> > > Debussy & Szymanowski: Klavierwerke
Freitag, 24. Januar 2020

Debussy & Szymanowski - Klavierwerke

Statisch aufgeladen


Label/Verlag: CAvi-music
Detailinformationen zum besprochenen Titel


Cathy Krier untermauert ihre Kompetenz in Sachen pianistische Moderne.

‚Masques‘ lautet der Titel des neuen, insgesamt bereits vierten, bei CAvi-music erschienenen Albums der jungen luxemburgischen Pianistin Cathy Krier. Zeitgleich entstandene Werke aus der Ära des Impressionismus – Claude Debussys auf der einen und Karol Szymanowskis auf der anderen Seite – stellt sie darauf einander programmatisch gegenüber.

Anschauliche Klanggestik

Von den 'Reflêts dans l’eau' im ersten Band von Debussys 'Images' an ist die sensible Klangbehandlung deutlich hörbar. Übereinanderliegende Schichten laufen auch in den glitzernden Wasser-Pagoden buchstäblich nicht Gefahr, zu verschwimmen. Auch in den 'Poissons d’or' des zweiten Bands behandelt sie dieses deskriptive Element mit anschaulicher Klanggestik. In 'Et la lune descend sur le temple qui fut' steht der Pianist vor der schwierigen Aufgabe, die zahlreichen Momente von Stille und Pausen mit musikalischem Leben zu füllen. Krier gelingt dies perfekt, gekonnt erzeugt sie behutsam aufgebaute, statisch aufgeladene Spannungsfelder. Auch dank ausgewogen dosierten Pedalgebrauchs bleiben die Linienführung stets nachvollziehbar und stimmliche Konturen scharf umrissen. In den selten gespielten 'Masques' (L.105) meistert sie die schnellen Tonrepetitionen nicht nur technisch akkurat, sondern verwandelt sie auch in hochauflösende Klangbilder. All das führt dazu, dass sie stilistisch den Vergleich mit so berufenen Debussy-Interpreten wie Arturo Benedetti-Michelangeli nicht zu scheuen braucht.

Mit feinem Pinselstrich

Mit 'Masques' ist auch Szymanowskis dreiteilige Stückesammlung Opus 34 überschrieben – die Schnittstelle ist hier also zumindest namentlich hergestellt. Im Eingangsstück 'Shéhérazade' ist eine ähnlich feinfühlige Farbgebung wie bei Debussy notwendig, Krier wird auch hier den breit gefächerten pianistischen Anforderungen ohne weiteres gerecht: Ausladende Sphären von pulsierender Ruhe, die jederzeit in plötzliche Kraftentfaltung umschlagen können – beides führt sie von der Intonation einzelner, fast wie verloren dastehender Töne bis hin zu bombastischen Akkord-Clustern exzellent vor. In 'Tantris le Bouffon' glitzern die einleitenden Diskantfiguren silbrig, die markanten Akzente im Mittelteil setzt sie mit wirkungsvoller Entschiedenheit. Die abschließende 'Sérénade de Don Juan' verlangt nochmals eine denkbar kontrastreiche Darstellung – Krier zieht alle Anschlagsregister zwischen dick aufgetragenem vollgriffigem und fein getupftem klanglichem Pinselstrich überzeugend. Besonders mit Blick auf das fast völlig unbekannte Szymanowski-Stück interessante Hintergrundinformationen liefert ein kompetentes Booklet, das auch die Sichtweise der Interpretin mit einfließen lässt.



Dieser Beitrag hat Ihnen gefallen? Empfehlen Sie ihn weiter!

Ihre Meinung? Kommentieren Sie diesen Artikel

Jetzt einloggen, um zu kommentieren.
Sind Sie bei klassik.com noch nicht als Nutzer angemeldet, können Sie sich hier registrieren.



Detail-Informationen zum vorliegenden Titel:



Cover vergrößern

    Debussy & Szymanowski: Klavierwerke

Label:
Anzahl Medien:
Veröffentlichung:
CAvi-music
1
15.09.2017
Medium:
EAN:

CD
4260085533794


Cover vergössern

CAvi-music

"Es muss nicht viel sein, wenn's man gut ist" heißt die Devise für das Label, das stets den Künstler in den Vordergrund stellt, das partnerschaftlich Projekte realisiert, das persönliche Wünsche und Ideen der Künstler unterstützt, das sich vorwiegend auf Kammermusik konzentriert, das handverlesen schöne Musik in hervorragender Interpretation anbietet, mit einer Künstlerliste, die sich sehen lassen kann. Eine sehr persönliche Sache, die von Herzen kommt !! Außerdem kommen neben dem Label CAvi-music auch die Labels "SoloVoce" und "CAvi-Autentica" aus dem Hause Avi-Service for music.


