> > > Bach Tripl3s: Werke von Johann Sebastian Bach
Sonntag, 22. Juli 2018

Bach Tripl3s - Werke von Johann Sebastian Bach

Bach in der virtuosen Gruppe


Label/Verlag: Raumklang
Detailinformationen zum besprochenen Titel


Warum diese Aufnahme von Harmony of Nations seit 2010 unveröffentlicht blieb, ist nicht leicht verständlich: Zu sehr überzeugt das Material, wird der schöne programmatische Ansatz mit exzellentem Spiel nobilitiert.

Die Interaktion mehrerer solistisch hervortretender Instrumente steht im Hochbarock in voller Blüte: Bei Telemann etwa sind allerlei auf den ersten Blick merkwürdig scheinende Konstellationen zu bewundern, die zum Beispiel Blockflöte mit Trompete oder Viola verbinden – was, nebenbei gesagt, auf Grund der instrumententypischen Eigenheiten der Zeit ganz wunderbar funktioniert. Auch Johann Sebastian Bach schrieb für solche Konstellationen, in wechselnden Besetzungen dominiert von Violinen, Cembalo oder in den Brandenburgischen Konzerten auch Mixturen. All das ist erlesene Musik, idiomatisch trotz mancher Umarbeitung und Neuerfindung für andere Soloinstrumente, dazu stupend personalstilistisch geprägt. Eine Festwiese heikler Balancen und geschmackvoll entfalteter, teils eminenter Virtuosität. Dass derart köstliche Konstellationen spätestens nach Haydn und Beethoven weitgehend aufgehört haben zu existieren, ist höchst bedauerlich – attraktiv sind sie, aber vielleicht nicht ganz kompatibel mit der romantisch-raumgreifenden Virtuosengeste.

Auf der aktuellen – das Wort sträubt sich in den tippenden Fingern angesichts des Aufnahmejahrs 2010 – Platte des Ensembles Harmony of Nations ist also ein schönes Bachprogramm zu hören: Die D-Dur-Ouvertüre BWV 1069 in einer frühen Version ohne Trompeten und Pauken, das Brandenburgische Konzert Nr. 3 BWV 1048, das Konzert für Cembalo und zwei Flöten BWV 1057 und die beiden Konzerte für drei solierende Violinen BWV 1063 und 1064.

Frisch und klangfreudig

Das international besetzte Ensemble Harmony of Nations gründeten Musiker des European Union Baroque Orchestra im Jahr 2004. Seitdem hat es auf Tourneen einige Aktivität entfaltet, in Zusammenarbeit mit so illustren Dirigenten wie Lars Ulrik Mortensen, Ton Koopman oder Andrew Manze. Hier spielt es unter der Leitung und mit dem cembalistischen Beitrag von Laurence Cummings. Die Formation agiert mit jugendlicher Frische, expressiv, mit viel Temperament – eindrucksvoll das hohe Niveau der aktuellen Ausbildung der Alten Musik repräsentierend: Sämtliche Instrumentalisten sind stilistisch sattelfest, technisch atemberaubend sicher und zugleich repertoireerfahren.

Natürlich, möchte man sagen, versprüht das Ensemble üppige Klangfreude, aber auch edle lyrische Gesten werden geduldig ausgesponnen. Etliche der Namen sind nicht so bekannt. Das Fagott von Katrin Lazar ist herausragend, auch die Violinen von Huw Daniel, Fani Vovoni, Linda Hannah-Anderson, Johannes Heim oder Clara Mühlethaler zählen zu den Stärken. Und Laurence Cummings gibt in dieser ganz offenkundig inspirierenden Umgebung am Cembalo dem Affen ordentlich Zucker – als Teil eines hochvirtuosen Ensembles.

Das Klangbild ist plastisch gebaut, sehr gut strukturiert, vollkommen klar und balanciert die heiklen Konstellationen höchst gelungen. Im Booklet kommt mit John Butt eine der gewichtigsten angelsächsischen Stimmen zu Bachs Werk in Theorie und Praxis zu Wort und führt luzide ein.

