> > > Escher String Quartet spielt: Werke von Dvorak, Tschaikowsky und Borodin
Sonntag, 20. Oktober 2019

Escher String Quartet spielt - Werke von Dvorak, Tschaikowsky und Borodin

Fließende Wärme


Label/Verlag: BIS Records
Detailinformationen zum besprochenen Titel


Klangfarbliche Wärme, Lebendigkeit und Flexibilität sprechen für das Escher String Quartet.

Das nach dem Künstler M. C. Escher benannte Escher String Quartet mag hierzulande nicht allzu bekannt sein, kann seit seiner Gründung im Jahr 2005 jedoch bereits einige Einspielungen auf dem Tonträgermarkt vorweisen. Die Bandbreite der vier New Yorker bewegt sich dabei zwischen der Romantik eines Felix Mendelssohn Bartholdy und der Moderne eines Alexander von Zemlinsky. Für ihr neuestes SACD-Album bei BIS haben sie sich im für Aufnahmen beliebten Reitstadel in Neumarkt in der Oberpfalz drei Vertretern der Spätromantik zugewandt, genauer Antonín Dvořák, Peter Tschaikowsky und Alexander Borodin. Dvořáks Quartett in F-Dur op. 96, das den Beinamen ‚Amerikanisches‘ trägt, dürfte hierbei das bekannteste sein. Doch auch Tschaikowskys erster Beitrag zur Gattung in D-Dur op. 11 erfreut sich nicht zuletzt dank seines 'Andante Cantabile' mit dem berühmten Volksliedthema ('Sidel Vanya') einiger Beliebtheit. Borodins Streichquartett Nr. 2 schließlich ist von den drei Streichquartetten am wenigsten bekannt, wobei sich aufgrund seiner melodischen Schönheiten und Kurzweiligkeit fragen lässt, warum das eigentlich so ist.

Müsste man die Klangästhetik des Escher String Quartet mit einigen Worten umschreiben, fielen die Worte klangfarbliche Wärme, Lebendigkeit und Flexibilität. Zu Beginn des Quartettes in D-Dur von Tschaikowsky erstrahlt das akkordisch im Tutti gesetzte Hauptthema so hell, dass man sich geradezu vor dem Kaminfeuer wähnt. Der sich vor allem in der Durchführung dann intensiv steigernde Satz wird in aller Expressivität ausgesungen, wobei harmonische Schärfen weniger betont werden. Das fällt jedoch überhaupt nicht störend ins Gewicht, weil der Zugriff einerseits jederzeit spontan lebendig wirkt, anderseits aber auch so intelligent phrasiert wird, dass der Gedanke an Alternativen gar nicht aufkommt. Hält man zum Vergleich die farbärmere und gestisch steifere Einspielung des Endellion String Quartet dagegen, wird der Unterschied deutlich. Dank des exzellent durchhörbaren Klangbildes kann es sich das Escher String Quartet ebenfalls erlauben, im 'Lento' des Dvořák-Quartetts klanglich eng ‚zusammenzurücken‘, sodass die wellenförmigen Begleitstimmen mit dem durch nacheinander durch verschiedene Stimmen gereichten Kantabile-Thema nahezu verschmelzen. Im anschließenden 'Scherzo' dann, das rhythmisch wunderbar schroff und tänzerisch gegeben wird, agieren die Instrumente wieder viel stärker getrennt voneinander.

Der für viele amerikanische Streichquartettformationen charakteristische, in die Breite gehende Klang lässt sich auch beim Escher String Quartet antreffen. Interessanterweise eignet sich dieser Ansatz besonders bei Borodin ausgezeichnet, da so die schwärmerische Expressivität seines D-Dur-Quartetts Nr. 2 voll zur Entfaltung gelangt. Wer also eine klangqualitativ hochwertige SACD-Aufnahme besagter Werke sucht, kann bedenkenlos zugreifen. Allerdings sollte vor dem Kauf die Abspielbarkeit überprüft werden: Dem Rezensenten standen zwei Exemplare zur Verfügung. Beide SACDs jedoch ließen sich auf einem C568 von NAD nicht ganz ohne durch Springen verursachte Störgeräusche abspielen.


Dieser Beitrag hat Ihnen gefallen? Empfehlen Sie ihn weiter!

Ihre Meinung? Kommentieren Sie diesen Artikel

Jetzt einloggen, um zu kommentieren.
Sind Sie bei klassik.com noch nicht als Nutzer angemeldet, können Sie sich hier registrieren.



