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Dienstag, 9. August 2022

Martinu, Bohuslav - Sämtliche Werke für Cello und Orchester

Voller Effekt


Label/Verlag: MDG
Detailinformationen zum besprochenen Titel


Diese Aufnahme der Werke für Cello und Orchester von Bohuslav Martinu ist aus dem Klang und seinen effektvollen Schattierungen geboren. Die Konzentration auf Details erweist sich als Hindernis für den dramaturgischen Bogen.

Auch wenn Bohuslav Martinůs Cellokonzertwerke nicht gerade zum Kernrepertoire zählen, sind zumindest die beiden Konzerte und das Concertino auf Tonträger doch hinreichend vertreten. Die Neueinspielung dieser drei Werke sowie der Sonata da Camera aus Pilsen braucht sich in Sachen Effekt vor anderen Produktionen nicht zu verstecken – die schnellen Passagen sind teilweise regelrecht explosiv, die expressiven voll großer Emotion. Was vielleicht ein wenig ins Hintertreffen gerät, ist ein echtes Miteinander von Solist und Orchester. Die Aufnahmetechnik platziert Petr Nouzovsky im Vergleich zum Pilsen Philharmonic unnatürlich stark im Vordergrund, so dass die Werke im wahrsten Sinne zu Werken für Solo und Orchester geraten – aber der Dialog zwischen den beiden Partnern bleibt etwas blass.

Teilweise mag dies auch in dem unbedingten Willen aller zu großem Effekt begründet sein: Klang ist alles. Tomás Brauner erkundet die unterschiedlichen Klangfarben der Kompositionen in die Tiefe und verliert sich so gelegentlich etwas im Detail. Dramatische Spannung wird durch dramaturgische Spannung – also eine Art Als-Ob – ersetzt; äußerst gekonnt, aber nicht ganz auf der Höhe, die manch ältere Einspielung aufweisen kann. Wie viel natürlicher die Musik fließen kann, zeigt etwa Raphael Wallfischs Einspielung mit der Tschechischen Philharmonie Prag unter Jiří Bělohlávek (Chandos), bei der überdies beide Konzerte und das Concertino auf eine CD passen. Bei Nouzovský und Brauner sind, wie in neuester Zeit leider häufig anzutreffen, ‚äußerliche Innerlichkeiten‘, das Auskosten des Augenblicks wichtiger als wirklich tiefes Verständnis für die Musik, ihre Struktur, ihren Puls. Natürlich hält Martinůs Musik auch dies aus, aber insgesamt enttäuscht die Neuproduktion so leider doch etwas.

Wenden wir uns darum dem Repertoireaußenseiter zu, der Sonata da Camera für Cello und Kammerorchester aus dem Jahr 1940, die augenscheinlich bislang sonst nur unter dem Uraufführungsdirigenten Václav Neumann auf Tonträger eingespielt wurde. Auch hier überzeugt die Interpretation wegen allzu dichter Mikrofonierung nicht rundum, auch scheint es den Musikern hier an manchen Stellen noch schwerer zu fallen, den rechten Puls der Musik zu finden. Vor allem aber enttäuscht der teilweise fast belanglose Tonfall, den das Orchester an den Tag legt, statt die musikalische Argumention klug zuzuspitzen. So überzeugen insgesamt das Booklet und die Werke an sich mehr als die Interpretation und die aufnahmetechnische Präsentation.

Interpretation:
Klangqualität:
Repertoirewert: 
Booklet:





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    Martinu, Bohuslav: Sämtliche Werke für Cello und Orchester

Label:
Anzahl Medien:
Veröffentlichung:
MDG
2
24.11.2017
Medium:
EAN:

CD
760623204123


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MDG

Die klangrealistische Tonaufnahme

»Den beim Sprechen oder Musizieren entstehenden Schall festzuhalten, um ihn zu konservieren und beliebig reproduzieren zu können, ist eine Idee, die seit langem die Menschen beschäftigte. Waren zunächst eher magische Aspekte im Spiel, die die Phantasie beflügelten wie etwa bei Giovanni deila Porta, der 1598 den Schall in Bleiröhren auffangen wollte, so führte mit fortschreitender Entwicklung naturwissenschaftlichen Denkens ein verhältnismäßig gerader Weg zur Lösung...« (Riemann Musiklexikon)

Seit Beginn der elektrischen Schallaufzeichnung ist der Tonmeister als »Klangregisseur« bei der Aufnahme natürlich dem Komponisten und dem Interpreten, aber auch dem Hörer verpflichtet. Die Mittel zur Tonaufzeichnung sind hinlänglich bekannt. Die Kriterien für ihren Einsatz bestimmt das Ohr. Deshalb für den Hörer hier eine Beschreibung unserer Hörvorstellung.

