> > > Hindemith, Paul: Streichtrios
Donnerstag, 18. Juli 2019

Hindemith, Paul - Streichtrios

Vom Allerfeinsten


Label/Verlag: BIS Records
Detailinformationen zum besprochenen Titel


Das Trio Zimmermann stellt die für das Schaffend Paul Hindemiths bedeutsamen Trios Schönbergs Streichtrio gegenüber. Das Ergebnis ist ebenso hochintensiv wie differenziert.

Trio Zimmermann – hinter diesem unscheinbaren Namen versteckt sich ein Trio mit dem Primarius Frank Peter Zimmermann, dem Bratschisten Antoine Tamestit und dem Cellisten Christian Poltéra. Früher wäre eine solche Besetzung bei EMI Deutschland oder Sony heimisch gewesen; die vorliegende Neuerscheinung mit den Trios von Hindemith und Schönberg wird (wie die Beethoven-CD des Trios) nun auf BIS vorgelegt, in fast zu erwartender perfekter SACD-Klangqualität. Die Hindemith-Trios entstanden 1924 bzw. 1933, jenes von Schönberg 1946. Wie so häufig bei Musik der 1920er-Jahre unterschätzt man die Bedeutung der Atonalität für damalige Komponisten, auch wenn sich diese später zugunsten einer erweiterten Tonalität von ihren früheren Werken distanzierten. Das ist Teil einer ganz natürlichen Stilentwicklung: Das eine ist ohne das andere nicht verständlich.

Stellt man das erste Trio von Hindemith und das Schönberg-Trio (mit den Opuszahlen 34 resp. 45) unmittelbar einander gegenüber, so sind die Gemeinsamkeiten doch unüberhörbar, gleichzeitig kommt die kompositorische Individualität deutlich zum Tragen. Das zweite Hindemith-Trio folgt stärker Aspekten des Spätexpressionismus, mit Vor-Anklängen an 'Mathis der Maler' (1938). Giselher Schubert hat die Hindemith-Trios zu ‚Hindemiths interessantesten, ja abenteuerlichsten Werken’ gezählt, und so bilden die drei vorgestellten Werke gleichberechtigt eine in sich durchaus schlüssige Einheit. (Leider spiegelt sich das nicht in den Booklet-Ausführungen, die in dieser Hinsicht als ärgerlich bezeichnet werden müssen.)

Wie schon in seinen früheren Kammermusikaufnahmen erweist sich Frank Peter Zimmermann auch hier als totaler Teamplayer, als ‚unus inter pares’. Die Gleichberechtigung der Instrumente, auch Zimmermanns keineswegs oberflächlich-brillanter Ton bewirken eine Einheit, die die Werke nicht nur fordern, sondern die auch das große Verständnis der Musiker füreinander und für die Musik in jedem Moment spürbar machen. Gänzlich organisch greifen die drei Stimmen ineinander, inspirieren einander, führen einander fort. Kammermusik vom allerfeinsten, dem man anderes als die Höchstnote nicht geben kann.



Dieser Beitrag hat Ihnen gefallen? Empfehlen Sie ihn weiter!

Ihre Meinung? Kommentieren Sie diesen Artikel

Jetzt einloggen, um zu kommentieren.
Sind Sie bei klassik.com noch nicht als Nutzer angemeldet, können Sie sich hier registrieren.



Detail-Informationen zum vorliegenden Titel:



Cover vergrößern

    Hindemith, Paul: Streichtrios

Label:
Anzahl Medien:
Veröffentlichung:
BIS Records
1
26.07.2017
Medium:
EAN:

SACD
7318599922072


Cover vergössern

BIS Records

Most record labels begin with a need to fill a niche. When Robert von Bahr founded BIS in 1973, he seems to have found any number of musical niches to fill. The first year's releases included music from the renaissance, Telemann on period instruments, Birgit Nilsson singing Sibelius and works by 29 living composers - Ligeti and Britten as well as Rautavaara and Sallinen - next to Purcell, Mussorgsky and Richard Strauss. A musical chameleon was born, a label that meant different things to different - and usually passionate - devotees.


