> > > Glinka, Michail: Kammermusikwerke
Mittwoch, 20. September 2017

Glinka, Michail - Kammermusikwerke

Italienisch mit russischem Akzent


Label/Verlag: cpo
Detailinformationen zum besprochenen Titel


Das Consortium Classicum setzt auch in seiner neuesten Produktion auf Raritäten, die diesmal vom Russen Michail Glinka stammen und ansprechend interpretiert werden.

Daran muss man sich immer noch gewöhnen: das Consortium Classicum ohne Dieter Klöcker, seinen Gründer und ‚Kopf‘ über Jahrzehnte hinweg. Doch der Klarinettist war bereits verstorben, als ‚sein‘ Consortium Classicum sich 2014 daran setzte, Kammermusik von Michail Glinka aufzunehmen. Klöckers Platz an der Klarinette hat darin Manfred Lindner übernommen.

Glinkas einzig bekanntes Werk der Kammermusik ist das 'Trio pathétique' für Klarinette, Fagott und Klavier, das auf der neuen cpo-Platte ebenfalls enthalten ist. Am Beginn steht jedoch – beste Consortium Classicum-Tradition – ein sehr unbekanntes Werk: Das Septett für Oboe, Fagott, Horn, Violine, Viola, Cello und Kontrabass schrieb Glinka mit 19 Jahren, vollendete es allerdings nicht. Erst im 20. Jahrhundert, so informiert das Beiheft, wurde es von Wissarion Schebalin ergänzt. Es ist ein ausgewachsenes Werk von hier 25 Minuten. Die Interpretation klingt sehr ausgewogen, die von Pavel Sokolov bediente Oboe tritt als Führungskraft aus dem Gesamtklang maßvoll hervor. Der erste Satz ist 'Allegro moderato' überschrieben, das gemäßigte Tempo der Musiker entspricht also der Vorgabe. Ein etwas jugendlich-quirliger Zugriff wäre womöglich dennoch ganz passend gewesen. Grundsätzlich kann man festhalten, dass die Tempi beim Consortium Classicum gewiss nicht überzogen werden. Ganz reizend klingt besonders der langsame Satz, ein 'Adagio non tanto'.

Völlig anders klingt das 'Trio pathétique', das auf der Platte an zweiter Stelle folgt. Manfred Lindner, Helman Jung und Thomas Duis ist eine Interpretation gelungen, die bald spritzig, bald klagend, klanglich angenehm und intonatorisch fast durchweg sauber daherkommt. Drei Lieder Glinkas hat Eduard Hermann (1850-1937) für Violine, Viola und Klavier arrangiert: lyrische und – wie bei Glinka nicht anders zu erwarten – sehr melodische kleine Juwelen sind so entstanden, die auch ohne Worte sehr charmant sind.

Den Schlusspunkt setzt das Consortium Classicum mit Glinkas 'Serenata sopra alcuni motivi dell‘opera Anna Bolena'. Das kuriose und furiose Werk kann gut als Höhepunkt stehen, so selten es auch sonst erklingt. Kurios ist es schon aufgrund seiner Septettbesetzung, die in der Kombination von Klavier, Harfe, Fagott, Horn, Viola, Cello und Kontrabass auffällig die tiefen Register betont. Furios ist es aufgrund seiner starken Kontraste aus wunderbar lyrischen und brillant-virtuosen Abschnitten. Meist führen Klavier und Harfe, doch auch Fagott und Bratsche haben wunderbare Solopassagen. Einen Einfluss der italienischen Oper meint man bei Glinka ja eigentlich immer zu hören, hier ist er durch die Themen Donizettis natürlich offensichtlich. Ob das nun italienisch mit russischem Akzent ist oder umgekehrt, darüber ließe sich trefflich streiten.

Interpretation:
Klangqualität:
Repertoirewert: 
Booklet:





Dieser Beitrag hat Ihnen gefallen? Empfehlen Sie ihn weiter!

Ihre Meinung? Kommentieren Sie diesen Artikel

Jetzt einloggen, um zu kommentieren.
Sind Sie bei klassik.com noch nicht als Nutzer angemeldet, können Sie sich hier registrieren.



