> > > Saint-Saens, Camille: Werke für Violine und Orchester
Mittwoch, 20. Februar 2019

Saint-Saens, Camille - Werke für Violine und Orchester

Erfindungsreichtum und Raffinesse


Label/Verlag: Naxos
Detailinformationen zum besprochenen Titel


Technisch einwandfrei, unter dem Aspekt der Gestaltungsmöglichkeiten aber mit Luft nach oben: Tianwa Yang interpretiert sieben kürzere Werke für Violine und Orchester von Saint-Saens.

Das dritte Violinkonzert op. 61 von Camille Saint-Saëns ist ein überragendes Werk, vielleicht das beste Violinkonzert aus der Feder eines französischen Komponisten überhaupt. Nahezu jeder Geiger von Rang hat es in seinem Repertoire, die Anzahl der vorhandenen Einspielungen ist kaum überschaubar. Deutlich seltener gespielt werden dagegen die ersten beiden Konzerte, und auch die übrigen (kürzeren) Stücke für Violine und Orchester fristen eher ein Nischendasein. Noch relativ bekannt sind die 'Havanaise' op. 83 sowie 'Introduction et Rondo capriccioso' op. 28 – zwei Werke, die Geigen-Legende Jascha Heifetz häufig aufführte.

Die vier anderen Kompositionen für Violine und Orchester aus der Feder des Franzosen, die Tianwa Yang hier eingespielt hat, haben echten Seltenheitswert: Der 'Morceau de concert' op. 62, die beiden 'Romances' op. 48 und 37 sowie das 'Caprice andalou' op. 122. Yang wird vom Symphonieorchester Mamlmö unter Marc Soustrot begleitet. Mit dem formal exotischen Spätwerk 'La Muse et le Poète' op. 132 befindet sich außerdem ein Werk auf dieser CD, das kaum schlüssig einer Gattung zugeordnet werden kann, besetzt für Violine, Violoncello und Orchester – jedoch von seiner Anlage her kein Doppelkonzert wie dasjenige von Johannes Brahms. An Yangs Seite musiziert hier der Cellist Gabriel Schwabe.

Auch wenn es sich bei allen sieben hier versammelten Stücken nicht um reine Virtuosenmusik handelt – das Orchester also durchaus ein gewichtiges Wort mitspricht – steht und fällt die Wirkung doch mit der geigerischen Leistung. Unter diesem Aspekt schlägt sich Yang höchst achtbar, auch wenn der letzte Mut zum Risiko, zum violinistischen Hochseilakt etwa im 'Rondo capriccioso' zu fehlen scheint. Die reine Technik ist aber nur die eine (wenn auch sehr wichtige) Seite, die andere ist die Fähigkeit zur melodischen Gestaltung. Saint-Saëns‘ ebenso genial erfundene wie verarbeitete Themen benötigen Flexibilität und höchste Differenzierung, sonst können sie leicht oberflächlich wirken. Beide Aspekte lässt Yang gelegentlich vermissen, wenn sie etwa in der 'Romance' op. 48 recht gleichförmig agiert. Gewiss ist das immer noch sehr klangschön und wird vom Orchester aus Malmö einwandfrei begleitet, doch man wird den Eindruck nicht los, dass aus dieser Musik mehr herausgeholt werden könnte.

Überschaubare Gestaltungskraft, einwandfreie Akustik

Gelungenstes Werk auf der Silberscheibe ist das eigenartige Duett 'La Muse et le Poète', wo sich Yang und Schwabe gekonnt die Motive zuspielen und den Spannungsbogen bis zur gelungenen Schluss-Steigerung jederzeit halten. Dank der durchsichtigen Instrumentation, aber auch dank Soustrots Dirigat gibt es keine Balanceprobleme zwischen den beiden Solisten und dem Orchester. In den übrigen Werken für Violine wiederholt sich aber Yangs Problem, den Stücken das notwendige Maß an Gestaltungskraft abzugewinnen. Dies zeigt sich auch in der 'Havanaise', die sie technisch einwandfrei, aber etwas risikoarm absolviert. Ihre Dynamik bleibt oft im Mezzoforte, die dieser Musik eigenen Extreme werden bewusst gemieden. So kann sich nicht die Wirkung entfalten, die Saint-Saëns‘ Werke im Idealfall ausstrahlen. Akustisch präsentieren sich alle Aufnahmen einwandfrei, die Balance zwischen Solo und Orchester ist gut gelungen.

Für jeden Hörer, der die inspirierte und raffinierte Musik von Saint-Saëns schätzt, ist diese CD auf jeden Fall empfehlenswert, auch wenn bei der solistischen Darbietung in den meisten Werken noch etwas Luft nach oben ist. Dass die meisten der hier zu hörenden Werke heute aus den Konzertsälen verschwunden sind, dürfte kaum an der Musik selbst liegen, sondern hat vermutlich ganz praktische Gründe: Die Kompositionen sind deutlich kürzer als ein ‚normales‘ Solokonzert und würden vom Solisten bei einer Aufführung mutmaßlich einen weiteren Beitrag erwarten lassen – so dass die Veranstalter dann doch lieber auf ein gewöhnliches Solokonzert zurückgreifen. Das ist sehr schade, dem Publikum entgeht dadurch erstklassige Musik – auf dieser CD ist sie immerhin greifbar.


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Naxos

Als der Unternehmer Klaus Heymann 1982 für seine Frau, die Geigerin Takako Nishizaki in Hongkong das Plattenlabel Marco Polo gründete, war dies der Beginn einer beispiellosen Erfolgsgeschichte. Fünf Jahre später rief Heymann das Label NAXOS ins Leben, das in der Klassikwelt längst zur festen Größe geworden ist und es bis heute versteht, hohe Qualität zu günstigen Preisen anzubieten. Der einzigartige und sich ständig erweiternde Katalog des Labels umfasst mittlerweile über 8.000 CDs mit mehr als 130.000 Titeln - von Kostbarkeiten der Alten Musik über sämtliche berühmten "Klassiker" bis hin zu Schlüsselwerken des 21. Jahrhunderts. Dabei wird der Klassik-Neuling ebenso fündig wie der Klassikliebhaber oder -sammler. International bekannte Künstler wie das Kodály Quartet, die Geigerin Tianwa Yang, der Pianist Eldar Nebolsin und die Dirigenten Marin Alsop, Antoni Wit, Leonard Slatkin und Jun Märkl werden von NAXOS betreut. Darüber hinaus setzt NAXOS modernste Aufnahmetechniken ein, um höchste Klangqualität bei seinen Produktionen zu erreichen und ist Vorreiter in der Produktion von hochauflösenden Blu-ray Audios - Grund genug für das renommierte britische Fachmagazin "Gramophone", NAXOS zum "Label of the Year" 2005 zu küren. Auch im digitalen Bereich nimmt NAXOS eine Vorreiterrolle ein: Bereits seit 2004 bietet das Label mit der NAXOS MUSIC LIBRARY ein eigenes Streamingportal mit inzwischen über 1 Million Titel an und unterhält mit ClassicsOnline zudem einen eigenen Download-Shop.


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