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Mittwoch, 15. August 2018

Dietrich, Albert - Kammermusikwerke

Dietrich abseits der Gemeinschaftskomposition


Label/Verlag: cpo
Detailinformationen zum besprochenen Titel


Albert Dietrich war nicht nur Freund von Schumann und Brahms. Er war auch ein solider Komponist. Das zeigt diese gelungene Kammermusik-Einspielung.

Albert Dietrich, 1829 geboren, war vier Jahre älter als Johannes Brahms und stammte aus Sachsen. Seine Verehrung für Robert Schumann, den er möglicherweise schon in Dresden kennengelernt hatte, brachte ihn dazu, nach dem Studium in Leipzig 1851 nach Düsseldorf zu ziehen, um bei Schumann mehr übers Komponieren und bei Clara besser Klavierspielen zu lernen. Er wurde rasch zu einem engen Freund der Familie und ihrem Kreis, insbesondere zu Johannes Brahms. Die künstlerischen Einflüsse aus dieser Zeit prägten ihn für den Rest seines Lebens, auch wenn er später – in den langen Jahren als Hofkapellmeister in Oldenburg – sich auch für die musikalischen Entwicklungen bei den ‚Neudeutschen‘ zu interessieren begann.

Davon ist in den frühen Klavierstücken, die auf dieser CD eingespielt sind, aber noch nichts zu hören. Sie atmen den Schumannschen Geist, entstanden sie doch in der Düsseldorfer Zeit – zumindest die Stücke op. 6; op. 2 ist wohl nur wenig früher geschrieben worden. Schumannscher Geist, das bedeutet liedhafte Themen, ausgearbeitet in Stücken von ca. drei Minuten Länge, mit einem mehr oder weniger kontrastierenden Mittelteil, das bedeutet auch Aufschwünge in Sexten und punktierte Rhythmen. Auch die Harmonik entspricht der des verehrten Lehrers. Es sind intime Stücke, die der Pianist Friedrich Thomas hier aber nie sentimental werden lässt. Eher geht er das Ganze eine Nuance zu handfest an, als hätte er Angst vor zu viel biedermeierlicher Gefühligkeit.

Die vorliegende CD eröffnet mit der Cellosonate op. 15, die erst 1868 entstand, als Dietrich bereits seit sieben Jahren in Oldenburg lebte. Die Sonate, klassisch viersätzig, enthält dieselben stilistischen Merkmale wie die früheren Klavierstücke, nur dass die Melodiebögen nun dem Cello vorbehalten sind, während das Klavier sich im wesentlichen gewissermaßen um den Rest kümmert. Die Harmonik ist inzwischen jedoch deutlich ausgeweitet, die Themen der einzelnen Sätze ähneln sich (Stichwort Sextaufschwung). Eigentlich müssten sich die Interpreten um die Sonate reißen, denn sie lässt einen großen, vollen Celloklang genauso zu wie lyrische lange Bögen, sowohl in der baritonalen Lage als auch in der Tiefe. Wie in der Romantik üblich, ist vor allem der Klavierpart technisch sehr anspruchsvoll, darüber hinaus aber genauso musikalisch dankbar im Zusammenspiel mit dem Cello.

Friedrich Thomas erweist sich auch hier als souverän, er ist ein kraftvoller Partner des Cellisten Alexander Will, der ihm im engagierten Spiel in nichts nachsteht – ein Duo, das die kompositorischen Qualitäten des Werks gerade durch sein eher sachliches Spiel zur Geltung bringt, denn sachlich heißt hier nicht nüchtern und langweilig, sondern ganz auf das Werk konzentriert, ohne Schnickschnack und irgendwelche emotionalen Übertreibungen.

Interpretation:
Klangqualität:
Repertoirewert: 
Booklet:





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Detail-Informationen zum vorliegenden Titel:



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    Dietrich, Albert: Kammermusikwerke

Label:
Anzahl Medien:
Veröffentlichung:
Spielzeit:
cpo
1
14.11.2017
64:40
EAN:
BestellNr.:

761203510825
cpo 555 108-2


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Dietrich, Albert
 - Sonate für Pianoforte und Violoncello op. 15 - Moderato espressivo, non troppo lento
 - Sonate für Pianoforte und Violoncello op. 15 - Allegro con fuoco
 - Sonate für Pianoforte und Violoncello op. 15 - Poco adagio
 - Sonate für Pianoforte und Violoncello op. 15 - Allegro con spirito
 - Einleitung und Romanze op. 27 -
 - Sechs Klavierstücke op. 6 - Allegretto
 - Sechs Klavierstücke op. 6 - Ziemlich langsam
 - Sechs Klavierstücke op. 6 - Langsam, sehr ausdrucksvoll
 - Sechs Klavierstücke op. 6 - Lebhaft
 - Sechs Klavierstücke op. 6 - Mäßig, im Menuetttempo
 - Sechs Klavierstücke op. 6 - Larghetto
 - Vier Klavierstücke op. 2 - Im mäßigen Wanderschritt
 - Vier Klavierstücke op. 2 - Canon. Langsam mit innigem Ausdruck
 - Vier Klavierstücke op. 2 - Sehr lebhaft mit keckem Vortrag
 - Vier Klavierstücke op. 2 - Sehr ruhig, ausdrucksvoll


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Interpret(en):Will, Alexander
Thomas, Friedrich


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cpo

Wohl kaum ein zweites Label hat in letzter Zeit soviel internationale Aufmerksamkeit erregt wie cpo. Die Fachwelt rühmt einhellig eine überzeugende Repertoirekonzeption, die auf hohem künstlerischen Niveau verwirklicht wird und in den Booklets eine geradezu beispielhafte Dokumentation erfährt. Der Höhepunkt dieser allgemeinen Anerkennung war sicherlich die Verleihung des "Cannes Classical Award" für das beste Label (weltweit!) auf der MIDEM im Januar 1995 und gerade wurde cpo der niedersächsische Musikpreis 2003 in "Würdigung der schöpferischen Leistungen" zuerkannt.
Besonders stolz macht uns dabei, daß cpo - 1986 gegründet - in Rekordzeit in die Spitze vorgestoßen ist. Das Geheimnis dieses Erfolges ist einfach erklärt, wenn auch schwierig umzusetzen: cpo sucht niemals den Kampf mit den Branchenriesen, sondern füllt mit Geschick die Nischen, die von den Großen nicht besetzt werden, weil sie dort keine Geschäfte wittern. Und aus mancher Nische wurde nach einhelliger Ansicht der Fachwelt mittlerweile ein wahres Schmuckkästchen.
Am Anfang einer Repertoire-Entscheidung steht bei uns noch ganz altmodisch das Partituren-lesen, denn nicht alles, was noch unentdeckt ist, muß auch auf die Silberscheibe gebannt werden. Andererseits gibt es - von der Renaissance bis zur Moderne - noch sehr viele wahre musikalische Schätze zu heben, die oft näher liegen, als man meint. Unsere großen Werk-Editionen von Pfitzner, Korngold, Hindemith oder Pettersson sind nicht umsonst gerühmt worden. In diesem Sinne werden wir fortfahren.
Letztendlich ist unser künstlerisches Credo ganz einfach: Wir machen die CDs, die wir schon immer selbst haben wollten. Seien Sie herzlich zu dieser abenteuerlichen Entdeckungsfahrt eingeladen!


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