> > > Reichardt, Johann Friedrich: Die Geisterinsel
Donnerstag, 20. September 2018

Reichardt, Johann Friedrich - Die Geisterinsel

Zwischen Singspiel und großer Oper


Label/Verlag: cpo
Detailinformationen zum besprochenen Titel


Reichardts 'Die Geisterinsel' wurde 2002 mit einem wunderbaren Markus Schäfer, einer herrlich burschikosen Barbara Hannigan und einem gerissenen Tom Sol von Hermann Max farbenreich eingespielt.

Zur Huldigung König Friedrich Wilhelms III. kam 1798 das sogenannte Singspiel 'Die Geisterinsel' von Johann Friedrich Reichhardt zur Uraufführung. Beim Publikum kam dieses Werk bestens an und konnte im Uraufführungsort Berlin weitere 55 Aufführungen verzeichnen. Goethe verkündete das positive Urteil: ‚Die 'Geisterinsel' ist ein Musikstück von Poesie und Sprache: es lässt sich nichts Musikalischeres Denken.‘

Basierend auf Shakespeares ‚Sturm‘ kreist die Handlung um Prospero, vertriebener Herzog von Mailand und Zauberer, und seine Tochter Miranda. Die Handlung spielt an einem Tag, an dem die von Prospero im Zaum gehaltene Zauberin Sycorax wieder auferstehen und ihr Sohn, der Gnom Caliban, die Macht über die Insel erlangen soll. Prosperos Herrschaft auf der Insel soll enden, Caliban soll diese übernehmen und Miranda zur Frau bekommen. Doch ein Schiff strandet und die Überlebenden treiben die Handlung in eine ganz andere Richtung. Kurz: Caliban erlangt die Herrschaft nicht, die Frau aber auch nicht. Miranda und der schiffbrüchige Fernando werden ein Paar und alle Sterblichen kehren nach Mailand zurück, die Geister bleiben auf der Insel.

Die Musik Reichardts schafft den Spagat zwischen aufgewühlter Instrumentalmusik, Bezügen auf Volkslieder, eingängigen Arien und strukturiert aufgefächerten Ensembles. Mit Dialogen, pantomimischen Szenen, Arien und Ensembles und einem für die Verhältnisse sehr farbenreich besetzten Orchester überschreitet Reichardt die Grenze zum Singspiel. Ungeachtet der Bezeichnung liegt hier eine deutsche Oper vor, die auch die entsprechenden Stimmen in der Besetzung fordert.

Die vorliegende Aufnahme von cpo aus dem Jahr 2002 besetzt einige Rollen mehr als adäquat, wobei vor allem eine durchdachte Stimmdramaturgie zugrunde zu liegen scheint. Besonders ohrenfällig wird das in der Besetzung der Männerrollen: Prospero wird durch den lyrischen Schmelz des Bass-Baritons Ekkehard Abele veredelt, während Tom Sol dem Gnom Caliban seine kernige, volle, durchsetzungskräftige Stimme leiht. Jörg Hempel und Yoshitaka Ogasawara singen die Rollen von Oronzio und Stefano herrlich schwankend zwischen gnadenloser Unterwürfigkeit und dümmlicher Großtuerei. Stimmliches Sahnehäubchen der Männerriege ist Markus Schäfer. Der lyrische Tenor gestaltet wunderbare Phrasen, die nicht nur technisch perfekt ausgewogen sind, sondern auch inhaltlich strukturiert, darüber hinaus agiert er äußerst textverständlich.

