> > > Piazzolla, Astor: Kammermusikwerke
Dienstag, 12. Dezember 2017

Piazzolla, Astor - Kammermusikwerke

Kleine Besetzung für große Musik


Label/Verlag: Naxos
Detailinformationen zum besprochenen Titel


Astor Piazzolla und der entscheidend von ihm mitgesprägte Tango Nuevo erfreuen sich schon seit Jahren großer Beliebtheit. Aber wie spielt man diese Musik 'richtig'?

Zwei junge Musiker aus den USA legen mit ‚Legacy‘ ihre zweite Piazzolla-CD vor. Darauf sind sehr bekannte Titel mit weniger bekannten gut gemischt. Im Zentrum stehen die 'Cuatro estaciones porteñas', die Vier Jahreszeiten. Piazzolla nimmt hier bekanntlich Bezug auf Vivaldis Jahreszeiten-Konzerte, und so liegt es nahe, dass der Geiger Tomás Cotik sich mit dieser Musik beschäftigt. Sein Partner am Klavier ist der chinesisch-stämmige Tao Lin. Ein Duo klingt für die klangliche Darstellung von Piazzollas Musik allerdings ein bisschen dünn, weshalb denn Tomás Cotik auch die meisten Stücke bearbeitet und dann und wann durch Kontrabass oder Perkussion ergänzt hat.

Mit den Aufnahmen von Piazzollas 'Quinteto' – also mit der Originalversion – im Ohr tut man sich schwer, in die Musik dieser CD hineinzufinden. Dabei geht es nicht nur darum, dass kein Bandoneon mitspielt – das ist auch bei vielen anderen Aufnahmen nicht der Fall –, es geht um die Art der Interpretation. Piazzollas hochartifizielle Musik stellt große Ansprüche an die Musiker, die richtige Balance zwischen Schwermut und rauem Ton muss gefunden werden. Die Tatsache, dass Tomás Cotik in Argentinien geboren wurde, garantiert da noch lange nichts im Hinblick auf eine authentische Interpretation. Er ist zweifellos ein guter Geiger mit einer langen Erfahrung in Kammermusik und Orchesterspiel und hat darüber hinaus über die interpretatorische Aspekte bei Schubert promoviert.

Zusammen mit seinem Duopartner versteht er Piazzolla offensichtlich vor allem als klassischen Komponisten und legt sein Hauptaugenmerk auf die klangliche und technische Sauberkeit im Spiel – Glissandi sind dabei eingeschlossen; das Vibrato ist nicht übertrieben, der Rhythmus regelmäßig. Und doch schleicht sich beim Hören mit der Zeit eine gewisse Ermüdung ein, die damit zu tun hat, dass der Puls der Musik nicht vibriert, dass die Töne zu sauber aneinandergereiht sind, dass die Glissandi, die Vorhalte, die Verzierungen wie nebensächliche Ornamente zurückgenommen werden. Alles wirkt brav, die Musik ‚brennt‘ und tanzt nicht.

Sympathisch ist, dass die Musiker auch Titel mit aufgenommen haben, die weniger bekannt sind ('Escuardo', 'Vardarito', 'Fracanapa'). Dafür ist aber auch das unvermeidliche 'Adiós Nonino' mit dabei. Gerade hier wirkt die zurückgenommene Art der Interpretation aber sympathisch – das Stück ist an sich schon so emotional an der Grenze zur Sentimentalität, dass man da interpretatorisch nicht noch etwas obenauf satteln sollte. Auch die 'Balada para un loco' rührt an, vor allem durch den gesprochenen Text des uruguayischen Poeten Horacio Ferrer, wobei der Sprecher das typische Spanisch eines ‚Che‘ (wie die Argentinier wegen ihres italianisierten Spanisch in Lateinamerika genannt werden) benutzt und damit auf die Emotionen der Musik, die hier eher im Hintergrund agiert, noch eine besondere Farbe draufsetzt.

Interpretation:
Klangqualität:
Repertoirewert: 
Booklet:





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Detail-Informationen zum vorliegenden Titel:



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    Piazzolla, Astor: Kammermusikwerke

Label:
Anzahl Medien:
Veröffentlichung:
Naxos
1
13.10.2017
EAN:

747313378975


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Naxos

Als der Unternehmer Klaus Heymann 1982 für seine Frau, die Geigerin Takako Nishizaki in Hongkong das Plattenlabel Marco Polo gründete, war dies der Beginn einer beispiellosen Erfolgsgeschichte. Fünf Jahre später rief Heymann das Label NAXOS ins Leben, das in der Klassikwelt längst zur festen Größe geworden ist und es bis heute versteht, hohe Qualität zu günstigen Preisen anzubieten. Der einzigartige und sich ständig erweiternde Katalog des Labels umfasst mittlerweile über 8.000 CDs mit mehr als 130.000 Titeln - von Kostbarkeiten der Alten Musik über sämtliche berühmten "Klassiker" bis hin zu Schlüsselwerken des 21. Jahrhunderts. Dabei wird der Klassik-Neuling ebenso fündig wie der Klassikliebhaber oder -sammler. International bekannte Künstler wie das Kodály Quartet, die Geigerin Tianwa Yang, der Pianist Eldar Nebolsin und die Dirigenten Marin Alsop, Antoni Wit, Leonard Slatkin und Jun Märkl werden von NAXOS betreut. Darüber hinaus setzt NAXOS modernste Aufnahmetechniken ein, um höchste Klangqualität bei seinen Produktionen zu erreichen und ist Vorreiter in der Produktion von hochauflösenden Blu-ray Audios - Grund genug für das renommierte britische Fachmagazin "Gramophone", NAXOS zum "Label of the Year" 2005 zu küren. Auch im digitalen Bereich nimmt NAXOS eine Vorreiterrolle ein: Bereits seit 2004 bietet das Label mit der NAXOS MUSIC LIBRARY ein eigenes Streamingportal mit inzwischen über 1 Million Titel an und unterhält mit ClassicsOnline zudem einen eigenen Download-Shop.


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