Warum diese Aufnahme von Harmony of Nations seit 2010 unveröffentlicht blieb, ist nicht leicht verständlich: Zu sehr überzeugt das Material, wird der schöne programmatische Ansatz mit exzellentem Spiel nobilitiert.

Interpretation:
Klangqualität:
Repertoirewert: 
Booklet:





Dieser Beitrag hat Ihnen gefallen? Empfehlen Sie ihn weiter!

Ihre Meinung? Kommentieren Sie diesen Artikel

Jetzt einloggen, um zu kommentieren.
Sind Sie bei klassik.com noch nicht als Nutzer angemeldet, können Sie sich hier registrieren.



Detail-Informationen zum vorliegenden Titel:



Cover vergrößern

    Bach Tripl3s: Werke von Johann Sebastian Bach

Label:
Anzahl Medien:
Veröffentlichung:
Raumklang
1
17.11.2017
EAN:

4018767030075


Cover vergössern

Raumklang

Das Label RAUMKLANG wurde 1993 von Sebastian Pank in Leipzig gegründet. Nach wie vor steht der Name Raumklang für ein authentisches Klangerlebnis. Die Aufnahmen entstehen überwiegend mit nur einem Stereo-Kugelflächen-Mikrophon (One-Point-Recording).
Den Schwerpunkt aller RAUMKLANG-Veröffentlichungen bildet die Alte Musik. In jüngster Zeit ergänzt neben experimenteller/zeitgenössischer Musik eine Reihe mit Weltmusik das RAUMKLANG-Programm. Für seine aufwendig produzierten und anspruchsvoll gestalteten CDs mit ausführlichem Begleitheft erhielt RAUMKLANG bereits zahlreiche begehrte Auszeichnungen, darunter "Grand Prix de l'Académie Charles Cros" und den "Diapason 5".
Seit 1998 liegt der Hauptsitz des Labels auf Schloss Goseck in Sachsen Anhalt, auf dem sich in den letzten Jahren das "Europäsiche Musik- und Kulturzentrum" sowie ein Zentrum für Archäologie (7000 Jahre altes Sonnenobservatorium) etabliert haben. Nicht zuletzt aus dieser Verknüpfung ergeben sich zahlreiche Kontakte zu renommierten Künstlern der Alten Musik im In- und Ausland.
Seit 2003 veröffentlicht RAUMKLANG verschiedene Editionen. Jede Edition wird von einem anderen Produzenten herausgegeben und erweitert damit die Vielfalt des Labelrepertoires. So erscheint neben edition raumklang von Sebastian Pank (Schloss Goseck) die marc aurel edition in Köln, gegründet von Aurelius Donath. Aus der Zusammenarbeit mit der berühmten Schola Cantorum Basiliensis (SCB) in Basel hat sich die schola cantorum basiliensis edition ergeben. In dieser Reihe stellt der Produzent Thomas Drescher (stellv. Direktor der SCB) viel versprechende Absolventen aus Basel vor. 2005 entstand aus den engen Kontakten zur Musikstadt Leipzig eine weitere neue Edition: Unter dem Namen edition apollon veröffentlicht nun das international bekannte Vokalesemble "amarcord" seine CDs.


Mehr Info...


Cover vergössern
Jetzt kaufen bei...
Titel bei JPC kaufen


Weitere Besprechungen zum Label/Verlag Raumklang:

  • Zur Kritik... Ideale Konstellation: Wunderbarer Schubert: Noch im harmlosesten kleinen Stückchen sind so viel Witz und stupendes Können zu erleben, dass es sich unbedingt lohnt, das zu hören. Weiter...
    (Dr. Matthias Lange, )
  • Zur Kritik... Einfalls- und abwechslungsreich: Der Hexameter, das Versmaß des Dichters Klopstock, war eine Herausforderung für die Komponisten seiner Zeit. Telemann und Rolle meisterten die besonderen Anforderungen, und Siegfried Pank, seine Solistenriege und das Leipziger Concert, ebenso. Weiter...
    (Thomas Bopp, )
  • Zur Kritik... Musikalische Zeitreise in die Welt Shakespeares: Diese stimmungsvolle Einspielung der Playfords bietet den Zuhörern Unterhaltung auf höchstem Niveau. Die humorvollen Texte, die lebendigen Rhythmen und die ungewöhnlichen Arrangements laden nicht nur zum Hören, sondern auch zum Mitmachen ein. Weiter...
    (Dr. Uta Swora, )
blättern

Alle Kritiken von Raumklang...

