> > > Brahms, Johannes: Sinfonie Nr. 2 & Haydn-Variationen
Mittwoch, 21. August 2019

Brahms, Johannes - Sinfonie Nr. 2 & Haydn-Variationen

Brillant bewegter Brahms


Label/Verlag: BIS Records
Detailinformationen zum besprochenen Titel


Auch bei Brahms gelingt dem eingespielten Team des Schwedischen Kammerorchesters mit Thomas Dausgaard als Ideengeber eine fulminante eigene Lesart: Neben fein abgestimmten Klangmischungen überrascht und begeistert vor allem die Tempi-Regie.

Thomas Dausgaard ist ein Meister der Accelerandi, der genau kalkulierten Tempo-Beschleunigungen. Wie er im Kopfsatz von Johannes Brahms‘ Zweiter Symphonie schon in den Überleitungen der Exposition das Thema sukzessiv anzieht, in lyrischen Themenkomplexen wieder sanft und organisch nachgibt und dann im durchführenden Mittelteil des Satzes mit dem ins Aggressive gesteigerten Tempo eine ungeahnte Gewalt, ja Überwältigung inszeniert, sucht seinesgleichen und würde trotz (oder auch wegen) des schlankeren Gesamtklangs des Schwedischen Kammerorchesters sogar den in solcher Agogik vergleichbarsten ‚Alten‘, nämlich Arturo Toscanini oder Georg Solti, zu höchsten Ehren gereichen. Auch in den irrsinnig ausrastenden Spannungszonen des von Beginn an flüssig und im Lyrischen wiederum berückend einfühlsam inszenierten ‚langsamen‘ Satzes greift dieses ungeheure tempodramaturgische Geschick des Dirigenten. Und die Kontraste im Finale sind – wie die durchgehend feine Phrasierung aller Orchesterstimmen – einfach perfekt getrimmt.

Anders als bei Dausgaards Schumann- oder Beethoven-Zyklen fällt es natürlich schwerer, die bekannte Symphonik durch unbekanntere Nebenwerke zu flankieren, sind doch auch die 'Akademische Festouvertüre', die 'Haydn-Variationen' und 'Ungarischen Tänze' absoluter Repertoirestandard. Thomas Dausgaards eigene Orchestrationen der von Brahms selbst leider unbearbeitet gelassenen 'Ungarischen Tänze' Nr. 5 bis 7 kommen da ebenfalls eher einer rein interpretatorischen Neubelichtung gleich, wobei vor allem der originelle Einsatz und die orchestereigene Virtuosität wirklich aller denkbaren Bläserstimmen überrascht und überzeugt. Zudem trifft Dausgaard mit seiner flexiblen Tempi-Beherrschung überaus einleuchtend eine Art Wiener Idiom dieser klischeegesteuerten Puszta-Mimikry. Und die äußerst flotten, wiederum – auch dank der hervorragenden Klangaufzeichnung der SACD – in ihrer farbenreichen Plastizität mitreißenden Versionen der Haydn-Variationen wie der hier abschließenden statt eröffnenden 'Akademischen Festouvertüre' dürfen wie die Symphonie wirklich aktuellen Referenzstatus beanspruchen.


Dieser Beitrag hat Ihnen gefallen? Empfehlen Sie ihn weiter!

Ihre Meinung? Kommentieren Sie diesen Artikel

Jetzt einloggen, um zu kommentieren.
Sind Sie bei klassik.com noch nicht als Nutzer angemeldet, können Sie sich hier registrieren.



Detail-Informationen zum vorliegenden Titel:



Cover vergrößern

    Brahms, Johannes: Sinfonie Nr. 2 & Haydn-Variationen

Label:
Anzahl Medien:
Veröffentlichung:
BIS Records
1
06.12.2017
Medium:
EAN:
SACD
7318599922539

Cover vergössern

BIS Records

Most record labels begin with a need to fill a niche. When Robert von Bahr founded BIS in 1973, he seems to have found any number of musical niches to fill. The first year's releases included music from the renaissance, Telemann on period instruments, Birgit Nilsson singing Sibelius and works by 29 living composers - Ligeti and Britten as well as Rautavaara and Sallinen - next to Purcell, Mussorgsky and Richard Strauss. A musical chameleon was born, a label that meant different things to different - and usually passionate - devotees.


