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Mittwoch, 23. Mai 2018

Leclair, Jean-Marie - Triosonaten op. 4

Aufgeräumt


Label/Verlag: MDG
Detailinformationen zum besprochenen Titel


Diese vor 25 Jahren zum ersten Mal erschienene Aufnahme war damals die erste Einspielung von Leclairs Triosonaten op. 4 und hat nichts von ihrer Frische verloren.

Wer in sein CD-Regal schaut und unter Jean-Marie Leclair fündig wird, läuft leicht Gefahr, die vorliegende Produktion in einer heute sehr angestaubt wirkenden äußeren Gestaltung anzutreffen. Die Musikproduktion Dabringhaus und Grimm hat nach 25 Jahren (die Aufnahmen entstanden im Januar 1992) nun auch diese Produktion aus den frühen Jahren des Ensembles Musica Alta Ripa neu aufgelegt. Und man darf rechtschaffen erstaunt sein, dass diese Einspielung nichts von ihrer Frische und musikalischen Dichte verloren hat. Es handelt sich offenbar um die älteste von mittlerweile drei Gesamteinspielungen der sechs Triosonaten op. 4 für zwei Violinen und Basso continuo geblieben ist (die anderen entstanden 1997 durch London Baroque für harmonia mundi bzw. 2014 mit dem Ensemble RosaSolis für musica ficta).

Anne Röhrig und Ulla Bundies (Violine) bieten, unterstützt von Guido Lansch (Violoncello), Bernward Lohr (Cembalo) und Ulrich Wedemeier (Theorbe), eine Interpretation, die man getrost auch heute noch als vorbildlich – mehr: als Referenz bezeichnen kann. Jeder der einzelnen Sätze – vom tiefgründigen Adagio oder Largo bis zum kontrapunktischen Allegro oder zur tänzerischen Gavotte oder Gigue – wird musikalisch sorgfältig ausgeformt, ohne auch nur irgendwo ins Formalistische abzugleiten. Wo RosaSolis ins Behäbige abgleiten (wenn auch die Kontrapunktik aufnahmetechnisch kongenial einfangen ist) oder der Violinton bei London Baroque gelegentlich etwas hart wird, gelingt Musica Alta Ripa musikalisch so etwas wie die Quadratur des Kreises. Tempomäßig in etwa zwischen den beiden anderen Einspielungen angesiedelt, ist musikalische Kultiviertheit und emotionale Erfüllung ganz offenkundig zentrales Ziel dieses Ensembles. Auch aufnahmetechnisch vermisst man nicht den ja durchaus legendären Dabringhaus und Grimm-Raumklang – auch im Stereoerleben erhält der Raum (die Fürstliche Reitbahn Arolsen) sein genügendes Recht.

Die so vorbildliche Produktion hat nur ein Manko: Im Booklet fehlt jede Information zu den verwendeten Instrumenten – bei historisch informierter Aufführungspraxis eigentlich eine Selbstverständlichkeit. Auch dass das Coverbild wieder einmal keinen Bildnachweis erhält, beeinträchtigt die editorische Qualität des Booklets – aber nicht im Geringsten die Bedeutung der Produktion an sich. Danke für diese Wiederveröffentlichtung!

Interpretation:
Klangqualität:
Repertoirewert: 
Booklet:





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Detail-Informationen zum vorliegenden Titel:



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    Leclair, Jean-Marie: Triosonaten op. 4

Label:
Anzahl Medien:
Veröffentlichung:
MDG
1
01.01.1995
EAN:

760623042824


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MDG

Die klangrealistische Tonaufnahme

»Den beim Sprechen oder Musizieren entstehenden Schall festzuhalten, um ihn zu konservieren und beliebig reproduzieren zu können, ist eine Idee, die seit langem die Menschen beschäftigte. Waren zunächst eher magische Aspekte im Spiel, die die Phantasie beflügelten wie etwa bei Giovanni deila Porta, der 1598 den Schall in Bleiröhren auffangen wollte, so führte mit fortschreitender Entwicklung naturwissenschaftlichen Denkens ein verhältnismäßig gerader Weg zur Lösung...« (Riemann Musiklexikon)

Seit Beginn der elektrischen Schallaufzeichnung ist der Tonmeister als »Klangregisseur« bei der Aufnahme natürlich dem Komponisten und dem Interpreten, aber auch dem Hörer verpflichtet. Die Mittel zur Tonaufzeichnung sind hinlänglich bekannt. Die Kriterien für ihren Einsatz bestimmt das Ohr. Deshalb für den Hörer hier eine Beschreibung unserer Hörvorstellung.

