> > > Bruckner, Anton: Sinfonie Nr. 6
Freitag, 18. Januar 2019

Bruckner, Anton - Sinfonie Nr. 6

Explosive Sprengkraft


Label/Verlag: BR-Klassik
Detailinformationen zum besprochenen Titel


Altmeister Bernard Haitink führt mit all seiner Routine vor, wie guter Bruckner geht.

Bruckners ‚Sechste‘ präsentiert das Symphonieorchester des Bayerischen Rundfunks auf dieser beim hauseigenen Label erschienenen CD. Vom 04./05.05.2017 datiert der Live-Mitschnitt, am Pult in der Münchner Philharmonie im Gasteig stand damals Altmeister Bernard Haitink, der dem Klangkörper bis heute verbunden geblieben und mit ihm an gleicher Stelle – auch in diesem Jahr – seither immer wieder aufgetreten ist.

Unter Strom

Genügend Gelegenheit, sämtliche Klangregister zu ziehen, bietet schon der Kopfsatz. Mit kluger Dosierung macht Haitink davon Gebrauch und treibt den ‚Maestoso‘-Charakter im wohlmeinenden Sinn dynamisch gekonnt auf die Spitze. Die straffe Rhythmisierung besitzt intensive Binnenspannung, die formal ausufernde Satzstruktur wirkt nicht in die Länge gezogen, sondern bleibt kontinuierlich unter Strom. Das typische ‚Bruckner-Blech‘ funkelt strahlend, sein oftmals jähes Aufblitzen verfehlt die explosive Sprengkraft der Partitur nicht. Die vorgeschriebene Feierlichkeit im Adagio trägt das Orchester mit würdevoller Ästhetik zur Schau. Auch die leisen, von fein aufeinander abgestimmten Holzbläsern durchsetzten Töne behandelt Haitinks Dirigat mit ausgeprägtem Sinn für subtile klangliche Übergänge, die bis ins quasi im Nichts verebbende Pianissimo führen. Aus den emotionalen Aufwallungen könnte man in diesem Satz hier und da etwas mehr herausholen, auch im Anfangsteil des Scherzo wäre dynamisch noch Luft nach oben.

Perfekte Symbiose 

Auf den musikalischen Punkt bringt Haitink dagegen wiederum das Trio. Warme, samtweiche Streicher gehen eine perfekt kontrastierende Symbiose mit den jagdartigen Horn-Fanfaren ein. Klanglich aus dem Vollen schöpfen kann das Orchester nochmals im Finale: Die abrupten Pausen mit ihrer Transformation in die rhythmisch tänzelnden Passagen stellt Haitink gekonnt heraus, die Pizzicato-Takte in den Streichern erhalten eine tiefenscharf pulsierende Aura. Alles in allem beweist er, weshalb er sich seine Reputation als einer der Spezialisten für romantisches Repertoire erworben hat. Mit all seiner geballten jahrzehntelangen Erfahrung lässt er die Partitur in ihrer Gesamtheit vom voluminösen Großen bis ins auf engstem Raum innehaltende Kleine in dezidierten Klangfarben leuchten. Die Instrumentengruppen bleiben gegenüber einander stets stimmlich gut ausbalanciert und durchhörbar.

Hätte Bruckner diese Interpretation im Ganzen erlebt – er wäre sicherlich ebenso zufrieden gewesen wie mit der Aufführung der beiden Mittelsätze, die er zu Lebzeiten als einzige lediglich hörte. Mit wissenswerten Informationen zu Werk und Rezeptionsgeschichte wartet das Booklet auf, die gewohnt gute Klangqualität der BR-Produktionen rundet das rückwirkend erlebbare Live-Erlebnis ab.


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Detail-Informationen zum vorliegenden Titel:



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    Bruckner, Anton: Sinfonie Nr. 6

Label:
Anzahl Medien:
Veröffentlichung:
Spielzeit:
Aufnahmejahr:
BR-Klassik
1
27.10.2017
055:15
2017
EAN:
BestellNr.:
Booklet
4035719001471
900147


