> > > Unvergänglichkeit - Permanence: Lieder von Korngold, Mahler, Reger und Weill
Samstag, 4. Februar 2023

Unvergänglichkeit - Permanence - Lieder von Korngold, Mahler, Reger und Weill

Für die Ewigkeit


Label/Verlag: OehmsClassics
Detailinformationen zum besprochenen Titel


Auf der Suche nach den wenigen Aufnahmen für die berühmte einsame Insel, wäre Michaela Schusters 'Unvergänglichkeit' sicherlich unter den Favoriten.

Das Thema des neuen Albums von Michaela Schuster ist ein weit gefasstes: Unvergänglichkeit – die Suche nach dem Beständigen, nach der Ewigkeit, ein Kommen und Gehen, Fragen und Antworten. Der Titel passt wunderbar zum nachdenklichen, leicht melancholischen Ton der Sängerin, zu ihrer unvergleichlichen Fähigkeit, Geschichten zu erzählen und dabei auf kleinem Raum einen eigenen Kosmos zu erschaffen. Und das thematische Kreisen um die Unvergänglichkeit lässt sinnfällig auch den Schluss zu, dass mit diesem Album ebenfalls ein Tondokument für die eigene, kleine Ewigkeit vorliegt. Auf der Suche nach den wenigen Aufnahmen für die berühmte einsame Insel, wäre Michaela Schusters CD, die im Mai 2017 live in Marienmünster mitgeschnitten wurde und nun beim Label Oehms vorliegt, sicherlich unter den Favoriten.

Zusammen mit dem Pianisten Matthias Veit hat Michaela Schuster das Programm rund um den titelgebenden Liederzyklus ‚Unvergänglichkeit‘ von Erich Wolfgang Korngold herum entstehen lassen. Er bildet sozusagen das Zentrum und wird durch weitere Korngold-Lieder und Werke von Max Reger, Gustav Mahler und Kurt Weill bereichert. Die Lieder sind thematisch sortiert, ergänzen sich oder bilden bewusste Kontraste innerhalb der mit „Ruhe“, „Unruhe“, „Kommen und Gehen“, „Vergehen und Bestehen“, „Beginnen und Enden“ und „Nähe und Ferne“ überschriebenen Abteilungen. Die große musikalische Klammer gewährleistet die ‚Unvergänglichkeit‘ von Korngold, die auch in seinem gleichnamigen Zyklus am Anfang und am Ende gesungen werden soll.

Faszinierend ist die gegenseitige Befruchtung der auf den ersten Blick recht unterschiedlichen Liedstile. Die frühen Mahler-Lieder wie 'Nicht wiedersehen!' oder 'Phantasie' ahnen bereits die Klangwelt eines Erich Wolfgang Korngold voraus und dieser Wiederum kennt keine Scheu, Altes mit Neuem zu kombinieren, zwischen sehnsuchtsvoller Melodik und expressiven Ausbrüchen eine authentische Tonsprache zu pflegen. Wie herb klingen hier mit einem Mal die klassizistisch angehauchten Lieder Max Regers und zugleich wie pur und sinnlich. Und auch die Werke Kurt Weills atmen eben nicht den so oft bemühten Chansonton, sondern dürfen ihren Stellenwert als unprätentiöse Kunstlieder voll auskosten.

Dass dieses Kunststück gelingt, liegt an den beiden Ausnahmekünstlern, die dieses kluge Programm mit Eindringlichkeit und großer Liebe zum Detail gestalten. Michaela Schusters Stimme hat etwas Magisches an sich. Wenn sie singt, trifft der Ton mitten ins Herz. Da finden Schönheit und Wahrhaftigkeit zu einer seltenen Einheit, denn nie geht es der Sängerin um bloßen Schöngesang. Sie beherrscht die Kunst der Farben, sie zieht, wenn nötig, die großen, opernhaften Register ihres dramatischen Mezzosoprans und kann Sekunden später mit feinem Pinselstrich eine atemberaubende Intimität herstellen. Matthias Veit begleitet die Künstlerin mit viel Umsicht, atmet mit ihr und legt die zu erzählenden Geschichten in seine Finger. Sein beredtes Spiel ist ein ungemeiner Gewinn für dieses Programm, weil er eben auch in strophisch gebauten Liedern nie eine wirkliche Wiederholung spielt, sondern eine innere Entwicklung der Musik hörbar macht. Bei so populären Liedern wie Weills 'Nannas Lied' oder dem packenden 'Wie lange noch' ist diese Fähigkeit von bezwingender Kraft.

