> > > Clear or Cloudy: Vokalwerke von Purcell, Hume, Croft u.a.
Samstag, 29. Januar 2022

Clear or Cloudy - Vokalwerke von Purcell, Hume, Croft u.a.

Clear, nicht cloudy


Label/Verlag: Accent
Detailinformationen zum besprochenen Titel


Ein in der Summe großartiges Porträt der Stimme Benno Schachtners, das nicht nur das bei Dowland & Co. Allfällige und Erwartbare betont, sondern eine erfreulich komplette Stimme voller Charme präsentiert, die zu größten Erwartungen Anlass gibt.

Eine Geschichte der Liebe ist es, die der vielfach und zurecht gefeierte Countertenor Benno Schachtner auf seiner ersten Solo-Platte vorstellt: Liebe in vielen Gestalten, von zarter Verliebtheit über entflammte Leidenschaft und die dunklen Abseiten tiefen Fühlens bis zum ätherisch überhöhten Idealzustand – von Menschen vielleicht kaum je zu erreichen. Dichter und Komponisten mancher Zeit haben sich davon umso mehr inspirieren lassen. Vielleicht lässt sich ein solcher Bogen kaum subtiler abbilden als mit den Schöpfungen der großen Engländer wie John Dowland, Tobias Hume oder Robert Johnson, später dann John Blow und Henry Purcell.

Schachtner tut es, versammelt ein Dutzend Stücke unter einem ausdrucksstarken Bogen. Das affektiv Einseitige meidet er souverän dadurch, dass Purcell eine prominente Rolle spielt: Der weitet das expressive Potenzial deutlich ins Dramatische, wo Dowland noch still verzagte oder Hume einsam litt. Diese Varianz ist ein entscheidender Pluspunkt der Platte unter all den edlen Programmen mit Musik aus jener Zeit, an denen ja, auch hochklassig interpretiert, kein Mangel herrscht. Hier unterstreichen das auch die drei Mitstreiter Schachtners: Axel Wolf auf der Laute, Jakob D. Rattinger auf der Viola da gamba und Andreas Küppers auf dem Cembalo – mit substanziellen Beiträgen in der Begleitung, dazu in feinen Soli.

Herausragend

Benno Schachtner, erst Anfang dreißig und doch schon höchst erfolgreich im Geleitschutz namhafter Interpreten wie René Jacobs, Christoph Spering oder Hans-Christoph Rademann, ist längst eine Größe eigenen Rechts: 2012 als erster Countertenor Bachpreisträger, ist er in seiner überreichen Veranlagung die vielleicht größte deutsche Counter-Hoffnung seit Andreas Scholl, auch wenn solcher Vergleich kaum nötig ist, um seine Qualitäten angemessen zu würdigen: Schachtner hat eine wunderbar flutende, ganz und gar harmonisch gebaute Stimme mit auffallend edel ineinander verblendeten Registern – präsent und klar in allen Lagen, ohne jede Manier. Die Tiefe klingt ausgesprochen männlich, das Höhenfinish ist atemberaubend. Er ist gleichermaßen ein Lyriker von Graden und bleibt dem Repertoire in dieser Hinsicht nichts schuldig wie er sich technisch furios in den dramatisch geweiteten Purcell-Sätzen zeigt. Und er nutzt diese Momente des Kontrasts, um das Programm mit leichter Hand der Gefahr des Monochromen zu entreißen.

Mitentscheidend für den Erfolg der Einspielung sind seine musikalischen Partner: Sie liefern plastische, hochidiomatische Beiträge, immer erlesen, nie pauschal oder pflichtschuldig. Eminente Spielfreude zeigt sich schon in den Begleitungen, die atmosphärisch dicht geraten. Die solistischen Chancen nutzen sie uneitel, doch mit bewusster Geste, profilieren sich auf diesen kleinen Inseln erstaunlich deutlich. Intoniert wird makellos, instrumental und vokal in jedem Moment unangefochten. Das Klangbild erweist sich als kongenial perfekt: Gesammelt, mit großartiger Präsenz aller Anteile, die Vokalstimme in allen Aspekten fassend, dazu mit einem Fest instrumentaler Impulse.

Ein in der Summe großartiges Porträt der Stimme Benno Schachtners, das nicht nur das bei Dowland & Co. Allfällige und Erwartbare betont, sondern eine erfreulich komplette Stimme voller Charme präsentiert, die zu größten Erwartungen Anlass gibt.

Interpretation:
Klangqualität:
Repertoirewert: 
Booklet:






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Detail-Informationen zum vorliegenden Titel:



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    Clear or Cloudy: Vokalwerke von Purcell, Hume, Croft u.a.

Label:
Anzahl Medien:
Veröffentlichung:
Accent
1
06.10.2017
Medium:
EAN:

CD
4015023243330


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Accent

Schon bei der Gründung des Labels 1979 durch Andreas Glatt war klar, dass ACCENT sich fast ausschließlich mit Alter Musik in historischer Aufführungspraxis beschäftigen würde. Die Künstler, die für ACCENT aufnehmen oder aufgenommen haben, gehörten von Anfang an zu den renommiertesten Interpreten der "Alte-Musik-Szene": darunter die Brüder Barthold, Sigiswald und Wieland Kuijken, René Jacobs, Jos van Immerseel, Maria Cristina Kiehr mit La Colombina, Paul Dombrecht, Marcel Ponseele mit seinem Ensemble Il Gardellino, aber auch jüngere Künstler wie Ewald Demeyere und sein Bach Concentus, das Ensemble Private Musicke mit Pierre Pitzl oder das Amphion Bläseroktett. Der ACCENT-Katalog möchte den neugierigen Musikfreund auf eine Reise durch die Welt der Alten Musik mitnehmen. Dabei wird er, neben ausgewählten Standardwerken, nicht selten Stücken begegnen, die kaum im Konzertbetrieb oder auf CD anzutreffen sind. Erstaunlicherweise stammen sie nicht nur von wenig bekannten Komponisten, sondern auch von so großen Namen wie Johann Sebastian Bach oder Georg Philipp Telemann. Diese Raritäten werden für ACCENT nicht allein um ihres Seltenheitswerts aufgenommen, sondern vielmehr, weil sie wichtige, bislang sträflich vernachlässigte Werke sind, deren Entdeckung zu einem persönlichen Anliegen der Interpreten wurde.


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