Detail-Informationen zum vorliegenden Titel:



Cover vergrößern

    Glinka, Michail: Kammermusikwerke

Label:
Anzahl Medien:
Spielzeit:
cpo
1
71:26
EAN:
BestellNr.:

761203787128
cpo 777 871-2


Cover vergössern

Glinka, Michail
 - Septet für Oboe, Horn, Fagott, Violine, Viola, Violoncello und Kontrabass Es-Dur - Adagio maestoso - Allegro moderato
 - Septet für Oboe, Horn, Fagott, Violine, Viola, Violoncello und Kontrabass Es-Dur - Adagio non tanto
 - Septet für Oboe, Horn, Fagott, Violine, Viola, Violoncello und Kontrabass Es-Dur - Menuetto
 - Septet für Oboe, Horn, Fagott, Violine, Viola, Violoncello und Kontrabass Es-Dur - Rondo. Allegro
 - Trio pathètique für Klarinette, Fagott und Klavier d-Moll - Allegro moderato
 - Trio pathètique für Klarinette, Fagott und Klavier d-Moll - Scherzo. Vivacissimo
 - Trio pathètique für Klarinette, Fagott und Klavier d-Moll - Largo
 - Trio pathètique für Klarinette, Fagott und Klavier d-Moll - Allegro con spirito
 - Drei russische Lieder arr. für Violine, Viola und Klavier von Eduard Hermann - Elegie. Moderato
 - Drei russische Lieder arr. für Violine, Viola und Klavier von Eduard Hermann - Wiegenlied. Moderato
 - Drei russische Lieder arr. für Violine, Viola und Klavier von Eduard Hermann - Der Zweifel. Andante mosso
 - Serenata sopra alcuni motivi dell'opera Anna Bolena -


Cover vergössern

Orchester/Ensemble:Consortium Classicum


Cover vergössern

cpo

Wohl kaum ein zweites Label hat in letzter Zeit soviel internationale Aufmerksamkeit erregt wie cpo. Die Fachwelt rühmt einhellig eine überzeugende Repertoirekonzeption, die auf hohem künstlerischen Niveau verwirklicht wird und in den Booklets eine geradezu beispielhafte Dokumentation erfährt. Der Höhepunkt dieser allgemeinen Anerkennung war sicherlich die Verleihung des "Cannes Classical Award" für das beste Label (weltweit!) auf der MIDEM im Januar 1995 und gerade wurde cpo der niedersächsische Musikpreis 2003 in "Würdigung der schöpferischen Leistungen" zuerkannt.
Besonders stolz macht uns dabei, daß cpo - 1986 gegründet - in Rekordzeit in die Spitze vorgestoßen ist. Das Geheimnis dieses Erfolges ist einfach erklärt, wenn auch schwierig umzusetzen: cpo sucht niemals den Kampf mit den Branchenriesen, sondern füllt mit Geschick die Nischen, die von den Großen nicht besetzt werden, weil sie dort keine Geschäfte wittern. Und aus mancher Nische wurde nach einhelliger Ansicht der Fachwelt mittlerweile ein wahres Schmuckkästchen.
Am Anfang einer Repertoire-Entscheidung steht bei uns noch ganz altmodisch das Partituren-lesen, denn nicht alles, was noch unentdeckt ist, muß auch auf die Silberscheibe gebannt werden. Andererseits gibt es - von der Renaissance bis zur Moderne - noch sehr viele wahre musikalische Schätze zu heben, die oft näher liegen, als man meint. Unsere großen Werk-Editionen von Pfitzner, Korngold, Hindemith oder Pettersson sind nicht umsonst gerühmt worden. In diesem Sinne werden wir fortfahren.
Letztendlich ist unser künstlerisches Credo ganz einfach: Wir machen die CDs, die wir schon immer selbst haben wollten. Seien Sie herzlich zu dieser abenteuerlichen Entdeckungsfahrt eingeladen!


Mehr Info...


Cover vergössern
Jetzt kaufen bei...