Mehr Info...


Cover vergössern
Jetzt kaufen bei...
Titel bei JPC kaufen


Weitere Besprechungen zum Label/Verlag CAvi-music:

  • Zur Kritik... Starker Projekt-Auftakt: Dieses Liszt-Album ist in seinen Facetten und seinem Farbenreichtum ein wahrer Kosmos und weckt Lust auf mehr. Weiter...
    (Benjamin Künzel, )
  • Zur Kritik... Debussy, vom Zen-Buddhismus her neu gehört: Sheila Arnold gelingt eine hochmusikalische und spannende Aufnahme, in der sie Miniaturen von Debussy in einen Zusammenhang mit Klavierwerken des Japaners Takemitsu und des Amerikaners Cage stellt. Weiter...
    (Prof. Dr. Michael Bordt, )
  • Zur Kritik... Gesungene Gedichte: André Schuen singt eine Sammlung von Schubertliedern rund um das Thema Wandern sehr natürlich, klar und berührend und wird dabei kompetent unterstützt von Daniel Heide. Weiter...
    (Prof. Dr. Michael Bordt, )
blättern

Alle Kritiken von CAvi-music...

Weitere CD-Besprechungen von Thomas Gehrig:

  • Zur Kritik... Schubert-Sternstunde: Arcadi Volodos setzt mit diesem Album das nächste Highlight in seiner Diskographie. Weiter...
    (Thomas Gehrig, )
  • Zur Kritik... Leuchtende Tongebung: Leonidas Kavakos' neues Album erweist sich als wertvolles Produkt seiner Zeit als Artist in residence beim Symphonieorchester des Bayerischen Rundfunks. Weiter...
    (Thomas Gehrig, )
  • Zur Kritik... Schumann reloaded: Das groß angelegte Schumann-Projekt des Klavierduos Eckerle biegt auf die Zielgerade ein. Weiter...
    (Thomas Gehrig, )
blättern

Alle Kritiken von Thomas Gehrig...

Weitere Kritiken interessanter Labels:

  • Zur Kritik... Tonschönheit und Risiko: Von den drei hier zu hörenden Werken für Violine und Orchester kann zwar nur das Konzert von Carl Nielsen überzeugen – dieses jedoch vollauf. Weiter...
    (Dr. Michael Loos, )
  • Zur Kritik... Furios und zornig: Iyad Sughayer hat auf einer eindrucksvollen neuen Platte Khatschaturjans Klaviersonate und weitere Klavierwerke aufgenommen. Weiter...
    (Jan Kampmeier, )
  • Zur Kritik... Blitzsauber: Das Trio Marvin, Preisträger des ARD-Wettbewerbs, bietet perfekte Umsetzungen des Notentextes, aber noch keine genialen Interpretationen. Weiter...
    (Dr. Jürgen Schaarwächter, )
blättern

Alle CD-Kritiken...

Magazine zum Downloaden

NOTE 1 - Mitteilungen (1/2020) herunterladen (2483 KByte) Class aktuell (4/2019) herunterladen (4308 KByte)

Anzeige

Jetzt im klassik.com Radio

Jacques Offenbach: Pomme d'Api - Ouverture

CD kaufen


Empfehlungen der Redaktion

Die Empfehlungen der klassik.com Redaktion...

Diese Einspielungen sollten in keiner Plattensammlung fehlen

weiter...


Portrait

Christian Euler im Portrait "Melancholie ist die höchste Form des Cantabile"
Bratschist Christian Euler im Gespräch mit klassik.com über seine Lehrer, seine neueste SACD und seine künstlerische Partnerschaft zum Pianisten Paul Rivinius.

weiter...
Alle Interviews...


Hinweis:

Mit Namen oder Initialen gekennzeichnete Beiträge geben die Meinung des Verfassers, nicht aber unbedingt die Meinung der Redaktion wieder.

Die Bewertung der klassik.com-Autoren:

Überragend
Sehr gut
Gut
Durchschnittlich
Unterdurchschnittlich