> > > Still und Nacht: Lieder von Fürstenthal, Strauss, Schumann, Schubert u.a.
Donnerstag, 28. Oktober 2021

Still und Nacht - Lieder von Fürstenthal, Strauss, Schumann, Schubert u.a.

Ungeschönt, authentisch und mutig


Label/Verlag: OehmsClassics
Detailinformationen zum besprochenen Titel


'Stille und Nacht' ist eine CD zum Träumen und Nachdenken, auch zum Genießen und definitiv zum Freuen auf Zukünftiges.

Der junge österreichische Bariton Rafael Fingerlos steht am Beginn seiner bereits beachtlichen Karriere. Als Ensemblemitglied der Wiener Staatsoper und als Gast in Dresden, Salzburg und anderen renommierten Bühnen feierte der charismatische Sänger große Erfolge. Nun liegt beim Label Oehms sein erstes Soloalbum vor, auf dem sich Rafael Fingerlos ausschließlich dem Liedgesang widmet – einer Kunstform, die ihm offenbar eine Herzensangelegenheit ist. So setzt Fingerlos im eigens verfassten Begleittext zu seiner CD auch klare Zeichen für einen authentischen und emotionalen Zugang zu den ausgewählten Liedern und für die wirklich außergewöhnliche Aufnahmesitzung des Albums ‚Stille und Nacht‘: Der Sänger und sein Pianist Sascha El Mouissi haben das Album zwar unter Studiobedingungen eingespielt, verzichten aber auf kleinteilige Schönheitskorrekturen und die digitale Sterilität, die bei solchen Zusammenstellungen entstehen kann. In großen Blöcken haben die Künstler ihre Liedauswahl aufgenommen, kommen mal schneller, mal langsamer zur nächsten Nummer, der akustische Bogen wird nur selten unterbrochen. Somit wirkt ‚Stille und Nacht‘ ungemein direkt, ungeschönt, authentisch und mutig.

Das Thema des Albums generiert sich aus dem abschließenden Lied 'Stille Nacht' von Franz Xaver Gruber und Joseph Mohr – eines der wohl bekanntesten Weihnachtslieder. Es stammt ursprünglich aus der Heimatregion von Rafael Fingerlos und hat für den Bariton große persönliche Bedeutung. Es erklingt am Ende der CD denn auch in der Originalfassung für zwei Männerstimmen und Gitarre. Der Tenor Bernhard Berchtold duettiert aufs Schönste mit dem jungen Kollegen. Alle weiteren Lieder des Albums leiten sich aus der Assoziationskette zu ‚Stille‘ und ‚Nacht‘ her, mal sofort erkennbar, mal um einige spannende Ecken herum gedacht. Neben einigen Liedern von Johannes Brahms und Franz Schubert erklingen Werke von Richard Strauss, Clara und Robert Schumann sowie Raritäten und selten Gehörtes von Peter Cornelius, Carl Bohm, Robert Fürstenthal und Rudolf Polsterer. Fingerlos und El Mouissi haben sich mit viel Lust und Laune durch Notenstapel gewühlt, um dieses attraktive Programm zusammenzustellen.

Es ist vor allen Dingen die warm timbrierte, kernige Stimme von Rafael Fingerlos, die von der ersten Nummer an ihren Bann zieht. Sie entfaltet große Schönheit im Piano und behält auch im Forte den edlen, jugendlichen Klang. Seine Schubert-Interpretationen verzaubern durch ihre Schlichtheit im Vortrag, den langen Atem und die Innerlichkeit, mit der Fingerlos seinen Vortrag versieht. Schuberts 'Im Abendrot' und 'Der Wanderer an den Mond' gehören fraglos zu den Höhepunkten der CD. Überhaupt scheint die Stärke des Sängers in den eher ruhigen Liedern zu liegen. Hier bleibt ihm Zeit, Tonschönheit und Emotion in Einklang zu bringen, authentisch, natürlich und spontan zu wirken. Der teilweise volkstümliche Tonfall mancher Brahms-Lieder kommt ihm da sehr entgegen. Auch mit Strophenliedern weiß er traumwandlerisch umzugehen, die Wiederholungen mit kleinen Nuancen und Schattierungen zu verstehen, so dass jede Strophe zu ihrem individuellen Recht kommt. Und wenn Fingerlos in seinem Heimatdialekt 'Da unten im Tale' von Johannes Brahms singt, kann man sich eines bewundernden Lächelns beim Hören nicht erwehren, weil es so ehrlich und unverstellt und dabei unglaublich gewinnend klingt.

