> > > Duruflé & Respighi: Requiem & Concerto gregoriano
Samstag, 25. November 2017

Duruflé & Respighi - Requiem & Concerto gregoriano

Gregorianisch


Label/Verlag: BR-Klassik
Detailinformationen zum besprochenen Titel


Ein verheißungsvoller Auftakt für die Zusammenarbeit des Münchner Rundfunkorchesters mit seinem neuen Chefdirigenten Ivan Repusic: Duruflé und Respighi, atmosphärisch dicht und überaus delikat gespielt.

Maurice Duruflés 1947 uraufgeführtes Requiem steht ästhetisch in der Tradition Faurés, setzt sich deutlich ab von dem pompösen Stil der Totenmesse bei Verdi. Und dennoch ist etwas ganz anderes prägend für dieses gerade vierzigminütige Werk: Es ist die Frucht intensiver Auseinandersetzung mit der gregorianischen Tradition. Duruflé hat die Linien wunderbar farbig instrumentiert und die unregelmäßige Rhythmik genial mit dem Akzentstufentakt versöhnt: Man hat beständig das Gefühl, in einen delikat fließenden Strom eingebettet zu sein. Duruflé hat auch Motetten und Orgelwerke über gregorianische Themen komponiert. Insgesamt war ihm eine bemerkenswert skrupulöse Arbeitsweise zu eigen: Nur 14 Werke mit Opuszahl sind von ihm kodifiziert worden. Das Requiem, wohl sein größter kompositorischer Erfolg, existiert dagegen in nicht weniger als drei Versionen: Für großes Orchester und Orgel, für kleines Orchester und Orgel sowie für Orgelbegleitung allein. Zweifellos wollte der Komponist seinem Werk maximale Verbreitung sichern, in verschiedenen gültigen Gestalten: Zwar bietet das große Orchester die größte Farbpalette, doch auch die Orgelversion ist ein wunderbar schlüssiger Klangkosmos.

Gregorianik hat auch Ottorino Respighi bewegt: Doch während Duruflé aus unbedingter Glaubenstiefe heraus schöpfte, war sie für Respighi eher ästhetische Inspiration, ein Türöffner aus der spätromantischen Üppigkeit heraus. Auch ist sie in seinem 'Concerto gregoriano' für Violine und Orchester nicht fortwährend oder gar vordergründig materiell präsent. Sie ist ebenso deutlich Chiffre für das Schlichte, Herbe, Archaische – damit befreiend und läuternd im Gestrüpp der Spätromantik. Dieses dritte Violinkonzert Respighis hat in drei Sätzen über weite Strecken einen rhapsodischen Charakter, geprägt von steter Interaktion von Solist und Orchester. Das Solo ist fordernd, aber nicht vordergründig virtuos. Vor allem geht es um die Balance zwischen schlichter ästhetischer Grundierung und ambitionierter Geste. Besonders im Mittelsatz und im abschließenden Finale sind deutliche Zitate gregorianischer Choräle zu hören.

Überzeugend

Der seit der aktuellen Saison als Chefdirigent des Münchner Rundfunkorchesters fungierende Kroate Ivan Repušić hat mit diesem feinen Programm im März 2017 seine Visitenkarte in der Reihe ‚Paradisi Gloria‘ abgegeben. Bei Duruflé ist der BR-Chor die prägende Größe: Er folgt der Schlichtheit des Materials, anverwandelt sich dieser Grundanmutung, bringt die Linien subtil zur Blüte, mit Geduld und Geschmack. Zurecht stehen bei dieser Musik sehr viel zurückgenommener Charme und eine beeindruckende Palette an Farbwerten im Vordergrund. Das zentrale Solo des Werks ist einer Altstimme zugedacht. Hier singt es Okka von der Damerau von der Bayerischen Staatsoper, mit wunderbar gebändigter Größe und lyrischer Schönheit zum Dahinschmelzen, in gefasster Dramatik. Nicht ganz so idiomatisch passend geht es beim Bariton Ljubomir Puškarić zu: Zwar überzeugt er mit seiner kraftstrotzenden Stimme substanziell, bringt aber zu viel schwer zu bändigendes Potenzial ein und frönt einem virilen italienischen Opernton sehr viel mehr als dem impressionistischen Wehen, das dem Werk so gut ansteht.

