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Samstag, 25. November 2017

Schelle, Johann - Weihnachtskantaten

Starke Stimme


Label/Verlag: cpo
Detailinformationen zum besprochenen Titel


Michael Alexander Willens' alljährlicher Beitrag zur Advents- und Weihnachtszeit ist wie stets hochwillkommen. Diese cpo-Produktionen der Kölner Akademie gehören zu den wirklich schönen Regelmäßigkeiten des Platten-Jahres. Hier mit Johann Schelle.

Johann Schelle (1648-1701) steht als Thomaskantor in einer der interessantesten Traditionslinien der Musikgeschichte: Als Nachfolger von Sethus Calvisius, Johann Hermann Schein, Tobias Michael und Sebastian Knüpfer, gleichzeitig als Vorgänger von Johann Kuhnau und Johann Sebastian Bach. Dazu mit einer Reihe hochillustrer Schüler, als da wären Johann Christoph Graupner, Johann David Heinichen oder Reinhard Keiser. Schelle modernisierte als Thomaskantor das Leipziger Musikleben entschieden. Und er setzte als Komponist vernehmliche Akzente: Das zeigt das Programm der diesjährigen Advents- und Weihnachtsproduktion der Kölner Akademie mit ihrem Leiter Michael Alexander Willens sehr deutlich. Es wird ein Bogen vom ersten Advent bis zum Weihnachtsgeschehen im engeren Sinne geschlagen, in kunstvoll gesetzten Geistlichen Konzerten, die die reichen Möglichkeiten des späten 17. Jahrhunderts und des schon erheblich gereiften Barocks souverän einbeziehen. Es wird in prächtiger Anlage musiziert, dabei subtil textdeutende und genuin instrumental konturierte Anteile miteinander verquickend. Und Schelle bezieht die Ebene des Chorals gekonnt mit ein; auch das ein Beitrag zu einem mehr als charmanten Gesamtbild.

Hauptteil des Programms ist der 'Actus Musicus auf Weyh-Nachten', in drei Teilen gesetzt, für fünf Soli und fünfstimmigen Chor, mit einer Ausdehnung von knapp 25 Minuten durchaus als größeres Werk ansprechbar – zwischen der Schützschen Historientradition und der späteren Kantate Bachscher Prägung siedelnd. Wobei die ästhetische wie inhaltliche Nähe zu Schütz deutlicher ausgeprägt scheint als die zu Bach, die sich vor allem in formalen Aspekten der musikalischen Gliederung und Organisation manifestiert. Das ist stimmungsvolle, überaus praxistaugliche Musik, mit vielen Anknüpfungspunkten an die Welt des Chorals. 'Vom Himmel hoch' klingt es immer wieder in eingeschobenen Chorsätzen. Dazu kommen weitere chorale Inspirationen, von 'In dulci jubilo' über 'Gelobet seist du, Jesu Christ' bis zu 'Lobt Gott, ihr Christen allzugleich': Kunstvoll und unaufdringlich in die reiche Musiksprache Schelles integriert.

Versiertes Ensemble

Ein dankbares Programm, wegen einiger Erstpräsentationen auch mit spürbarem Impuls für das Repertoire. Die Musik verlangt nach versierten Vokalisten, die sich sehr sicher zwischen den Anforderungen von solistischer Geste mit technischer Ambition über expressive Noten oder kleinere Ensembles sehr verschiedener Dimension bis zur versammelten Schlichtheit der choralen Ebene bewegen. Das lösen die Soprane Monika Mauch und Myriam Abbuz, die Altistin Marian Dijkhuizen, die Tenöre Georg Poplutz und Jakob Pilgram sowie der Bass Raimonds Spogis verlässlich ein. Und sie verkörpern auch die konsequente Verknüpfung mit der chorischen Ebene, indem sie, jeweils um einen Ripienisten verdoppelt, auch hier singen: Chöre gehören in dieser Musik eng und ästhetisch wie praktisch ungetrennt zu dem einen Reich des Vokalen, das es hier gibt. Im 'Actus Musicus' ist Georg Poplutz wie schon oft in ähnlichem Repertoire ein vortrefflicher Evangelist, der seine ganze Erfahrung und Stimmschönheit in die Waagschale wirft.

Die Kölner Akademie, stil- und klangbewusst, schimmert reich an Farben, subtil zum Leuchten gebracht, agiert spielfreudig und rhythmisch prägnant, mit geschärften Registerprofilen: Einfach lustvoll und lebensfroh musiziertes Weihnachten, mit einem reichen Instrumentarium, das von Zinken und Posaunen gekrönt und erstaunlicherweise besonders deutlich durch die von Johanna Seitz gespielte Harfe grundiert wird. Gemeinsam mit den Vokalisten findet das Ensemble zu einem harmonischen Ideal von sprechender Geste und musikantischer Freude. Klanglich wird das Geschehen klar und plastisch abgebildet, mit ausgewogener Präsenz aller Ebenen. Der Booklettext informiert verlässlich und umfassend. Ärgerlich ist das verwirrende Tracklisting: Die Zählung im Booklet kennt die Nummer sechs zwei Mal: Man muss ab der Sonata am Beginn des 'Actus Musicus' in Gedanken einen Track dazuzählen, um am Ball zu bleiben. Und die Zeitangaben im Heft unterscheiden sich teils deutlich von denen auf der Rückseite der CD. Ein praktischer Hinweis: Letztere sind die richtigen.

