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Freitag, 22. März 2019

Witte, Georg Hendrik - Klavierquartett & Hornquintett

Die Karriere eines Brahms-Zeitgenossen


Label/Verlag: MDG
Detailinformationen zum besprochenen Titel


Georg Hendrik Witte verkehrte mit Johannes Brahms, Joseph Joachim und Gustav Mahler und war erfolgreicher Musikdirektor in Essen. Doch heute kennt ihn kaum noch jemand. Mit dieser vorzüglichen CD des Mozart Piano Quartet lässt sich das nun ändern.

Seitdem Felix Mendelssohn Bartholdy die Musikhochschule in Leipzig gegründet hatte – übrigens vor genau 175 Jahren – wurde diese schnell zu einem der führenden Institute dieser Art in Europa, an dem sich alles versammelte und studierte, was später Rang und Namen bekam. Im Jahr 1862 zog auch der 19-jährige Georg Hendrik Witte aus Utrecht nach Leipzig zum Klavier- und Kompositionsstudium. Nach einer ersten Tätigkeit im Elsass musste er sich während des deutsch-französischen Krieges nach Hause zurückziehen, erhielt aber gleich nach dem Krieg auf Empfehlung seines Lehrers Carl Reinecke eine Anstellung als Leiter des Musikvereins in Essen. Er scheint eine große Begabung als Dirigent und Organisator gehabt zu haben, denn im Laufe seiner Amtszeit von am Ende vierzig Jahren wurde das Städtische Sinfonieorchester, die heutige Philharmonie, gegründet. Richard Strauss kam zur Eröffnung des Saalbaus, Brahms wurde eingeladen, und schließlich gab es 1906 die Uraufführung von Gustav Mahlers 6. Sinfonie unter der Leitung des Komponisten. Neben all dem rückte die kompositorische Tätigkeit des zum preußisch-königlichen Musikdirektor avancierten Witte in den Hintergrund. Vieles von dem, was er schrieb, wurde zwar aufgeführt, zum Teil auch gedruckt, ist aber inzwischen längst in der Versenkung verschwunden. Wie gut, dass es einen Enkel gibt, der sich um den Nachlass bemüht, so dass das ein oder andere doch wieder zum Vorschein kommt.

Lohnender Blick auf die Musik

Dazu gehören zwei Kammermusikwerke, die nun vom Mozart Piano Quartet (die Herren benutzen die englische Version des Namens) bei MDG eingespielt wurden. Solche Fundstücke erfordern zunächst einen Blick auf die Musik selbst. Und dieser Blick lohnt sich wahrhaftig. Beide Werke entstanden in jungen Jahren, sind traditionell aufgebaut, wie man es bei einem Leipziger Studenten erwarten kann. Die Kompositionen gehen jedoch weit über das hinaus, was ein guter Schüler beigebracht bekommt. Themen, Gegenthemen, Durchführung, Reprise – alles ist vorhanden und zwingend aufeinander aufgebaut. Die langsamen Sätze sind sehr melodisch und vielgestaltig, werden durch schnellere Abschnitte durchbrochen. Das Scherzo (im Hornquintett gibt es keins) hat Esprit, ebenso wie der Schlusssatz. Vieles verrät – besonders im Klavierquartett – die Bewunderung für Schumann, ohne ihn aber einfach zu imitieren: es sind das kleine Momente wie eine Minipause im Thema, Pralltriller, Läufe zur Steigerung der Intensität und harmonische Wendungen. Bei letzerem bewegt sich Witte bereits sehr frei und souverän durch die Tonarten. Im Klavierquartett hat keines der Instrumente die Hauptrolle, sondern alle vier spielen mit den Themen, treiben sie weiter und übergeben sie an die andere ‚Klangfarbe‘. Zwar wird das Klavier, wie in der Romantik üblich, besonders in seiner Virtuosität gefordert, aber es spielt nicht den Solisten.

Akustische Rundheit

Georg Hendrik Witte hatte bei seinem Hornquintett Brahms um eine Begutachtung gebeten. Dieser reagierte zurückhaltend, fand das Horn zu stiefmütterlich behandelt, was im Prinzip stimmt. Allerdings passt sich die Klangfarbe wunderbar ein in das Spiel des Streichquartetts und gibt dem Ganzen eine besondere Aura. Es spricht für den Hornisten Radovan Vlatković, dass er aus seinem Part nicht mehr macht, als vorhanden ist. Er hält sich zurück, passt sich klanglich an, was dem Stück eben jene akustische Rundheit verleiht, die den Hörer erfreut. Ähnlich positiv ist zum Pianisten zu sagen, dass er auf Tastendonner verzichtet, trotz des vollgriffigen Parts. Paul Rivinius spielt stets leicht, durchsichtig, den Streichern adäquat, die sich überhaupt nicht anstrengen müssen, gegen ihn anzukommen. Das hat sicher auch mit dem Credo von MDG zu tun, auf jedes aufnahmetechnische Beiwerk zu verzichten, das den ursprünglichen Klang in irgendeiner Art verändert.