Lifehaftigkeit

In der Gewißheit, daß der Konzertsaal im Wohnzimmer (leider) nicht realisierbar ist, konzentriert sich unser Bemühen darauf, die Illusion einer Wirklichkeit zu vermitteln. Die Musik soll im Hörraum so wiedererstehen, daß spontan der Eindruck der Unmittelbarkeit entsteht, das lebendige Klanggeschehen mit der ganzen Atmosphäre der »Lifehaftigkeit« erlebt wird. Da wir praktisch ausschließlich menschliche Stimmen und »klassische« Instrumente - auch sie haben ihren Ursprung im Nachahmen der Stimme - aufnehmen, konzentriert sich unsere Klangvorstellung auf natürliche Klangbalance und tonale Ausgeglichenheit im Ganzen, und instrumentenhafte Klangtreue im Einzelnen. Darüber hinaus natürliche, ungebremste Dynamik und genaueste Auflösung auch der feinsten Spannungsbögen. Weitestgehend bestimmend für die Illusion der Lifehaftigkeit ist auch die Ortbarkeit der Klangquellen im Raum: freistehend, dreidimensional, realistisch.

Musik entsteht im Raum

Um diesen »Klangrealismus« einzufangen, ist bei den Aufnahmen von MDG eine natürliche Akustik unbedingte Voraussetzung. Mehr noch, für jede Produktion wird speziell in Hinblick auf die Besetzung und den Kompositionsstil der passende Aufnahmeraum ausgesucht. Anschließend wird »vor Ort« die optimale Plazierung der Musiker und Instrumente im Raum erarbeitet. Dieser ideale »Spielplatz« ermöglicht nun nicht nur die akustisch beste Aufnahme, sondern inspiriert durch seine Rückwirkung die Musiker zu einer lebendigen, anregenden Musizierlust und spannender Interpretation. Können Sie sich die Antwort des Musikers vorstellen auf die Frage, ob er lieber in einem trockenen Studio oder in einem Konzertsaal spielt?

Die Aufnahme

Ist der ideale Raum vorhanden, entscheidet sich der gute Ton an den Mikrofonen - verschiedene Typen mit speziellen klanglichen Eigenheiten stehen zur Auswahl und wollen mit dem Klang der Instrumente im Raum in Harmonie gebracht werden. Ebenso wichtig für eine natürliche Abbildung ist die Anordnung der Mikrofone, damit etwa die richtigen Nuancen in der solistischen Darstellung oder die Kompensation von Verdeckungseffekten realisierbar werden. Das puristische Ideal »nur zwei Mikrofone« kann selten den komplexen Anforderungen einer Aufnahme mit mehreren Instrumenten gerecht werden. Aber egal wie viele Mikrofone verwendet werden: Stellt sich ein natürlicher Klangeindruck ein, ist die Frage nach dem Zustandekommen des »Lifehaftigen« zweitrangig. Entscheidend ist, es klingt so, als wären nur zwei Mikrofone im Spiel.

Ohne irgendwelche »Verschlimmbesserer« wie Filter, Limiter, Equalizer, künstlichen Hall etc. zu benutzen, sammeln wir die Mikro-Wellen übertragerlos in einem puristischen Mischpult und geben das mit elektrostatischem Kopfhörer kontrollierte Stereosignal linear und unbegrenzt an den AD-Wandler und zum digitalen Speicher weiter. Dadurch bleiben auch die feinsten Einschwingvorgänge erhalten. Auf der digitalen Ebene wird dann ohne klangmanipulierende Eingriffe mit dem eigenen Editor in unserem Hause das Band zur Herstellung der Compact Disc für den Hörer erstellt, für Ihr hoffentlich großes Hörvergnügen.


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