zuerkannt.
Besonders stolz macht uns dabei, daß cpo - 1986 gegründet - in Rekordzeit in die Spitze vorgestoßen ist. Das Geheimnis dieses Erfolges ist einfach erklärt, wenn auch schwierig umzusetzen: cpo sucht niemals den Kampf mit den Branchenriesen, sondern füllt mit Geschick die Nischen, die von den Großen nicht besetzt werden, weil sie dort keine Geschäfte wittern. Und aus mancher Nische wurde nach einhelliger Ansicht der Fachwelt mittlerweile ein wahres Schmuckkästchen.
Am Anfang einer Repertoire-Entscheidung steht bei uns noch ganz altmodisch das Partituren-lesen, denn nicht alles, was noch unentdeckt ist, muß auch auf die Silberscheibe gebannt werden. Andererseits gibt es - von der Renaissance bis zur Moderne - noch sehr viele wahre musikalische Schätze zu heben, die oft näher liegen, als man meint. Unsere großen Werk-Editionen von Pfitzner, Korngold, Hindemith oder Pettersson sind nicht umsonst gerühmt worden. In diesem Sinne werden wir fortfahren.
Letztendlich ist unser künstlerisches Credo ganz einfach: Wir machen die CDs, die wir schon immer selbst haben wollten. Seien Sie herzlich zu dieser abenteuerlichen Entdeckungsfahrt eingeladen!


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