> > > Altri canti d'amor: Instrumentalwerke des 17. Jahrhunderts von Monteverdi, Marini u.a.
Mittwoch, 26. Februar 2020

Altri canti d'amor - Instrumentalwerke des 17. Jahrhunderts von Monteverdi, Marini u.a.

Andere Liebeslieder


Label/Verlag: Challenge Classics
Detailinformationen zum besprochenen Titel


Ein ausgesprochen gelungenes und hochmusikalisches Debütalbum des jungen Ensembles L'Estro Orfeo, das sich auf Kammermusik des Barock spezialisiert hat.

L‘Estro Orfeo, also ‚Die Eingebungen des Orpheus‘, nennt sich ein noch junges Ensemble, das die Violinistin Leonor de Lera gegründet hat. Mit ihrer ersten, rundherum erfreulichen CD-Produktion, 'Altri Canti d‘Amore' (‚Andere Liebeslieder‘) zeigen die fünf jungen Musiker, dass sie sich auf ihre Mission bestens verstehen: Die Barockmusik auf der Höhe der Forschung heute wieder lebendig werden zu lassen.

Der Titel des Albums ist Programm: Den meisten eingespielten Stücken liegen Opernarien oder -duette aus der Barockzeit zu Grunde, die nun ohne Stimmen, rein instrumental wiedergeben werden. Bei diesem Konzeptalbum geht es den Musikern aber nicht darum, die Gesangsstimmen einfach nur durch ein Instrument zu ersetzen. Die ursprüngliche Gesangsstimme wird vielmehr durch verschiedene Instrumente im Laufe des Stücks wiedergegeben, mal erscheint sie beinahe in der Begleitung, mal ganz klar im Vordergrund. Es entstehen so ganz neue kleine Musikstücke, ganz in der Tradition der virtuosen kammermusikalischen Interpretations- und Verzierungstechnik des Barock, auf die sich das Ensemble bestens versteht.

Die Bandbreite des Ausdrucks ist dabei ziemlich groß und, ehrlich gesagt: Es gelang mir nicht bei allen, Assoziationen zum Thema der Liebe herzustellen. Einige Stücke sind sehr gesanglich, so gleich das erste, 'Altri Canti d‘Amor' von Monteverdi, oder eine Arie aus 'La Calisto' von Francesco Cavalli. Anderes klingt dann eher nach einer freier improvisierten, leicht jazzigen und virtuosen Interpretation, so die Chacona von Tarquinio Merula. Es sind vor allem diese Stücke, in denen die Improvisationskunst des Ensembles deutlich wird – bei denen dann aber etwas unklarer wird, inwieweit es wirklich andere Liebeslieder sind, wie der Titel der CD ja suggeriert.

Weltklasseniveau

Auch wenn alle Spieler von L‘Estro Orfeo hochmusikalisch, stilsicher und auf Weltklasseniveau spielen, so muss man doch einen unter ihnen hervorheben: Josué Meléndez, der die Zinke spielt. Die Stücke, in denen er die Hauptstimme spielt, ähneln am ehesten dem Gesang. Unglaublich, wie weich, zart, ja geradezu samtig er sein Instrument beherrscht. So wird Barbara Strozzis 'L‘Eraclito Amoroso', eine Kantate mit Arie und einem kleinen Duett, der Höhepunkt der Aufnahme.

Das Booklet bringt einen etwas sehr kurzen, aber immerhin instruktiven Text, leider nur in englischer und französischer Sprache. Irritierend ist allerdings, dass die Reihe der dort besprochenen Werke von der Abfolge auf der CD abweicht (Challenge). Die Aufnahmequalität lässt keine Wünsche offen, der Klang ist klar und transparent, aber alles andere als trocken. Man hat den Eindruck, man sitzt selbst in der Kirche von San Juan Bautista de Secadura in Spanien, in dem die Produktion aufgenommen worden ist. Mit 50 Spielminuten wäre allerdings wohl noch Platz für das eine oder andere Stück gewesen. So müssen wir uns dafür auf ihre nächste Einspielung gedulden.


Dieser Beitrag hat Ihnen gefallen? Empfehlen Sie ihn weiter!

Ihre Meinung? Kommentieren Sie diesen Artikel

Jetzt einloggen, um zu kommentieren.
Sind Sie bei klassik.com noch nicht als Nutzer angemeldet, können Sie sich hier registrieren.



Detail-Informationen zum vorliegenden Titel:



Cover vergrößern

    Altri canti d'amor: Instrumentalwerke des 17. Jahrhunderts von Monteverdi, Marini u.a.

