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Freitag, 25. Mai 2018

Fuchs, Robert - Sämtliche Streichquartette

Regalfreundlich


Label/Verlag: MDG
Detailinformationen zum besprochenen Titel


Das sich heute vor allem mit zeitgenössischer Musik profilierende Minguet Quartett hat vor mehr als 15 Jahren eine restlos überzeugende, feinsinnige Einspielung der Streichquartette von Robert Fuchs herausgebracht.

Im Jahr 2000 entstand die vorliegende Gesamteinspielung der Streichquartette Robert Fuchs‘ und trug damit wesentlich zur Renaissance des österreichischen Komponisten bei. Nun endlich liegt die Produktion als regalfreundliche Doppel-CD vor, mit den kompletten Booklettexten, allerdings in Anbetracht des günstigen Verkaufspreises verständlicherweise ohne Aktualisierung was etwa die Interpreten angeht (die Nennung der Ensemblewebsite ausgenommen). Das Minguet Quartett, heute dem geneigten Hörer mindestens ebenso bekannt als bedeutender Exponent zeitgenössischer Musik, zeigt sich in der damaligen Besetzung Ulrich Isfort/Annette Reisinger/Irene Schwalb/Matthias Diener in Höchstform. Das ist beseeltes Musizieren in höchster Ausprägung mit vollstimmigem Klang, in dem jedes der vier Instrumente kongenial aufgeht. Was für eine dynamische Feinabstimmung, was für ein gemeinsamer Atem, der doch dem Individuum sein Recht hält, ohne aber (wie das bei mancher neuerer Produktion zu erleben ist) zu einer Vereinzelung der Quartettmitglieder zu führen.

Das Minguet Quartett, das sich bekanntlich auch mit Werken von Josef Suk, Heinrich von Herzogenberg und Felix Mendelssohn Bartholdy diskografisch profiliert hat, nicht nur mit Musik des 20. und 21. Jahrhunderts, überzeugt auch bei diesem selten gespielten Repertoire mit perfektem Stilgefühl, feiner Abstimmung in Klangbalance, Texturenausarbeitung und vielen anderen Parametern des perfekten Kammermusikspiels. Die Dabringhaus und Grimm-Produktionen sind, das sollte man noch erwähnen, nicht in 2+2+2-Technik gemacht worden; so ist auch eine aufnahmetechnische Tiefendimension nicht ganz so mit Händen zu greifen wie bei den SACD-Produktionen des Labels.

Die vier Quartette opp. 58, 62, 71 und 106 entstanden 1895–1903 bzw. 1916; sie alle folgen tradierten Formschemata und mögen die Gattung auch sonst nicht innovativ stark vorantreiben, doch sprechen alle vier Werke eine eigene Sprache, sind also keine Brahms-Kopien oder was man immer gerne unterstellen mag. Ganz natürlich stellen sie sich etwa den Quartetten Herzogenbergs zur Seite, die die Minguets für cpo eingespielt haben. Ob das 'Andante grazioso' des E-Dur-Quartetts op. 58 tatsächlich grazioso und nicht vielmehr stärker zergrübelt-tiefgründig dargeboten wird, mag Geschmackssache sein – jedenfalls kann niemand behaupten, Fuchs‘ Musik sei oberflächliches Geplänkel.

Da ist das späte A-Dur-Quartett op. 106, das im Windschatten Regers zu segeln scheint, fast leichtgewichtiger, wie eine Art wehmütiger Nachgesang zu Fuchs‘ Streicherserenaden, deren letzte die Opuszahl 53 trägt – der Schlusssatz beginnt wie eine fast schwerelose Phantasmagorie vergangener Zeiten, in die sich aber schon bald dunklere Töne mischen, die aber bald wieder mit festem Willen weggewischt werden. Die Komposition wurde erst 1925, zwei Jahre vor Fuchs‘ Tod gedruckt, zu einer Zeit, da diese Art von Musik gänzlich unmodern geworden war. Kein Wunder, dass ihr Komponist schnell der Vergessenheit anheimfiel – bis unter anderem die vorliegende Produktion für die Wiederbelebung des Interesses sorgte.

