> > > Saint-Saens, Camille: Werke für Violine und Orchester
Samstag, 15. Juni 2019

Saint-Saens, Camille - Werke für Violine und Orchester

Siebenmal Saint-Saëns für Sologeige und Orchester


Label/Verlag: Naxos
Detailinformationen zum besprochenen Titel


Die Geigerin Tianwa Yang und das Malmö Symphony Orchestra gefallen mit Camille Saint-Saëns.

Gleich sieben kantable Kleinodien der Violinmusik auf einen Streich bannt die neue Platte von Tianwa Yang (Violine) gemeinsam mit dem Malmö Symphony Orchestra (Leitung: Marc Soustrot) auf ihrer jüngsten Naxos-CD. Geigenliebhaber – und nicht nur solche – kommen hier voll auf ihre Kosten, besonders, weil auch die seltener zu hörenden Werke des 1835 in Paris geborenen Wunderkindes Camille Saint-Saëns in höchster Qualität zu erleben sind.

Da ist zum Beispiel 'La Muse et le Poète' op. 132 (1910) zu hören, bei der Gabriel Schwabe (Violoncello) den mit der Violine agierenden Solopart übernommen hat. Die beiden Solisten schwelgen – nach geheimnisumwitterter, verträumter Introduktion – im Glücke und die anfangs zarte, völlig verhaltene Musik entwickelt hier nach und nach eine selten zu hörende dramatische Komponente. Yangs Violin-Ton ist dabei immer gülden-leuchtend; Schwabe unterfüttert diesen am Cello mit Sonorität und Fundament. Die Girlanden der Verzierungen in der Violine bezeugen das große artistische Know-How der Interpretin, während Schwabe mit lyrischen Kantilenen punktet. Vielleicht sollten die beiden in Zukunft einmal das Brahms-Doppelkonzert in Angriff nehmen! Mit fast 17 Minuten Dauer ist dieses späte Opus des 75-Jährigen Saint-Saëns von himmlischer Länge und erreicht symphonisches Gepräge, zumindest verhakeln sich die Stimmen im Verlauf des Satzes zunehmend zu fulminanter Kontrapunktik, die nur vom gelegentlich aufbrausenden Zwischenspiel (mit wuchtigem Harfensound) der Malmöer Orchestermusiker angefochten wird. Insgesamt ein Stück echter, brillanter Romantik. Und das noch im Jahr 1910!

Das Herz erwärmen

Ganz zu Anfang hatte die Geigerin mit chinesischen Wurzeln die eher unbekannte 'Caprice andalou' op. 122 (1904) vorgestellt. Auch hier tritt ihr an Sarasate (Gesamtaufnahme aller Werke bei Naxos!) geschultes spanisches Musizierfeuer zu Tage. Technisch zeigt sie auch hier makellose Brillanz und höchste Fingerfertigkeit in Oktaven und Sechzehnteln. Aber sie kann auch auf der Geige singen und das Herz erwärmen, was ihr über manch andere asiatischen Musikerinnen und Musikern deutliche Überlegenheit verschafft. Immerhin ist sie lange Zeit in Deutschland ausgebildet worden.

Die Romanze C-Dur op. 48 ist ein früheres Werk und zeigt Tianwa Yang meisterlich mit viel Kantilene und warmem Vibrato. Das Orchester gefällt hier mit dynamisch zurückgenommenem Sound und tollem Rubato. Da ist viel Eleganz im Spiel. Seidig klingt hier die wundervoll timbrierte Guarneri del Gesù von 1730, die Yang freundlicherweise von Kei Mei Rin (Rin Collection) aus Singapore geliehen wird. Im 'Morceau de concert' in G-Dur op. 62 demonstriert die Solistin noch einmal mehr ihre außergewöhnliche Technik und musikalische Reife, doch fehlt dem Werk die zündende Komponente, zumindest was die Komposition betrifft. Zuviel werden hier Schlangenlinien und virtuose Spezereien aneinandergereiht, so dass der Gehalt unterm Strich etwas dürftig erscheint, was ja bei Gelegenheitswerken manchmal der Fall ist. Einen größeren Berühmtheitsgrad erlangte die 'Havanaise' E-Dur op. 83. Gerade hier ist Tianwa Yangs Spiel aber ein wenig nüchtern und motorisch ausgeprägt, natürlich professionell, aber eben nicht magisch. Ihr Tempo – nicht nur im raschen Teil – ist auch recht flott gewählt. Der Klang dieser Aufnahme aus dem Konzerthus Malmö (August 2014) fokussiert nicht die Violine total, sondern stellt einen Balanceakt zwischen Orchester und Solistin her.