Detail-Informationen zum vorliegenden Titel:



Cover vergrößern

    Escher String Quartet spielt: Werke von Dvorak, Tschaikowsky und Borodin

Label:
Anzahl Medien:
Veröffentlichung:
BIS Records
1
06.12.2017
Medium:
EAN:

SACD
7318599922805


Cover vergössern

BIS Records

Most record labels begin with a need to fill a niche. When Robert von Bahr founded BIS in 1973, he seems to have found any number of musical niches to fill. The first year's releases included music from the renaissance, Telemann on period instruments, Birgit Nilsson singing Sibelius and works by 29 living composers - Ligeti and Britten as well as Rautavaara and Sallinen - next to Purcell, Mussorgsky and Richard Strauss. A musical chameleon was born, a label that meant different things to different - and usually passionate - devotees.


Mehr Info...


Cover vergössern
Jetzt kaufen bei...
Titel bei JPC kaufen


Weitere Besprechungen zum Label/Verlag BIS Records:

  • Zur Kritik... Der finno-ugrische Prinz: Insgesamt eine überzeugende Interpretation der beiden Bartók-Ballette, denen ein wenig mehr Schmackes jedoch nicht geschadet hätte. Weiter...
    (Dr. Aron Sayed, )
  • Zur Kritik... Bach in Freiberg: Bach, der Orgelkomponist: Von der üppigen Fülle der Toccata über die Formstrenge der Fuge bis zur klangfantastisch farbigen Choralpartita. Masaaki Suzuki macht diese Welt auf der wunderbaren Silbermann-Orgel des Freiberger Doms erfahrbar. Weiter...
    (Dr. Matthias Lange, )
  • Zur Kritik... Eine neue Hoffnung: Episode IV im Mahlerzyklus von Osmo Vänskä und dem Minnesota Orchestra bietet großes Kino mit kleineren Schwächen im Drehbuch. Weiter...
    (Daniel Eberhard, )
blättern

Alle Kritiken von BIS Records...

Weitere CD-Besprechungen von Dr. Aron Sayed:

  • Zur Kritik... Der finno-ugrische Prinz: Insgesamt eine überzeugende Interpretation der beiden Bartók-Ballette, denen ein wenig mehr Schmackes jedoch nicht geschadet hätte. Weiter...
    (Dr. Aron Sayed, )
  • Zur Kritik... Blasser Romeo: Eine Berlioz-Aufnahme, die leider keinen bleibenden Eindruck hinterlässt. Weiter...
    (Dr. Aron Sayed, )
  • Zur Kritik... Nordischer Impressionismus: Oramo kann Lemminkäinen: Sibelius-Fans dürfen aufhorchen. Weiter...
    (Dr. Aron Sayed, )
blättern

Alle Kritiken von Dr. Aron Sayed...

Weitere Kritiken interessanter Labels:

  • Zur Kritik... Besser ungewohnt als traditionell: Mit dem Violinkonzert von Einojuhani Rautavaara scheinen sich die Musiker hier wohler zu fühlen als bei Sibelius. Weiter...
    (Dr. Jürgen Schaarwächter, )
  • Zur Kritik... Unbekanntes aus England: John Eccles und Gottfried Finger waren produktive Komponisten für Schauspielmusiken für das New Theatre Lincoln's Inn in London. Weiter...
    (Dr. Jürgen Schaarwächter, )
  • Zur Kritik... Das alternative Brahms-Erlebnis mit Otto Klemperer: Bevor Otto Klemperer die Brahms-Symphonien für EMI in London im Studio einspielte und damit einen Meilenstein der Brahms-Diskografie schuf, dirigierte er die Vierte 1957 live in München. Jetzt wurde der Mitschnitt neu remastered auf CD veröffentlicht. Weiter...
    (Dr. Kevin Clarke, )
blättern

Alle CD-Kritiken...

Magazine zum Downloaden

NOTE 1 - Mitteilungen (10/2019) herunterladen (3600 KByte) Class aktuell (3/2019) herunterladen (8670 KByte)

Anzeige

Jetzt im klassik.com Radio

Cipriano de Rore: Missa Vivat Felix Hercules & Motets - Plange quasi virgo

CD kaufen


Empfehlungen der Redaktion

Die Empfehlungen der klassik.com Redaktion...

Diese Einspielungen sollten in keiner Plattensammlung fehlen

weiter...


Portrait

 Folkwang Kammerorchester Essen im Portrait Mit Vollgas ins Haus des Teufels
Das Folkwang Kammerorchester Essen ? jung, energiegeladen, hochmusikalisch

weiter...
Alle Interviews...


Sponsored Links

Hinweis:

Mit Namen oder Initialen gekennzeichnete Beiträge geben die Meinung des Verfassers, nicht aber unbedingt die Meinung der Redaktion wieder.

Die Bewertung der klassik.com-Autoren:

Überragend
Sehr gut
Gut
Durchschnittlich
Unterdurchschnittlich