> > > Bach, Johann Sebastian: Weihnachtsoratorium
Dienstag, 19. Juni 2018

Bach, Johann Sebastian - Weihnachtsoratorium

Sinnlich und transparent


Label/Verlag: Carus
Detailinformationen zum besprochenen Titel


Hans-Christoph Rademann gelingt eine klangschöne und dabei transparente Interpretation mit wunderbaren Solisten und der Gaechinger Cantorey.

Dass Bachs sechs Kantaten einmal zu dem Weihnachtsoratorium werden würden, war 1734/35 nicht abzusehen. Heute ist es nicht nur aus den weihnachtlichen Konzerten ab der Adventszeit nicht mehr wegzudenken; auch in der Bach-Diskographie hat es sich einen festen Platz erobert. Es gibt zahlreiche Aufnahmen, beginnend mit im romantischen bzw. traditionellen Stil interpretierten, ‚groß‘ klingenden, über deren klangliches Gegenteil mit eher spröde klingenden Interpretationen in historischer Aufführungspraxis bis hin zu Live-Aufnahmen aus dem sakralen Raum mit professionellen Solisten und Chören, die zum Großteil aus Laien bestehen. Doch für Stimmfetischisten wie Liebhaber des Werkes gibt es immer wieder neue interessante Aufnahmen, die den Katalog der schon vorhandenen weiter anwachsen lassen. Bei der vorliegenden Aufnahme und Einspielung unter der Leitung von Hans-Christoph Rademann handelt es sich um ein solches Beispiel.

In zwei Zeiträumen aufgezeichnet – die Kantaten I, II, V, VI im Dezember 2016 live und die III., IV. und teilweise VI. Kantate im Januar 2017 im Studio – kann die Aufnahme mit wunderbaren Solisten aufwarten. Warum der Sopran doppelt besetzt ist und in der VI. Kantate sogar beide Sopranistinnen zu Gehör kommen, ist nicht geklärt. Diese Unklarheit bleibt aber das einzige Manko dieser Einspielung. Regula Mühlemann bezaubert mit ihrer warmen, leuchtenden Stimme und fügt sich wunderbar in den Klang ihrer Mitsänger ein. Im Terzett in Kantate V 'Ach, wenn wird die Zeit erscheinen' zeigt sich, wie positiv eine aufeinander abgestimmte Auswahl an Solisten sein kann. Mühlemann schwebt leuchtend über dem vollen, warm timbrierten, aber mit herrlich dunklem Kern klingenden Alt von Wiebke Lehmkuhl, während sie mit der hellen, runden und völlig frei fließenden Tenorstimme von Sebastian Kohlhepp duettiert. Bassist Michael Nagy komplettiert mit seinem unaufdringlichen, klaren und doch profund tönenden Bass das hervorragende Solistenensemble. Es kann keiner dieser Solisten hervorgehoben werden, denn alle überzeugen mit klarer Diktion, runder und klangschöner Stimme und feinem Gespür für Bachs Musik. Anna Lucia Richter bereichert mit ihrem sehr hellen, feinen Sopran die Aufnahme durch eine weitere Klangfarbe.

Die Einspielung mit der Gaechinger Cantorey unter Rademanns Leitung punktet mit einem klaren, transparenten Klangbild. Es herrscht hohe Präzision vor, mit welcher dynamische Abstufungen, einzelne Höhepunkte und lange Bögen musiziert sind. Und bei aller Bemühung, der Alten Musik in der Art und Weise des Musizierens gerecht zu werden, gerät die Interpretation nie spröde, bleibt immer geschmeidig und macht Linien hörbar.

Selbst wenn sich schon einige Aufnahmen im heimischen CD-Schrank finden, so lohnt es doch, sich dieser Einspielung zu widmen. Sie ist herrlich unaufgeregt, klangschön und verbindet ein transparentes Klangbild mit runden Gesangsstimmen.

Interpretation:
Klangqualität:
Repertoirewert: 
Booklet:





Dieser Beitrag hat Ihnen gefallen? Empfehlen Sie ihn weiter!

Ihre Meinung? Kommentieren Sie diesen Artikel

Jetzt einloggen, um zu kommentieren.
Sind Sie bei klassik.com noch nicht als Nutzer angemeldet, können Sie sich hier registrieren.