Weitere CD-Besprechungen von Dr. Matthias Lange:

  • Zur Kritik... Orpheus auf dem Cembalo: Henry Purcell war auch als Meister des Cembalos eine Hausnummer. In eigensinnigen Spezialitäten wie den Hornpipes manifestieren sich musikantische Unternehmungslust und ein beweglicher Geist vielleicht am schönsten. Weiter...
    (Dr. Matthias Lange, )
  • Zur Kritik... Erlesen: The Sixteen sind unterwegs in erfreulichen Purcell-Erkundungen, die weniger bekanntes Repertoire ins Zentrum rücken und unterstreichen, dass der Komponist ein Meister aller Klassen war. Weiter...
    (Dr. Matthias Lange, )
  • Zur Kritik... Fragile Kunst: Kantaten aus dem riesigen Werk Christoph Graupners vorzustellen, ist wirklich verdienstvoll – Florian Heyerick und seine Ensembles leisten eine wichtige Arbeit. Das klingende Ergebnis überzeugt, auch wenn es mitunter nicht ganz homogen wirkt. Weiter...
    (Dr. Matthias Lange, )
blättern

Alle Kritiken von Dr. Matthias Lange...

Weitere Kritiken interessanter Labels:

  • Zur Kritik... Klingendes Faszinosum: Johannes Hämmerle spielt das gesamte Orgelwerk von Hugo Distler – eine wahre Bereicherung. Weiter...
    (Dr. Aron Sayed, )
  • Zur Kritik... Das Spinnrad läuft von alleine, die Symphonie nicht: Den Kreis aller neun Symphonien von Antonín Dvorak hat Marcus Bosch jetzt mit seiner Staatsphilharmonie Nürnberg geschlossen. Die frühe zweite Symphonie, ein Stiefkind im Repertoire, kommt aber nicht überzeugend daher. Weiter...
    (Dr. Hartmut Hein, )
  • Zur Kritik... Noch ein Nilsson-Windgassen-'Tristan'? Ja!: Dieser 'Tristan' dokumentiert die junge Birgit Nilsson und den hörbar entflammten Wolfgang Windgassen in ihren Paraderollen – einige Jahre, bevor sie als Traumpaar dieses Werks in die Geschichte eingingen. Weiter...
    (Benjamin Künzel, )
blättern

Alle CD-Kritiken...

Magazine zum Downloaden

Class aktuell (2/2018) herunterladen (3463 KByte) NOTE 1 - Mitteilungen (7/2018) herunterladen (3001 KByte)

Anzeige

Jetzt im klassik.com Radio

Antonio Vivaldi: Konzert für Oboe und Fagott in G-Dur, RV 545 - Allegro molto

CD kaufen


Empfehlungen der Redaktion

Die Empfehlungen der klassik.com Redaktion...

Diese Einspielungen sollten in keiner Plattensammlung fehlen

weiter...


Portrait

Isabelle van Keulen im Portrait "Mir geht es vor allem um Zwischentöne"
Isabelle van Keulen im Gespräch mit klassik.com über ihre Position als Artist in Residence der Deutschen Kammerakademie Neuss am Rhein, historische Aufführungspraxis und das Spielen ohne Dirigent.

weiter...
Alle Interviews...


Sponsored Links

Anzeige

Hinweis:

Mit Namen oder Initialen gekennzeichnete Beiträge geben die Meinung des Verfassers, nicht aber unbedingt die Meinung der Redaktion wieder.

Die Bewertung der klassik.com-Autoren:

Überragend
Sehr gut
Gut
Durchschnittlich
Unterdurchschnittlich