In der Damenriege gibt es auch so eine äußerst positive Besetzung mit Barbara Hannigan in der Rolle des Fabio. Sie singt in tadelloser Verständlichkeit mit klarem, klangschönem Sopran und verleiht dieser kleinen Rolle mit drei Arien mehr Kontur als ihre Sängerkolleginnen den ihren. Ulrike Staude singt die Rolle der Miranda mit rundem, lyrischem Sopran, der in der Höhe zwar manchmal ein wenig aufbricht und spröde wird, den sie aber in schöner Linie zu führen weiß und mit dem sie der Figur die nötige Jugend verleihen kann. Wie oft zu erleben, bleibt die Rolle der jugendlichen Geliebten aber doch etwas blass. Und die Besetzung von Romelia Lichtenstein als Geist Ariel ist nicht ganz verständlich. Sie ist von der Stimmfarbe ein eher ins Dramatische tendierende Sopran und zeigt neben einer recht kehligen Tongebung auch einige Schärfen, vor allem in höherer Lage. Besonders auffällig wird das aber durch die große Diskrepanz von Sprech- und Singstimme. Diese wiederum herrscht bei allen Damen vor. Obwohl im Booklet nicht erwähnt, liegt der Verdacht sehr nahe, dass Schauspielerinnen die Dialoge anstelle der Sängerinnen gesprochen haben. Was bei den Herren aber noch einigermaßen – mit Abstrichen – funktioniert, geht bei den Damen leider gar nicht auf.

Was durchaus aufgeht - und zwar im besten Sinn -, ist der Klang von Orchester und Chor. Hermann Max leitet Das Kleine Konzert, ein in Alter Musik erfahrenes Ensemble, welches den Spagat zwischen Singspiel und großer Oper wunderbar schafft, und die Rheinische Kantorei mit Agilität und weiß durch großen Farbenreichtum zu bezaubern.

Alles in allem sind Werk wie Aufnahme sehr hörenswert. Auch wenn die Oper durchaus Längen hat, kann es nicht genug wertgeschätzt werden, dass endlich eine Gesamtaufnahme mit den Originaldialogen zugänglich ist.

Interpretation:
Klangqualität:
Repertoirewert: 
Booklet:





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Detail-Informationen zum vorliegenden Titel:



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    Reichardt, Johann Friedrich: Die Geisterinsel

Label:
Anzahl Medien:
Spielzeit:
cpo
2
152:45
EAN:
BestellNr.:

761203754823
cpo 777 548-2


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Dirigent(en):Max, Hermann
Interpret(en):Staude, Ulrike
Lichtenstein, Romelia
Hannigan, Barbara
Schäfer, Markus
Abele, Ekkehard


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cpo

Wohl kaum ein zweites Label hat in letzter Zeit soviel internationale Aufmerksamkeit erregt wie cpo. Die Fachwelt rühmt einhellig eine überzeugende Repertoirekonzeption, die auf hohem künstlerischen Niveau verwirklicht wird und in den Booklets eine geradezu beispielhafte Dokumentation erfährt. Der Höhepunkt dieser allgemeinen Anerkennung war sicherlich die Verleihung des "Cannes Classical Award" für das beste Label (weltweit!) auf der MIDEM im Januar 1995 und gerade wurde cpo der niedersächsische Musikpreis 2003 in "Würdigung der schöpferischen Leistungen" zuerkannt.
Besonders stolz macht uns dabei, daß cpo - 1986 gegründet - in Rekordzeit in die Spitze vorgestoßen ist. Das Geheimnis dieses Erfolges ist einfach erklärt, wenn auch schwierig umzusetzen: cpo sucht niemals den Kampf mit den Branchenriesen, sondern füllt mit Geschick die Nischen, die von den Großen nicht besetzt werden, weil sie dort keine Geschäfte wittern. Und aus mancher Nische wurde nach einhelliger Ansicht der Fachwelt mittlerweile ein wahres Schmuckkästchen.
Am Anfang einer Repertoire-Entscheidung steht bei uns noch ganz altmodisch das Partituren-lesen, denn nicht alles, was noch unentdeckt ist, muß auch auf die Silberscheibe gebannt werden. Andererseits gibt es - von der Renaissance bis zur Moderne - noch sehr viele wahre musikalische Schätze zu heben, die oft näher liegen, als man meint. Unsere großen Werk-Editionen von Pfitzner, Korngold, Hindemith oder Pettersson sind nicht umsonst gerühmt worden. In diesem Sinne werden wir fortfahren.
Letztendlich ist unser künstlerisches Credo ganz einfach: Wir machen die CDs, die wir schon immer selbst haben wollten. Seien Sie herzlich zu dieser abenteuerlichen Entdeckungsfahrt eingeladen!


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