> > > Bach, Johann Sebastian: Weihnachtsoratorium
Montag, 23. April 2018

Bach, Johann Sebastian - Weihnachtsoratorium

Sinnlich und transparent


Label/Verlag: Carus
Detailinformationen zum besprochenen Titel


Hans-Christoph Rademann gelingt eine klangschöne und dabei transparente Interpretation mit wunderbaren Solisten und der Gaechinger Cantorey.

Dass Bachs sechs Kantaten einmal zu dem Weihnachtsoratorium werden würden, war 1734/35 nicht abzusehen. Heute ist es nicht nur aus den weihnachtlichen Konzerten ab der Adventszeit nicht mehr wegzudenken; auch in der Bach-Diskographie hat es sich einen festen Platz erobert. Es gibt zahlreiche Aufnahmen, beginnend mit im romantischen bzw. traditionellen Stil interpretierten, ‚groß‘ klingenden, über deren klangliches Gegenteil mit eher spröde klingenden Interpretationen in historischer Aufführungspraxis bis hin zu Live-Aufnahmen aus dem sakralen Raum mit professionellen Solisten und Chören, die zum Großteil aus Laien bestehen. Doch für Stimmfetischisten wie Liebhaber des Werkes gibt es immer wieder neue interessante Aufnahmen, die den Katalog der schon vorhandenen weiter anwachsen lassen. Bei der vorliegenden Aufnahme und Einspielung unter der Leitung von Hans-Christoph Rademann handelt es sich um ein solches Beispiel.

In zwei Zeiträumen aufgezeichnet – die Kantaten I, II, V, VI im Dezember 2016 live und die III., IV. und teilweise VI. Kantate im Januar 2017 im Studio – kann die Aufnahme mit wunderbaren Solisten aufwarten. Warum der Sopran doppelt besetzt ist und in der VI. Kantate sogar beide Sopranistinnen zu Gehör kommen, ist nicht geklärt. Diese Unklarheit bleibt aber das einzige Manko dieser Einspielung. Regula Mühlemann bezaubert mit ihrer warmen, leuchtenden Stimme und fügt sich wunderbar in den Klang ihrer Mitsänger ein. Im Terzett in Kantate V 'Ach, wenn wird die Zeit erscheinen' zeigt sich, wie positiv eine aufeinander abgestimmte Auswahl an Solisten sein kann. Mühlemann schwebt leuchtend über dem vollen, warm timbrierten, aber mit herrlich dunklem Kern klingenden Alt von Wiebke Lehmkuhl, während sie mit der hellen, runden und völlig frei fließenden Tenorstimme von Sebastian Kohlhepp duettiert. Bassist Michael Nagy komplettiert mit seinem unaufdringlichen, klaren und doch profund tönenden Bass das hervorragende Solistenensemble. Es kann keiner dieser Solisten hervorgehoben werden, denn alle überzeugen mit klarer Diktion, runder und klangschöner Stimme und feinem Gespür für Bachs Musik. Anna Lucia Richter bereichert mit ihrem sehr hellen, feinen Sopran die Aufnahme durch eine weitere Klangfarbe.

Die Einspielung mit der Gaechinger Cantorey unter Rademanns Leitung punktet mit einem klaren, transparenten Klangbild. Es herrscht hohe Präzision vor, mit welcher dynamische Abstufungen, einzelne Höhepunkte und lange Bögen musiziert sind. Und bei aller Bemühung, der Alten Musik in der Art und Weise des Musizierens gerecht zu werden, gerät die Interpretation nie spröde, bleibt immer geschmeidig und macht Linien hörbar.

Selbst wenn sich schon einige Aufnahmen im heimischen CD-Schrank finden, so lohnt es doch, sich dieser Einspielung zu widmen. Sie ist herrlich unaufgeregt, klangschön und verbindet ein transparentes Klangbild mit runden Gesangsstimmen.

Interpretation:
Klangqualität:
Repertoirewert: 
Booklet:





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    Bach, Johann Sebastian: Weihnachtsoratorium

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Carus

Der Name Carus steht weltweit als ein Synonym für höchsten Anspruch und Qualität auf dem Gebiet geistlicher Chormusik. Dies betrifft nicht nur unsere zuverlässigen Noteneditionen vieler zu Unrecht in Vergessenheit geratener Werke. Es ist uns ein besonderes Anliegen, gerade diese Werke - oft als Weltersteinspielungen - auch in exemplarischen Interpretationen durch hochrangige Interpreten und Ensembles auf CD vorzulegen. Der weltweite Erfolg unseres Labels führte zur Erweiterung unseres Katalogs: Neben der Chormusik, die weiterhin den Schwerpunkt des Labels bildet, haben gerade in den letzten Jahren einige Aufnahmen barocker Instrumentalwerke internationale Beachtung gefunden. Unsere Zusammenarbeit mit erstklassigen Interpreten führte zu einer hohen Klangkultur, die mit der Verleihung vieler internationaler Preise honoriert wurde (Diapason d'Or, Preis der Deutschen Schallplattenkritik, Gramophone - Editor's choice).


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