> > > From Baroque to Fado: Werke von Palomino, Leite, Pereira, Paredes, Kyao u.a.
Dienstag, 17. September 2019

From Baroque to Fado - Werke von Palomino, Leite, Pereira, Paredes, Kyao u.a.

Ein Konglomerat aus Ursprungssuche und Weitblick


Label/Verlag: Naxos
Detailinformationen zum besprochenen Titel


Die musikalische Reise auf Originalklanginstrumenten bietet ein überraschendes und facettenreiches Programm: Von Bach bis hin zum Oud-Virtuosen Rabih Abou-Khalil werden Spannungen und Brüche, Querverweise und feine Verbindungslinien wahrnehmbar gemacht.

In einer Zeit, in der der Fado mit hoffnungsvollen Vertreterinnen und Vertretern der jüngeren Generation in die großen Häuser Eingang gefunden hat, bringen die auf eine historische Aufführungspraxis spezialisierten Músicos do Tejo eine vielfältige Retrospektive auf die Bühne des Grande Auditório der Fundação Calouste Gulbenkian. Nach den Würdigungen des portugiesischen Komponisten Francisco António de Almeida legt das Ensemble unter der Leitung des Cembalisten Marcos Magalhães den vollständigen Konzertmitschnitt nun ebenfalls bei Naxos vor. Das Projekt 'From Baroque to Fado' soll sich gewissermaßen hörend lesen lassen, in sechs Zusammenschlüssen von meistens drei Stücken offenbaren sich größere Sinnzusammenhänge. Ergründet werden verschiedene Aspekte, die sich als konstituierend für die Musik und ihre Symbolgehalte am westlichsten Punkt der Alten Welt herausgestellt haben, wie die birnenförmige Guitarra Portuguesa, die mittelalterliche Liedsammlung 'Cantigas de Santa Maria' oder die afro-brasilianischen Lunduns und Modinhas: „Ein Panorama der portugiesischen Musiklandschaft, subjektiv und in gewisser Weise anachronistisch, mit Bezugnahmen, die weder offenkundig, noch wissenschaftlich sind“ (Marcos Magalhães).

Besonders klangschön ist die mit acht Minuten längste Titelnummer gelungen: Abou-Khalils 'Soneto de Amor' ist rhythmisch bewegt und stimmungsreich, in chromatischen Melismen schraubt sich der kraftvolle Bariton des renommierten Fadista Ricardo Ribeiro empor, skandiert ungewöhnliche Laute, versinkt in sehnsuchtsverhangener Klage. Wenige Musikstile sind so eng mit den Vorstellungen von nationaler Zugehörigkeit und Identität verquickt, wie der Fado und die 'Portugalidade', dem im Kapitel 'purer Fado' gehuldigt wird. Mit Leidenschaft und federnder Flexibilität überzeugt Ribeiro hier in innigem Zwiegesang mit den Instrumentalisten Miguel Amaral (Guitarra portuguesa) und Marco Oliveira (Viola de Fado) und offenbart einen warmen und zugleich rauen Klang, fragil und fortwährend fließend, mit emotionalem Tiefsinn, aber nicht allzu bedrückend. Ganz andere Töne werden mit dem Barockmeister Francisco António de Almeida (c. 1702-1755) angeschlagen, der seinen Blick musikalisch nach Italien richtete. Zu hören sind Auszüge aus 'Il Trionfo d’Amore' und 'La Spinalba', die das Ensemble mit der herausragenden Sopranistin Ana Quintans bereits vollständig eingespielt hat.

In einer fortwährenden Gegenüberstellung von leichtfüßiger Motorik und lautmalerischen Melodien, von orchestraler Fülle und kammermusikalischer Transparenz, vom musikalischen Erbe der Mauren und dem Einfluss der neapolitanischen Opera buffa, von de Almeida und Amália Rodrigues wird eine atmosphärische Dichte erzeugt, die man als inkonsistent und überladen empfinden mag. Oder auch Verbindendes heraushören kann, in der musikalischen Variabilität und der interpretatorischen Freiheit oral überlieferter Traditionen. Kategorien aufbrechen, „um den Dingen genau zuzuhören“ – in denen in letzter Konsequenz auch größere Fragen mitschwingen. Der Gesang der Hafenstadt, ständig changierend zwischen einem Innen und Außen, dem individuellen Seelenleben, der Inspiration europäischer Hofmusik und dem kolonialen Kulturkontakt. Das Ensemble Os Músicos de Tejo stellt dabei eindrücklich unter Beweis, wie souverän es sich zwischen den Titeln bewegen, empfindsam begleiten und dramatische Akzente setzen kann.

Jasemin Khaleli Kurzkritik von Jasemin Khaleli,


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    From Baroque to Fado: Werke von Palomino, Leite, Pereira, Paredes, Kyao u.a.

Label:
Anzahl Medien:
Veröffentlichung:
Naxos
1
08.12.2017
Medium:
EAN:

CD
747313387571


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Naxos

Als der Unternehmer Klaus Heymann 1982 für seine Frau, die Geigerin Takako Nishizaki in Hongkong das Plattenlabel Marco Polo gründete, war dies der Beginn einer beispiellosen Erfolgsgeschichte. Fünf Jahre später rief Heymann das Label NAXOS ins Leben, das in der Klassikwelt längst zur festen Größe geworden ist und es bis heute versteht, hohe Qualität zu günstigen Preisen anzubieten. Der einzigartige und sich ständig erweiternde Katalog des Labels umfasst mittlerweile über 8.000 CDs mit mehr als 130.000 Titeln - von Kostbarkeiten der Alten Musik über sämtliche berühmten "Klassiker" bis hin zu Schlüsselwerken des 21. Jahrhunderts. Dabei wird der Klassik-Neuling ebenso fündig wie der Klassikliebhaber oder -sammler. International bekannte Künstler wie das Kodály Quartet, die Geigerin Tianwa Yang, der Pianist Eldar Nebolsin und die Dirigenten Marin Alsop, Antoni Wit, Leonard Slatkin und Jun Märkl werden von NAXOS betreut. Darüber hinaus setzt NAXOS modernste Aufnahmetechniken ein, um höchste Klangqualität bei seinen Produktionen zu erreichen und ist Vorreiter in der Produktion von hochauflösenden Blu-ray Audios - Grund genug für das renommierte britische Fachmagazin "Gramophone", NAXOS zum "Label of the Year" 2005 zu küren. Auch im digitalen Bereich nimmt NAXOS eine Vorreiterrolle ein: Bereits seit 2004 bietet das Label mit der NAXOS MUSIC LIBRARY ein eigenes Streamingportal mit inzwischen über 1 Million Titel an und unterhält mit ClassicsOnline zudem einen eigenen Download-Shop.


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