> > > Im Arm der Liebe: Lieder von Braunfels u.a.
Freitag, 18. Januar 2019

Im Arm der Liebe - Lieder von Braunfels u.a.

Juwelen für den Konzertsaal


Label/Verlag: BR-Klassik
Detailinformationen zum besprochenen Titel


Juliane Banse und Sebastian Weigel lassen mit Werken von Marx, Braunfels, Pfitzner und Korngold originale Orchesterlieder erstrahlen.

Das originale Orchesterlied ist noch keine alte Erfindung, als Joseph Marx, Walter Braunfels, Hans Pfitzner und später auch Erich Wolfgang Korngold ihre Lieder für den Konzertsaal schreiben. Und wie noch wenige Jahrzehnte zuvor ausufernde Schriften proklamieren, dass das Lied nicht im Konzertsaal erklingen dürfte, sondern in seiner Schlichtheit und Einfachheit in das häusliche Zimmer gehöre, so werden genau diese durch die nämlichen Komponisten Lügen gestraft. Denn wie sollten diese farbigen, raumgreifenden, lichten und alles andere als schlichten Kompositionen anders als mit großem Orchester, glutvollen Stimmen und im großen Saal adäquat aufgeführt werden können?

Juliane Banse widmet sich in ihrer 2015 eingespielten CD 'Im Arm der Liebe' Orchesterliedern der oben genannten vier Komponisten. Wenn auch leider nur marginal textverständlich, verhilft sie diesen wunderbaren Werken mit reifem, leuchtendem Sopran zu Gehör. Der Reigen wird mit Marx‘ 'Waldseligkeit' eröffnet, dem sechs weitere Werke aus 'Lieder und Gesänge' und dem 'Italienischen Liederbuch' folgen. Wieder einmal erweist sich, dass dieser Komponist in den vergangenen Jahren sehr zu Recht, vor allem von Sopranistinnen, entdeckt wird. Die farbige Instrumentierung, die an manchen Stellen wunderbaren Gestaltungsspielraum für die Stimme lässt, an anderer diese wie ein Instrument in den Gesamtklang einbettet, ist wunderbar späromantisch, erfordert einen vollen und runden Sopran, der über eine gute Mittellage verfügt, in der Höhe aber unbezwingbare Leuchtkraft aufbringt. Mit all diesen Qualitäten ist Juliane Banse ausgestattet und so gelingen ihr nicht nur mit den Liedern von Marx kleine Juwelen. Ihr leichtes Vibrato in der Stimme macht einen charakteristischen Klang aus, ihr langer Atem lässt sie schöne, kraftvolle Phrasen gestalten.

In den Liedern von Korngold, vier der 'Sechs einfachen Lieder' op. 9, die nach Braunfels‘ 'Drei chinesischen Gesängen' op. 19 erklingen, besticht die Sopranistin dann zunehmend mit leiseren, vorsichtigeren Zwischentönen. Sie hat hier andere Möglichkeiten, die Klangfarben zu entfalten, und nutzt diese ausgiebig, verlässt sich auf die Agogik, die der Komponist vorgibt, und erweckt die Musik damit zum Strahlen. Auch wenn der Text hier immer wieder durchblitzt, wäre es wunderbar, mehr davon zu verstehen – zumal das Booklett auch keine Liedtexte abdruckt –, um die Interpretation noch besser würdigen zu können.

Sebastian Weigle und das Münchner Rundfunkorchester stehen der Sopranistin zur Seite, geleiten sie durch diese dichten Kompositionen, bereiten ihr die Basis für ihre Entfaltung. Es gelingt ein differenzierter Klang von teilweise fast solistisch agierenden Orchesterstimmen, die sich dann wieder zusammenfinden und die kompositorischen Höhepunkte voll auskosten.

Ob der Hörer sich dieser CD zuwendet aus Interesse an den Komponisten, dem Liedgut an sich oder aus Interesse an einem der Interpreten, ist eigentlich gleichgültig. Hauptsache der Griff zu dieser CD erfolgt, denn sie in jedem Fall empfehlenswert.


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Detail-Informationen zum vorliegenden Titel:



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    Im Arm der Liebe: Lieder von Braunfels u.a.