Eine Aufzählung aller eingespielten Lieder – über dreißig an der Zahl – erscheint sinnlos, weil dadurch das wieder auseinandergerissen werden würde, was so sinnfällig und stimmungsvoll zusammengefügt wurde. ‚Unvergänglichkeit‘ erzeugt beim Hören einen inneren Sog, der es fast schon unwichtig macht, ob gerade Korngold, Mahler, Reger oder Weill erklingt. Man lauscht und lässt sich verzaubern: von singenden Fingern, von Schusters prachtvoller Stimme, ihrer Intensität, ihrer Magie, von berührenden Texten und von den Klängen einer weit gefassten Epoche, deren eigene Suche nach Unvergänglichkeit die unterschiedlichsten Antworten und Fragen aufwirft.

Interpretation:
Klangqualität:
Repertoirewert: 
Booklet:






Dieser Beitrag hat Ihnen gefallen? Empfehlen Sie ihn weiter!

Ihre Meinung? Kommentieren Sie diesen Artikel

Jetzt einloggen, um zu kommentieren.
Sind Sie bei klassik.com noch nicht als Nutzer angemeldet, können Sie sich hier registrieren.



Detail-Informationen zum vorliegenden Titel:



Cover vergrößern

    Unvergänglichkeit - Permanence: Lieder von Korngold, Mahler, Reger und Weill

Label:
Anzahl Medien:
Veröffentlichung:
OehmsClassics
1
27.10.2017
Medium:
EAN:

CD
4260330918819


Cover vergössern

OehmsClassics

Ein erfülltes Leben ist ohne Musik kaum denkbar. Musik spiegelt unsere Wahrnehmung der Umwelt und die Realität heutiger wie vergangener Zeiten. Gute Musik ist immer neu, immer frisch, immer wieder entdeckenswert. Deshalb bin ich überzeugt: Es gibt nicht -die- eine, definitive, beste Interpretation der großen Werke der Musikgeschichte. Und genau das macht klassische Musik so spannend: Jede Musikergenerationen experimentiert, entdeckt neue Blickwinkel, setzt unterschiedliche Schwerpunkte - derselbe Notentext wird immer wieder von anderen Strömungen belebt.

Deshalb ist ein Musikstück, egal aus welchem Jahrhundert, auch immer Neue Musik. OehmsClassics hat es sich zur Aufgabe gemacht, am Entdecken der neuen Seiten der klassischen Musik mitzuwirken.

Unser Respekt vor den künstlerischen Leistungen der legendären Interpreten ist gewiss. Unser Ziel als junges CD-Label sehen wir jedoch darin, den interpretatorischen Stil der Gegenwart zu dokumentieren. Junge Künstler am Anfang einer internationalen Karriere und etablierte Künstler, die neue Blickwinkel in die Interpretationsgeschichte einbringen - sie unterstützen wir ganz besonders und geben ihnen ein Forum, um auf dem Tonträgermarkt präsent zu sein.

Sie, liebe Musikhörer, bekommen damit die Gelegenheit, heute die Musikaufführung zu Hause nachzuvollziehen, die Sie gestern erst im Konzertsaal oder Opernhaus gehört haben. Wir laden Sie ein, gemeinsam mit uns die neuen Seiten der klassischen Musik zu erleben!


Ihr
Dieter Oehms


Mehr Info...


