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Samstag, 30. Mai 2020

Tosca - Opernfilm von Benoit Jacquot

An Grenzen


Label/Verlag: Arthaus Musik
Detailinformationen zum besprochenen Titel


Im Abstand von mehreren Jahren seit der Erstveröffentlichung betrachtet hat diese Verfilmung nicht mehr den Glanz, den sie einstmals verströmte. Zumal sie in Konkurrenz tritt mit anderen bereits historisch gewordenen Filmfassungen.

'Tosca'-Produktionen gibt es mittlerweile zahllose auf DVD, auch eine ganze Reihe ‚Realverfilmungen‘, die die Bühne verlassen und Originalschauplätze oder vergleichbare Settings aufsuchen. Bei ihrer Erstveröffentlichung im Kino 2001 galten Roberto Alagna und Angela Gheorghiu noch als Traumpaar der Oper, und zusammen mit Antonio Pappano wurde die Interpretation hoch gehandelt. Aus der Distanz von mittlerweile über fünfzehn Jahren fallen verschiedene Eigenheiten auf, die die Qualität der Produktion zumindest im orchestralen Anteil etwas relativieren lassen. Gleich von Beginn an ist ein etwas halliger Orchesterklang vernehmbar; das war in den früheren Spielfilmfassungen von 1976 (mit Raina Kabaivanska, Plácido Domingo und Sherrill Milnes, Dirigent Bruno Bartoletti, Regie Gianfranco de Bosio) und vor allem 1992 (mit Catherine Malfitano, Plácido Domingo und Ruggero Raimondi, Dirigent Zubin Mehta, Regie Andrea Andermann) glücklicher gelöst. Pappanos Dirigat ist außerordentlich flexibel (bis hin zur Nähe des Kitsches), das Orchester von Covent Garden findet teilweise herrliche Farben, wenn es aufnahmetechnisch auf immer wieder an Klarheit mangelt.

Filmisch ist seinerzeit viel über die Produktion berichtet worden – die einen fanden den filmischen Wechsel zwischen Aufnahmestudio und Spielfilm kongenial, andere empfanden die jeweiligen Brüche eher als störend; an manchen Stellen ist offenkundig, dass bühnenszenische Probleme durch die Schnitttechnik umgangen wurden (Toscas erster Auftritt im ersten Akt, sämtliche Chorszenen, Schäferjunge im dritten Akt). Benoît Jacquot verzichtet weitgehend auf den Originalschauplatz (dieser wird stets nur in grisseligem Bild interpoliert), man kann gelegentlich auch ausdrücklich seinen Geschmack anzweifeln (das von Cavaradossi gemalte Gemälde ist stilistisch weit von der Kunst der damaligen Zeit entfernt, während ansonsten im Detail viel Aufwand getrieben wird). Umgekehrt kann die Beschränkung auf das Parsprototo (man ist an Walter Felsenstein erinnert) von unbestreitbarer Wirkung sein (zweiter Akt), und Jacquots Lichtgestaltung beeindruckt.

Dass man Alagna nicht abnimmt, dass er ein Kunstmaler sein könnte und auch wirklich unter der Folter gelitten hat, teilt der Sänger mit zahllosen Rollenkollegen, so schönstimmig seine Interpretation sein mag (sein gutes Aussehen rettet seine insgesamt eher eindimensionale, erst am Schluss anrührende Darbietung nicht). Hors concurrence neben Alagna die Gheorghiu – auch wenn ein paar Töne ausgesprochen ‚callasesk‘ sind: Was für mirakulöser Ton, was für Klangfarbenreichtum, ohne aber künstlich zu wirken! Auf ganz andere Weise überlebensgroß Ruggero Raimondi als Scarpia: Der Sänger hatte die Partie zu dem Zeitpunkt schon rund zwanzig Jahre im Repertoire, sie unter anderem unter Karajan und Mehta gegeben. Und auch wenn Raimondi aus mir unerfindlichen Gründen von der deutschen Kritik zumeist wenig geliebt wurde, ist sein Scarpia doch eine der vollständigsten Deutungen der zweiten Hälfte des 20. Jahrhunderts, auf ganz eigene Weise Tito Gobbi mindestens gleichwertig. Gheorghiu und Raimondi sind ohne Frage die Höhepunkte der Produktion – angesichts überwältigender Konkurrenz nicht ausreichend. Auch verstört immer wieder der visuelle Ausdruck der Sänger, der nicht mit ihrer Stimmexpression übereinstimmt – ein weiterer Minuspunkt für Jacquot, der ohnehin immer wieder die Regieanweisungen der Oper ignoriert (am eklatantesten am Ende des zweiten Aktes, das bei Andermann um ein Vielfaches beeindruckender gelöst ist).

