> > > Bach, Johann Sebastian: Weihnachtsoratorium
Freitag, 18. Januar 2019

Bach, Johann Sebastian - Weihnachtsoratorium

Sinnlich und transparent


Label/Verlag: Carus
Detailinformationen zum besprochenen Titel


Hans-Christoph Rademann gelingt eine klangschöne und dabei transparente Interpretation mit wunderbaren Solisten und der Gaechinger Cantorey.

Dass Bachs sechs Kantaten einmal zu dem Weihnachtsoratorium werden würden, war 1734/35 nicht abzusehen. Heute ist es nicht nur aus den weihnachtlichen Konzerten ab der Adventszeit nicht mehr wegzudenken; auch in der Bach-Diskographie hat es sich einen festen Platz erobert. Es gibt zahlreiche Aufnahmen, beginnend mit im romantischen bzw. traditionellen Stil interpretierten, ‚groß‘ klingenden, über deren klangliches Gegenteil mit eher spröde klingenden Interpretationen in historischer Aufführungspraxis bis hin zu Live-Aufnahmen aus dem sakralen Raum mit professionellen Solisten und Chören, die zum Großteil aus Laien bestehen. Doch für Stimmfetischisten wie Liebhaber des Werkes gibt es immer wieder neue interessante Aufnahmen, die den Katalog der schon vorhandenen weiter anwachsen lassen. Bei der vorliegenden Aufnahme und Einspielung unter der Leitung von Hans-Christoph Rademann handelt es sich um ein solches Beispiel.

In zwei Zeiträumen aufgezeichnet – die Kantaten I, II, V, VI im Dezember 2016 live und die III., IV. und teilweise VI. Kantate im Januar 2017 im Studio – kann die Aufnahme mit wunderbaren Solisten aufwarten. Warum der Sopran doppelt besetzt ist und in der VI. Kantate sogar beide Sopranistinnen zu Gehör kommen, ist nicht geklärt. Diese Unklarheit bleibt aber das einzige Manko dieser Einspielung. Regula Mühlemann bezaubert mit ihrer warmen, leuchtenden Stimme und fügt sich wunderbar in den Klang ihrer Mitsänger ein. Im Terzett in Kantate V 'Ach, wenn wird die Zeit erscheinen' zeigt sich, wie positiv eine aufeinander abgestimmte Auswahl an Solisten sein kann. Mühlemann schwebt leuchtend über dem vollen, warm timbrierten, aber mit herrlich dunklem Kern klingenden Alt von Wiebke Lehmkuhl, während sie mit der hellen, runden und völlig frei fließenden Tenorstimme von Sebastian Kohlhepp duettiert. Bassist Michael Nagy komplettiert mit seinem unaufdringlichen, klaren und doch profund tönenden Bass das hervorragende Solistenensemble. Es kann keiner dieser Solisten hervorgehoben werden, denn alle überzeugen mit klarer Diktion, runder und klangschöner Stimme und feinem Gespür für Bachs Musik. Anna Lucia Richter bereichert mit ihrem sehr hellen, feinen Sopran die Aufnahme durch eine weitere Klangfarbe.

Die Einspielung mit der Gaechinger Cantorey unter Rademanns Leitung punktet mit einem klaren, transparenten Klangbild. Es herrscht hohe Präzision vor, mit welcher dynamische Abstufungen, einzelne Höhepunkte und lange Bögen musiziert sind. Und bei aller Bemühung, der Alten Musik in der Art und Weise des Musizierens gerecht zu werden, gerät die Interpretation nie spröde, bleibt immer geschmeidig und macht Linien hörbar.

Selbst wenn sich schon einige Aufnahmen im heimischen CD-Schrank finden, so lohnt es doch, sich dieser Einspielung zu widmen. Sie ist herrlich unaufgeregt, klangschön und verbindet ein transparentes Klangbild mit runden Gesangsstimmen.


Dieser Beitrag hat Ihnen gefallen? Empfehlen Sie ihn weiter!

Ihre Meinung? Kommentieren Sie diesen Artikel

Jetzt einloggen, um zu kommentieren.
Sind Sie bei klassik.com noch nicht als Nutzer angemeldet, können Sie sich hier registrieren.



Detail-Informationen zum vorliegenden Titel:



Cover vergrößern

    Bach, Johann Sebastian: Weihnachtsoratorium

Label:
Anzahl Medien:
Carus
2



Cover vergössern

Carus

Der Name Carus steht weltweit als ein Synonym für höchsten Anspruch und Qualität auf dem Gebiet geistlicher Chormusik. Dies betrifft nicht nur unsere zuverlässigen Noteneditionen vieler zu Unrecht in Vergessenheit geratener Werke. Es ist uns ein besonderes Anliegen, gerade diese Werke - oft als Weltersteinspielungen - auch in exemplarischen Interpretationen durch hochrangige Interpreten und Ensembles auf CD vorzulegen. Der weltweite Erfolg unseres Labels führte zur Erweiterung unseres Katalogs: Neben der Chormusik, die weiterhin den Schwerpunkt des Labels bildet, haben gerade in den letzten Jahren einige Aufnahmen barocker Instrumentalwerke internationale Beachtung gefunden. Unsere Zusammenarbeit mit erstklassigen Interpreten führte zu einer hohen Klangkultur, die mit der Verleihung vieler internationaler Preise honoriert wurde (Diapason d'Or, Preis der Deutschen Schallplattenkritik, Gramophone - Editor's choice).


