> > > A Pleasing Melancholy: Instrumental- und Vokalwerke von John Dowland
Dienstag, 12. Dezember 2017

A Pleasing Melancholy - Instrumental- und Vokalwerke von John Dowland

Ode an die Melancholie


Label/Verlag: BIS Records
Detailinformationen zum besprochenen Titel


Poetischer und ausdrucksvoller kann man sich Melancholie kaum vorstellen, als sie hier vom Chelys Consort of Viols präsentiert wird. Die zu Unrecht kaum bekannten Werke von John Dowland erreichen auf diese Weise endlich ihre verdiente Aufmerksamkeit.

‚Pleasant are the tears which Musicke weepes‘, heißt es in John Dowlands Vorwort zu seinem Werkzyklus 'Lachrimae or seven tears', die das Chelys Consort in dieser Einspielung vorlegt, angereichert durch einige Lieder anderer Komponisten aus Dowlands Zeit, die das melancholisch-nachdenkliche Stimmungsbild unterstreichen. Wer in den Genuss kommt, die vorliegende Aufnahme zu hören, wird schnell feststellen, was Dowland mit seinen Worten meint. Anstatt die Melancholie zu einem unwillkommenen Gast zu machen, den es am besten schnell wieder zu verscheuchen gilt, hebt Dowland sie auf einen Sockel und zeigt mithilfe der gefühlvollen, ausdrucksstarken Darstellung des Chelys Consort of Viols, dass Tränen nicht zwangsläufig Trauer und Leid symbolisieren, sondern schlicht Ausdruck tief empfundenener Gefühle sind, wie auch immer sie geartet sein mögen. Oder, wie Dowland es in seinem Vorwort formuliert: ‚... neither are teares shed always in sorrowe, but sometimes in joy and gladnesse.‘ Diese CD ist eine wunderschöne Ode an die Melancholie, deren Symbol - die Träne - hier auf klanglich meisterhafte Art und Weise zelebriert wird.

Poesie in Bild und Ton

Auch wenn es nur ein kleines Detail zu sein scheint, so ist bereits das Coverbild der 2017 im Label BIS erschienenen CD eine sprichwörtliche Augenweide. Die Kombination des hellen, leicht vergilbten Titelblattes von Dowlands 'Lachrimae'-Komposition und der auf ihr liegenden schwarzen Rose vor ebenfalls schwarzem Hintergrund bringt auf einen Blick das zentrale Anliegen der Künstler auf den Punkt: Die Präsentation alter, möglicherweise für manche Ohren ungewöhnlich oder fremdartig klingender Musik in Verbindung mit jenem romantischen und poetischen Ausdruck, der allen Hörern geläufig ist, so subjektiv und individuell er auch sein mag. Es ist selten der Fall, dass Inhalt und äußeres Erscheinungsbild der CD so gut aufeinander abgestimmt sind wie hier, zumal auch die erste Seite nicht etwa mit einem Text über die Musik oder einer Beschreibung der Musiker beginnt, sondern mit den eigenen Worten des Komponisten aus dem Vorwort zu seinem Werk. Auf diese Weise wird nicht nur dem Schöpfer der Musik eine besondere Rolle zugesprochen, sondern der Hörer erhält gleichzeitig die Möglichkeit, sich zuerst eine eigene Meinung zu bilden, was ihn musikalisch erwarten könnte, bevor er genauere inhaltliche Beschreibungen der einzelnen Stücke liest.

Beeindruckende Ausdrucksstärke

Während alle zusätzlichen Details nur das I-Tüpfelchen dieser gelungenen Einspielung bilden, gebührt natürlich die größte Aufmerksamkeit der Leistung der beteiligten Musiker des Chelys Consort of Viols sowie der Sängerin Emma Kirkby und dem Lautenisten James Akers. Obwohl der Gesamtklang der Stücke sehr homogen wirkt und keine dramatischen Gegensätze zulässt - wie es ja auch dem Charakter der Melancholie entspricht - , kommt zu keinem Zeitpunkt Langeweile oder gar Eintönigkeit auf. Dies liegt zum einen an der ungewöhnlichen Zusammenstellung der Werke, denn Dowlands instrumentale 'Lachrimae' erklingen nicht am Stück, sondern durchsetzt von Liedern und Instrumentalwerken anderer zeitgenössischer Komponisten, wodurch der Gesamtklang aufgelockert wird. Hier kristallisiert sich heraus, wie gut die Stimme Emma Kirkbys zum Konzept der CD passt, denn sie verfügt über eine Klangfarbe, die Helligkeit ausstrahlt und doch weich bleibt; die prägnante Konturen hat, ohne scharf zu klingen. Diese Mischung, zusammen mit der zur Musik der Renaissance passenden Artikulation und dem schlanken Ton, der auf übermäßiges Vibrato verzichtet, verleiht ihrer Stimme eine unverkennbare Charakteristik.

Jenseits von Schwermut

Wer angesichts der Thematik der Einspielung befürchtet, die Musik könne deprimierend sein, kann getrost sein, denn die Interpretation wird ihn schnell eines Besseren belehren. Die charakteristische Helligkeit der Gamben und auch der Solo-Laute, die zwar einen weichen, aber ebenso feinen und silbrigen Klang transportieren, sind dafür verantwortlich, dass die hier zelebrierte Melancholie zu keinem Zeitpunkt ins Düstere oder Schwermütige abdriftet. Auf diese Weise wirkt die Musik auch nicht drückend, sondern eher erhebend, so paradox diese Wahrnehmung scheinen mag. Die präzise Artikulation und das bei aller Mehrstimmigkeit stets transparente Klangbild sorgen für eine Leichtigkeit des Vortrags, der dem potentiell trübsinnigen Gesamtcharakter diametral entgegensteht, so dass manchem Hörer am Schluss der CD Dowlands Worte noch einmal in den Ohren nachklingen werden: ‚Pleasant are the teares which Musicke weepes...‘

Interpretation:
Klangqualität:
Repertoirewert: 
Booklet:





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Detail-Informationen zum vorliegenden Titel:



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    A Pleasing Melancholy: Instrumental- und Vokalwerke von John Dowland

Label:
Anzahl Medien:
Veröffentlichung:
BIS Records
1
26.07.2017
EAN:

7318599922836


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BIS Records

Most record labels begin with a need to fill a niche. When Robert von Bahr founded BIS in 1973, he seems to have found any number of musical niches to fill. The first year's releases included music from the renaissance, Telemann on period instruments, Birgit Nilsson singing Sibelius and works by 29 living composers - Ligeti and Britten as well as Rautavaara and Sallinen - next to Purcell, Mussorgsky and Richard Strauss. A musical chameleon was born, a label that meant different things to different - and usually passionate - devotees.


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