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Dienstag, 20. Februar 2018

Glinka, Michail - Kammermusikwerke

Italienisch mit russischem Akzent


Label/Verlag: cpo
Detailinformationen zum besprochenen Titel


Das Consortium Classicum setzt auch in seiner neuesten Produktion auf Raritäten, die diesmal vom Russen Michail Glinka stammen und ansprechend interpretiert werden.

Daran muss man sich immer noch gewöhnen: das Consortium Classicum ohne Dieter Klöcker, seinen Gründer und ‚Kopf‘ über Jahrzehnte hinweg. Doch der Klarinettist war bereits verstorben, als ‚sein‘ Consortium Classicum sich 2014 daran setzte, Kammermusik von Michail Glinka aufzunehmen. Klöckers Platz an der Klarinette hat darin Manfred Lindner übernommen.

Glinkas einzig bekanntes Werk der Kammermusik ist das 'Trio pathétique' für Klarinette, Fagott und Klavier, das auf der neuen cpo-Platte ebenfalls enthalten ist. Am Beginn steht jedoch – beste Consortium Classicum-Tradition – ein sehr unbekanntes Werk: Das Septett für Oboe, Fagott, Horn, Violine, Viola, Cello und Kontrabass schrieb Glinka mit 19 Jahren, vollendete es allerdings nicht. Erst im 20. Jahrhundert, so informiert das Beiheft, wurde es von Wissarion Schebalin ergänzt. Es ist ein ausgewachsenes Werk von hier 25 Minuten. Die Interpretation klingt sehr ausgewogen, die von Pavel Sokolov bediente Oboe tritt als Führungskraft aus dem Gesamtklang maßvoll hervor. Der erste Satz ist 'Allegro moderato' überschrieben, das gemäßigte Tempo der Musiker entspricht also der Vorgabe. Ein etwas jugendlich-quirliger Zugriff wäre womöglich dennoch ganz passend gewesen. Grundsätzlich kann man festhalten, dass die Tempi beim Consortium Classicum gewiss nicht überzogen werden. Ganz reizend klingt besonders der langsame Satz, ein 'Adagio non tanto'.

Völlig anders klingt das 'Trio pathétique', das auf der Platte an zweiter Stelle folgt. Manfred Lindner, Helman Jung und Thomas Duis ist eine Interpretation gelungen, die bald spritzig, bald klagend, klanglich angenehm und intonatorisch fast durchweg sauber daherkommt. Drei Lieder Glinkas hat Eduard Hermann (1850-1937) für Violine, Viola und Klavier arrangiert: lyrische und – wie bei Glinka nicht anders zu erwarten – sehr melodische kleine Juwelen sind so entstanden, die auch ohne Worte sehr charmant sind.

Den Schlusspunkt setzt das Consortium Classicum mit Glinkas 'Serenata sopra alcuni motivi dell‘opera Anna Bolena'. Das kuriose und furiose Werk kann gut als Höhepunkt stehen, so selten es auch sonst erklingt. Kurios ist es schon aufgrund seiner Septettbesetzung, die in der Kombination von Klavier, Harfe, Fagott, Horn, Viola, Cello und Kontrabass auffällig die tiefen Register betont. Furios ist es aufgrund seiner starken Kontraste aus wunderbar lyrischen und brillant-virtuosen Abschnitten. Meist führen Klavier und Harfe, doch auch Fagott und Bratsche haben wunderbare Solopassagen. Einen Einfluss der italienischen Oper meint man bei Glinka ja eigentlich immer zu hören, hier ist er durch die Themen Donizettis natürlich offensichtlich. Ob das nun italienisch mit russischem Akzent ist oder umgekehrt, darüber ließe sich trefflich streiten.

Interpretation:
Klangqualität:
Repertoirewert: 
Booklet:





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Detail-Informationen zum vorliegenden Titel:



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    Glinka, Michail: Kammermusikwerke

Label:
Anzahl Medien:
Spielzeit:
cpo
1
71:26
EAN:
BestellNr.:

761203787128
cpo 777 871-2


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Glinka, Michail
 - Septet für Oboe, Horn, Fagott, Violine, Viola, Violoncello und Kontrabass Es-Dur - Adagio maestoso - Allegro moderato
 - Septet für Oboe, Horn, Fagott, Violine, Viola, Violoncello und Kontrabass Es-Dur - Adagio non tanto
 - Septet für Oboe, Horn, Fagott, Violine, Viola, Violoncello und Kontrabass Es-Dur - Menuetto
 - Septet für Oboe, Horn, Fagott, Violine, Viola, Violoncello und Kontrabass Es-Dur - Rondo. Allegro
 - Trio pathètique für Klarinette, Fagott und Klavier d-Moll - Allegro moderato
 - Trio pathètique für Klarinette, Fagott und Klavier d-Moll - Scherzo. Vivacissimo
 - Trio pathètique für Klarinette, Fagott und Klavier d-Moll - Largo
 - Trio pathètique für Klarinette, Fagott und Klavier d-Moll - Allegro con spirito
 - Drei russische Lieder arr. für Violine, Viola und Klavier von Eduard Hermann - Elegie. Moderato
 - Drei russische Lieder arr. für Violine, Viola und Klavier von Eduard Hermann - Wiegenlied. Moderato
 - Drei russische Lieder arr. für Violine, Viola und Klavier von Eduard Hermann - Der Zweifel. Andante mosso
 - Serenata sopra alcuni motivi dell'opera Anna Bolena -


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Orchester/Ensemble:Consortium Classicum


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cpo

Wohl kaum ein zweites Label hat in letzter Zeit soviel internationale Aufmerksamkeit erregt wie cpo. Die Fachwelt rühmt einhellig eine überzeugende Repertoirekonzeption, die auf hohem künstlerischen Niveau verwirklicht wird und in den Booklets eine geradezu beispielhafte Dokumentation erfährt. Der Höhepunkt dieser allgemeinen Anerkennung war sicherlich die Verleihung des "Cannes Classical Award" für das beste Label (weltweit!) auf der MIDEM im Januar 1995 und gerade wurde cpo der niedersächsische Musikpreis 2003 in "Würdigung der schöpferischen Leistungen" zuerkannt.
Besonders stolz macht uns dabei, daß cpo - 1986 gegründet - in Rekordzeit in die Spitze vorgestoßen ist. Das Geheimnis dieses Erfolges ist einfach erklärt, wenn auch schwierig umzusetzen: cpo sucht niemals den Kampf mit den Branchenriesen, sondern füllt mit Geschick die Nischen, die von den Großen nicht besetzt werden, weil sie dort keine Geschäfte wittern. Und aus mancher Nische wurde nach einhelliger Ansicht der Fachwelt mittlerweile ein wahres Schmuckkästchen.
Am Anfang einer Repertoire-Entscheidung steht bei uns noch ganz altmodisch das Partituren-lesen, denn nicht alles, was noch unentdeckt ist, muß auch auf die Silberscheibe gebannt werden. Andererseits gibt es - von der Renaissance bis zur Moderne - noch sehr viele wahre musikalische Schätze zu heben, die oft näher liegen, als man meint. Unsere großen Werk-Editionen von Pfitzner, Korngold, Hindemith oder Pettersson sind nicht umsonst gerühmt worden. In diesem Sinne werden wir fortfahren.
Letztendlich ist unser künstlerisches Credo ganz einfach: Wir machen die CDs, die wir schon immer selbst haben wollten. Seien Sie herzlich zu dieser abenteuerlichen Entdeckungsfahrt eingeladen!


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