Aber das sind insgesamt redaktionelle Petitessen: Michael Alexander Willens‘ alljährlicher Beitrag zur Advents- und Weihnachtszeit ist wie stets hochwillkommen. Es wird begeisternd musiziert und es gibt fast immer schöne Impulse für das Repertoire. Diese cpo-Produktionen der Kölner Akademie gehören zu den wirklich schönen Regelmäßigkeiten des Platten-Jahres.

Interpretation:
Klangqualität:
Repertoirewert: 
Booklet:





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Detail-Informationen zum vorliegenden Titel:



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    Schelle, Johann: Weihnachtskantaten

Label:
Anzahl Medien:
Spielzeit:
cpo
1
74:34
EAN:
BestellNr.:

761203515523
cpo 555 155-2


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Schelle, Johann
 - Uns ist ein Kind geboren -
 - Vom Himmel kam der Engel Schar -
 - Die Zeit erfüllet wird -
 - Uns ist ein Kind geboren, ein Sohn ist uns gegeben -
 - Machet die Tore weit -
 - Ehre sei Gott in der Höhe -
 - Actus Musicus auf Weyh-Nachten - Sonata
 - Actus Musicus auf Weyh-Nachten - Die Geburt war also getan
 - Actus Musicus auf Weyh-Nachten - Ach Herr, du Schöpfer aller Dinge
 - Actus Musicus auf Weyh-Nachten - Sonata Pastorella
 - Actus Musicus auf Weyh-Nachten - Und es waren Hirten
 - Actus Musicus auf Weyh-Nachten - Vom Himmel hoch, da komm' ich her
 - Actus Musicus auf Weyh-Nachten - Und das habt zum Zeichen
 - Actus Musicus auf Weyh-Nachten - So merket nun das Zeichen recht
 - Actus Musicus auf Weyh-Nachten - Und alsbald war da bei dem Engel
 - Actus Musicus auf Weyh-Nachten - Sonata
 - Actus Musicus auf Weyh-Nachten - Und da die Engel
 - Actus Musicus auf Weyh-Nachten - Des lasst uns billig fröhlich sein
 - Actus Musicus auf Weyh-Nachten - Sonata Pastorella
 - Actus Musicus auf Weyh-Nachten - Und die Hirten kamen eilend
 - Actus Musicus auf Weyh-Nachten - Merk auf, mein Herz, und sieh dorthin
 - Actus Musicus auf Weyh-Nachten - Maria aber behielt alle diese Wort
 - Actus Musicus auf Weyh-Nachten - Ach, mein herzliebes Jesulein
 - Actus Musicus auf Weyh-Nachten - Und die Hirten kehreten wieder um
 - Actus Musicus auf Weyh-Nachten - Davon ich allezeit fröhlich sein


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Dirigent(en):Willens, Michael Alexander
Orchester/Ensemble:Kölner Akademie


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cpo

Wohl kaum ein zweites Label hat in letzter Zeit soviel internationale Aufmerksamkeit erregt wie cpo. Die Fachwelt rühmt einhellig eine überzeugende Repertoirekonzeption, die auf hohem künstlerischen Niveau verwirklicht wird und in den Booklets eine geradezu beispielhafte Dokumentation erfährt. Der Höhepunkt dieser allgemeinen Anerkennung war sicherlich die Verleihung des "Cannes Classical Award" für das beste Label (weltweit!) auf der MIDEM im Januar 1995 und gerade wurde cpo der niedersächsische Musikpreis 2003 in "Würdigung der schöpferischen Leistungen" zuerkannt.
Besonders stolz macht uns dabei, daß cpo - 1986 gegründet - in Rekordzeit in die Spitze vorgestoßen ist. Das Geheimnis dieses Erfolges ist einfach erklärt, wenn auch schwierig umzusetzen: cpo sucht niemals den Kampf mit den Branchenriesen, sondern füllt mit Geschick die Nischen, die von den Großen nicht besetzt werden, weil sie dort keine Geschäfte wittern. Und aus mancher Nische wurde nach einhelliger Ansicht der Fachwelt mittlerweile ein wahres Schmuckkästchen.
Am Anfang einer Repertoire-Entscheidung steht bei uns noch ganz altmodisch das Partituren-lesen, denn nicht alles, was noch unentdeckt ist, muß auch auf die Silberscheibe gebannt werden. Andererseits gibt es - von der Renaissance bis zur Moderne - noch sehr viele wahre musikalische Schätze zu heben, die oft näher liegen, als man meint. Unsere großen Werk-Editionen von Pfitzner, Korngold, Hindemith oder Pettersson sind nicht umsonst gerühmt worden. In diesem Sinne werden wir fortfahren.
Letztendlich ist unser künstlerisches Credo ganz einfach: Wir machen die CDs, die wir schon immer selbst haben wollten. Seien Sie herzlich zu dieser abenteuerlichen Entdeckungsfahrt eingeladen!


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