Label:
Anzahl Medien:
Veröffentlichung:
Spielzeit:
Aufnahmejahr:
BR-Klassik
1
24.11.2017
054:40
2015
EAN:
BestellNr.:
Booklet
4035719003222
90322


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Braunfels, Walter
 - Nr. 1 Die Einsame -
 - Nr. 2 Ein Jüngling denkt an die Geliebte -
 - Nr. 3 Die Geliebte des Kriegers -
Korngold, Erich Wolfgang
 - Nr. 1 Schneeglöckchen -
 - Nr. 3 Ständchen -
 - Nr. 4 Liebesbriefchen -
 - Nr. 6 Sommer -
Marx, Joseph
 - Nr. 2 Waldseligkeit -
 - Nr. 24 Und gestern hat er mir Rosen gebracht -
 - Nr. 17 Marienlied -
 - Nr. 3 Der bescheidene Schäfer -
 - Nr. 9 Selige Nacht -
 - Nr. 2 Ständchen -
 - Nr. 22 Sommerlied -
Pfitzner, Hans
 - Nr. 4 Venus mater -
 - Nr. 4 Trauerstille -
 - Nr. 5 Gretel -
 - Nr. 4 Untreu und Trost -
 - Nr. 2 Nachts -


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"Juliane Banses aktuelles Album unter dem Titel „Im Arm der Liebe“ widmet sich Orchesterliedern des beginnenden 20. Jahrhunderts und stellt Werke und Komponisten vor, die sehr zu Unrecht in Vergessenheit geraten sind. Die romantischen Texte sind in eingängige Melodien und eine süffige Orchestrierung eingebettet; sie brauchen den Vergleich mit den wohlbekannten Orchesterliedern von Mahler oder Strauss keineswegs zu scheuen. Eine hervorragende Gelegenheit, spätromantische Orchesterlieder von Hans Pfitzner, Joseph Marx, Walter Braunfels und Erich Wolfgang Korngold neu kennenzulernen und in mustergültigen Interpretationen zu erleben. Gegen Ende des 19. Jahrhunderts hatte die Goldene Ära des orchestrierten Klavierliedes und des originalen Orchesterliedes begonnen – mit Hugo Wolf und vor allem mit Gustav Mahler: „Fort mit dem Klavier!“, lautete dessen stürmische Forderung; „Wir Modernen brauchen einen so großen Apparat, um unsere Gedanken, ob groß oder klein, auszudrücken.“ Richard Strauss, Hans Pfitzner, Erich Wolfgang Korngold und Max Reger dachten und komponierten sehr ähnlich, wie auch die heute vergessenen und deshalb endlich wieder zu entdeckenden Meister wie Joseph Marx oder Walter Braunfels. Pfitzner etwa schrieb sein zwischen Volkston und künstlerisch-kontrapunktischer Ambition changierendes Lied „Untreu und Trost“ 1903 und instrumentierte es anschließend für Orchester: ein „Deutsches Volkslied“ aus der Feder eines tief vergrübelten Komponisten. Dagegen erweisen sich die ab 1911 entstandenen „Sechs einfachen Lieder“ des ins Erwachsenenalter aufbrechenden Wunderkindes Erich Wolfgang Korngold mitnichten als „einfach“, sondern vielmehr als artifiziell, raffiniert, süffig, melodisch extravagant und harmonisch schillernd. Der Grazer Joseph Marx, einst der meistgespielte lebende österreichische Komponist, repräsentiert jene Moderne, die gemeinhin als „spätromantisch“ bezeichnet wird; wie Hugo Wolf vertonte auch er ein „Italienisches Liederbuch“ nach Paul Heyse. Die im Weltkriegsjahr 1914 komponierten, äußerst delikaten „Drei chinesischen Gesänge“ des allen schönen Künsten aufgeschlossenen Walter Braunfels waren von Anfang an für Sopran und Orchester bestimmt – aber nicht als Nachtrag zum einstmals modischen Exotismus gedacht. Doch wie Mahler zu seinem „Lied von der Erde“ hatte sich Braunfels dazu von Hans Bethges „Chinesischer Flöte“ inspirieren lassen. Zusammen mit dem Münchner Rundfunkorchester unter Leitung von Sebastian Weigle hat Juliane Banse die Orchesterlieder im März 2015 in einer Studioproduktion des Bayerischen Rundfunks aufgenommen Juliane Banse, Sopran Münchner Rundfunkorchester Sebastian Weigle, Dirigent "


