> > > Telemann, Georg Philipp: Festmusiken für Altona
Donnerstag, 18. Januar 2018

Telemann, Georg Philipp - Festmusiken für Altona

Effektvolle spätbarocke Pracht


Label/Verlag: cpo
Detailinformationen zum besprochenen Titel


Telemann vom Feinsten bietet diese Interpretation der erst 1998 erschlossenen 'Altonaer Festmusik', ein opulentes und prachtvolles Werk des 80-jährigen Komponisten.

86 Jahre gelten auch heute noch als hohes Alter, doch im 18. Jahrhundert – bei einer deutlich niedrigeren Lebenserwartung – war man mit über 80 fast schon ein Methusalem. Georg Philipp Telemann, der 1767 mit 86 Jahren starb, war bis in dieses hohe Alter produktiv, das hinterlassene (und zum größten Teil erhaltene) Werk ist entsprechend umfangreich und trotz intensiver Bemühungen der Musikwissenschaft noch nicht vollständig erschlossen. Eine Neuentdeckung aus einer seit 1998 zugänglichen Sammelhandschrift ist die vorliegende 'Altonaer Festmusik' mit dem schönen Titel 'Die dicken Wolken scheiden sich', die Telemann im Jahr 1760 komponierte, also mit beinahe 80 Jahren. Von Altersmüdigkeit ist hier nichts zu hören, im Gegenteil: Der frische, spannungsvolle Ton des späten Barock gelangt in dieser Kantate noch einmal zu seiner schönsten Entfaltung. Das Werk ist nun im Rahmen der groß angelegten Telemann-Edition bei cpo erschienen, daneben steht die Ode 'Nunc auspicato sidere' für König Friedrich V. von Dänemark. Interpretiert werden die beiden Stücke vom Ensemble barockwerk hamburg unter Ira Hochman.

Die zweiteilige Anlage der Altonaer Festmusik (Teil eins war vor der Predigt aufzuführen, Teil zwei im Anschluss) führt zu einer etwas längeren Dauer als für eine ‚normale‘ Barockkantate üblich, das Werk dauert eine knappe Dreiviertelstunde. Dennoch ist die Komposition an keiner Stelle langatmig geraten, die effektvollen instrumentalen und vokalen Wirkungen können jederzeit überzeugen. Zu diesem überaus positiven Eindruck tragen die Musiker einen gewichtigen Teil bei. Angefangen bei der deutlichen, sauberen Aussprache aller Vokal-Solisten über die hohe Präzision des orchestralen Zusammenspiels bis hin zur beachtlichen dynamischen Spannweite des Chores ist eine spannungsgeladene und mitreißende Einspielung entstanden, die auch klanglich vollauf überzeugen kann. Die acht Solisten agieren allesamt auf hohem Niveau, Tenor Mirko Ludwig und Bass Rainer Mesecke haben sich eine besondere Hervorhebung verdient. Die erstaunliche abschließende Steigerung des letzten Abschnittes ('Dictum') ist an orchestraler und vokaler Prachtentfaltung kaum zu überbieten.

Wenn es überhaupt etwas gibt, das einem heutigen Hörer an diesem Werk antiquiert vorkommen könnte, dann wohl am ehesten der übertrieben lobhudelnde Text, in dem Mitglieder des dänischen Königshauses exzessiv angepriesen werden. Aber dies entsprach durchaus dem Standard der Zeit, die Musik entschädigt reichlich für derartige Seltsamkeiten. Unter der jederzeit souveränen Leitung von Hochman hat das barockwerk eine echte Telemann-Entdeckung vorgelegt, die in interpretatorischer und klanglicher Hinsicht Maßstäbe setzt. Mit kleineren Einschränkungen gilt dies auch für 'Nunc auspicato sidere', ein deutlich kürzeres und weniger dramatisches Werk, in dem die erneut recht einseitigen Lobpreisungen des Königs dem heutigen Hörer nicht so auffallen, es sei denn, er wäre des Lateinischen mächtig. Die wirkungsvollen Blechbläser-Effekte der Altonaer Festmusik kann es hier aufgrund der Besetzung (Vokalsolisten und Basso continuo) nicht geben, dennoch überzeugt die Musik mit kontrapunktischer Raffinesse und Kompaktheit. Auch die Klangqualität diese Aufnahme ist erstklassig, die Balance jederzeit gegeben.

Insgesamt ist diese Telemann-CD sowohl ein Plädoyer für den Komponisten als auch für die Musiker vom barockwerk hamburg, deren Qualität jedem Vergleich standhält. Die Altonaer Festmusik ist – trotz höchster kompositorischer Kunstfertigkeit – für jeden Hörer unmittelbar zugänglich und in ihrer spätbarocken Prachtentfaltung ein echter Edelstein im so unglaublich umfangreichen Werk des Komponisten. Abgerundet wird der positive Eindruck durch den detaillierten Beiheft-Text des Telemann-Experten Jürgen Neubacher.

Interpretation:
Klangqualität:
Repertoirewert: 
Booklet:






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    Telemann, Georg Philipp: Festmusiken für Altona

Label:
Anzahl Medien:
cpo
1
EAN:

761203501823


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cpo

Wohl kaum ein zweites Label hat in letzter Zeit soviel internationale Aufmerksamkeit erregt wie cpo. Die Fachwelt rühmt einhellig eine überzeugende Repertoirekonzeption, die auf hohem künstlerischen Niveau verwirklicht wird und in den Booklets eine geradezu beispielhafte Dokumentation erfährt. Der Höhepunkt dieser allgemeinen Anerkennung war sicherlich die Verleihung des "Cannes Classical Award" für das beste Label (weltweit!) auf der MIDEM im Januar 1995 und gerade wurde cpo der niedersächsische Musikpreis 2003 in "Würdigung der schöpferischen Leistungen" zuerkannt.
Besonders stolz macht uns dabei, daß cpo - 1986 gegründet - in Rekordzeit in die Spitze vorgestoßen ist. Das Geheimnis dieses Erfolges ist einfach erklärt, wenn auch schwierig umzusetzen: cpo sucht niemals den Kampf mit den Branchenriesen, sondern füllt mit Geschick die Nischen, die von den Großen nicht besetzt werden, weil sie dort keine Geschäfte wittern. Und aus mancher Nische wurde nach einhelliger Ansicht der Fachwelt mittlerweile ein wahres Schmuckkästchen.
Am Anfang einer Repertoire-Entscheidung steht bei uns noch ganz altmodisch das Partituren-lesen, denn nicht alles, was noch unentdeckt ist, muß auch auf die Silberscheibe gebannt werden. Andererseits gibt es - von der Renaissance bis zur Moderne - noch sehr viele wahre musikalische Schätze zu heben, die oft näher liegen, als man meint. Unsere großen Werk-Editionen von Pfitzner, Korngold, Hindemith oder Pettersson sind nicht umsonst gerühmt worden. In diesem Sinne werden wir fortfahren.
Letztendlich ist unser künstlerisches Credo ganz einfach: Wir machen die CDs, die wir schon immer selbst haben wollten. Seien Sie herzlich zu dieser abenteuerlichen Entdeckungsfahrt eingeladen!


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