Bleibt zu hoffen, dass noch weitere Preziosen des Essener Musikdirektors die Konzertsäle erblicken, besonders, wenn sie derartig liebevoll-kompetent in Szene gesetzt werden wie es hier beim Mozart Piano Quartet geschieht.



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Detail-Informationen zum vorliegenden Titel:



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    Witte, Georg Hendrik: Klavierquartett & Hornquintett

Label:
Anzahl Medien:
Veröffentlichung:
MDG
1
27.10.2017
EAN:

760623204666


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MDG

Die klangrealistische Tonaufnahme

»Den beim Sprechen oder Musizieren entstehenden Schall festzuhalten, um ihn zu konservieren und beliebig reproduzieren zu können, ist eine Idee, die seit langem die Menschen beschäftigte. Waren zunächst eher magische Aspekte im Spiel, die die Phantasie beflügelten wie etwa bei Giovanni deila Porta, der 1598 den Schall in Bleiröhren auffangen wollte, so führte mit fortschreitender Entwicklung naturwissenschaftlichen Denkens ein verhältnismäßig gerader Weg zur Lösung...« (Riemann Musiklexikon)

Seit Beginn der elektrischen Schallaufzeichnung ist der Tonmeister als »Klangregisseur« bei der Aufnahme natürlich dem Komponisten und dem Interpreten, aber auch dem Hörer verpflichtet. Die Mittel zur Tonaufzeichnung sind hinlänglich bekannt. Die Kriterien für ihren Einsatz bestimmt das Ohr. Deshalb für den Hörer hier eine Beschreibung unserer Hörvorstellung.

Lifehaftigkeit

In der Gewißheit, daß der Konzertsaal im Wohnzimmer (leider) nicht realisierbar ist, konzentriert sich unser Bemühen darauf, die Illusion einer Wirklichkeit zu vermitteln. Die Musik soll im Hörraum so wiedererstehen, daß spontan der Eindruck der Unmittelbarkeit entsteht, das lebendige Klanggeschehen mit der ganzen Atmosphäre der »Lifehaftigkeit« erlebt wird. Da wir praktisch ausschließlich menschliche Stimmen und »klassische« Instrumente - auch sie haben ihren Ursprung im Nachahmen der Stimme - aufnehmen, konzentriert sich unsere Klangvorstellung auf natürliche Klangbalance und tonale Ausgeglichenheit im Ganzen, und instrumentenhafte Klangtreue im Einzelnen. Darüber hinaus natürliche, ungebremste Dynamik und genaueste Auflösung auch der feinsten Spannungsbögen. Weitestgehend bestimmend für die Illusion der Lifehaftigkeit ist auch die Ortbarkeit der Klangquellen im Raum: freistehend, dreidimensional, realistisch.

Musik entsteht im Raum

Um diesen »Klangrealismus« einzufangen, ist bei den Aufnahmen von MDG eine natürliche Akustik unbedingte Voraussetzung. Mehr noch, für jede Produktion wird speziell in Hinblick auf die Besetzung und den Kompositionsstil der passende Aufnahmeraum ausgesucht. Anschließend wird »vor Ort« die optimale Plazierung der Musiker und Instrumente im Raum erarbeitet. Dieser ideale »Spielplatz« ermöglicht nun nicht nur die akustisch beste Aufnahme, sondern inspiriert durch seine Rückwirkung die Musiker zu einer lebendigen, anregenden Musizierlust und spannender Interpretation. Können Sie sich die Antwort des Musikers vorstellen auf die Frage, ob er lieber in einem trockenen Studio oder in einem Konzertsaal spielt?

Die Aufnahme

Ist der ideale Raum vorhanden, entscheidet sich der gute Ton an den Mikrofonen - verschiedene Typen mit speziellen klanglichen Eigenheiten stehen zur Auswahl und wollen mit dem Klang der Instrumente im Raum in Harmonie gebracht werden. Ebenso wichtig für eine natürliche Abbildung ist die Anordnung der Mikrofone, damit etwa die richtigen Nuancen in der solistischen Darstellung oder die Kompensation von Verdeckungseffekten realisierbar werden. Das puristische Ideal »nur zwei Mikrofone« kann selten den komplexen Anforderungen einer Aufnahme mit mehreren Instrumenten gerecht werden. Aber egal wie viele Mikrofone verwendet werden: Stellt sich ein natürlicher Klangeindruck ein, ist die Frage nach dem Zustandekommen des »Lifehaftigen« zweitrangig. Entscheidend ist, es klingt so, als wären nur zwei Mikrofone im Spiel.

Ohne irgendwelche »Verschlimmbesserer« wie Filter, Limiter, Equalizer, künstlichen Hall etc. zu benutzen, sammeln wir die Mikro-Wellen übertragerlos in einem puristischen Mischpult und geben das mit elektrostatischem Kopfhörer kontrollierte Stereosignal linear und unbegrenzt an den AD-Wandler und zum digitalen Speicher weiter. Dadurch bleiben auch die feinsten Einschwingvorgänge erhalten. Auf der digitalen Ebene wird dann ohne klangmanipulierende Eingriffe mit dem eigenen Editor in unserem Hause das Band zur Herstellung der Compact Disc für den Hörer erstellt, für Ihr hoffentlich großes Hörvergnügen.


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