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BR-Klassik

Herausragende Musikaufnahmen der drei Klangkörper des Bayerischen Rundfunks werden unter einer gemeinsamen Marke den Musikfreunden angeboten. Das Label heißt BR-KLASSIK. Zum Start sind acht Tonträger sowie eine DVD am 18. September 2009 veröffentlicht worden. Mittlerweile umfasst der gesamte Katalog über 70 Aufnahmen.

Das Symphonieorchester des Bayerischen Rundfunks, das Münchner Rundfunkorchester und der Chor des Bayerischen Rundfunks genießen sowohl in der Region als auch international einen außergewöhnlichen Ruf in Bezug auf Qualität, künstlerische Kreativität und die Vermittlung von klassischer Musik. Im Konzertsaal und in Hörfunk- und Fernsehübertragungen sind die drei Klangkörper regelmäßig zu hören. Herausragende Konzerte, besonders gelungene Interpretationen und selten zu hörende Werke werden nun unter der gemeinsamen Marke BR-KLASSIK auf dem hauseigenen Label dokumentiert.

Das CD-Label BR-KLASSIK ist organisatorisch bei der BRmedia Service GmbH angesiedelt, dem für die Zweitverwertungen zuständigen Tochterunternehmen des Bayerischen Rundfunks, und wird von Stefan Piendl als Label-Manager geleitet. Mit ihm und Peter Alward als A&R-Consultant konnte der Bayerische Rundfunk zwei erfolgreiche, externe Experten mit umfassender, internationaler Erfahrung für die Mitwirkung an seinem neuen Label BR-KLASSIK gewinnen.

Als logische und konsequente Fortsetzung der Surround-Sound-Offensive im Hörfunkprogramm von Bayern 4 Klassik, das ausgewählte Sendungen im Mehrkanalton und mit erhöhter Datenrate überträgt, werden auch die Tonträger-Veröffentlichungen des Öfteren als audiophile SACD produziert. Die Hybrid-SACD-Tonträger lassen sich als herkömmliche CD abspielen, enthalten aber auch eine Stereo-Spur im hochauflösenden DSD-Format sowie eine Mehrkanal-Fassung in 5.0 bzw. 5.1-Surround.

In der Reihe BR-KLASSIK ARCHIVE bringt das Symphonieorchester des Bayerischen Rundfunks historische Aufnahmen des Labels zu Gehör. Z.B. war an zwei denkwürdigen Konzertabenden die Pianistin Martha Argerich zu Gast, 1973 unter Leitung von Eugen Jochum mit Mozarts Klavierkonzert KV 456 sowie zehn Jahre später mit Beethovens Klavierkonzert Nr. 1 unter Seiji Ozawa.

Im Vertrieb werden die Neuerscheinungen von BR-KLASSIK weltweit durch NAXOS betreut. Damit ist eine bestmögliche Präsenz auf allen wichtigen internationalen Märkten gewährleistet. Neue Aufnahmen werden im Highprice-Segment veröffentlicht, die CDs der ARCHIVE- und WISSEN-Serie auf Midprice. Zu einer modernen Vertriebsstruktur gehört selbstverständlich auch die Möglichkeit des digitalen Downloads über Musikportale wie iTunes, Musicload u.a.. Auch dieser Vertriebsweg wird über die Firma NAXOS erschlossen. Die Naxos Music Library präsentiert zudem für Universitäten und öffentliche Bibliotheken via Internet einen ständig wachsenden Katalog mit Tausenden von Titeln weltweit führender Labels. Studenten, Lehrpersonal und andere Benutzer können sich jederzeit einloggen und in der Bibliothek, im Hörsaal, im Studentenwohnheim, im Büro oder zu Hause das komplette Repertoire abrufen - auch die Aufnahmen von BR-KLASSIK.


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