> > > Suppé, Franz von: Il Ritorno del Marinaio
Mittwoch, 23. Mai 2018

Suppé, Franz von - Il Ritorno del Marinaio

Vielleicht zu Recht vergessen


Label/Verlag: cpo
Detailinformationen zum besprochenen Titel


Als Raritätensammler ist man dankbar, diese vielleicht zu Recht vergessene Suppé-Oper einmal hören zu können. Im CD-Regal oder gar in kommenden Spielplänen braucht man den 'Heimkehrenden Matrosen' aber nicht.

Beim Raritätenlabel cpo gibt es wieder einmal eine wirkliche Ausgrabung zu erleben: 'Il Ritorno del Marinaio' von Franz von Suppé. Wie auch Jahrzehnte später bei seinem Kollegen Franz Lehár war für Suppé der Wunsch, Opern zu schreiben, nie gänzlich erloschen, obwohl oder gerade weil er als Operettenkomponist einen so fabelhaften Ruf und entsprechenden Erfolg hatte. Bereits früh wurde eine Suppé-Oper zum Misserfolg, dann kamen die großen Operetten wie 'Boccaccio' oder 'Die schöne Galathée'. Doch die Sehnsucht nach der ‚seriösen’ Kunst blieb bis in Alter gegenwärtig. So findet sich im Jahr 1885 die Uraufführung eines neuen Suppé-Opernversuchs in Hamburg. Das Werk heißt 'Die Heimkehr des Matrosen' und weil der neue Zweiakter nicht abendfüllend ist, gibt man nach der Uraufführung noch den dritten Akt aus Giuseppe Verdis 'Il Trovatore' als Ergänzung. Der Beifall muss freundlich gewesen sein, aber nicht nachhaltig: Die kleine Oper wird vergessen.

Das ändert sich nun – wenn auch vermutlich nur zeitweilig. Die kroatische Oper in Rijeka hat im Juni 2016 die 'Heimkehr des Matrosen' zur Aufführung gebracht. Allerdings verwendet die Produktion, die nun auf zwei CDs erschienen ist, nicht die deutsche Uraufführungs-Fassung, sondern eine ins Italienische übertragene Variante, die sich in einem alten Klavierauszug und in einer Handschrift Suppés findet. Unter dem italienischen Titel 'Il Ritorno del Marinaio' rückt der Dirigent Adriano Martinolli D’Arcy dieses Spätwerk des Komponisten wieder ins Bewusstsein. Wie nachhaltig diese Ausgrabung sein mag, lässt sich schwer sagen, denn abseits der wirklich hübschen Musik, hat die kleine Oper erhebliche dramaturgische Schwächen und kann noch nicht einmal mit einer annähernd spannenden Handlung aufwarten: Ein erfahrener Matrose namens Pietro kehrt nach zwanzig Jahren in seine Heimatstadt zurück. Dort wird er Zeuge von Liebeswirren um die hübsche Jela, deren alter Vormund sie heiraten will. Sie ist aber bereits glücklich verliebt in Nicolò. Der Matrose erkennt in Jela die Tochter seiner einstigen Jugendliebe und will der Vielleicht-Tochter helfen. Recht problemlos, nach einer Unmenge an Volkstänzen und unter Absingen eines harmlosen Spottliedes sind die Liebenden vereint, und der Matrose fährt still leidend wieder zur See. Das war’s. Alles erinnert an eine abgespeckte Mischung aus Lortzings 'Zar und Zimmermann' mit einer leichten Prise 'Il barbiere di Siviglia' und genauer Kenntnis der aktuellen Verdi-Opern.

Musikalisch hat 'Il Ritorno del Marinaio' durchaus gefällige Stellen, wie die Lieder und Arien des Matrosen Pietro, der von Ljubomir Puskaric mit noblem und klangvollem Verdi-Bariton gesungen wird. Auch die Ouvertüre macht Effekt, erinnert in ihrer Dramatik des sturmgepeitschten Meeres an eine Vorstudie zu Verdis 'Otello', der freilich erst zwei Jahre später auf die Bühne kommt. Martinolli D’Arcy lässt es folglich auch ordentlich krachen und bedient im Laufe der Oper auch die mitreißenden Rhythmen des gewieften Marsch-Komponisten und Unterhaltungsmelodikers Suppé. Dabei kommt immer wieder der Eindruck einer hochromantischen italienischen Oper à la Verdi oder später Donizetti auf, so dass die Wahl der italienischen Sprache dem Genuss allemal zuträglich ist. Das Rijeka Opera Symphony Orchestra spielt tadellos, ohne aber besondere Glanzpunkte setzen zu können.

Das übrige Ensemble überzeugt mit einer soliden und routinierten Leistung – überfordert ist hier niemand, jeder kann mit seinen Stärken punkten. So ist beispielsweise die finnische Sopranistin Mariukka Tepponen als Jela bestens besetzt, verfügt sie doch über eine mühelose Höhe, vokale Flexibilität und das nötige Temperament. Leidenschaftlich wirft sie sich ins musikalische Geschehen und macht mit ihrer Kavatine im zweiten Akt besonderen Eindruck. Aljaz Farasin ist ein schwärmerischer Nicolò mit einer 'Traviata'-Alfredo-Stimme, die vor allem im Schlussquartett zur Geltung kommen darf.

