> > > Rachmaninoff, Sergej: Die Glocken & Symphonische Tänze
Montag, 20. Mai 2019

Rachmaninoff, Sergej - Die Glocken & Symphonische Tänze

Ich danke dir, Gott


Label/Verlag: BR-Klassik
Detailinformationen zum besprochenen Titel


Wer Rachmaninow kennt und schätzt, der muss diese neue Einspielung von Mariss Jansons abgöttisch lieben. Zu hören sind zwei der wahren drei Meisterstücke des Komponisten.

Vor allem die Klavierkonzerte von Sergej Rachmaninow gehören für viele Liebhaber des Komponisten neben den Sinfonien zum Non plus ultra. Dem ist zuzustimmen, doch Kenner wissen noch drei Stücke zu nennen, die die mithin zum doch arg Populären neigenden Instrumentalkonzerte, wenn sie auch das Metier Rachmaninows darstellen, an kompositorischer Qualität weit übertreffen. Dabei handelt es sich um die Oper 'Francesca da Rimini' op. 25, um das symphonische Gedicht 'Die Glocken' op. 35 und Rachmaninows letzte Komposition, die 'Symphonischen Tänze' op. 45. (Die 10er Schritte in den Opus-Nummern zwischen diesen Schöpfungen sind reiner Zufall.) Was alle drei Stücke zu etwas Besonderem, mithin Herausragenden macht, ist der Umstand, dass es Rachmaninow gelingt, seinen eigenen Stil jeweils neu zu erfinden - und das in Bezug auf die "Symphonischen Tänze" auch noch im Angesicht des eigenen Endes. Übrigens war der Komponist auch der Meinung, mit den 'Glocken' und den 'Symphonischen Tänzen' Besonderes geschaffen zu haben; er bezeichnete sie selbst als seine besten Werke.

Den 'Glocken' und den 'Symphonischen Tänzen' nehmen sich der Chor und das Symphonieorchester des Bayerischen Rundfunks unter der Leitungen von Mariss Jansons und unterstützt von den Solisten Tatiana Pavlovskaya, Oleg Dolgov und Alexey Markov liebevoll an. Jasons beweist erneut seine große Klasse. Im Umgang mit russischer Musik hat er sich inzwischen viele Meriten erworben. Gerade den langen Schatten, den die 'Symhonischen Tänze' werfen, vermag er rauschhaft wie aber auch farbenreich auszugestalten. Diese Interpretation lässt viele andere weit hinter sich zurück, weil sie um sich selbst kein großes Aufsehen macht.

Die 'Glocken' und die 'Symphonischen Tänze' finden sich durch einen Aspekt miteinander verbunden, nämlich den des Spirituellen und Emotionalen. Damit erklärt sich auch das Zitat im Titel dieser Besprechung. Wie schon erwähnt liegt mit diesem dreisatzigen Werk das letzte des Komponisten vor. Am 29. Oktober 1940, so der schöne Booklet-Text von Larissa Kowal-Wolk, notierte Rachmaniow unter die letzte Seite ‚Ich danke dir, Gott.‘ In dieser Atmosphäre vollbringt Jansons wahre Wunder, was sich besonders am zweiten Satz bemerkbar macht. Selten ist die Mischung von Diabolik und Sentiment so klar und deutlich herausgearbeitet worden wie in dieser Interpretation. Einen großen Verdienst daran haben auch die herausragenden Solisten des Orchesters.

Schwierig ist es hier, den Repertoirewert zu bewerten, denn Hoffnung, Wunsch und Realität klaffen weit auseinander. Volle Punktzhal wären berechtigt, aber gerade die 'Glocken' können sich gegen andere, weitaus bekanntere Werke des Komponisten wohl nie durchsetzen. Die 'Symphonischen Tänze' in dieser Qualität gehören schlicht in jedes CD-Regal, zumal es sich hier um eine Live-Aufnahme handelt, was auch immer das in unseren Zeiten digitaler Bearbeitung auch bedeuten mag. Die Klangqualität ist auf jeden Fall exzellent. Da bleibt nur eine Aufforderung: zugreifen!



