> > > Beethoven, Ludwig van: Tripelkonzert & Klavierkonzert Nr. 3
Donnerstag, 6. August 2020

Beethoven, Ludwig van - Tripelkonzert & Klavierkonzert Nr. 3

Zweiter Streich


Label/Verlag: Ondine
Detailinformationen zum besprochenen Titel


Der Pianist Lars Vogt geht mit seinem Beethoven-Zyklus in die nächste Runde. Für das Tripelkonzert holt er sich die Tetzlaff-Geschwister mit ins Boot.

Lars Vogt ist einer der führenden Pianisten seiner Generation und darüber hinaus als Pädagoge, Festivalleiter und Dirigent erfolgreich. Bereits für die erste Folge seines neuen Zyklus sämtlicher Beethoven-Klavierkonzerte erntete er bereits viel Lob. Sein Ansatz: keine revolutionären Sichtweisen oder Rekordtempi. Vielmehr zeichnen sich seine Interpretationen durch Respekt aus. Die Auftakt-Einspielung beinhaltete die Klavierkonzerte Nr. 1 und 5, die von Vogt gemeinsam mit seinem Ensemble, der Royal Northern Sinfonia, gestaltet wurden. Auf der nun bei Ondine erschienenen zweiten Folge stehen sich das Klavierkonzert Nr. 3 in c-Moll op. 37 und das sogenannte Tripelkonzert für Klavier, Violine und Cello in C-Dur op. 56 gegenüber. Bei letzterem sind die Geschwister Tanja und Christian Tetzlaff Vogts musikalische Partner. Lars Vogt übernimmt auch auf dieser Folge wieder eine Doppelfunktion – als Dirigent und künstlerischer Leiter des Royal Northern Sinfonia sowie als Solist am Klavier.

Christian Tetzlaff, Tanja Tetzlaff und Lars Vogt zählen weltweit zu den gefragtesten Solisten und bilden seit Jahren ein ebenso erfolgreiches Kammermusik-Kollektiv. Neben den von Kritikern hochgelobten Einspielungen im kammermusikalischen Bereich wie den Klaviertrios von Johannes Brahms (2015, Ondine), den Brahm’schen Sonaten Nr. 1-3 für Violine und Klavier (2016, Ondine) oder den Sonaten für Klavier und Violine von Wolfgang Amadeus Mozart (2012, Ondine) waren sie auch Mitbegründer von Vogts Kammermusikfest ‚Spannungen‘ in der Eifel und sind auf den Konzertpodien der Welt mit ihrem vielfältigen Trio-Repertoire unterwegs. Ein eingespieltes Team also, das sich hier den verschiedenen Aspekten des Beethoven-Tripelkonzertes stellt: Die kammermusikalische Trio-Besetzung auf der einen Seite, dessen Mitglieder jedoch auf der anderen Seite als Solisten eines Orchesterapparates fungieren und mit einem sinfonischen Gefüge harmonieren. Dass die Tetzlaff-Geschwister und Vogt absolut präzise aufeinander eingespielt sind, kommt dem natürlich zugute. Mühelos gelingen ihnen die geforderten Wechselspiele. Christian Tetzlaffs feingliedriger Violinenklang mischt sich wunderbar mir der scheinbar beiläufigen Virtuosität des Celloparts von Tanja Tetzlaff und dem klaren und energiegeladenen Anschlag von Vogt. Etwas verschenkt wird von Tanja Tetzlaff jedoch leider das Potential, im Cellopart aufzutrumpfen, wobei dessen vergleichsweise virtuose Anlage hierzu doch vielerlei Möglichkeit bietet. Zwar ist die gesamte klangliche Balance gut, was mit einer stets durchsichtigen Struktur Hand in Hand geht, doch sind die dynamischen Facetten eher zurückgenommen und dessen Eckpunkte wurden nicht zur Gänze ausgelotet. Das zupackende Moment scheint an mancher Stelle auf der Strecke geblieben zu sein. Herrlich lyrisch gelingt das 'Largo', mit seinen kammermusikalisch intimen Momenten. Auch der Beginn des dritten Satzes 'Rondo alla polacca' überzeugt in seiner zarten Aufmachung, die sich im Orchestertutti in sprühenden Optimismus verwandelt und im beschwingten Gestus verweilt.

