> > > Gran Sestetto: Kammermusikwerke von Glinka, Tschaikowsky und Ljapunow
Samstag, 7. Dezember 2019

Gran Sestetto - Kammermusikwerke von Glinka, Tschaikowsky und Ljapunow

Russische Schätze zwischen Intensität und Intimität


Label/Verlag: Es-Dur
Detailinformationen zum besprochenen Titel


Das Fabergé-Quintett und Ulrike Payer begeben sich auf einen Streifzug durch die russische Kammermusik und führen den Hörer in die Sextette von Glinka, Lyapunov und Tschaikowski ein.

Woran denkt man, Bezug nehmend auf die russische Kammermusik des 19. Jahrhunderts, wohl als erstes? An die Gruppe der Fünf? An Streichquartette? Die vorliegende Einspielung verdeutlicht relativ klar, dass man bei Klaviersextetten jedenfalls nicht auf diese Werke von Glinka, Lyapunow und Tschaikowsky verzichten sollte.

Glinka komponierte sein Sextett 1832 in Italien. Es beinhaltet sowohl schwungvoll kraftvolle, opernhafte Passagen als auch sehr lyrische und melancholische Abschnitte, die vielleicht am tiefsten in die ‚russische Seele‘ und den damals aufkommenden Nationalstil einblicken lassen. In den drei Sätzen entsteht öfters das Gefühl, dass es sich bei dieser Komposition eigentlich um ein Klavierkonzert mit kammermusikalischer Streicherbegleitung handelt, aber dieser Umstand erweist sich auf der Einspielung als Glücksfall. Während historischen Berichten zufolge die Pianistin der privaten Uraufführung – Sofia Medici de Marchesi – eher ‚unbefriedigend‘ gespielt haben soll, demonstriert die Pianistin Ulrike Payer, was für ein tolles Potential in diesem Werk steckt. Die opernhafte Virtuosität, die Verzierungen und technischen Herausforderungen meistert sie prachtvoll und verleiht dem Werk speziell im ersten Allegro-Satz einen beachtlichen Glanz.

Das Andante beginnt mit einem sehr melancholisch wirkenden, solistischen Thema im Klavier, das von der Pianistin sehr fein artikuliert und musiziert wird. Doch auch die Übergabe der musikalischen Führung an die Streichinstrumente im Laufe des Stückes stimmen den Hörer mehr als nur zufrieden. Das Fabergé-Quintett präsentiert sich vital und enthusiastisch, interpretiert dynamisch und klanglich feinfühlig und erreicht eine gute Homogenität mit dem Klavier. Speziell im Finalsatz (Allegro con spirito) wird dies deutlich: Die melodische, fugenhafte Abwechslung zwischen dem Klavier und dem Streicherquintett manifestiert sich durch gemeinsame Virtuosität, das gemeinsame Wechselspiel von Impulsivität und Lieblichkeit wird gekonnt miteinander verbunden. Tschaikowskys kurzer Allegro-Satz in c-Moll startet kompositorisch gesehen hingegen sehr impulsiv. Das Fabergé-Quintett und Ulrike Payer bringen agogisch und dynamisch einen guten Elan bzw. feurige Energie mit. Insgesamt dürfte dieses Stück jedoch manchmal ruhig etwas geheimnisvoller und dunkler interpretiert werden.

Das umfangreiche Klaviersextett von Sergei Lyapunow, das als Schlussstück auf dieser Einspielung präsentiert wird, trägt das Potential des Unbekannten: Es ist kompositorisch interessant, aber gleichzeitig auch etwas eklektizistisch und gewöhnungsbedürftig. Lyapunow orientierte sich nach dem ersten Klavierunterricht bei seiner Mutter zunächst am Kreis Balakirews, stand dann jedoch auch unter französischem Einfluss und entwickelte einen nicht leicht kategorisierbaren eigenen Kompositionsstil. Das Sextett, das Lyapunows einziger Beitrag zur Gattung Kammermusik blieb, beginnt mit einer Unisono-Melodie, die in den Streichern extendiert und durch virtuose Einsätze des Klaviers vervollständigt wird. Die Interpreten geben hier ihr Bestes und versuchen in den verhältnismäßig langen Satz eine musikalische Variabilität hineinzubringen, aber kompositorisch wird zwischendurch der Eindruck erhärtet, dass der große einheitsstiftende musikalische Bogen fehlt. Interpretatorisch bezirzen das Fabergé-Quintett und Ulrike Payer zweifelsohne durch intensiven Klang und dem Bemühen, die Intimität einzelner lyrischer Passagen mit der Intensität virtuoser Läufe in Einklang zu bringen. Wirklich mitreißend ist jedoch dann erst das Scherzo: Ulrike Payers Klavierspiel wirkt glockenhaft und Celesta-ähnlich und das Fabergé-Quintett verstärkt diesen Eindruck. Das Nocturne beginnt verklärt und geheimnisvoll und lässt Lyapunow in die Nähe des mitteleuropäischen Impressionismus oder sogar Expressionismus rücken. Das Allegro risoluto eröffnet wiederum andere Klangwelten und lebt von den teilweise solistischen Linien, die fugenhaft miteinander verknüpft werden.

Summa summarum wird auf dieser Einspielung (produziert auf dem Label Es-Dur) eine beifallswürdige Varietät an russischen Klaviersextetten festgehalten, die den Hörer nahezu ins Schwelgen bringt. Auch wenn einzelne Sätze unterschiedlich zu bewerten sind, überwiegt sicherlich die durchwegs glanzvolle Interpretation des Fabergé-Quintettes und der Pianistin Ulrike Payer.


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Detail-Informationen zum vorliegenden Titel:



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    Gran Sestetto: Kammermusikwerke von Glinka, Tschaikowsky und Ljapunow

Label:
Anzahl Medien:
Veröffentlichung:
Es-Dur
1
24.11.2017
Medium:
EAN:

CD
4015372820725


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Es-Dur

ES-DUR ist ein Label für klassische und zeitgenössische Musik mit Sitz in Hamburg. Das Label wurde 1992 zusammen mit dem Label CHARADE vom Tonmeister Eberhard Schnellen gegründet und erwarb sich aufgrund der herausragenden künstlerischen und technischen Qualität der mittlerweile rund 50 Veröffentlichungen schnell einen sehr guten Ruf. Im Frühjahr 2011 übergab Eberhard Schnellen die Führung des Labels in die Hände seiner langjährigen Mitarbeiter Karola Parry und Udo Potratz, beide ebenfalls Tonmeister.

ES-DUR bietet sorgfältig produzierte Editionen wie die Kammermusikreihe mit David Geringas und Tatjana Schatz. Im Rahmen dieser Reihe legte David Geringas im November 2011 mit GERINGAS PLAYS BACH PLUS eine außergewöhnliche Einspielung der Cello-Suiten von J.S.Bach vor, die in der Presse überaus positiv aufgenommen wurde.

Die Reihe MUSIK AM GOTHAER HOF mit der Thüringen Philharmonie Gotha unter Herrman Breuer und bekannten Solisten wie Antje Weithaas, Jens Peter Maintz oder Michael Sanderling reflektiert das reiche musikalische Schaffen der Komponisten vom Gothaer Hof wie Louis Spohr, Georg Anton Benda und Andreas Romberg und wurde in der Fachpresse mit höchstem Lob bedacht.

Der ES-DUR-Katalog repräsentiert den Reichtum und die Vielfalt der Musikgeschichte und Gattungen, großen Raum finden aber auch die spannenden musikalischen Entwicklungen der Gegenwart - der Klang unserer Zeit.


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