> > > Mahler, Gustav: Sinfonie Nr. 4
Montag, 17. Dezember 2018

Mahler, Gustav - Sinfonie Nr. 4

Haydnscher Mahler


Label/Verlag: CAvi-music
Detailinformationen zum besprochenen Titel


Die Düsseldorfer Symphoniker und Ádám Fischer präsentieren auf ihrer zweiten Mahler-CD eine sachlich bestens ausgearbeitete Interpretation ohne jedoch die emotionalen Konflikte der Sinfonie zu vertiefen.

Nachdem bereits Mahlers Siebte Sinfonie erschienen ist, folgt nun bei CAvi-Music die Vierte Sinfonie unter Ádám Fischer und den Düsseldorfer Symphonikern. Das Projekt Gesamtzyklus steckt demnach noch ziemlich in den Kinderschuhen. Ein kostspieliges Unterfangen sollte es zudem für jeden Fan der Düsseldorfer Symphoniker am Ende werden, wenn man pro CD weiterhin jeweils nur eine Mahler-Sinfonie erhält. Ein kleiner Bonus hätte darüber eventuell hinwegtrösten können, insbesondere angesichts des vorhandenen Platzes auf der CD, den Mahlers schlankeste Sinfonie bietet. Die Konzertgrundlage der vom 17. bis 21. November aufgenommenen Aufführungen ist ohnehin ein Haydn-Mahler-Zyklus. Schade daher, dass Haydns Sinfonie Nr. 103 'Mit dem Paukenwirbel' nicht mit Mahler gekoppelt wurde.

Denn Haydn ist schließlich auch das Stichwort, wenn es um Fischers Mahler-Deutung geht. So wird bereits in der Exposition des ersten Satzes eine bestens ausgeleuchtete Zusammensetzung der beiden Blöcke Haupt- und Seitensatz angestrebt, sodass man in der Tat einen Haydn-Satz nach Sonatenform deutlicher erkennt als in anderen Aufnahmen. Die sachlich-nüchterne Textausdeutung veranschaulicht in diesem Sinne bestens Mahlers überraschende Rückkehr zu einer klassizistischeren Komposition nach den monumentalen Sinfonie-Giganten zuvor. Allerdings ist dieser vermeintliche Rückbezug auf Haydn in der vorliegenden Einspielung eine Orientierung an Fischers persönlicher Vorstellung, wie Haydn zu klingen hat. Und ob diese Klangvorstellung dieselbe darstellt, die Mahler seinerzeit im Kopf hatte, scheint doch recht fraglich. Insofern ist die durchsichtige Gestaltung und die bestens ausbalancierte Abstimmung zwischen Bläsern und Streichern zwar schön, um Mahlers Instrumentierung und formaler Anlage nachzuspüren; den großen inhaltlichen Konflikten dieser Sinfonie – zwischen einer kindlich-naiven Paradies-Vision und einer stets mitschwingenden existenziellen Bedrohung dieser Idylle – tut sie nicht immer gut. Besonders das von Mahler in der Sinfonie mehrmals vorgeschriebene und so wichtige Espressivo, welches den emotionalen Zugang zu dieser Konfliktsituation garantiert, vermisst man häufig in der rationalen Partitur-Auslegung.

Fischers ausgewogenes Dirigat kultiviert zwar glücklicherweise keinen parfümierten Schönklang, allerdings ebenso wenig explosionsartige Ekstasen. Seine struktur- und formbewusste Leseart droht dafür phasenweise in Lethargie zu verfallen, so etwa am Ende der angetäuschten Expositionswiederholung des Kopfsatzes, wenn die Vorschrift 'etwas zurückhaltend' ein wenig zu ernst genommen wird. Überhaupt ist Fischers Agogik hier und da in Gefahr, sich in einer spannungsabfallenden Verbreitung des Tempos zu verlieren. Wenn man etwa Mengelbergs geradezu überzeichnende Ritardandi anhört, ist es einmal mehr erstaunlich, dass diese, obgleich ihrer viel extremeren Ausreizung, mittels einer expressiveren Interpretation längst nicht so spannungsdämpfend wirken wie bei Fischer. Zum Eindruck eines moderaten Dirigats passt am Ende auch die Leistung von Hanna-Elisabeth Müller. Die junge Mannheimerin, die bei Mozart mit großartigen Darbietungen der Susanna oder Zerlina in München überzeugen konnte, scheint prädestiniert für den kindlichen Gestus des Finales. Gleichwohl trifft ihre Sopranstimme mit schöner Mittellage nicht ganz das mädchenhaft-naive Timbre, derweil die Diktion ebenfalls etwas zu wünschen übrig lässt.

Der Gesamteindruck der Einspielung ist gleichwohl alles andere als schlecht, und speziell die Düsseldorfer Symphoniker hinterlassen einen guten Eindruck mit einer technisch überzeugenden und musikalisch engagierten Veranschaulichung von Fischers Haydnschem Mahlerbild. In der klanglichen Aufbereitung der CD sind die Nebengeräusche aus dem Publikum von Husten bis Applaus gänzlich eliminiert worden, derweil dennoch die Live-Atmosphäre gewahrt wurde. Dies ist nicht zuletzt etwa im Kopfsatz vor Beginn des Reprisen-Seitensatzes oder in den Steigerungspassagen des dritten Satzes anhand impulsiver Atemgeräusche von Fischer nachzuvollziehen. Das mag den einen vielleicht stören, als Überbleibsel des Live-Ereignisses und Beleg für die musikalische Involviertheit der Musiker wirkt es bei dem anderen vielleicht sogar positiv. Wer im November live in der Tonhalle Düsseldorf saß, wird die Mahler-Sinfonie sicherlich noch eindrucksvoller wahrgenommen haben. Als CD-Einspielung stellt sie eine achtenswerte Interpretation dar; in Anbetracht der Fülle an Vergleichseinspielungen spielt sie jedoch eine eher unbedeutende Rolle.


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Detail-Informationen zum vorliegenden Titel:



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    Mahler, Gustav: Sinfonie Nr. 4

Label:
Anzahl Medien:
Veröffentlichung:
CAvi-music
1
18.08.2017
EAN:

4260085533787


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CAvi-music

"Es muss nicht viel sein, wenn's man gut ist" heißt die Devise für das Label, das stets den Künstler in den Vordergrund stellt, das partnerschaftlich Projekte realisiert, das persönliche Wünsche und Ideen der Künstler unterstützt, das sich vorwiegend auf Kammermusik konzentriert, das handverlesen schöne Musik in hervorragender Interpretation anbietet, mit einer Künstlerliste, die sich sehen lassen kann. Eine sehr persönliche Sache, die von Herzen kommt !! Außerdem kommen neben dem Label CAvi-music auch die Labels "SoloVoce" und "CAvi-Autentica" aus dem Hause Avi-Service for music.


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