Mit Giorgio Surian als ältlichem Vormund Quirino steht der Produktion zumindest eine B-Prominenz zur Verfügung. Der Bassist hat jahrzehntelange Erfahrung in den komischen Rollen Rossinis und Donizettis und hat an den großen Opernhäusern der Welt gesungen. Diese Erfahrung hört man seiner Interpretation an, sowohl in der Nonchalance, mit der er Effekte zu setzen weiß und die Tragikomik seines Charakters in wenigen Sekunden zeichnet, als auch in der akustischen Reife seiner Stimme, die jenseits der markanten Tiefe ihre besten Zeiten hinter sich hat. Als Stichwortgeber Giorgio ergänzt Marco Fortunato mit kräftigem Tenor das kleine Ensemble.

Als Raritätensammler ist man dankbar, diese vielleicht zu Recht vergessene Suppé-Oper einmal hören zu können. Im CD-Regal oder gar in kommenden Spielplänen braucht man den 'Heimkehrenden Matrosen' aber nicht.

Interpretation:
Klangqualität:
Repertoirewert: 
Booklet:





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Detail-Informationen zum vorliegenden Titel:



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    Suppé, Franz von: Il Ritorno del Marinaio

Label:
Anzahl Medien:
Spielzeit:
cpo
2
86:28
EAN:
BestellNr.:

761203512027
cpo 555 120-2


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Suppé, Franz von
 - Il Ritorno del Marinaio - Preludio
 - Il Ritorno del Marinaio - E' nostro certo quel battel
 - Il Ritorno del Marinaio - Balletto
 - Il Ritorno del Marinaio - Salve a te, mio patrio suol
 - Il Ritorno del Marinaio - Ritornate ai vostri, cari
 - Il Ritorno del Marinaio - Trascorsi son vent' anni omai
 - Il Ritorno del Marinaio - Degli anni miei sul verde april
 - Il Ritorno del Marinaio - Va fuor!
 - Il Ritorno del Marinaio - Pereat mundus fiat justitia
 - Il Ritorno del Marinaio - Forsti! Ehi dite?
 - Il Ritorno del Marinaio - O Jela
 - Il Ritorno del Marinaio - Partir degg'io diletta
 - Il Ritorno del Marinaio - Nun v'è che dir, l'addio


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Dirigent(en):D'Arcy, Adriano Martinolli
Orchester/Ensemble:Rijeka Opera Symphony Orchestra
Interpret(en):Puskaric, Ljubomir
Tepponen, Mariukka
Surian, Giorgio
Farasin, Aljaz
Fortunato, Marco


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cpo

Wohl kaum ein zweites Label hat in letzter Zeit soviel internationale Aufmerksamkeit erregt wie cpo. Die Fachwelt rühmt einhellig eine überzeugende Repertoirekonzeption, die auf hohem künstlerischen Niveau verwirklicht wird und in den Booklets eine geradezu beispielhafte Dokumentation erfährt. Der Höhepunkt dieser allgemeinen Anerkennung war sicherlich die Verleihung des "Cannes Classical Award" für das beste Label (weltweit!) auf der MIDEM im Januar 1995 und gerade wurde cpo der niedersächsische Musikpreis 2003 in "Würdigung der schöpferischen Leistungen" zuerkannt.
Besonders stolz macht uns dabei, daß cpo - 1986 gegründet - in Rekordzeit in die Spitze vorgestoßen ist. Das Geheimnis dieses Erfolges ist einfach erklärt, wenn auch schwierig umzusetzen: cpo sucht niemals den Kampf mit den Branchenriesen, sondern füllt mit Geschick die Nischen, die von den Großen nicht besetzt werden, weil sie dort keine Geschäfte wittern. Und aus mancher Nische wurde nach einhelliger Ansicht der Fachwelt mittlerweile ein wahres Schmuckkästchen.
Am Anfang einer Repertoire-Entscheidung steht bei uns noch ganz altmodisch das Partituren-lesen, denn nicht alles, was noch unentdeckt ist, muß auch auf die Silberscheibe gebannt werden. Andererseits gibt es - von der Renaissance bis zur Moderne - noch sehr viele wahre musikalische Schätze zu heben, die oft näher liegen, als man meint. Unsere großen Werk-Editionen von Pfitzner, Korngold, Hindemith oder Pettersson sind nicht umsonst gerühmt worden. In diesem Sinne werden wir fortfahren.
Letztendlich ist unser künstlerisches Credo ganz einfach: Wir machen die CDs, die wir schon immer selbst haben wollten. Seien Sie herzlich zu dieser abenteuerlichen Entdeckungsfahrt eingeladen!


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