Das Münchner Rundfunkorchester schillert in beiden Werken in schönster Farbigkeit, subtil getönt, dabei erfreulich sonor auch in der impressionistischen Ästhetik Duruflés. Zu hören ist eine edle Legato-Kultur: Lyrismen ohne Süße, eher geprägt von archaischer Klarheit. Subtil auch das Spiel mit der hochkomplexen Rhythmik: Wenn man nicht wüsste, was da notiert ist, hielte man das klingende Ergebnis ohne weiteres für frei fließende spätromantische Geste. Hochkonzentriert werden immer wieder elegant Energien entfaltet. Bei Respighi greift das Orchester kongenial den rhapsodischen Tonfall auf. Der Konzertmeister Henry Raudales spielt sein Solo mit kraftvoll leuchtendem Ton, ist sehr präsent im intensiven, fast durchgehenden Dialog mit dem Orchester, liefert eine intensive und bezwingende Deutung der für den Solisten nicht immer dankbaren Partitur. Das Klangbild ist voll und fein erwärmt, wirkt dabei durchaus luftig und elegant. Allein: Im Requiem drängt das Orchester zu sehr in den Vordergrund – erfreulich mit Blick auf die Detailgenauigkeit des Abbilds, nicht überzeugend mit Blick auf die Balance, denn Chor und hohe Streicher müssen gelegentlich zurückstehen.

In der Summe ein sehr schönes Dokument aus der hoch verdienstvollen Reihe ‚Paradisi Gloria‘, einst von Marcello Viotti ins Leben gerufen und über viele Jahre bis in die Gegenwart fortgeführt. Und ein verheißungsvoller Auftakt für die Zusammenarbeit mit dem neuen Chefdirigenten Ivan Repušić: Duruflé und Respighi, atmosphärisch dicht und überaus delikat gespielt.

Interpretation:
Klangqualität:
Repertoirewert: 
Booklet





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Detail-Informationen zum vorliegenden Titel:



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    Duruflé & Respighi: Requiem & Concerto gregoriano

Label:
Anzahl Medien:
Veröffentlichung:
Spielzeit:
Aufnahmejahr:
BR-Klassik
1
29.09.2017
072:10
2017
EAN:
BestellNr.:
Booklet
4035719003208
900320


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Duruflé, Maurice
 - 1. Introitus: Requiem aeternam -
 - 2. Kyrie -
 - 3. Domine, Jesu Christe -
 - 4. Sanctus - Benedictus -
 - 5. Pie Jesu -
 - 6. Agnus Dei -
 - 7. Lux aeterna -
 - 8. Libera me -
 - 9. In paradisum -
Respighi, Ottorino
 - 1. Andante tranquillo -
 - 2. Andante espressivo e sostenuto -
 - 3. Finale: Allegro energico -


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"MAURICE DURUFLÉ – REQUIEM op. 9 (1947) OTTORINO RESPIGHI – CONCERTO GREGORIANO (1921/22) Ivan Repušić, der neue Chefdirigent des Münchner Rundfunkorchesters, widmet seine erste CD bei BR KLASSIK Werken der Komponisten Maurice Duruflé und Ottorino Respighi, die sich wesentlich auf die Melodien und Harmonien des Gregorianischen Chorals zurückbeziehen. Das „Requiem“ des Franzosen Duruflé basiert auf der gregorianischen „Missa pro defunctis“, der lateinischen Totenmesse. Und der Italiener Respighi verwendete in seinem „Concerto gregoriano“ die mittelalterlichen Choralgesänge als Inspirationsquelle für das harmonische Klangbild des Konzerts und die sangliche Gestaltung des Violinsolos. Maurice Duruflés „Requiem“ wurde allgemein berühmt: die Uraufführung 1947 gehörte zu den markantesten Ereignissen seiner Karriere, verhalf ihm zum Durchbruch als Komponist und machte seinen Namen über die Grenzen Frankreichs hinaus bekannt. Die in sich geschlossene, einheitliche und kontemplative Komposition basiert auf Themen der gregorianischen Totenmesse. In seinem Werk gelang es Duruflé, den Gregorianischen Choral mit barocker Polyphonie und einer farbenreichen Orchestrierung zu einer Einheit zu verschmelzen. Der spirituelle und verinnerlichte Charakter der Gesänge verbindet sich dabei harmonisch mit dem Personalstil des Komponisten. „Wie eine Sucht“ hatte Ottorino Respighi die Gregorianik ergriffen, deren Einfluss auf seine Kunst sehr stark war. In fast all seinen Werken nach 1920 ist der Niederschlag der gregorianischen Gesänge zu finden. Grund dafür, dass diese puristischen Melodien in Verbindung mit der Harmonik der Kirchentonarten eine große Faszination auf ihn ausübten, war auch ihr größtmöglicher Gegensatz zur überhitzten, chromatisch verfeinerten Harmonik der Veristen und Nach-Wagnerianer. Der Weg in die Atonalität kam für Respighi nie in Frage; im archaisch-herben Charakter der Gregorianik und der alten Weisen erkannte er indes ein innovatives Potenzial. ● Ivan Repušić, der neue Chefdirigent des Münchner Rundfunkorchesters, präsentiert sich mit einer ersten CD bei BR KLASSIK ● Mitschnitt von einem aktuellen Konzert vom 17. März 2017 in lebendiger Live-Atmosphäre ● Ausgezeichnete Solisten und der hochgelobte Chor des Bayerischen Rundfunks gestalten zwei Werke, die vom Gregorianischen Choral beeinflusst sind Okka von der Damerau, MEZZOSOPRAN Ljubomir Puškarić, BARITON Uladzimir Sinkevich, VIOLONCELLO Max Hanft, ORGEL Henry Raudales, VIOLINE Chor des Bayerischen Rundfunks Michael Gläser, EINSTUDIERUNG Münchner Rundfunkorchester Ivan Repušić, LEITUNG "