Mehr Info...


Cover vergössern
Jetzt kaufen bei...


Weitere Besprechungen zum Label/Verlag Carus:

  • Zur Kritik... Frisch im Duktus: Frieder Bernius und seine Stuttgarter Ensembles legen eine weitere Einspielung einer Zelenka-Messe vor. Die lässt sich hören. Weiter...
    (Gero Schreier, )
  • Zur Kritik... Berliner Weihnacht: Das Ensemble sirventes berlin hat eine niveauvoll gesungene, programmatisch relevante Platte vorgelegt. Weiter...
    (Dr. Matthias Lange, )
  • Zur Kritik... Blütenlese: Eine schöne chorische Präsentation des Vocal Concert Dresden: lebendig, blutvoll und frisch. Dem Rang des gelegentlich belächelten, in seiner stilistischen Breite gleichwohl wertvollen Florilegium Portense wird damit entsprochen. Weiter...
    (Dr. Matthias Lange, )
blättern

Alle Kritiken von Carus...

Weitere CD-Besprechungen von Silke Meier-Künzel:

  • Zur Kritik... Liebender Feldherr: Countertenor Raffaele Pe interpretiert mit La Lira di Orfeo meisterhaft Arien aus fünf verschiedenen Vertonungen des Lebens des Feldherrn Julius Caesars. Weiter...
    (Silke Meier-Künzel, )
  • Zur Kritik... Natürlichkeit: Tenor Juan Diego Flórez zeigt sich von einer neuen Seite. Mit der Interpretation lateinamerikanischer Lieder gewinnt er Sympathien und stellt sich in den Dienst der Musik seiner Heimat. Weiter...
    (Silke Meier-Künzel, )
  • Zur Kritik... Theatermusik: Die 2009 aufgezeichnete Aufführung aus Bayreuth kann weniger durch stimmlichen Wohlklang als vielmehr durch Lebendigkeit und Inhalt überzeugen. Robert Dean Smith ist für diesen positiven Eindruck maßgeblich verantwortlich. Weiter...
    (Silke Meier-Künzel, )
blättern

Alle Kritiken von Silke Meier-Künzel...

Weitere Kritiken interessanter Labels:

  • Zur Kritik... Spannender 'Macbeth' mit eklatanter Schwäche: Gäbe es in einer zentralen Partie keinen Totalausfall, müsste man diesen 'Macbeth' dringend empfehlen. So bleibt er ein Dokument für historisch Interessierte oder eingefleischte Fans einzelner Künstler. Weiter...
    (Benjamin Künzel, )
  • Zur Kritik... Lebendige Musik: Rubén Dubrovsky interpretiert zusammen mit Andreas Scholl, dem Salzburger Bachchor und dem Bach Consort Wien Werke von Antonio Vivaldi aus seiner Zeit als künstlerischer Leiter in einem venezianischen Waisenhaus. Weiter...
    (Anneke Link, )
  • Zur Kritik... Nordisch: Wenn Sjaella die anderen Himmelsrichtungen mit der gleichen Verve und dem gleichen künstlerischen Temperament angeht, dann besteh Grund zur Vorfreude. Weiter...
    (Dr. Matthias Lange, )
blättern

Alle CD-Kritiken...

Magazine zum Downloaden

Class aktuell (4/2018) herunterladen (2986 KByte) NOTE 1 - Mitteilungen (1/2019) herunterladen (2248 KByte)

Anzeige

Jetzt im klassik.com Radio

Richard Strauss: Sonate in F-Dur (1883) - Allegro con brio

CD kaufen


Empfehlungen der Redaktion

Die Empfehlungen der klassik.com Redaktion...

Diese Einspielungen sollten in keiner Plattensammlung fehlen

weiter...


Portrait

Isabelle van Keulen im Portrait "Mir geht es vor allem um Zwischentöne"
Isabelle van Keulen im Gespräch mit klassik.com über ihre Position als Artist in Residence der Deutschen Kammerakademie Neuss am Rhein, historische Aufführungspraxis und das Spielen ohne Dirigent.

weiter...
Alle Interviews...


Anzeige

Hinweis:

Mit Namen oder Initialen gekennzeichnete Beiträge geben die Meinung des Verfassers, nicht aber unbedingt die Meinung der Redaktion wieder.

Die Bewertung der klassik.com-Autoren:

Überragend
Sehr gut
Gut
Durchschnittlich
Unterdurchschnittlich