> > > Agitata: Arien von Vivaldi, Jommelli, Gregori, Porpora u.a.
Samstag, 21. September 2019

Agitata - Arien von Vivaldi, Jommelli, Gregori, Porpora u.a.

Aufregende Sakralmusik


Label/Verlag: Alpha Classics
Detailinformationen zum besprochenen Titel


Mit 'Agitata' ist der französischen Altistin Delphine Galou nicht nur ein fulminantes Debüt-Album gelungen, sondern auch eine der aufregendsten Barock-CDs der jüngeren Zeit.

Beim Label Alpha hat die französische Altistin Delphine Galou ihr erstes Solo-Album mit dem Titel ‚Agitata‘ vorgelegt. Wobei es ungerecht wäre, Delphine Galou als einzigen Star des Albums zu bezeichnen, denn in ebenso mitreißender Art und Weise musiziert hier die Accademia Bizantina unter der inspirierten Leitung von Ottavio Dantone. Es ist ein wahres Fest, den beteiligten Musikerinnen und Musikern zu lauschen, wie sie immer wieder solistisch agieren, mit unbändiger Energie und Lust, vergessene Werke dem Staub der Bibliotheken entreißen und ein Feuerwerk der Emotionen entfachen. Ja, Delphine Galous Vokalkunst steht in den Ausschnitten aus Oratorien, Kantaten und Motetten akustisch im Vordergrund, aber beispielsweise im Concert grosso, op. 2 Nr. 2 von Giovanni Lorenzo Gregori zeigt die Accademia Bizantina, wie beredt sie ohne Worte sein kann. Das ist ungemein virtuos und frisch, aber ebenso beseelt und tiefschürfend.

Das titelgebende 'Agitata infido flatu' aus Vivaldis Oratorium 'Juditha Triumphans' führt den Hörer bereits mitten in den seelischen Erregungszustand, der im 17. und 18. Jahrhundert eben auch prägend für sakrale Gattungen ist. Dadurch entstehen nicht zwingend verdeckte Opern, aber die emotionalen Extreme werden auch in primär undramatisch konzipierten Texten wirksam. Das ist eindrucksvoll in Giovanni Battista Brevis Kantate 'O spiritus angelici' zu hören, wo die Formen nicht klar voneinander getrennt sind und musikalische Deklamation noch für die Kraft und Unmittelbarkeit der textlichen Ausdeutung sorgt.

Delphine Galou meistert die intensive Wanderung durch die sakralen Ausprägungen einer noch immer in vielen Bereichen unerschlossenen musikalischen Epoche mit technischer Souveränität und stilistischem Feingefühl. Ich schlank geführter Alt, erklimmt mühelos die geforderten Höhen, entwickelt in der oberen Lage sogar eine metallene Strahlkraft, die manchmal an männliche Fachkollegen erinnert. Die Tiefe glüht in dunklen Farben ohne Nachdruck. Wie Galou in Porporas Motette 'In procella sine stella' schließlich nahtlos durch alle Register gleitet, ist geradezu atemberaubend. Und sie verfügt über jene Qualität, die das hier versammelte geistliche Programm so unwiderstehlich macht: Sie steht technisch über den Dingen, kann sich emotional versenken, ohne auf der suche nach Ausdruck und Farben außermusikalische Mittel anwenden zu müssen. So werden die Raritäten und Juwelen dieses Album eben nicht zu opernhaft aufgeladenen Momentaufnahmen, sondern zu einer geglückten Gratwanderung zwischen den Welten – faszinierend von der ersten bis zur letzten Sekunde. Außerdem zeigt sich zwischen den Arien Vivaldis und Jommellis bis hin zu den Kantaten von Torelli, Brevi und dem 'Et egressus est' von Alessandro Stradella eine riesige Bandbreite an menschlicher Erregung, die sich nicht im virtuosen Koloraturgesang oder vokalexpressiver Raserei erschöpft, sondern auch die innerste Erregung eines einzelnen ‚Seelenfädchens‘ mit bebender Zartheit hörbar macht.

Mit einem transparenten, lebendigen Klangbild bietet die CD eine gute Stunde musikalische Leckerbissen, klug kombinierte Affektstudien gepaart mit bedingungsloser Leidenschaft und Entdeckerfreude. ‚Agitata‘ ist nicht nur das fulminante Debüt-Album einer jungen Sängerin und eines Spitzenensembles, sondern auch eine der aufregendsten Barock-CDs der letzten Zeit.


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Detail-Informationen zum vorliegenden Titel:



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    Agitata: Arien von Vivaldi, Jommelli, Gregori, Porpora u.a.

Label:
Anzahl Medien:
Veröffentlichung:
Alpha Classics
1
08.09.2017
Medium:
EAN:

CD
3760014193712


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Alpha Classics

"Haute-Couture-Label", "Orchidee im Brachland der Klassikbranche" oder schlicht "Wunder", das sind die Titel mit denen das französische Label ALPHA von der Fachpresse hierzulande bedacht wird. In der Tat ist die Erfolgsgeschichte des Labels ein kleines Wunder. Honoriert wurde hiermit die Pionierlust und Entdeckerfreude des Gründers Jean-Paul Combet und die außerordentliche Qualität seiner Künstler und Ensembles (z.B. Vincent Dumestre, Marco Beasley, Christina Pluhar u.v.a.), aber auch die auffallend schöne, geschmackvolle Präsentation der Serie "ut pictura musica" mit ihren inzwischen mehr als 200 Titeln. Das schwarze Front-Layout und die Grundierung mit venezianischem Papier im Innern sind mittlerweile genauso zum Markenzeichen geworden wie die ausgesprochen stimmungsvollen Fotografien der Aufnahmesitzungen durch den Fotografen Robin Davies. Das Programm umfasst die Zeitspanne von der mittelalterlichen Notre Dame-Schule bis hin zur klassischen Moderne, doch ist nach wie vor ein deutlicher Schwerpunkt auf Alte Musik zu erkennen. Innerhalb des Labels möchte die zweite, auch "Weiße Reihe" genannte, Serie "Les Chants de la terre" die ältesten Quellen musikalischen Ausdrucks erkunden. Mit Virtuosität und Spielfreude widmet man sich hier dem Beziehungsfeld von schriftlich überlieferten und mündlich weitergegebenen Musiktraditionen, um alte Melodien zu neuem Leben zu erwecken. Trotz akribischer musikwissenschaftlicher Recherche geht es hier nicht um eindimensionale, akademisch trockene Werktreue, sondern um lebendigen Umgang mit altem Material.


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