Mehr Info...


Cover vergössern
Jetzt kaufen bei...
Titel bei JPC kaufen


Weitere Besprechungen zum Label/Verlag BIS Records:

  • Zur Kritik... Meisterliche Mugge: Freunde der romantischen Kammermusik für Klavier und Streicher dürften mit dieser hybriden SACD ihre Freunde haben. Weiter...
    (Dr. Aron Sayed, )
  • Zur Kritik... Brillant bewegter Brahms: Auch bei Brahms gelingt dem eingespielten Team des Schwedischen Kammerorchesters mit Thomas Dausgaard als Ideengeber eine fulminante eigene Lesart: Neben fein abgestimmten Klangmischungen überrascht und begeistert vor allem die Tempi-Regie. Weiter...
    (Dr. Hartmut Hein, )
  • Zur Kritik... Glanzvoll und geistvoll: Alexandre und Jean-Jacques Kantorow brillieren mit drei Klavierkonzerten von Camille Saint-Saëns zusammen mit der Tapiola Sinfonietta. Weiter...
    (Dr. Michael Loos, )
blättern

Alle Kritiken von BIS Records...

Weitere CD-Besprechungen von Dr. Jürgen Schaarwächter:

  • Zur Kritik... Les Rarissimes de Gina Bachauer: Die griechische Pianistin Gina Bachauer hätte eine vertiefte diskografische Erkundung verdient. Weiter...
    (Dr. Jürgen Schaarwächter, )
  • Zur Kritik... Hier strahlt nur eine: Martha Argerich zeigt Seiji Ozawa in diesen Beethoven-Interpretationen, wo es hingehen könnte. Weiter...
    (Dr. Jürgen Schaarwächter, )
  • Zur Kritik... Abschied von Wien: Diese überzeugende Einspielung von Werken Karl Weigls zeigt den österreichischen Komponisten vor der Emigration. Weiter...
    (Dr. Jürgen Schaarwächter, )
blättern

Alle Kritiken von Dr. Jürgen Schaarwächter...

Weitere Kritiken interessanter Labels:

  • Zur Kritik... Inspiriert: Das United Continuo Ensemble befreit Johann Erasmus Kindermann gemeinsam mit Ina Siedlaczek und Jan Kobow aus seinem Schicksal einer bloß historischen oder papierenen Größe: inspirierte Musik, köstlich gesungen und gespielt. Weiter...
    (Dr. Matthias Lange, )
  • Zur Kritik... Musik aus Andalusien: Das Orquestra Baroca Sevilla bringt eine CD mit Trauermusik aus dem Andalusien des 18. Jahrhunderts heraus. Weiter...
    (Anneke Link, )
  • Zur Kritik... Les Rarissimes de Gina Bachauer: Die griechische Pianistin Gina Bachauer hätte eine vertiefte diskografische Erkundung verdient. Weiter...
    (Dr. Jürgen Schaarwächter, )
blättern

Alle CD-Kritiken...

Magazine zum Downloaden

NOTE 1 - Mitteilungen (7/2019) herunterladen (2731 KByte)

Anzeige

Jetzt im klassik.com Radio

Juliusz Zarebski: Piano Quintet op.34 - Allegro

CD kaufen


Empfehlungen der Redaktion

Die Empfehlungen der klassik.com Redaktion...

Diese Einspielungen sollten in keiner Plattensammlung fehlen

weiter...


Portrait

Christian Euler im Portrait "Melancholie ist die höchste Form des Cantabile"
Bratschist Christian Euler im Gespräch mit klassik.com über seine Lehrer, seine neueste SACD und seine künstlerische Partnerschaft zum Pianisten Paul Rivinius.

weiter...
Alle Interviews...


Sponsored Links

Hinweis:

Mit Namen oder Initialen gekennzeichnete Beiträge geben die Meinung des Verfassers, nicht aber unbedingt die Meinung der Redaktion wieder.

Die Bewertung der klassik.com-Autoren:

Überragend
Sehr gut
Gut
Durchschnittlich
Unterdurchschnittlich