Mehr Info...


Cover vergössern
Jetzt kaufen bei...
Titel bei JPC kaufen


Weitere Besprechungen zum Label/Verlag BIS Records:

  • Zur Kritik... Chinesische Erinnerungen: Zwei Violinkonzerte zeigen den Komponisten Tan Dun von ganz verschiedenen Seiten. Weiter...
    (Dr. Jürgen Schaarwächter, )
  • Zur Kritik... Meisterliche Mugge: Freunde der romantischen Kammermusik für Klavier und Streicher dürften mit dieser hybriden SACD ihre Freunde haben. Weiter...
    (Dr. Aron Sayed, )
  • Zur Kritik... Glanzvoll und geistvoll: Alexandre und Jean-Jacques Kantorow brillieren mit drei Klavierkonzerten von Camille Saint-Saëns zusammen mit der Tapiola Sinfonietta. Weiter...
    (Dr. Michael Loos, )
blättern

Alle Kritiken von BIS Records...

Weitere CD-Besprechungen von Dr. Hartmut Hein:

  • Zur Kritik... Goldfisch in breitem, kühlem Fluss: Stephen Houghs Repertoirebreite erstaunt immer wieder, insbesondere aufgrund des ganz eigenen Tons, der auch dieser seiner ersten Debussy-Monographie den Wert manch neuer Perspektivik verleiht. Weiter...
    (Dr. Hartmut Hein, )
  • Zur Kritik... Die Kultivierung der Unruhe: Die Bekanntschaft mit Konzertantem für Oboe und Klarinette aus der Feder des gebürtigen Polen Alexandre Tansman fällt in dieser schönen Produktion höchst spannend aus. Weiter...
    (Dr. Hartmut Hein, )
  • Zur Kritik... Immer noch Entdeckungen!: Thierry Fischer und Symphonieorchester aus Utah präsentieren auf ihrer spannenden Saint-Saens-CD das Vorzeige-Repertoire wie auch weniger Bekanntes mit durchaus eigenen Akzenten. Weiter...
    (Dr. Hartmut Hein, )
blättern

Alle Kritiken von Dr. Hartmut Hein...

Weitere Kritiken interessanter Labels:

  • Zur Kritik... Strahlende Vielfalt: So muss man Telemann spielen: gewitzt und wendig, intensiv in den Affekten, flexibel in der Deutung des formalen Rahmens, kundig in der stilistischen Vielfalt. Michael Schneider und La Stagione Frankfurt mit einem beeindruckenden Finale der Reihe. Weiter...
    (Dr. Matthias Lange, )
  • Zur Kritik... Ein Tscheche in Amerika: Jirí Belohlávek bringt mit der Tschechischen Philharmonie Bohuslav Martinus Opernpastorale 'What men live by' und die erste Symphonie zum Leuchten. Weiter...
    (Karin Coper, )
  • Zur Kritik... Klare Diktion: Yu Mi Lee unternimmt auf ihrem Debüt-Album eine fesselnde Reise nach Russland. Weiter...
    (Thomas Gehrig, )
blättern

Alle CD-Kritiken...

Magazine zum Downloaden

NOTE 1 - Mitteilungen (7/2019) herunterladen (2731 KByte) Class aktuell (2/2019) herunterladen (4851 KByte)

Anzeige

Jetzt im klassik.com Radio

Antonín Dvorák: String Quartet B 57 in E major op.80 - Finale. Allegro con brio

CD kaufen


Empfehlungen der Redaktion

Die Empfehlungen der klassik.com Redaktion...

Diese Einspielungen sollten in keiner Plattensammlung fehlen

weiter...


Portrait

Christian Euler im Portrait "Melancholie ist die höchste Form des Cantabile"
Bratschist Christian Euler im Gespräch mit klassik.com über seine Lehrer, seine neueste SACD und seine künstlerische Partnerschaft zum Pianisten Paul Rivinius.

weiter...
Alle Interviews...


Sponsored Links

Hinweis:

Mit Namen oder Initialen gekennzeichnete Beiträge geben die Meinung des Verfassers, nicht aber unbedingt die Meinung der Redaktion wieder.

Die Bewertung der klassik.com-Autoren:

Überragend
Sehr gut
Gut
Durchschnittlich
Unterdurchschnittlich