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Detail-Informationen zum vorliegenden Titel:



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    Rachmaninoff, Sergej: Die Glocken & Symphonische Tänze

Label:
Anzahl Medien:
Veröffentlichung:
Spielzeit:
Aufnahmejahr:
BR-Klassik
1
30.12.2017
074:19
2016
EAN:
BestellNr.:
Booklet
4035719001549
900154


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Rachmaninoff, Sergej
 - Die Glocken - Symphonische Tänze -


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"Zwei große sinfonische Tondichtungen des russischen Komponisten Sergej Rachmaninow sind auf der neuen CD von BR Klassik zu erleben: das viersätzige symphonische Poem „Die Glocken“ („Kolokola“) op. 35 nach einem Gedicht von Edgar Allan Poe für Solostimmen, Chor und Orchester von 1913, sowie die drei „Symphonischen Tänze“ op. 45 von 1940 – das letzte vollendete Werk des 1943 verstorbenen Komponisten. Rachmaninow beeindruckte die von Konstantin Balmont geschaffene freie Nachdichtung von Poes Gedicht „The Bells“ ungemein: Glocken haben für jeden Russen einen besonderen Stellenwert, da sich ihre Kathedralen durch das prachtvolle Zusammenspiel der Kirchenglocken auszeichnen – ein Hörerlebnis, das auch auf Rachmaninow nachhaltigen Eindruck machte: „Der Klang der Kirchenglocken beherrschte alle russischen Städte, die ich kannte. Sie begleiten jeden Russen von der Kindheit bis zum Tod und kein Komponist konnte sich ihrem Einfluss entziehen.“ In den vier Strophen des Gedichts werden die Klänge von Schlitten-, Hochzeits-, Feuer- und Totenglocken bildreich dargestellt. Die vier Sätze der monumentalsten Tondichtung Rachmaninows bringen die jeweiligen höchst unterschiedlichen Stimmungen meisterhaft zum Klingen. Die „Symphonischen Tänze“ für großes Orchester entstanden 1940 auf Long Island. Sie sind dem Philadelphia Orchestra und seinem damaligen Chefdirigenten Eugene Ormandy gewidmet, die das Werk am 3. Januar 1941 auch uraufführten. Ursprünglich scheint Rachmaninow ein Programm vorgeschwebt zu haben, das die drei Tänze als Mittag, Sonnenuntergang und Mitternacht bezeichnete. Der erste Satz enthält ein Zitat aus seiner (erfolglosen) ersten Symphonie; der zweite soll die Jahre zwischen der Jahrhundertwende und der Russischen Revolution behandeln; der dritte verbindet das „Dies irae“ (symbolisch für den Tod) mit dem „Halleluja“ der orthodoxen Liturgie (für die Auferstehung). Der hoffnungsvolle Lobgesang triumphiert in den letzten von Rachmaninow geschaffenen Takten über das Jüngste Gericht – vielleicht eine Vorahnung seines nahen Todes. Die beiden Meisterwerke, die Rachmaninow als seine besten Kompositionen verstand, wurden in Münchener Konzerten im Herkulessaal der Residenz im Januar 2016 (Die Glocken) und im Januar 2017 (Symphonische Tänze) aufgezeichnet – herausragende Interpretationen von wesentlichsten Kompositionen des symphonischen Repertoires des frühen 20. Jahrhunderts unter Leitung von Mariss Jansons. TATIANA PAVLOVSKAYA, Sopran OLEG DOLGOV, Tenor ALEXEY MARKOV, Bariton CHOR DES BAYERISCHEN RUNDFUNKS Einstudierung: Peter Dijkstra SYMPHONIEORCHESTER DES BAYERISCHEN RUNDFUNKS MARISS JANSONS, Dirigent "


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BR-Klassik

Herausragende Musikaufnahmen der drei Klangkörper des Bayerischen Rundfunks werden unter einer gemeinsamen Marke den Musikfreunden angeboten. Das Label heißt BR-KLASSIK. Zum Start sind acht Tonträger sowie eine DVD am 18. September 2009 veröffentlicht worden. Mittlerweile umfasst der gesamte Katalog über 70 Aufnahmen.