Label:
Anzahl Medien:
Veröffentlichung:
Challenge Classics
1
08.09.2017
Medium:
EAN:

CD
608917276022


Cover vergössern

Challenge Classics

CHALLENGE RECORDS ist eine unabhängige Schallplattenfirma, die ihren Sitz in den Niederlanden hat. Sie setzt sich aus einer Gruppe von Musikenthusiasten zusammen, die mit großer Leidenschaft für den Jazz und die Klassische Musik internationale Produktionen kreieren.
Die Zusammenarbeit mit Künstlern wie Ton Koopman, dem Combattimento Amsterdam, dem Altenberg Trio Wien, Musica Antiqua Köln u.v.a., gibt CHALLENGE CLASSICS ein eindeutiges Profil.
Neben den inhaltlichen Schwerpunkten im Bereich der Barockmusik und der Kammermusik, finden sich auch herausragende Aufnahmen im Liedgesang, in frühklassischer Sinfonik sowie Opern und Oratorien auf DVD-Video.


Mehr Info...


Cover vergössern
Jetzt kaufen bei...


Weitere Besprechungen zum Label/Verlag Challenge Classics:

  • Zur Kritik... Tonschönheit und Risiko: Von den drei hier zu hörenden Werken für Violine und Orchester kann zwar nur das Konzert von Carl Nielsen überzeugen – dieses jedoch vollauf. Weiter...
    (Dr. Michael Loos, )
  • Zur Kritik... Fast die üblichen Verdächtigen: Mit ihrem Blick auf die Violinsonate während des Ersten Weltkriegs verstellen sich Michael Foyle und Maksim Stsura selbst den Weg. Weiter...
    (Dr. Jürgen Schaarwächter, )
  • Zur Kritik... Meisterlicher Mozart: Die Kuijkens mit den beiden Klavierquartetten von Mozart - eine sichere Bank. Weiter...
    (Dr. Aron Sayed, )
blättern

Alle Kritiken von Challenge Classics...

Weitere CD-Besprechungen von Prof. Dr. Michael Bordt:

  • Zur Kritik... Klangbaden: Sehr feine, subtile Klangräume zeichnen ein spirituelles Programm, das unmittelbar ansprechend ist. Weiter...
    (Prof. Dr. Michael Bordt, )
  • Zur Kritik... Licht in Dunkelheit: Eine ansprechende Anthologie meist nordischer Chorlieder religiösen Inhalts, die mit warmem, satten Klang des Kammerchores Nova interpretiert werden. Weiter...
    (Prof. Dr. Michael Bordt, )
  • Zur Kritik... Erdverbundener Vivaldi: Zwanzig Jahre nach ihrem ersten Vivaldi-Album ist Cecilia Bartolis Interpretation deutlich reifer und expressiver geworden, auch wenn nicht alles gefällt. Weiter...
    (Prof. Dr. Michael Bordt, )
blättern

Alle Kritiken von Prof. Dr. Michael Bordt...

Weitere Kritiken interessanter Labels:

  • Zur Kritik... Gerechtigkeit für Kuhnau: Johann Kuhnau widerfährt mit dieser Reihe zweifellos Gerechtigkeit. Die Musik steht, das zeigt auch die fünfte Folge der cpo-Reihe mit Opella Musica, ganz für sich, voller Qualität und Kraft. Weiter...
    (Dr. Matthias Lange, )
  • Zur Kritik... Aus Gischt und Wellen: Hoffentlich finden sich einige Opernhäuser, die 'Oceane' zeitnah auf den Spielplan setzen. Es lohnt sich. Weiter...
    (Benjamin Künzel, )
  • Zur Kritik... Fern von Frankreich: Tempesta di Mare versucht sich an französischen Opernsuiten. Weiter...
    (Dr. Jürgen Schaarwächter, )
blättern

Alle CD-Kritiken...

Magazine zum Downloaden

NOTE 1 - Mitteilungen (2/2020) herunterladen (2900 KByte)

Anzeige

Jetzt im klassik.com Radio

George Antheil: Serenade No.2 for String Orchestra - Moderately fast - poco piu mosso

CD kaufen


Empfehlungen der Redaktion

Die Empfehlungen der klassik.com Redaktion...

Diese Einspielungen sollten in keiner Plattensammlung fehlen

weiter...


Portrait

 Folkwang Kammerorchester Essen im Portrait Mit Vollgas ins Haus des Teufels
Das Folkwang Kammerorchester Essen ? jung, energiegeladen, hochmusikalisch

weiter...
Alle Interviews...


Hinweis:

Mit Namen oder Initialen gekennzeichnete Beiträge geben die Meinung des Verfassers, nicht aber unbedingt die Meinung der Redaktion wieder.

Die Bewertung der klassik.com-Autoren:

Überragend
Sehr gut
Gut
Durchschnittlich
Unterdurchschnittlich