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Dienstag, 17. September 2019

Poulenc, Francis - Kammermusikwerke

Ausdrucksmusik von höchster Intensität


Label/Verlag: Paladino
Detailinformationen zum besprochenen Titel


Faszinierend wie seine beiden Vorläufer ist auch das dritte Poulenc-Album der Münchner Pianistin Eva-Maria-May: Ihr einfühlsames Klavierspiel und fünf weitere ausgezeichnete Instrumentalisten zeigen die wunderbaren Duo-Werke des Franzosen in bestem Licht.

In Poulencs Duo-Sonaten treten die hierzulande oft unterschätzten Qualitäten seiner Musik unmittelbar hervor. Der Franzose ist keineswegs ein immer munterer, verspielter, ironischer Klassizist mit viel oberflächlicher Glätte, als der er vor allem aus Sicht der sogenannten ‚Neuen Musik‘ im 20. Jahrhundert offen und auch ein wenig post-nationalistisch abgewertet wurde. Poulenc schreibt äußerst gedankenvolle, geistreiche Werke, deren überwiegend tonale Klangsprache sich durchaus in ihrer werkspezifischen Rollenhaftigkeit selbst reflektiert: etwa im intensiv repetierten marschartigen Hauptthema der Horn-Elegie von 1957, in der instrumenttypische Kampfeslust, humorvoll ungelenke Trotzigkeit, aber auch tiefste Versonnenheit und Meditation im Klage-Gesang diesem Solo-Instrument nicht nur eine klangtypische Rolle, sondern darüber hinaus intensiven, tief empfindbaren Charakter geben. Johannes Dengler ist hier ein überzeugender, ja überragender Protagonist, dessen ungeheure Fähigkeiten zur individuellen Klanggestaltung – von einer ausgezeichneten Aufnahmetechnik unterstützt – im Dienste des zehnminütigen Meisterwerks blendend zur Geltung kommen. Dass es aber gerade die scheinbar zumeist sich zurücknehmende Pianistin Eva-Maria May ist, welche ihren durchwegs gut passenden, exzellent spielenden Mitstreitern die Bühne bereitet (und zudem im Booklet einen umfangreichen, informativen und farbigen Einführungstext geschrieben hat), wird durchgehend deutlich.

Eva-Maria May als Geist des Ganzen

Etwa in der teils burlesken, teils virtuosen, in der zentralen Cavatine ebenfalls extrem berührenden Cello-Sonate mit einem souverän aufspielenden Martin Rummel und den beiden Bläser-Sonaten mit Klarinette beziehungsweise Oboe: Poulenc denkt oft von ‚seinem‘ Klavierpart her (selbst Pianist), der vorrangig die Farben, Tempi, Stimmungen entwickelt, in die sich die Melodieinstrumente setzen und einbetten dürfen. Im Dialog ist May ihren Partnern ein verlässliches, völlig gleichberechtigtes Gegenüber: Wie sie in der ebenfalls berührenden Romanza der Klarinettensonate mit dem ebenfalls überragend gestaltenden László Kuti die melodischen Phrasen übernimmt und kontrapunktiert, zeugt von vollkommener Einfühlung in diese Musik, die dazu führt, dass Mays Reihe etwa die schon oft gute Kammermusik-Reihe um den Pianisten Alexandre Tharaud, die Ende der 1990er Jahre auf dem Label Naxos erschien, deutlich übertrifft.

Ansprechende Produktion

Aufnahmetechnisch ist die auch von der Booklet-Ausstattung her ansprechende Paladino-Produktion (allerdings mit einer kleinen Fehlzuordnung der Interpreten, die sich eigentlich selbst löst) jener Naxos-Reihe und auch den ‚authentischen‘ Aufnahmen des Komponisten und seiner Zeitgenossen bei EMI France aus den 1950er und 1960er Jahren (heute auf dem Label Warner) deutlich überlegen; einzig die Cello-Sonate fällt in der Trennschärfe und im etwas gedämpfteren Gesamtbild merkwürdigerweise ein wenig ab (deshalb nur vier statt fünf Sterne). May und jedem Einzelnen der kooperierenden Instrumentalisten gelingen hier in der Tat Referenzaufnahmen: Corinna Desch leitet mit der frühen virtuosen Zwei-Minuten-Bagatelle für Violine und Klavier zwischen 'Can-Can' und 'Säbeltanz' die Werkreihe provokativ ein (in der rasanten Melange von Poulenc bereits hinreichend modernistisch-parodistisch angelegt). Und auch der Münchner Staatsopern-Oboist Giorgi Gvantseladse wird der idyllisch-elegischen Pastoral-Szenerie vollkommen gerecht, die, noch 1963 als Debussy-Anklang vom Komponisten (wie der Pianistin) behutsam entwickelt, auch auf die Verstörungen des zweiten Weltkriegs als gewalttätige Einbrüche in sich zu tragen scheint. Auflehnung mit kraftvollem Elan in Rollenspiel, Tanz und Spott, aber auch melancholische Reflexion – wie abermals in der das Album nachhallend beschließenden 'Déploration' der Oboen-Sonate – zeichnen diese Kompositionen und Interpretationen aus.



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    Poulenc, Francis: Kammermusikwerke

Label:
Anzahl Medien:
Veröffentlichung:
Paladino
1
27.10.2017
Medium:
EAN:

CD
9120040731878


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Paladino

Das CD-Label paladino music wurde 2009 von dem Cellisten Martin Rummel gegründet und ist sozusagen die Keimzelle von paladino media, wozu mittlerweile neben paladino music auch Orlando Records, KAIROS und Austrian Gramophone gehören. Inzwischen bei einem Durchschnitt von 15 Veröffentlichungen pro Jahr angekommen, hat paladino music sich zu einem anerkannten Boutique-Independentlabel entwickelt. Die Veröffentlichungen sind zumeist auf einen Komponisten fokussiert, aber auch Rezitalprogramme und aufsehenerregende Debütaufnahmen sind neben Ersteinspielungen von Komponisten wie Franz Krommer, David Popper, Johann Joachim Quantz, Thomas Daniel Schlee, Robert Stark und Johann Wenzel Tomaschek entstanden. Herausragende Interpreten aller Generationen, von jungen Künstlern bis hin zu internationalen Stars wie Vladimir Ashkenazy garantieren, dass die künstlerische Qualität der Einspielungen außer Frage steht. Ursprünglich auf Kammermusik fokussiert, veröffentlicht paladino music in jüngster Zeit auch zunehmend Solokonzert- und andere Orchesteraufnahmen.

Zahlreiche Veröffentlichungen haben Auszeichnungen bekommen oder sind zumindest dafür nominiert worden, und Kritiker in internationalen Medien loben nicht nur die Aufnahmen und das Repertoire selbst, sondern auch die strikt durchgezogene Eleganz des Designs, dass aus dem Firmendesign von paladino media entwickelt ist. paladino music wird von Martin Rummel kuratiert, der von einem kleinen Team an Fachleuten in der Umsetzung, Fabrikation und Distribution unterstützt wird. Das Lager wird von Naxos Global Logistics verwaltet, und ein Netzwerk von über 50 internationalen Vertrieben garantieren, dass jede Aufnahme weltweit über den Fach- und Internethandel sowie über alle wesentlichen Streaming- und Downloadplattformen verfügbar ist.


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