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Bruckner, Anton


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"Lange Zeit galt die sechste Symphonie (neben der zweiten) als Stiefkind unter den gewaltigen Symphonien Anton Bruckners, obgleich er sie selbst launig als seine „keckste“ bezeichnet hatte: die sechste – die keckste! Dies hat sich im Lauf der Jahrzehnte hinsichtlich der Aufführungszahlen und Tonträgeraufnahmen deutlich gewandelt; das Werk hat sich mittlerweile einen festen Repertoireplatz erobert. Die sechste Symphonie gehört mit hinein in den Schaffensprozess der beiden vorangegangenen Symphonien, der „romantischen“ vierten (1874/1880) und der fünften (1875), und sie wird mittlerweile als wichtige Vorstufe zu jenem letzten großen Aufschwung verstanden, den Bruckner ab der Schöpfung seines „Te Deum“ (dessen erste Entwürfe er 1881 niederschrieb) mit seinen letzten Symphonien – der siebten, achten und neunten – in erhabener Größe erreichte. Insbesondere das „sehr feierliche“ Adagio der sechsten Symphonie zeigt seinen Modellcharakter für das später komponierte und berühmt gewordene Adagio der siebten Symphonie. Bruckner arbeitete an seiner sechsten Symphonie in A-Dur (WAB 106) zwischen dem 24. September 1879 und dem 3. September 1881. Zu seinen Lebzeiten konnte er das komplette Werk nur einmal in einer Orchesterprobe hören, denn bloß die beiden Mittelsätze (Adagio und Scherzo) wurden am 11. Februar 1883 öffentlich im Konzertsaal des Wiener Musikvereins gespielt. Eine erste Gesamtaufführung der Symphonie folgte erst am 26. Februar 1899 – zweieinhalb Jahre nach dem Tod des Komponisten; es dirigierte Gustav Mahler, der aber Eingriffe an der Partitur vorgenommen hatte und sie nur stark gekürzt präsentierte. Bruckners Fassung erster Hand erklang am 14. März 1901 in Stuttgart und es sollte noch bis zum 9. Oktober 1935 dauern, bis die sechste Symphonie zum ersten Mal so erklang, wie es Bruckners Originalpartitur vorschreibt. Das Münchener Konzertereignis vom Mai 2017 erscheint nun bereits bei BR Klassik als CD – die herausragende Interpretation einer der wesentlichsten Kompositionen des symphonischen Repertoires der Spätromantik in einer mustergültigen Interpretation unter Leitung von Bernard Haitink. Live-Aufnahme München, Philharmonie im Gasteig , 04./05.05.2017 Symphonieorchester des Bayerischen Rundfunks Bernard Haitink, Dirigent"


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BR-Klassik

Herausragende Musikaufnahmen der drei Klangkörper des Bayerischen Rundfunks werden unter einer gemeinsamen Marke den Musikfreunden angeboten. Das Label heißt BR-KLASSIK. Zum Start sind acht Tonträger sowie eine DVD am 18. September 2009 veröffentlicht worden. Mittlerweile umfasst der gesamte Katalog über 70 Aufnahmen.

Das Symphonieorchester des Bayerischen Rundfunks, das Münchner Rundfunkorchester und der Chor des Bayerischen Rundfunks genießen sowohl in der Region als auch international einen außergewöhnlichen Ruf in Bezug auf Qualität, künstlerische Kreativität und die Vermittlung von klassischer Musik. Im Konzertsaal und in Hörfunk- und Fernsehübertragungen sind die drei Klangkörper regelmäßig zu hören. Herausragende Konzerte, besonders gelungene Interpretationen und selten zu hörende Werke werden nun unter der gemeinsamen Marke BR-KLASSIK auf dem hauseigenen Label dokumentiert.

Das CD-Label BR-KLASSIK ist organisatorisch bei der BRmedia Service GmbH angesiedelt, dem für die Zweitverwertungen zuständigen Tochterunternehmen des Bayerischen Rundfunks, und wird von Stefan Piendl als Label-Manager geleitet. Mit ihm und Peter Alward als A&R-Consultant konnte der Bayerische Rundfunk zwei erfolgreiche, externe Experten mit umfassender, internationaler Erfahrung für die Mitwirkung an seinem neuen Label BR-KLASSIK gewinnen.

Als logische und konsequente Fortsetzung der Surround-Sound-Offensive im Hörfunkprogramm von Bayern 4 Klassik, das ausgewählte Sendungen im Mehrkanalton und mit erhöhter Datenrate überträgt, werden auch die Tonträger-Veröffentlichungen des Öfteren als audiophile SACD produziert. Die Hybrid-SACD-Tonträger lassen sich als herkömmliche CD abspielen, enthalten aber auch eine Stereo-Spur im hochauflösenden DSD-Format sowie eine Mehrkanal-Fassung in 5.0 bzw. 5.1-Surround.

In der Reihe BR-KLASSIK ARCHIVE bringt das Symphonieorchester des Bayerischen Rundfunks historische Aufnahmen des Labels zu Gehör. Z.B. war an zwei denkwürdigen Konzertabenden die Pianistin Martha Argerich zu Gast, 1973 unter Leitung von Eugen Jochum mit Mozarts Klavierkonzert KV 456 sowie zehn Jahre später mit Beethovens Klavierkonzert Nr. 1 unter Seiji Ozawa.

Im Vertrieb werden die Neuerscheinungen von BR-KLASSIK weltweit durch NAXOS betreut. Damit ist eine bestmögliche Präsenz auf allen wichtigen internationalen Märkten gewährleistet. Neue Aufnahmen werden im Highprice-Segment veröffentlicht, die CDs der ARCHIVE- und WISSEN-Serie auf Midprice. Zu einer modernen Vertriebsstruktur gehört selbstverständlich auch die Möglichkeit des digitalen Downloads über Musikportale wie iTunes, Musicload u.a.. Auch dieser Vertriebsweg wird über die Firma NAXOS erschlossen. Die Naxos Music Library präsentiert zudem für Universitäten und öffentliche Bibliotheken via Internet einen ständig wachsenden Katalog mit Tausenden von Titeln weltweit führender Labels. Studenten, Lehrpersonal und andere Benutzer können sich jederzeit einloggen und in der Bibliothek, im Hörsaal, im Studentenwohnheim, im Büro oder zu Hause das komplette Repertoire abrufen - auch die Aufnahmen von BR-KLASSIK.


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