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Montag, 28. September 2020

The Night of St Nicholas - Eine mittelalterliche Liturgie

Zum Nikolaus


Label/Verlag: Arcana
Detailinformationen zum besprochenen Titel


Zu verzeichnen ist eine schöne Wiedervorlage: Beinahe 20 Jahre haben ihr nichts anhaben können. Diese Platte von La Reverdie und I Cantori Gregoriani ist eine Alternative zum üblichen Adventsrepertoire.

Der heilige Nikolaus von Myra ist seit vielen Jahrhunderten eine Figur, die eine Vielzahl von Zuschreibungen, gleichsam Zuständigkeiten auf sich vereint hat. Das erklärt sich mit blühender Legendenbildung um die zwar historisch verbürgte Person, aber zugleich hinreichend unklare Geschichte des Heiligen, die solche Assoziationsräume eröffnete. Kaum ein anderer der nichtbiblischen Heiligen ist zu verzeichnen, der weit über Konfessionsgrenzen hinweg eine solche ‚Karriere‘ gemacht hätte: Er ist der Schutzpatron der Russen, der Serben und der Kroaten, der Lothringer und des Bundes der Hanse oder so verschiedener Städte wie Bari, Alicante oder New York. Er gilt zugleich als Patron der Seefahrer, der Kaufleute, Rechtsanwälte, Bankiers, Apotheker, Metzger, Bäcker und vieler anderer Gewerke, ist daneben Garant und Beschützer für Kinder, Schüler und Studenten, für Pilger und Reisende, für die Liebenden und Gebärenden. Dazu der Heilige der Diebe und der Prostituierten sowie, praktischerweise, der Gefangenen wie der Gefängniswärter.

Diese Polyvalenz – die Beispiele sind bei weitem nicht vollständig – hat Nikolaus zu einem wichtigen Namensgeber in allen christlich geprägten Kulturen bis heute werden lassen, dazu zu einem Patron einer unüberschaubar großen Zahl von Kirchen. Und die Volksbräuche um den Nikolaustag sind eins der in der Gegenwart seltenen Beispiele, wie frühe Heiligenverehrung sich voller Lebendigkeit in die Jetztzeit retten konnte.

Edle Schlichtheit

Natürlich musste das vielfach zu musikalischer Produktion anregen. Und das hat sich vor allem im Mittelalter vielfältig niedergeschlagen. Die Ensembles La Reverdie und I Cantori Gregoriani haben etliche Sätze vor allem aus dem 13. Jahrhundert 1998 zu einer schön programmierten Platte geformt: Eine mittelalterliche Liturgie auf den heiligen Nikolaus, die Responsorien und Antiphonen aus verschiedenen Quellen zusammenführt, überwiegend in Cambridge und London überliefert und mit emphatischen Texten zu den Nikolaus-Legenden verknüpft, dazu einem in Volkstraditionen reichenden musikalischen Ausblick. Denn das ist parallel zur religiösen Komponente gleichfalls deutlich: Nikolaus eignete sich glänzend, schon bestehende Traditionen, Bräuche und Eigentümlichkeiten auf elegante Weise dem christlichen Festkalender anzuverwandeln.

Die Ensembles entfalten ausgedehnte gregorianische Einstimmigkeit in sehr verschiedener Zusammensetzung: Die edlen Linien klingen nobel, auch lebendig, wenngleich nicht rau wie bei Marcel Pérès oder Björn Schmelzer. Hier ist es berückend schön gesungen, auf geradezu klassische Weise überzeugend. Behutsam wird die Einstimmigkeit in einigen Organa erweitert; zu den Vokalstimmen treten wenige illustrative Instrumente – etwa Harfe, Vielle, Psalterium oder zartes Schlagwerk. Intoniert wird überaus konzentriert in der Einstimmigkeit, lebendig blühend im Organalklang. Technisch wird die Realisierung von räumlicher Größe getragen: Das scheint in dieser Musik auch unabdingbare Voraussetzung zu sein – kann man sich geistliche Klänge dieser Zeit ohne einen mächtig nachhallenden Kirchenraum vorstellen? Zugleich ist die Wirkung klar und plastisch, ist alles in gelungener Balance befindlich.

Zu verzeichnen ist eine schöne Wiedervorlage: Beinahe 20 Jahre haben ihr nichts anhaben können. Diese Platte von La Reverdie und I Cantori Gregoriani ist eine Alternative zum üblichen Adventsrepertoi

Interpretation:
Klangqualität:
Repertoirewert: 
Booklet:





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Detail-Informationen zum vorliegenden Titel:



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    The Night of St Nicholas: Eine mittelalterliche Liturgie

Label:
Anzahl Medien:
Veröffentlichung:
Arcana
1
03.11.2017
Medium:
EAN:

CD
3760195734421


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Arcana

Michel Bernstein hat mit ARCANA eine Institution im Bereich der Alten Musik geschaffen, deren Katalog mit einer Vielzahl prominenter Namen der Alten Musik aufwarten kann, darunter prominente Namen wie Rinaldo Alessandrini, Gunnar Letzbor oder Sigiswald Kuijken. Als der Labelgründer 2006 plötzlich verstarb, schien es zunächst so, als würde dies auch unweigerlich das Ende von ARCANA bedeuten. Zum Glück entschied sich der italienische Vertrieb Jupiter zum Kauf des Labels. Selbstverständlich plant man, es im Sinne seines Gründers weiterführen. Nach und nach werden nun Aufnahmen aus dem umfangreichen Backkatalog des Labels in neuer Gestaltung wieder veröffentlicht und der Katalog durch neue Aufnahmen bewährter Künstler und von Neuzugängen (darunter Marco Beasley und das Ensemble Accordone) erweitert.


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