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Freitag, 20. April 2018

Schostakowitsch, Dmitri - The Gadfly

Filmmusik vom Feinsten


Label/Verlag: Naxos
Detailinformationen zum besprochenen Titel


Mit ihrer Ersteinspielung der Musik zum Film 'The Gadfly' zeigen die hier beteiligten Musiker mit bemerkenswerter Qualität und hörbarer Spielfreude, dass Schostakowitsch auch auf dem Gebiet der Unterhaltungsmusik ein Meister seines Fachs war.

Die bekannte Redewendung, jemand sei ein Buch mit sieben Siegeln, trifft auf wenige Komponisten so sehr zu wie auf Dmitri Schostakowitsch. Ebenso schillernd, vielfältig und nicht selten widersprüchlich wie seine Persönlichkeit stellt sich auch sein kompositorisches Werk dar. Kaum dass man den Eindruck gewinnt, den Komponisten stilistisch einordnen zu können, zeigt er sich wieder von einer anderen Seite. Da seine Musik sich jedoch des öfteren bizarr und skurril anmutet, aber dabei nie ins völlig Fremdartige oder gar Unverständliche abdriftet, entpuppt sich dieses musikalische Wechselbad als ausgesprochen spannendes und bereicherndes Hörerlebnis.

Steckenpferd Filmmusik

Gerade wer Schostakowitsch bisher in erster Linie von seiner ernsthaften Seite kennengelernt hat, deren melancholisches, oft tragisches Gesicht besonders in seinen Sinfonien und Streichquartetten zum Vorschein kommt, wird hier eine völlig neue Facette seiner Musik entdecken, die ihre ganz eigene Faszination ausübt. Dass Schostakowitsch sich als Filmmusikkomponist ausgesprochen wohl gefühlt haben muss, dürfte niemanden wundern, der einen Blick in seine Biografie geworfen hat. Wer lange Jahre sein Geld damit verdient hat, die Klavierbegleitung zu Stummfilmen zu übernehmen, kennt das Genre so gut, dass er später entweder genug davon hat oder sich selbst daran versucht, eigene Musik dafür zu schreiben. Schostakowitsch hat sich - zum Glück für die Zuhörerschaft - für die zweite Möglichkeit entschieden und zeit seines Lebens immer wieder Filmmusik geschrieben, nicht nur in jungen Jahren, sondern auch als reifer Komponist. Eine Kostprobe bemerkenswerter Qualität und musikalischer Hingabe liefert die Aufnahme der Deutschen Staatsphilharmonie Rheinland-Pfalz unter der Leitung von Mark Fitz-Gerald, die 2017 beim Label Naxos auf CD veröffentlicht wurde und die Plattensammlung jedes Schostakowitsch-Fans bereichern wird.

Abwechslungsreich und farbenfroh

Der Film ‚The Gadfly‘ (im Deutschen oft mit dem Titel ‚Die Stechfliege‘ oder ‚Die Hornisse‘ übersetzt) entstand im Jahr 1955. Die Geschichte erzählt von einem jungen italienischen Freiheitskämpfer, der seine Liebe und letztlich auch sein Leben opfert, um sein Land zu befreien: ein brisantes politisches Thema, das mit all seinen dramatischen und tragischen Aspekten einen wunderbaren Stoff für eine abwechslungsreiche und vielschichtige Filmmusik liefert. Von Anfang an ist man mitgerissen vom Sog der Musik, die sämtliche Ereignisse und Gefühlswendungen des jungen Helden geradezu hautnah miterleben lässt. Neben der kraftvollen Energie, mit der die Musiker bereits in der Ouvertüre aufwarten, sind es aber besonders die zarten, empfindsamen Töne, die sich dem Ohr des Zuhörers einprägen, zumal der hohe emotionale Wert des Films, der neben dem politisch gefärbten Inhalt natürlich auch eine Liebesgeschichte enthält, eine entscheidende Rolle spielt.

Innerhalb der vielen musikalischen Facetten ist neben den dramatischen und romantischen Klängen ein weiterer Bereich hervorzuheben, der Schostakowitsch in besonderer Weise auszeichnet und seine Musik generell prägt: die Vorliebe für Tänze und die Neigung zur Verfremdung bzw. Karikierung bekannten Materials. Hierzu gehört beispielsweise ein skurriler Marsch von Trommeln und Piccoloflöten, der sämtliche Ernsthaftigkeit dieses Genres ins Lächerliche zieht. Von komplett anderer Qualität sind dagegen die mitreißenden Melodien, die vorrangig unter italienisch-nationalem Idiom stehen, wie z.B. die kurze, aber charakteristische 'Tarantella'. Wenn schließlich im 'Bazar' ein schieres Feuerwerk der übermütigsten und ausgelassensten Melodien erklingt, kann der Zuhörer nur mitmaßen, wer letztlich das größere Vergnügen verspürt hat: Schostakowitsch beim Komponieren, die Musiker beim Interpretieren - oder er selbst beim Zuhören.

Alles in allem zeigt diese gelungene Ersteinspielung, dass Schostakowitschs Filmmusik nicht weniger Anerkennung gebührt als seinen Sinfonien und Kammermusikwerken. Würden all seine Filmmusiken mit soviel spieltechnischer Perfektion, künstlerischer Stimmigkeit und musikalischer Liebe zum Detail eingespielt, könnte dies stark zur Aufwertung eines Genres beitragen, das oft zu Unrecht als Unterhaltungsmusik belächelt wird.

Interpretation:
Klangqualität:
Repertoirewert: 
Booklet:





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Detail-Informationen zum vorliegenden Titel:



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    Schostakowitsch, Dmitri: The Gadfly

Label:
Anzahl Medien:
Veröffentlichung:
Naxos
1
10.11.2017
EAN:

747313374779


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Schostakowitsch, Dimitri


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Naxos

Als der Unternehmer Klaus Heymann 1982 für seine Frau, die Geigerin Takako Nishizaki in Hongkong das Plattenlabel Marco Polo gründete, war dies der Beginn einer beispiellosen Erfolgsgeschichte. Fünf Jahre später rief Heymann das Label NAXOS ins Leben, das in der Klassikwelt längst zur festen Größe geworden ist und es bis heute versteht, hohe Qualität zu günstigen Preisen anzubieten. Der einzigartige und sich ständig erweiternde Katalog des Labels umfasst mittlerweile über 8.000 CDs mit mehr als 130.000 Titeln - von Kostbarkeiten der Alten Musik über sämtliche berühmten "Klassiker" bis hin zu Schlüsselwerken des 21. Jahrhunderts. Dabei wird der Klassik-Neuling ebenso fündig wie der Klassikliebhaber oder -sammler. International bekannte Künstler wie das Kodály Quartet, die Geigerin Tianwa Yang, der Pianist Eldar Nebolsin und die Dirigenten Marin Alsop, Antoni Wit, Leonard Slatkin und Jun Märkl werden von NAXOS betreut. Darüber hinaus setzt NAXOS modernste Aufnahmetechniken ein, um höchste Klangqualität bei seinen Produktionen zu erreichen und ist Vorreiter in der Produktion von hochauflösenden Blu-ray Audios - Grund genug für das renommierte britische Fachmagazin "Gramophone", NAXOS zum "Label of the Year" 2005 zu küren. Auch im digitalen Bereich nimmt NAXOS eine Vorreiterrolle ein: Bereits seit 2004 bietet das Label mit der NAXOS MUSIC LIBRARY ein eigenes Streamingportal mit inzwischen über 1 Million Titel an und unterhält mit ClassicsOnline zudem einen eigenen Download-Shop.


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