Detail-Informationen zum vorliegenden Titel:



Cover vergrößern

    Bach, Johann Sebastian: Weihnachtsoratorium

Label:
Anzahl Medien:
Carus
2



Cover vergössern

Carus

Der Name Carus steht weltweit als ein Synonym für höchsten Anspruch und Qualität auf dem Gebiet geistlicher Chormusik. Dies betrifft nicht nur unsere zuverlässigen Noteneditionen vieler zu Unrecht in Vergessenheit geratener Werke. Es ist uns ein besonderes Anliegen, gerade diese Werke - oft als Weltersteinspielungen - auch in exemplarischen Interpretationen durch hochrangige Interpreten und Ensembles auf CD vorzulegen. Der weltweite Erfolg unseres Labels führte zur Erweiterung unseres Katalogs: Neben der Chormusik, die weiterhin den Schwerpunkt des Labels bildet, haben gerade in den letzten Jahren einige Aufnahmen barocker Instrumentalwerke internationale Beachtung gefunden. Unsere Zusammenarbeit mit erstklassigen Interpreten führte zu einer hohen Klangkultur, die mit der Verleihung vieler internationaler Preise honoriert wurde (Diapason d'Or, Preis der Deutschen Schallplattenkritik, Gramophone - Editor's choice).


Mehr Info...


Cover vergössern
Jetzt kaufen bei...


Weitere Besprechungen zum Label/Verlag Carus:

  • Zur Kritik... Zweiter Streich: Ein großes Andenken an Rémy und eine schöne Würdigung eines kompositorischen Solitärs im Werk Heinrich Schütz'. Weiter...
    (Dr. Matthias Lange, )
  • Zur Kritik... Scheidt in Perspektive: Das Athesinus Consort fügt seiner farbigen Diskografie eine hervorragende Platte mit Werken von Scheidt und Schwemmer hinzu. Weiter...
    (Dr. Matthias Lange, )
  • Zur Kritik... Bach vom Fachmann: Frieder Bernius musiziert mit beeindruckendem Chor und transparentem Orchester Bachs 'Missa in g' und 'Ein feste Burg'. Die Aufnahme bringt keine neuen Erkenntnisse zur erklingenden Musik, besticht aber durch ihre unaufgeregte Art. Weiter...
    (Silke Meier-Künzel, )
blättern

Alle Kritiken von Carus...

Weitere CD-Besprechungen von Silke Meier-Künzel:

  • Zur Kritik... Bach vom Fachmann: Frieder Bernius musiziert mit beeindruckendem Chor und transparentem Orchester Bachs 'Missa in g' und 'Ein feste Burg'. Die Aufnahme bringt keine neuen Erkenntnisse zur erklingenden Musik, besticht aber durch ihre unaufgeregte Art. Weiter...
    (Silke Meier-Künzel, )
  • Zur Kritik... Zwischen Singspiel und großer Oper: Reichardts 'Die Geisterinsel' wurde 2002 mit einem wunderbaren Markus Schäfer, einer herrlich burschikosen Barbara Hannigan und einem gerissenen Tom Sol von Hermann Max farbenreich eingespielt. Weiter...
    (Silke Meier-Künzel, )
  • Zur Kritik... Ein Herzensprojekt: Timothy Sharp gelingen wunderbar unaufgeregte Interpretationen unterschiedlichster Lieder von Richard Strauss. Weiter...
    (Silke Meier-Künzel, )
blättern

Alle Kritiken von Silke Meier-Künzel...

Weitere Kritiken interessanter Labels:

  • Zur Kritik... Archetypen: Frauentypen in Barockarien, hervorragend interpretiert von Mary-Ellen Nesi. Weiter...
    (Michaela Schabel, )
  • Zur Kritik... Das Pianistische überwinden: Mihai Ritivoiu stellt sich mit seinem klug ausgewählten Programm als interessanter Musiker vor, dem die Gefahren pianistischer Selbstgefälligkeit sehr wohl bewusst sind. Weiter...
    (Sebastian Rose, )
  • Zur Kritik... Gesang der Instrumente: Tomás Netopil und das Prague Symphony Orchestra überzeugen mit atmosphärischen Suiten aus Janáčeks Opern. Weiter...
    (Benjamin Künzel, )
blättern

Alle CD-Kritiken...

Magazine zum Downloaden

NOTE 1 - Mitteilungen (6/2018) herunterladen (2361 KByte) Class aktuell (2/2018) herunterladen (3463 KByte)

Anzeige

Jetzt im klassik.com Radio

Ludwig van Beethoven: Sonate für Klavier und Violine op.12 Nr.1 - Tema con Variazioni - Andante con moto

CD kaufen


Empfehlungen der Redaktion

Die Empfehlungen der klassik.com Redaktion...

Diese Einspielungen sollten in keiner Plattensammlung fehlen

weiter...


Portrait

Christian Euler im Portrait "Melancholie ist die höchste Form des Cantabile"
Bratschist Christian Euler im Gespräch mit klassik.com über seine Lehrer, seine neueste SACD und seine künstlerische Partnerschaft zum Pianisten Paul Rivinius.

weiter...
Alle Interviews...


Sponsored Links

Anzeige

Hinweis:

Mit Namen oder Initialen gekennzeichnete Beiträge geben die Meinung des Verfassers, nicht aber unbedingt die Meinung der Redaktion wieder.

Die Bewertung der klassik.com-Autoren:

Überragend
Sehr gut
Gut
Durchschnittlich
Unterdurchschnittlich