Sascha El Mouissi zeichnet sich als umsichtiger Begleiter aus. Er unterstützt durch rhythmische Prägnanz und transparentes Spiel, wirkt dabei aber fast eine Spur zu bescheiden. Da ist schade, denn man würde von diesem tadellos im Hintergrund agierenden Künstler gerne mehr hören – stärkere Akzente und stumme Beredsamkeit, vor allem bei den Liedern von Richard Strauss. Hier lassen aber beide Künstlern die erhoffte Tiefe und Differenzierung vermissen. Vielleicht hat der Umstand auch einfach mit Lebenserfahrung und künstlerische Reife zu tun, die zu diesem Zeitpunkt eben noch auf einem anderen Stand ist. Denn 'Breit über mein Haupt' und gerade 'Allerseelen' sind ohne Frage wunderschön gesungen und lassen in puncto Artikulation keine Wünsche offen. Aber sie bleiben in Fragen des Ausdrucks und wirklicher Durchdringung deutlich hinter anderen Liedern des Albums zurück. Auch das einst von Rudolf Schock so träumerisch gesungene 'Still wie die Nacht' von Carl Bohm atmet wenig Leidenschaft oder romantisches Empfinden. Immerhin vermeiden Fingerlos und El Mouissi aber die massive Kitschgefahr dieser Nummer – das ist ihnen nicht hoch genug anzurechnen.

Und so hat dieses beeindruckende Soloalbum eben seine Höhen und weniger hohen Höhen – Tiefpunkte gibt es tatsächlich nicht. Schlicht ergreifend ist der direkte Tonfall für die geistlichen Lieder von Peter Cornelius und auch die bislang eher unerhörten Lieder von Robert Fürstenthal, wie sein ‚Liebeslied‘, oder Rudolf Polsterers ‚Die Zeit steht still‘ kommen durch den Einsatz der beiden Künstler wieder zu ihrem Recht. ‚Stille und Nacht‘ ist eine CD zum Träumen und Nachdenken, auch zum Genießen und definitiv zum Freuen auf Zukünftiges.

Interpretation:
Klangqualität:
Repertoirewert: 
Booklet:





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Detail-Informationen zum vorliegenden Titel:



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    Still und Nacht: Lieder von Fürstenthal, Strauss, Schumann, Schubert u.a.

Label:
Anzahl Medien:
Veröffentlichung:
OehmsClassics
1
27.10.2017
Medium:
EAN:

CD
4260330918796


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OehmsClassics

Ein erfülltes Leben ist ohne Musik kaum denkbar. Musik spiegelt unsere Wahrnehmung der Umwelt und die Realität heutiger wie vergangener Zeiten. Gute Musik ist immer neu, immer frisch, immer wieder entdeckenswert. Deshalb bin ich überzeugt: Es gibt nicht -die- eine, definitive, beste Interpretation der großen Werke der Musikgeschichte. Und genau das macht klassische Musik so spannend: Jede Musikergenerationen experimentiert, entdeckt neue Blickwinkel, setzt unterschiedliche Schwerpunkte - derselbe Notentext wird immer wieder von anderen Strömungen belebt.

Deshalb ist ein Musikstück, egal aus welchem Jahrhundert, auch immer Neue Musik. OehmsClassics hat es sich zur Aufgabe gemacht, am Entdecken der neuen Seiten der klassischen Musik mitzuwirken.

Unser Respekt vor den künstlerischen Leistungen der legendären Interpreten ist gewiss. Unser Ziel als junges CD-Label sehen wir jedoch darin, den interpretatorischen Stil der Gegenwart zu dokumentieren. Junge Künstler am Anfang einer internationalen Karriere und etablierte Künstler, die neue Blickwinkel in die Interpretationsgeschichte einbringen - sie unterstützen wir ganz besonders und geben ihnen ein Forum, um auf dem Tonträgermarkt präsent zu sein.

Sie, liebe Musikhörer, bekommen damit die Gelegenheit, heute die Musikaufführung zu Hause nachzuvollziehen, die Sie gestern erst im Konzertsaal oder Opernhaus gehört haben. Wir laden Sie ein, gemeinsam mit uns die neuen Seiten der klassischen Musik zu erleben!


Ihr
Dieter Oehms


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