Weitere Besprechungen zum Label/Verlag cpo:

  • Zur Kritik... Referenz an Komponist wie Interpretation: Als Anfang 2015 Israel Yinon mitten im Dirigat der 'Alpensinfonie' einen Herzinfarkt erlitt und kurz darauf starb, verlor die Musikwelt einen großen Dirigenten und Anwalt der Vergessenen. Jetzt würdigt das Label cpo Israel Yinon in mehrfacher Hinsicht. Weiter...
    (Christiane Franke, )
  • Zur Kritik... Maßvoll und unaufdringlich: Elf CDs mit sämtlichen Liedern von Johannes Brahms, interpretiert von Andreas Schmidt, Juliane Banse, Iris Vermillion und am Klavier Helmut Deutsch. Die Gesamtaufnahme ist im Ganzen durchweg überzeugend. Weiter...
    (Jan Kampmeier, )
  • Zur Kritik... Jongleure nicht nur der Operetten-Idiome: Unterhaltsam, ja spannend ist Künnekes Konzert von 1935 zweifellos, so, wie es hier von Oliver Triendl am Klavier und dem Münchner Rundfunkorchester überzeugend präsentiert wird. Weiter...
    (Dr. Hartmut Hein, )
blättern

Alle Kritiken von cpo...

Weitere CD-Besprechungen von Jan Kampmeier:

  • Zur Kritik... Maßvoll und unaufdringlich: Elf CDs mit sämtlichen Liedern von Johannes Brahms, interpretiert von Andreas Schmidt, Juliane Banse, Iris Vermillion und am Klavier Helmut Deutsch. Die Gesamtaufnahme ist im Ganzen durchweg überzeugend. Weiter...
    (Jan Kampmeier, )
  • Zur Kritik... Schubert auf russisch: Swjatoslaw Richter spielt Schubert und erkundet dabei fast durchweg extreme Ausdrucksbereiche. Weiter...
    (Jan Kampmeier, )
  • Zur Kritik... Lohnendes Nischenrepertoire: Die vier Musiker des Mariani Klavierquartetts präsentieren zwei wenig gespielte, aber wunderbare Werke von Fauré und Enescu. Nebenbei empfehlen sie sich als vorzügliches junges Ensemble. Weiter...
    (Jan Kampmeier, )
blättern

Alle Kritiken von Jan Kampmeier...

Weitere Kritiken interessanter Labels:

  • Zur Kritik... Vier Hände für das Himmelreich: Klügere Hände sind selten zu Ohren gekommen. Weiter...
    (Dr. Daniel Krause, )
  • Zur Kritik... Referenz an Komponist wie Interpretation: Als Anfang 2015 Israel Yinon mitten im Dirigat der 'Alpensinfonie' einen Herzinfarkt erlitt und kurz darauf starb, verlor die Musikwelt einen großen Dirigenten und Anwalt der Vergessenen. Jetzt würdigt das Label cpo Israel Yinon in mehrfacher Hinsicht. Weiter...
    (Christiane Franke, )
  • Zur Kritik... Unter der Sonne Italiens: Die Kammermusik Mario Pilatis ist von melodischer Unbefangenheit und steht in vollem Saft. Dass sie so lebendig wirkt, ist das Verdienst der drei Italinier, die für eine temperamentvolle Wiedergabe sorgen. Weiter...
    (Dr. Jürgen Schaarwächter, )
blättern

Alle CD-Kritiken...

Magazine zum Downloaden

NOTE 1 - Mitteilungen (9/2017) herunterladen (1880 KByte) Class aktuel (3/2017) herunterladen (0 KByte)

Anzeige

Jetzt im klassik.com Radio

Gaetano Donizetti: Streichquartett Nr. 1 in Es-Dur - Largo

CD kaufen


Empfehlungen der Redaktion

Die Empfehlungen der klassik.com Redaktion...

Diese Einspielungen sollten in keiner Plattensammlung fehlen

weiter...


Portrait

 4442 im Portrait Musik ohne Grenzen
Programme abseits der Konventionen beim Festival Printemps des Arts de Monte-Carlo

weiter...
Alle Interviews...


Sponsored Links

Anzeige

Hinweis:

Mit Namen oder Initialen gekennzeichnete Beiträge geben die Meinung des Verfassers, nicht aber unbedingt die Meinung der Redaktion wieder.

Die Bewertung der klassik.com-Autoren:

Überragend
Sehr gut
Gut
Durchschnittlich
Unterdurchschnittlich