Nicht nur beim Cavaradossi, auch in den Nebenrollen bleibt die Produktion (selbst wenn renommierte Sänger parat stehen) leider doch zumeist eher mittelmäßig. Enrico Fissore gelingt es als Sagrestano nicht, die Prägnanz mancher Rollenvorgänger zu erreichen. Maurizio Muraro (Angelotti) ist als Sänger wie als Darsteller uninteressant und wenig überzeugend. Gwynne Howell macht aus dem winzigen Part des Gefängniswärters eine beeindruckende Miniatur, James Savage-Hanford ist ein anrührender Schäferjunge, auch wenn beide nicht aus dem Aufnahmestudio hinaus dürfen.

Wie üblich bei Opern-DVD-Produktionen von Arthaus ist das Booklet mehr als dürftig, der Booklettext mehr Werbung als Information, außer Untertiteln gibt es keinerlei Extras.

Interpretation:
Klangqualität:
Repertoirewert: 
Booklet:
Features:
Regie:







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Detail-Informationen zum vorliegenden Titel:



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    Tosca: Opernfilm von Benoit Jacquot

Label:
Anzahl Medien:
Veröffentlichung:
Arthaus Musik
1
25.08.2017
Medium:
EAN:

DVD
4058407092926


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Arthaus Musik

Arthaus Musik wurde im März 2000 in München gegründet und hat seit 2007 seinen Firmensitz in Halle (Saale), der Geburtsstadt Georg Friedrich Händels.

Das Pionierlabel für Klassik auf DVD veröffentlicht nunmehr seit 13 Jahren hochkarätige Aufzeichnungen von Opern, Balletten, klassischen Konzerten, Jazz, Theaterinszenierungen sowie ausgesuchte Dokumentationen über Musik und Kunst. Mit bis zu 150 Veröffentlichungen pro Jahr sind bisher über 1000 Titel auf DVD und Blu-ray erschienen. Damit bietet Arthaus Musik den weltweit umfangreichsten Katalog von audiovisuellen Musik- und Kunstproduktionen und ist seit Gründung des Labels international führender Anbieter in diesem Segment des Home Entertainment Marktes.

In vielen referenzgültigen Aufzeichnungen sind die größten Künstler unserer Zeit wie auch aus vergangenen Tagen zu hören und zu sehen. Unter den Veröffentlichungen finden sich Aufnahmen mit Plácido Domingo, Cecilia Bartoli, Luciano Pavarotti, Maria Callas, Jonas Kaufmann, Elīna Garanča; mit Dirigenten wie Carlos Kleiber, Claudio Abbado, Nikolaus Harnoncourt, Lorin Maazel, Pierre Boulez, Zubin Mehta; aus Opernhäusern wie der Mailänder Scala, der Wiener Staatsoper, dem Royal Opera House Covent Garden, der Opéra National de Paris , der Staatsoper Unter den Linden, der Deutschen Oper Berlin und dem Opernhaus Zürich.

Zahlreiche Veröffentlichungen des Labels wurden mit internationalen Preisen ausgezeichnet, darunter der Oscar-prämierte Animationsfilm ?Peter & der Wolf? von Suzie Templeton, die aufwändig produzierte ?Walter-Felsenstein-Edition? und die von Sasha Waltz choreographierte Oper ?Dido und Aeneas?, die beide den Preis der deutschen Schallplattenkritik erhielten. Mit dem Midem Classical Award wurden u. a. die Dokumentationen ?Herbert von Karajan ? Maestro for the Screen? von Georg Wübbolt und ?Celibidache ? You don?t do anything, you let it evolve? von Jan Schmidt-Garre ausgezeichnet. Die Dokumentation ?Carlos Kleiber ? Traces to nowhere? von Eric Schulz erhielt den ECHO Klassik 2011.

Mit der Tochterfirma Monarda Arts besitzt Arthaus Musik eine ca. 900 Produktionen umfassende Rechtebibliothek zur DVD-, TV- und Onlineauswertung. Seit 2007 entwickelt das Unternehmen kontinuierlich die Sparte Eigenproduktion mit der Aufzeichnung von Opern, Konzerten, Balletten und der Produktion von Kunst- und Musikdokumentationen weiter.

Arthaus Musik DVDs und Blu-ray Discs werden über ein leistungsfähiges Vertriebsnetz, u.a. in Kooperation mit Naxos Global Distribution in ca. 70 Ländern der Welt aktiv vertrieben. Darüber hinaus veröffentlicht und vertreibt Arthaus Musik die 3sat-DVD-Edition und betreut für den Buchhandel u.a. die Buch- und DVD-Edition über Pina Bausch von L’Arche Editeur, Preisträger des Prix de l’Académie de Berlin 2010.


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