> > > Telemann, Georg Philipp: Geistliche Arien
Donnerstag, 23. Januar 2020

Telemann, Georg Philipp - Geistliche Arien

Seel und Leib sind ganz verbunden


Label/Verlag: cpo
Detailinformationen zum besprochenen Titel


Nach kammermusikalisch umgearbeiteten Arien aus 'Adventskantaten' lässt Gudrun Sidonie Otto mit ihrem agilen Consort und dem Altus David Erler hier Arien zum 10. bis 20. Sonntag nach Trinitatis folgen.

Es handelt sich gewissermaßen um das barocke Pendant zum Klavierauszug: Georg Philipp Telemann richtete Solo-Arien aus seinen größer besetzten sonntäglichen Kirchenmusiken ganz intim für hohe oder tiefe Stimmlage und Basso continuo ein, welcher zum andächtigen Hausgebrauch im bürgerlichen wie adeligen Rahmen flexibel mit Tasteninstrumenten, Gamben oder Cello oder auch Lautenvarianten ausgeführt werden konnte und kann (Consort-Mitglied Karl Nyhlin spielt hier Gallichon, eine sechssaitige Basslaute). Alleine der als Band 57 der Telemann-Gesamtausgabe erschienene Jahrgang 1727 dieser ‚auf die gewöhnlichen Evangelien gerichteten Arien‘ – sie kommentieren den Bibeltext zum jeweiligen Kirchentag – ist eine faszinierende Fundgrube mit einer derartigen Dichte an ebenso geistreich komponierten wie spirtuell ansprechenden Text-Musik-Relationen, dass man sogar ästhetisch-transhistorisch die Qualitäten der Lieder Franz Schuberts als Vergleich anführen könnte: Alleine das zur Trinitatisfolge hier zugegebene Arienpaar zum Feste Michaelis simuliert in 'Thronender Gottheit in flammender Pracht' zunächst eine prachtvolle Jubel-Koloraturarie, die jedem Oratorium als Höhepunkt dienen könnte, um danach mit 'Lass auch deiner Engel Hände' eine einfach berührende Todesweise folgen zu lassen, deren traurig fließende Melodie (mit gekonnter Instrumental-Umspielung) schön einen das Sterben tapfer und positiv begrüßenden Mittelteil umfängt.

Höchste Ausdruckskunst, genial gesetzt und interpretiert

Diese Musik braucht und hat hier auch Interpreten allererster Güte und Fantasie. Gudrun Sidonie Ottos Consort ist zwar gegenüber der Advent-CD komplett umbesetzt: Statt Wolfgang Brunner spielt Aleksandra Grychtolik die Tasteninstrumente (Cembalo, Orgelpositiv) und Caroline Kang ersetzt – mit Lautenist Nyhlin spieltechnisch ähnlich variabel u. a. in klangmalerischen Effekten wie Donner und Blitz – Christine Schwark am Cello. Altus David Erler übernimmt diesmal mehr als souverän die Arien in tiefer Lage – neben beiden Michaelis-Arien trifft er auch die tänzerisch-rhythmisch getriebenen Stücke wie 'Laßt uns danken! Laßt uns loben!' im Ausdruck ganz genau. Und Ensemble-Chefin Otto vermittelt mit ihrer durchweg schlanken und doch runden, höchst variablen Stimmfarbe und mitunter ausdrucksintensivierendem leichtem Vibrato ihre ganze Begeisterung und Einfühlungsgabe für diese Musik: Die auch musikalisch herausragende, eingängige Arie 'Seel und Leib sind ganz verbunden' wird hier spürbar zum Motto dieser beeindruckenden (Live-)Einspielung.


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Detail-Informationen zum vorliegenden Titel:



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    Telemann, Georg Philipp: Geistliche Arien

Label:
Anzahl Medien:
cpo
1
Medium:
EAN:
CD
761203509126

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cpo

Wohl kaum ein zweites Label hat in letzter Zeit soviel internationale Aufmerksamkeit erregt wie cpo. Die Fachwelt rühmt einhellig eine überzeugende Repertoirekonzeption, die auf hohem künstlerischen Niveau verwirklicht wird und in den Booklets eine geradezu beispielhafte Dokumentation erfährt. Der Höhepunkt dieser allgemeinen Anerkennung war sicherlich die Verleihung des "Cannes Classical Award" für das beste Label (weltweit!) auf der MIDEM im Januar 1995 und gerade wurde cpo der niedersächsische Musikpreis 2003 in "Würdigung der schöpferischen Leistungen" zuerkannt.
Besonders stolz macht uns dabei, daß cpo - 1986 gegründet - in Rekordzeit in die Spitze vorgestoßen ist. Das Geheimnis dieses Erfolges ist einfach erklärt, wenn auch schwierig umzusetzen: cpo sucht niemals den Kampf mit den Branchenriesen, sondern füllt mit Geschick die Nischen, die von den Großen nicht besetzt werden, weil sie dort keine Geschäfte wittern. Und aus mancher Nische wurde nach einhelliger Ansicht der Fachwelt mittlerweile ein wahres Schmuckkästchen.
Am Anfang einer Repertoire-Entscheidung steht bei uns noch ganz altmodisch das Partituren-lesen, denn nicht alles, was noch unentdeckt ist, muß auch auf die Silberscheibe gebannt werden. Andererseits gibt es - von der Renaissance bis zur Moderne - noch sehr viele wahre musikalische Schätze zu heben, die oft näher liegen, als man meint. Unsere großen Werk-Editionen von Pfitzner, Korngold, Hindemith oder Pettersson sind nicht umsonst gerühmt worden. In diesem Sinne werden wir fortfahren.
Letztendlich ist unser künstlerisches Credo ganz einfach: Wir machen die CDs, die wir schon immer selbst haben wollten. Seien Sie herzlich zu dieser abenteuerlichen Entdeckungsfahrt eingeladen!


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