Dagegen wirkt die Romanze in D-Dur op. 37 noch als frisches Werk der mittleren Schaffensperiode: Sprich, sie kommt viel klassischer daher, schlanker im Tonsatz, wenngleich auch nicht weniger virtuos in ihrer Anlage. Sie ist mit rund fünfeinhalb Minuten Dauer das kürzeste Werk der Kette, weniger populär im Konzertsaal, aber auch sehr liebenswert ausgeführt. Das betrifft sowohl die Komposition, wie die vorliegende musikalische Umsetzung, deren Version die Skandinavier mit symphonischer Klasse und natürlichem nordischen Pathos musizieren. Aber warum hier in einem langsamen Satz das Vibrato so übermäßig aufgeregt daher kommen muss, ist nicht geklärt. Die Klangfarbenwahl der Solistin könnte in diesem Stück auch noch mehr variieren.

Gewisse Glätte

Schlussendlich bleibt nur noch das wohlbekannte 'Introduction et Rondo capriccioso' op. 28 übrig, welches die Künstlerin wohlweislich und stimmig an den Schluss ihrer neuen CD setzt. So bleibt sie dem Publikum in bester Erinnerung. Allerdings gelingen ihr auch hier die Dualismen von melodiöser Kantilene einerseits und rhythmisch-exaktem Spiel andererseits nicht makellos. Ihr Spiel hat da eine gewisse Glätte, die dem Werk die Aura wenn nicht nimmt, so doch wenigstens schmälert. Da fehlt noch ein bisschen intensiveres Hineinlangen in die Saiten an mancher Passage und natürlich das bisweilen überraschende Moment. So wirkt ihr Hineingleiten in die Reprise ein bisschen zu plump. Auch erreicht das Tempo vor der und zur Coda seine ausführbare Obergrenze. Hier bitte noch ein Zipferl Wiener Charme beimengen, sonst geht die französisch-spanische Eleganz verloren.


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Detail-Informationen zum vorliegenden Titel:



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    Saint-Saens, Camille: Werke für Violine und Orchester

Label:
Anzahl Medien:
Veröffentlichung:
Naxos
1
10.11.2017
EAN:

730099139236


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Saint-Saens, Camille


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Naxos

Als der Unternehmer Klaus Heymann 1982 für seine Frau, die Geigerin Takako Nishizaki in Hongkong das Plattenlabel Marco Polo gründete, war dies der Beginn einer beispiellosen Erfolgsgeschichte. Fünf Jahre später rief Heymann das Label NAXOS ins Leben, das in der Klassikwelt längst zur festen Größe geworden ist und es bis heute versteht, hohe Qualität zu günstigen Preisen anzubieten. Der einzigartige und sich ständig erweiternde Katalog des Labels umfasst mittlerweile über 8.000 CDs mit mehr als 130.000 Titeln - von Kostbarkeiten der Alten Musik über sämtliche berühmten "Klassiker" bis hin zu Schlüsselwerken des 21. Jahrhunderts. Dabei wird der Klassik-Neuling ebenso fündig wie der Klassikliebhaber oder -sammler. International bekannte Künstler wie das Kodály Quartet, die Geigerin Tianwa Yang, der Pianist Eldar Nebolsin und die Dirigenten Marin Alsop, Antoni Wit, Leonard Slatkin und Jun Märkl werden von NAXOS betreut. Darüber hinaus setzt NAXOS modernste Aufnahmetechniken ein, um höchste Klangqualität bei seinen Produktionen zu erreichen und ist Vorreiter in der Produktion von hochauflösenden Blu-ray Audios - Grund genug für das renommierte britische Fachmagazin "Gramophone", NAXOS zum "Label of the Year" 2005 zu küren. Auch im digitalen Bereich nimmt NAXOS eine Vorreiterrolle ein: Bereits seit 2004 bietet das Label mit der NAXOS MUSIC LIBRARY ein eigenes Streamingportal mit inzwischen über 1 Million Titel an und unterhält mit ClassicsOnline zudem einen eigenen Download-Shop.


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