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BR-Klassik

Herausragende Musikaufnahmen der drei Klangkörper des Bayerischen Rundfunks werden unter einer gemeinsamen Marke den Musikfreunden angeboten. Das Label heißt BR-KLASSIK. Zum Start sind acht Tonträger sowie eine DVD am 18. September 2009 veröffentlicht worden. Mittlerweile umfasst der gesamte Katalog über 70 Aufnahmen.

Das Symphonieorchester des Bayerischen Rundfunks, das Münchner Rundfunkorchester und der Chor des Bayerischen Rundfunks genießen sowohl in der Region als auch international einen außergewöhnlichen Ruf in Bezug auf Qualität, künstlerische Kreativität und die Vermittlung von klassischer Musik. Im Konzertsaal und in Hörfunk- und Fernsehübertragungen sind die drei Klangkörper regelmäßig zu hören. Herausragende Konzerte, besonders gelungene Interpretationen und selten zu hörende Werke werden nun unter der gemeinsamen Marke BR-KLASSIK auf dem hauseigenen Label dokumentiert.

Das CD-Label BR-KLASSIK ist organisatorisch bei der BRmedia Service GmbH angesiedelt, dem für die Zweitverwertungen zuständigen Tochterunternehmen des Bayerischen Rundfunks, und wird von Stefan Piendl als Label-Manager geleitet. Mit ihm und Peter Alward als A&R-Consultant konnte der Bayerische Rundfunk zwei erfolgreiche, externe Experten mit umfassender, internationaler Erfahrung für die Mitwirkung an seinem neuen Label BR-KLASSIK gewinnen.

Als logische und konsequente Fortsetzung der Surround-Sound-Offensive im Hörfunkprogramm von Bayern 4 Klassik, das ausgewählte Sendungen im Mehrkanalton und mit erhöhter Datenrate überträgt, werden auch die Tonträger-Veröffentlichungen des Öfteren als audiophile SACD produziert. Die Hybrid-SACD-Tonträger lassen sich als herkömmliche CD abspielen, enthalten aber auch eine Stereo-Spur im hochauflösenden DSD-Format sowie eine Mehrkanal-Fassung in 5.0 bzw. 5.1-Surround.

In der Reihe BR-KLASSIK ARCHIVE bringt das Symphonieorchester des Bayerischen Rundfunks historische Aufnahmen des Labels zu Gehör. Z.B. war an zwei denkwürdigen Konzertabenden die Pianistin Martha Argerich zu Gast, 1973 unter Leitung von Eugen Jochum mit Mozarts Klavierkonzert KV 456 sowie zehn Jahre später mit Beethovens Klavierkonzert Nr. 1 unter Seiji Ozawa.

Im Vertrieb werden die Neuerscheinungen von BR-KLASSIK weltweit durch NAXOS betreut. Damit ist eine bestmögliche Präsenz auf allen wichtigen internationalen Märkten gewährleistet. Neue Aufnahmen werden im Highprice-Segment veröffentlicht, die CDs der ARCHIVE- und WISSEN-Serie auf Midprice. Zu einer modernen Vertriebsstruktur gehört selbstverständlich auch die Möglichkeit des digitalen Downloads über Musikportale wie iTunes, Musicload u.a.. Auch dieser Vertriebsweg wird über die Firma NAXOS erschlossen. Die Naxos Music Library präsentiert zudem für Universitäten und öffentliche Bibliotheken via Internet einen ständig wachsenden Katalog mit Tausenden von Titeln weltweit führender Labels. Studenten, Lehrpersonal und andere Benutzer können sich jederzeit einloggen und in der Bibliothek, im Hörsaal, im Studentenwohnheim, im Büro oder zu Hause das komplette Repertoire abrufen - auch die Aufnahmen von BR-KLASSIK.


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