> > > Piccolo Concerto Grosso: Klarinettenwerke von W.A. Mozart und M. Mueller
Freitag, 25. Mai 2018

Piccolo Concerto Grosso - Klarinettenwerke von W.A. Mozart und M. Mueller

Kreativ und geschichtsbewusst


Label/Verlag: Neos
Detailinformationen zum besprochenen Titel


In seiner Doppelfunktion als Interpret und Komponist hat der Klarinettist Matthias Mueller beim Label Neos eine hervorragende Referenzeinspielung vorgelegt.

Wie vielseitig der Schweizer Klarinettenvirtuose und Komponist Matthias Mueller (*1966) musikalisch aufgestellt ist, hat er nicht nur als exzellenter Interpret, sondern auch mit seinen transdisziplinär angelegten Arbeiten unter Beweis gestellt. Bei seinen instrumentalen Kompositionen scheint er eine besondere Vorliebe für Programmkombinationen zu haben: Nach ‚Brahms-Schlumpf-Mueller’ (NEOS, 2013) und ‚Mueller-Paganini-Rossini-Stockhausen-Stravinsky’ (NEOS, 2009) stehen nun mit seiner Gegenüberstellung von Mozarts berühmten Klarinettenkonzert mit zwei Eigenkompositionen die klanglichen Qualitäten der Bassettklarinette im Mittelpunkt. Dieses spezielle Instrument mit seinem Tonumfang von vier Oktaven hat Mozart bekanntermaßen mit seinem späten Konzert KV 622 gewürdigt und dessen gesamten Ambitus von sonorer Tenorstimme bis zum Koloratursopran vortrefflich auszuschöpfen gewusst.

In fein abgestimmter Balance erhebt sich der unergründliche, bindende Gesang der Bassettklarinette über den Orchesterklang. Einfühlsam begleitet das Zürcher Kammerorchester, führt lustvoll die dramatischen Stimmungswechsel, kokettiert mit der Solostimme. Mit seinem kreativen und zugleich historisch bewussten Ansatz demonstriert Mueller eindrucksvoll die Virtuosität seines Instruments, sein Vortrag ist wunderbar modulationsfähig und ungemein leichtfüßig, lebt vom rhythmischen Nuancenreichtum der Agogik und der Farbigkeit in allen Lagen. Er brilliert mit einer feinsinnig ausgearbeiteten Interpretation, neben der Tradition der Ornamentierung ist es auch die reine Stimmung, die Mueller am Herzen liegt.

Mit 'Piccolo Concerto Grosso' (2016/17) holt er die Bassettklarinette klanglich ins 21. Jahrhundert und streckt seine Finger mit pythagoreischer ‚Mitteltönigkeit’, barocken Concerto Grosso-Anklängen und 'Don Giovanni'-Anspielungen kompositorisch doch deutlich in andere Richtungen aus. Es ist ein durchaus traditioneller Gestus, der in der Strenge der Ordnung, der deutlich hörbaren Form, der Handhabung der Tonalität anklingt. Ausdrucksstärke sucht der Komponist daher weniger in radikaler Neutönigkeit, sondern in einer Klangsprache voll musikalischer Bezugnahmen. Gemeinsam mit dem renommierten Klarinettisten Michael Collins musiziert er auf der selbst weiterentwickelten Mozart-Bassettklarinette: Die Solisten dialogisieren, rezitieren, wetteifern, tänzeln und wirbeln in rasanten Schlussläufen, wiederum schwungvoll und kräftig zupackend begleitet vom Züricher Kammerorchester.

Beide Concerti nehmen das 'Octet' (2014) in ihre Mitte: Die hörenswerte Komposition überzeugt mit ihrer klanglichen Finesse und lebt, wie besonders in den schnellen Sätzen zu erleben ist, von rhythmischer Variabilität. Die acht Mitglieder des ensemble remixed agieren mit großer Präzision. Das Klangspektrum reicht von weicher Harmonie bis zur scharfen Dissonanz, von pulsierend-drängender Streichermotorik und symphonisch-gewaltigen Bläserforti bis hin zu verträumt-zarten Violin- und Klarinettenkantilenen. Das wiederum in der charakteristischen Tonsprache, die man weitgehend in den ersten Jahrzehnten des letzten Jahrhunderts verorten könnte, gehaltene Werk sucht abgesehen von der Besetzung keine direkte Anlehnung an die Inspirationsquelle. Stattdessen ist es als aufführungspraktische Erweiterung zu Schuberts Meisterwerk in F-Dur – ‚zu kurz für ein ganzes Programm, aber zu lang für eine eigene Konzerthälfte’ – konzipiert. Die sicherlich spannenden Kontrastwirkungen von ‚Schubert remixed‘  bleiben hier leider nur der Vorstellungskraft überlassen.

Interpretation:
Klangqualität:
Repertoirewert: 
Booklet:





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Detail-Informationen zum vorliegenden Titel:



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    Piccolo Concerto Grosso: Klarinettenwerke von W.A. Mozart und M. Mueller

Label:
Anzahl Medien:
Veröffentlichung:
Neos
1
25.08.2017
EAN:

4260063217043


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Neos

NEOS ­ das neue Label für Zeitgenössische Musik, das seit Mitte Mai 2007 auf dem deutschen, seit Oktober 2007 auch auf dem internationalen Markt präsent ist. Im Zentrum der Neuveröffentlichungen stehen Kompositionen des  20. und 21. Jahrhunderts - die Betonung liegt dabei auf Welt-Ersteinspielungen.

Insofern setzt Wulf Weinmann den bei seinem früheren Label col legno eingeschlagenen Weg konsequent fort. Langjährige frühere Partner wie  das Internationale Musikinstitut Darmstadt (IMD), die Donaueschinger Musiktage des SWR, die musica viva des Bayerischen Rundfunks oder die Salzburger Festspiele haben die Zusammenarbeit mit Weinmann auch für die Zukunft vereinbart.

Inzwischen weitet sich NEOS programmatisch aus: Vier Produktlinen entwickeln sich im Kontext Neuer Musik in Zusammenarbeit mit Komponisten und Interpreten, die über ein weit gespanntes Repertoire verfügen: Aufnahmen, die Tradition und Moderne verbinden, Werke früherer Meister in bisher nie oder selten gehörten Interpretationen meist originaler Bearbeitungen sowie eine Jazzlinie mit Musikern, die man eher aus der zeitgenössischen Musikszene kennt, wie Olga Neuwirth oder Mike Svoboda.

NEOS veröffentlicht pro Jahr ca. 40 CDs, SACDs und DVDs, die weltweit (z.B. in Deutschland über helikon harmonia mundi) vertrieben werden. Hohe technische Qualität der Aufnahmen ist selbstverständlich. Auch Design und ansprechende Verpackung sind zentrales Anliegen: Alle Produktionenerscheinen in Digipacks mit ausführlichen Textinformationen und Illustrationen.


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