Interpretation:
Klangqualität:
Repertoirewert: 
Booklet:






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Detail-Informationen zum vorliegenden Titel:



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    Fuchs, Robert: Sämtliche Streichquartette

Label:
Anzahl Medien:
Veröffentlichung:
MDG
2
24.11.2017
EAN:

760623205021


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MDG

Die klangrealistische Tonaufnahme

»Den beim Sprechen oder Musizieren entstehenden Schall festzuhalten, um ihn zu konservieren und beliebig reproduzieren zu können, ist eine Idee, die seit langem die Menschen beschäftigte. Waren zunächst eher magische Aspekte im Spiel, die die Phantasie beflügelten wie etwa bei Giovanni deila Porta, der 1598 den Schall in Bleiröhren auffangen wollte, so führte mit fortschreitender Entwicklung naturwissenschaftlichen Denkens ein verhältnismäßig gerader Weg zur Lösung...« (Riemann Musiklexikon)

Seit Beginn der elektrischen Schallaufzeichnung ist der Tonmeister als »Klangregisseur« bei der Aufnahme natürlich dem Komponisten und dem Interpreten, aber auch dem Hörer verpflichtet. Die Mittel zur Tonaufzeichnung sind hinlänglich bekannt. Die Kriterien für ihren Einsatz bestimmt das Ohr. Deshalb für den Hörer hier eine Beschreibung unserer Hörvorstellung.

Lifehaftigkeit

In der Gewißheit, daß der Konzertsaal im Wohnzimmer (leider) nicht realisierbar ist, konzentriert sich unser Bemühen darauf, die Illusion einer Wirklichkeit zu vermitteln. Die Musik soll im Hörraum so wiedererstehen, daß spontan der Eindruck der Unmittelbarkeit entsteht, das lebendige Klanggeschehen mit der ganzen Atmosphäre der »Lifehaftigkeit« erlebt wird. Da wir praktisch ausschließlich menschliche Stimmen und »klassische« Instrumente - auch sie haben ihren Ursprung im Nachahmen der Stimme - aufnehmen, konzentriert sich unsere Klangvorstellung auf natürliche Klangbalance und tonale Ausgeglichenheit im Ganzen, und instrumentenhafte Klangtreue im Einzelnen. Darüber hinaus natürliche, ungebremste Dynamik und genaueste Auflösung auch der feinsten Spannungsbögen. Weitestgehend bestimmend für die Illusion der Lifehaftigkeit ist auch die Ortbarkeit der Klangquellen im Raum: freistehend, dreidimensional, realistisch.

Musik entsteht im Raum

Um diesen »Klangrealismus« einzufangen, ist bei den Aufnahmen von MDG eine natürliche Akustik unbedingte Voraussetzung. Mehr noch, für jede Produktion wird speziell in Hinblick auf die Besetzung und den Kompositionsstil der passende Aufnahmeraum ausgesucht. Anschließend wird »vor Ort« die optimale Plazierung der Musiker und Instrumente im Raum erarbeitet. Dieser ideale »Spielplatz« ermöglicht nun nicht nur die akustisch beste Aufnahme, sondern inspiriert durch seine Rückwirkung die Musiker zu einer lebendigen, anregenden Musizierlust und spannender Interpretation. Können Sie sich die Antwort des Musikers vorstellen auf die Frage, ob er lieber in einem trockenen Studio oder in einem Konzertsaal spielt?

Die Aufnahme

Ist der ideale Raum vorhanden, entscheidet sich der gute Ton an den Mikrofonen - verschiedene Typen mit speziellen klanglichen Eigenheiten stehen zur Auswahl und wollen mit dem Klang der Instrumente im Raum in Harmonie gebracht werden. Ebenso wichtig für eine natürliche Abbildung ist die Anordnung der Mikrofone, damit etwa die richtigen Nuancen in der solistischen Darstellung oder die Kompensation von Verdeckungseffekten realisierbar werden. Das puristische Ideal »nur zwei Mikrofone« kann selten den komplexen Anforderungen einer Aufnahme mit mehreren Instrumenten gerecht werden. Aber egal wie viele Mikrofone verwendet werden: Stellt sich ein natürlicher Klangeindruck ein, ist die Frage nach dem Zustandekommen des »Lifehaftigen« zweitrangig. Entscheidend ist, es klingt so, als wären nur zwei Mikrofone im Spiel.

Ohne irgendwelche »Verschlimmbesserer« wie Filter, Limiter, Equalizer, künstlichen Hall etc. zu benutzen, sammeln wir die Mikro-Wellen übertragerlos in einem puristischen Mischpult und geben das mit elektrostatischem Kopfhörer kontrollierte Stereosignal linear und unbegrenzt an den AD-Wandler und zum digitalen Speicher weiter. Dadurch bleiben auch die feinsten Einschwingvorgänge erhalten. Auf der digitalen Ebene wird dann ohne klangmanipulierende Eingriffe mit dem eigenen Editor in unserem Hause das Band zur Herstellung der Compact Disc für den Hörer erstellt, für Ihr hoffentlich großes Hörvergnügen.


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