Cover vergössern
Jetzt kaufen bei...
Titel bei JPC kaufen


Weitere Besprechungen zum Label/Verlag OehmsClassics:

  • Zur Kritik... Zeitgenossen der Vergangenheit: Höchst selten gespieltes Repertoire, im Falle von Paul Arma sogar eine Ersteinspielung – so richtig überzeugen können die drei hier versammelten Violinsonaten jedoch nicht. Weiter...
    (Dr. Michael Loos, )
  • Zur Kritik... Weibliche Perspektiven: Ein veritables künstlerisches Lebenszeichen von Singer Pur, mit etlichen starken weiblichen komponierenden Stimmen, die das Programm üppig mit Qualität aufladen. Eine fein programmierte und gesungene Platte. Weiter...
    (Dr. Matthias Lange, )
  • Zur Kritik... Leidenschaftlich und souverän: Dmitrij Kitajenko und das Gürzenich-Orchester präsentieren einen leidenschaftlich vorgetragenen Tschaikowsky, allerdings mit bekanntem Standard-Repertoire. Weiter...
    (Dr. Michael Loos, )
blättern

Alle Kritiken von OehmsClassics...

Weitere CD-Besprechungen von Benjamin Künzel:

  • Zur Kritik... Auftakt zu einer Trilogie: 'Christus das Kind' ist eine interessante Ausgrabung, die das Umfeld frühromantischer Oratorienliteratur verdeutlicht bzw. erst ins Blickfeld rückt. Ein 'Aha!'-Effekt stellt sich aber nicht ein. Weiter...
    (Benjamin Künzel, )
  • Zur Kritik... Von spröder Schönheit: Unerhörte Ausgrabungen, konsequente Programmzusammenstellung und die spröde Schönheit der Darbietung machen das Album 'Trennung' zu einem faszinierenden Beitrag auf dem aktuellen Plattenmarkt. Weiter...
    (Benjamin Künzel, )
  • Zur Kritik... Authentischer Grenzgänger: Alois Mühlbacher überrascht – wieder einmal – mit für ihn ungewöhnlichem Repertoire. Weiter...
    (Benjamin Künzel, )
blättern

Alle Kritiken von Benjamin Künzel...

Weitere Kritiken interessanter Labels:

  • Zur Kritik... Seltene Cello-Werke: Bartosz Koziak spielt Musik von Bohuslav Martinu. Weiter...
    (Dr. Jan Kampmeier, )
  • Zur Kritik... Auftakt zu einer Trilogie: 'Christus das Kind' ist eine interessante Ausgrabung, die das Umfeld frühromantischer Oratorienliteratur verdeutlicht bzw. erst ins Blickfeld rückt. Ein 'Aha!'-Effekt stellt sich aber nicht ein. Weiter...
    (Benjamin Künzel, )
  • Zur Kritik... Suggestive Trauergesänge: Glagolitische Riten beeindruckten Igor Kuljerić seit seiner Jugend. In seiner Totenmesse sprengt er damit den Rahmen. Weiter...
    (Christiane Franke, )
blättern

Alle CD-Kritiken...

Magazine zum Downloaden

Class aktuell (3/2022) herunterladen (5000 KByte) NOTE 1 - Mitteilungen (2/2023) herunterladen (5000 KByte)

Anzeige

Jetzt im klassik.com Radio

Ignaz Joseph Pleyel: String Quartet Ben 342 in D major - Rondo. Moderato - Presto assai

CD kaufen


Empfehlungen der Redaktion

Die Empfehlungen der klassik.com Redaktion...

Diese Einspielungen sollten in keiner Plattensammlung fehlen

weiter...


Portrait

Der Pianist Herbert Schuch im Gespräch mit klassik.com.

"Bei der großen Musik ist es eine Frage auf Leben und Tod."
Der Pianist Herbert Schuch im Gespräch mit klassik.com.

weiter...
Alle Interviews...


Sponsored Links

Hinweis:

Mit Namen oder Initialen gekennzeichnete Beiträge geben die Meinung des Verfassers, nicht aber unbedingt die Meinung der Redaktion wieder.

Die Bewertung der klassik.com-Autoren:

Überragend
Sehr gut
Gut
Durchschnittlich
Unterdurchschnittlich