Das Symphonieorchester des Bayerischen Rundfunks, das Münchner Rundfunkorchester und der Chor des Bayerischen Rundfunks genießen sowohl in der Region als auch international einen außergewöhnlichen Ruf in Bezug auf Qualität, künstlerische Kreativität und die Vermittlung von klassischer Musik. Im Konzertsaal und in Hörfunk- und Fernsehübertragungen sind die drei Klangkörper regelmäßig zu hören. Herausragende Konzerte, besonders gelungene Interpretationen und selten zu hörende Werke werden nun unter der gemeinsamen Marke BR-KLASSIK auf dem hauseigenen Label dokumentiert.

Das CD-Label BR-KLASSIK ist organisatorisch bei der BRmedia Service GmbH angesiedelt, dem für die Zweitverwertungen zuständigen Tochterunternehmen des Bayerischen Rundfunks, und wird von Stefan Piendl als Label-Manager geleitet. Mit ihm und Peter Alward als A&R-Consultant konnte der Bayerische Rundfunk zwei erfolgreiche, externe Experten mit umfassender, internationaler Erfahrung für die Mitwirkung an seinem neuen Label BR-KLASSIK gewinnen.

Als logische und konsequente Fortsetzung der Surround-Sound-Offensive im Hörfunkprogramm von Bayern 4 Klassik, das ausgewählte Sendungen im Mehrkanalton und mit erhöhter Datenrate überträgt, werden auch die Tonträger-Veröffentlichungen des Öfteren als audiophile SACD produziert. Die Hybrid-SACD-Tonträger lassen sich als herkömmliche CD abspielen, enthalten aber auch eine Stereo-Spur im hochauflösenden DSD-Format sowie eine Mehrkanal-Fassung in 5.0 bzw. 5.1-Surround.

In der Reihe BR-KLASSIK ARCHIVE bringt das Symphonieorchester des Bayerischen Rundfunks historische Aufnahmen des Labels zu Gehör. Z.B. war an zwei denkwürdigen Konzertabenden die Pianistin Martha Argerich zu Gast, 1973 unter Leitung von Eugen Jochum mit Mozarts Klavierkonzert KV 456 sowie zehn Jahre später mit Beethovens Klavierkonzert Nr. 1 unter Seiji Ozawa.

Im Vertrieb werden die Neuerscheinungen von BR-KLASSIK weltweit durch NAXOS betreut. Damit ist eine bestmögliche Präsenz auf allen wichtigen internationalen Märkten gewährleistet. Neue Aufnahmen werden im Highprice-Segment veröffentlicht, die CDs der ARCHIVE- und WISSEN-Serie auf Midprice. Zu einer modernen Vertriebsstruktur gehört selbstverständlich auch die Möglichkeit des digitalen Downloads über Musikportale wie iTunes, Musicload u.a.. Auch dieser Vertriebsweg wird über die Firma NAXOS erschlossen. Die Naxos Music Library präsentiert zudem für Universitäten und öffentliche Bibliotheken via Internet einen ständig wachsenden Katalog mit Tausenden von Titeln weltweit führender Labels. Studenten, Lehrpersonal und andere Benutzer können sich jederzeit einloggen und in der Bibliothek, im Hörsaal, im Studentenwohnheim, im Büro oder zu Hause das komplette Repertoire abrufen - auch die Aufnahmen von BR-KLASSIK.


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