> > > Klingendes Schloss: Liedkunst der Goethezeit im Stadtschloss Weimar
Donnerstag, 23. Mai 2019

Klingendes Schloss - Liedkunst der Goethezeit im Stadtschloss Weimar

Geduldsprobe


Label/Verlag: Querstand
Detailinformationen zum besprochenen Titel


Ein Promoprodukt erweist sich als Bumerang: Der Bassist Thomas Stimmel wird diesen Liedern aus der Goethezeit nicht gerecht.

‚Klingendes Schloss. Liedkunst der Goethezeit im Stadthaus Weimar‘ – das evoziert hohe Kunst, aber auch einen unmusikalischen Goethe, der sich für Schubert kaum erwärmen konnte, dafür die heute nicht selten als langatmig-langweilig empfundenen Strophenlieder schätzte; da erwarten wir eine reiche Auswahl heute vergessener Komponisten – allen voran die Lieder op. 84 von Johann Nepomuk Hummel, der von 1819 bis zu seinem Tode Hofkapellmeister in Weimar war. Nichts da – zwei Drittel der CD sind Schubert gewidmet, ein Lied von Carl Friedrich Zelter, sechs von Carl Eberwein. Unverständlich (der Booklettext versucht, die nicht vorhandenen roten Fäden zusammenzuzurren).

Doch mehr noch: Der Bassist Thomas Stimmel verfügt kaum über die Mittel, mit dem Hammerflügel von Friedrich Hippe (1820–30) im Ahnenzimmer des Weimarer Schlosses zu harmonieren. Sein Schubert klingt in allen Lagen außer dem Pianissimo unstet und intonatorisch unsicher, offenkundig kaum geübt in musikalischen Verzierungen, im Mezzoforte und Forte sogar etwas gepresst. So werden die Gesänge des Harfners und der sogenannte 'Schwanengesang' (den man in diesem Ambiente niemals als Zyklus hätte aufführen dürfen – stärker kann man musikhistorische Ignoranz nicht hervorheben) zur argen Geduldsprobe. Zelters Duett 'Sankt Nepomuks Vorabend' ist sicher kein typisches Zelter-Lied, trotz der strophischen Gestalt.

Neben Caterina Maier nimmt sich Thomas Stimmel zurück, Liese Klahn kann aus dem schematischen Klavierpart an einem herrlichen Érard-Flügel von 1811 im Geschäftszimmer Maria Pawlownas aber musikalisch nur wenig herausholen. Klahn bespielt den Streicher-Flügel von 1825 in der Falkengalerie in den romantischen Liedern des Zelter-Schülers Eberwein. Maier ist intonatorisch nicht immer ganz sicher, wohl bedingt durch das ungewohnte Repertoire, doch werden die Miniaturen insgesamt charmant und werkgerecht dargeboten.

Ein Video von knapp 11 Minuten Länge zeigt, was eigentlich hätte intendiert sein sollen (eine vollständige Präsentation des CD-Inhalts auf DVD): So hätte selbst aus interpretatorischer Imperfektion noch ein interessanter und vielleicht auch wahrhaftiger Gesamteindruck werden können.


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Detail-Informationen zum vorliegenden Titel:



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    Klingendes Schloss: Liedkunst der Goethezeit im Stadtschloss Weimar

Label:
Anzahl Medien:
Veröffentlichung:
Querstand
2
06.12.2017
EAN:
4025796017090

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Querstand

Mit viel Liebe zum Detail bringt das querstand-Label dem interessierten Hörer die Vielfalt und Schönheit der klassischen Musik auf wenig ausgetretenen Pfaden näher. Das Label hat sich seit 1994 durch die Produktion hochwertiger klassischer CDs einen ausgezeichneten Ruf erworben. Über 500 Produktionen werden weltweit vertrieben, wobei ein Augenmerk auf Orgelmusik liegt. Die Gesamteinspielung der Orgelwerke von Johann Ludwig Krebs (bisher 11 CDs) und des Kantaten- und Orchesterwerkes des berühmten Bachschülers bilden ein Glanzlicht des Labels, dem mit der Serie ?Die Orgeln von Gottfried Silbermann? (8 CDs) ein weiteres zur Seite gestellt wurde (Jahrespreis der deutschen Schallplattenkritik 2003). Auch im kammermusikalischen und sinfonischen Bereich wurden zahlreiche CDs veröffentlicht, etwa mit dem Gewandhausorchester Leipzig. Mit der Aufnahme des Passionsoratoriums ?Der Tod Jesu? von Carl Heinrich Graun mit dem MDR Rundfunkchor und dem MDR Sinfonieorchester unter Howard Arman gewann das Label 2005 einen ECHO Klassik-Award. Im Jahre 2013 erhielt die 9-CD-Box mit allen Sinfonien Anton Bruckners, eingespielt von Herbert Blomstedt mit dem Gewandhausorchester Leipzig, den ICMA (International Classical Music Award). Mit Verlagssitz im Thüringischen Altenburg kann querstand von der einzigartigen Vielfalt der mitteldeutschen Musiklandschaft profitieren, die sich auch im Verlagsprogramm niederschlägt. Neben den vielseitigen Einflüssen der fantastischen Orgellandschaft der Region, ist es auch die Nähe zur Musikstadt Leipzig mit ihrer wunderbaren Tradition und facettenreichen Szene, auf die das Label besonderes Augenmerk richtet.


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