> > > Zemlinsky, Alexander von: Die Seejungfrau
Montag, 20. August 2018

Zemlinsky, Alexander von - Die Seejungfrau

Meeresbilder


Label/Verlag: cpo
Detailinformationen zum besprochenen Titel


Diese Einspielung von Zemlinskys 'Seejungfrau' mit dem ORF-Radio-Symphonieorchester Wien unter Cornelius Meister braucht sich vor der Konkurrenz nicht zu verstecken.

Eigentlich müsste man bei einem im Konzert eher selten gespielten Werk wie Alexander von Zemlinskys (1871-1942) dreisätziger sinfonischer Fantasie 'Die Seejungfrau' davon ausgehen, dass die Lage auch auf dem Plattenmarkt dünn gesät sei. Dem ist aber nicht so. So muss sich diese bei cpo erschienene Live-Aufnahme von 2010 aus dem Wiener Konzerthaus mit dem ORF-Radio-Symphonieorchester Wien unter Cornelius Meister unter anderem gegenüber Thomas Dausgaard, John Storgards und Emmanuel Krivine behaupten. Dabei war Zemlinskys rund eine Dreiviertelstunde dauernde Schöpfung nach dem Märchen von Hans Christian Andersen bis in die 1980er Jahre verschollen und musste erst durch Peter Gülke neu entdeckt und uraufgeführt werden. Die eigentliche Uraufführung von der 'Seejungfrau' hatte sich bereits 1905 zusammen mit der Uraufführung von 'Pelleas und Melisande' ereignet, der sinfonischen Dichtung seines Schwagers Arnold Schönberg.

Stilles Wogen und Seegewitter

Dass Zemlinskys psychologisch-tonmalerische Fantasie sich zumindest in CD-Form so großer Beliebtheit erfreut, ist durchaus positiv zu vermerken. Dies zumal auch vorliegende Aufnahme mit Meister und dem ORF-Orchester überaus zu überzeugen weiß. Denn auch wenn der aus dem Nichts leise aufsteigende, wogende Beginn an Wagner oder Strauss gemahnt und die entwickelnde Variationstechnik, die hier neben klar erkennbaren Themen und Motiven steht, an Brahms und Mahler erinnert, klingt das große Ganze doch so individuell und atmosphärisch dicht, dass man sich 'Die Seejungfrau' unwillkürlich auch einmal im Konzertsaal wünscht. So lassen die gedämpft ineinander übergehenden Streicherkaskaden und Holzbläserranken, die sich im ersten Satz stetig langsam zum Seesturm aus Andersens Märchen steigern, per Assoziation unwillkürlich an einen musikalischen Jugendstil denken, der bei Zemlinsky im 19. Jahrhundert wurzelt, sich jedoch weit in die Moderne erstreckt, ohne dabei je atonal zu werden.

Dank Cornelius Meisters behutsamer Herausarbeitung der wunderbaren Instrumentation bleibt diese musikalisch-psyschologische Schilderung auch jederzeit angenehm zugänglich und strukturell verständlich. Zudem passen die zurückhaltenden Tempi gut zur musikalischen Dramaturgie. So sind die ineinandergreifenden Orchesterschichten zwar gut voneinander unterscheidbar, gerade das farbliche Changieren jedoch gelingt auf betörende Weise. Doch auch virtuose Effekte wie das Tutti-Crescendo aus dem Stand zu Beginn des zweites Satz glücken dem ORF-Radio-Symphonieorchester Wien ausgezeichnet. Störende Huster sind auf der Live-Aufnahme übrigens nur zu vernehmen, wenn man ganz genau hinhört und quasi gezielt danach sucht. Zudem wird der akustische Raum des Wiener Konzerthauses klangtechnisch auf der CD gut eingefangen, sodass auch der Eindruck entsteht, das Werk werde in einem dafür passenden Saal aufgeführt.

Mit beigegeben sind der CD Vor- und Zwischenspiel aus Zemlinskys Oper 'Es war einmal', die von Gustav Mahler an der Wiener Hofoper im Jahr 1900 uraufgeführt wurde. Vielleicht liegt es hier am ORF-Sendesaal, dass die hohen Violinen in diesem zehn Minuten dauernden Zweisätzer etwas dünner klingen als zuvor im Konzerthaus. Von Zemlinskys stilistischer Anlehnung an den Klassiszismus kann man sich aber auch hier ein schönes Bild machen.

Interpretation:
Klangqualität:
Repertoirewert: 
Booklet:





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Detail-Informationen zum vorliegenden Titel:



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    Zemlinsky, Alexander von: Die Seejungfrau

Label:
Anzahl Medien:
Veröffentlichung:
cpo
1
20.08.2017
EAN:

761203796229


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cpo

Wohl kaum ein zweites Label hat in letzter Zeit soviel internationale Aufmerksamkeit erregt wie cpo. Die Fachwelt rühmt einhellig eine überzeugende Repertoirekonzeption, die auf hohem künstlerischen Niveau verwirklicht wird und in den Booklets eine geradezu beispielhafte Dokumentation erfährt. Der Höhepunkt dieser allgemeinen Anerkennung war sicherlich die Verleihung des "Cannes Classical Award" für das beste Label (weltweit!) auf der MIDEM im Januar 1995 und gerade wurde cpo der niedersächsische Musikpreis 2003 in "Würdigung der schöpferischen Leistungen" zuerkannt.
Besonders stolz macht uns dabei, daß cpo - 1986 gegründet - in Rekordzeit in die Spitze vorgestoßen ist. Das Geheimnis dieses Erfolges ist einfach erklärt, wenn auch schwierig umzusetzen: cpo sucht niemals den Kampf mit den Branchenriesen, sondern füllt mit Geschick die Nischen, die von den Großen nicht besetzt werden, weil sie dort keine Geschäfte wittern. Und aus mancher Nische wurde nach einhelliger Ansicht der Fachwelt mittlerweile ein wahres Schmuckkästchen.
Am Anfang einer Repertoire-Entscheidung steht bei uns noch ganz altmodisch das Partituren-lesen, denn nicht alles, was noch unentdeckt ist, muß auch auf die Silberscheibe gebannt werden. Andererseits gibt es - von der Renaissance bis zur Moderne - noch sehr viele wahre musikalische Schätze zu heben, die oft näher liegen, als man meint. Unsere großen Werk-Editionen von Pfitzner, Korngold, Hindemith oder Pettersson sind nicht umsonst gerühmt worden. In diesem Sinne werden wir fortfahren.
Letztendlich ist unser künstlerisches Credo ganz einfach: Wir machen die CDs, die wir schon immer selbst haben wollten. Seien Sie herzlich zu dieser abenteuerlichen Entdeckungsfahrt eingeladen!


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