Lifehaftigkeit

In der Gewißheit, daß der Konzertsaal im Wohnzimmer (leider) nicht realisierbar ist, konzentriert sich unser Bemühen darauf, die Illusion einer Wirklichkeit zu vermitteln. Die Musik soll im Hörraum so wiedererstehen, daß spontan der Eindruck der Unmittelbarkeit entsteht, das lebendige Klanggeschehen mit der ganzen Atmosphäre der »Lifehaftigkeit« erlebt wird. Da wir praktisch ausschließlich menschliche Stimmen und »klassische« Instrumente - auch sie haben ihren Ursprung im Nachahmen der Stimme - aufnehmen, konzentriert sich unsere Klangvorstellung auf natürliche Klangbalance und tonale Ausgeglichenheit im Ganzen, und instrumentenhafte Klangtreue im Einzelnen. Darüber hinaus natürliche, ungebremste Dynamik und genaueste Auflösung auch der feinsten Spannungsbögen. Weitestgehend bestimmend für die Illusion der Lifehaftigkeit ist auch die Ortbarkeit der Klangquellen im Raum: freistehend, dreidimensional, realistisch.

Musik entsteht im Raum

Um diesen »Klangrealismus« einzufangen, ist bei den Aufnahmen von MDG eine natürliche Akustik unbedingte Voraussetzung. Mehr noch, für jede Produktion wird speziell in Hinblick auf die Besetzung und den Kompositionsstil der passende Aufnahmeraum ausgesucht. Anschließend wird »vor Ort« die optimale Plazierung der Musiker und Instrumente im Raum erarbeitet. Dieser ideale »Spielplatz« ermöglicht nun nicht nur die akustisch beste Aufnahme, sondern inspiriert durch seine Rückwirkung die Musiker zu einer lebendigen, anregenden Musizierlust und spannender Interpretation. Können Sie sich die Antwort des Musikers vorstellen auf die Frage, ob er lieber in einem trockenen Studio oder in einem Konzertsaal spielt?

Die Aufnahme

Ist der ideale Raum vorhanden, entscheidet sich der gute Ton an den Mikrofonen - verschiedene Typen mit speziellen klanglichen Eigenheiten stehen zur Auswahl und wollen mit dem Klang der Instrumente im Raum in Harmonie gebracht werden. Ebenso wichtig für eine natürliche Abbildung ist die Anordnung der Mikrofone, damit etwa die richtigen Nuancen in der solistischen Darstellung oder die Kompensation von Verdeckungseffekten realisierbar werden. Das puristische Ideal »nur zwei Mikrofone« kann selten den komplexen Anforderungen einer Aufnahme mit mehreren Instrumenten gerecht werden. Aber egal wie viele Mikrofone verwendet werden: Stellt sich ein natürlicher Klangeindruck ein, ist die Frage nach dem Zustandekommen des »Lifehaftigen« zweitrangig. Entscheidend ist, es klingt so, als wären nur zwei Mikrofone im Spiel.

Ohne irgendwelche »Verschlimmbesserer« wie Filter, Limiter, Equalizer, künstlichen Hall etc. zu benutzen, sammeln wir die Mikro-Wellen übertragerlos in einem puristischen Mischpult und geben das mit elektrostatischem Kopfhörer kontrollierte Stereosignal linear und unbegrenzt an den AD-Wandler und zum digitalen Speicher weiter. Dadurch bleiben auch die feinsten Einschwingvorgänge erhalten. Auf der digitalen Ebene wird dann ohne klangmanipulierende Eingriffe mit dem eigenen Editor in unserem Hause das Band zur Herstellung der Compact Disc für den Hörer erstellt, für Ihr hoffentlich großes Hörvergnügen.


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