Beethovens Klavierkonzert Nr. 3 c-Moll zählt zu den beliebtesten und auch bedeutendsten Werken der Wiener Klassik. Sein düsterer Impetus, sein erhabenes Gepräge, seine kompakte Struktur machen es bis heute zu einem bevorzugt gewählten Finalkonzert bei internationalen Klavier-Wettbewerben und auch auf den Konzertpodien der Welt. Bereits die klanglich herrlich dunkle Orchestereinleitung des ersten Satzes 'Allegro con brio' gelingt der Royal Northern Sinfonia in einnehmender Weise. Das Orchester unter der Leitung von Lars Vogt überzeugt durchweg durch seine zupackende und akzentuierte Lesart. Der schnelle Stimmungsumschwung von dunkel zu zart bis hin zu Momenten von aufblinkender Freude und innerer Ruhe gelingt sowohl Orchester als auch Solist in herrlicher Abstimmung aufeinander.

Die Musiker der Royal Northern Sinfonia nehmen sich zugunsten des Klaviers zurück, was dem Soloinstrument einen äußerst spannenden Farbenteppich bereitet. Einziger Wermutstropfen: Das finale Tempo des letzten Satzes hätte noch ein wenig mehr Zug vertragen dürfen, um dem Ganzen eine noch fulminantere Krone aufzusetzen. Doch insgesamt ist Vogt und seinen Musikern eine packende Aufnahme des Konzerts gelungen, wenn auch keinen revolutionäre neue, deren musikalische Spannung sich aber auf den Zuhörer überträgt.

Äußerst positiv darf zudem das Urteil über die Klangqualität dieser Einspielung ausfallen: ausgezeichnete Aufnahmetechnik und pures Klangerleben! Bleibt zu guter Letzt noch ein positives Wort für die Bookletgestaltung, worin der interessierte Leser ein aufschlussreiches Interview mit Lars Vogt finden wird.

Interpretation:
Klangqualität:
Repertoirewert: 
Booklet:






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Detail-Informationen zum vorliegenden Titel:



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    Beethoven, Ludwig van: Tripelkonzert & Klavierkonzert Nr. 3

Label:
Anzahl Medien:
Veröffentlichung:
Ondine
1
13.10.2017
Medium:
EAN:

CD
761195129722


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Ondine

The roots of Ondine date back to 1985 when founder Reijo Kiilunen released the very first Ondine album under the auspices of the renowned Finnish Kuhmo Chamber Music Festival. The label's initial mission was to produce one live album at the Festival each season. The fourth album, however, featured Einojuhani Rautavaara's opera Thomas (ODE 704-2), raising major international attention and opening the ground for overseas distribution. Kiilunen, who was running the Festival's concert agency and had begun the recording activity part-time, soon decided to devote himself fully to the development of this new business, producing and editing the first 50 releases himself. Since 2009 the company has been a part of the Naxos Group.

Today Ondine's extensive catalogue includes nearly 600 recordings of artists and ensembles such as conductor and pianist Christoph Eschenbach, conductors Vladimir Ashkenazy, Vasily Petrenko, Mikhail Pletnev, Esa-Pekka Salonen, Hannu Lintu, Jukka-Pekka Saraste, Sakari Oramo, Leif Segerstam and John Storgårds, orchestras such as The Philadelphia Orchestra, Orchestre de Paris, London Sinfonietta, Bavarian Radio Symphony Orchestra, BBC Symphony Orchestra, Los Angeles Philharmonic, Russian National Orchestra, Czech Philharmonic, Finnish Radio Symphony Orchestra, Helsinki Philharmonic and Tampere Philharmonic, sopranos Soile Isokoski and Karita Mattila, baritone Dmitri Hvorostovsky and Gerald Finley, violinist Christian Tetzlaff, violist David Aaron Carpenter, cellist Truls Mørk and pianist Olli Mustonen.

The label has also had a long and fruitful association with Finnish composers Einojuhani Rautavaara, Magnus Lindberg and Kaija Saariaho, having recorded the premieres of many of their works and garnering many awards along the way.


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