> > > Leuchtende Liebe: Sopranarien von Beethoven und Wagner
Sonntag, 20. August 2017

Leuchtende Liebe - Sopranarien von Beethoven und Wagner

Dramatische Leidenschaft


Label/Verlag: OehmsClassics
Detailinformationen zum besprochenen Titel


'Leuchtende Liebe' ist mit einer Laufzeit von gerade mal 54 Minuten eine nicht sehr lange, aber wirkungsvolle Empfehlung an alle großen Opernhäuser, die vielversprechenden dramatischen Nachwuchs suchen.

Die schwedische Sopranistin Elisabet Strid gilt vielen mittlerweile als Hoffnung im jugendlich dramatischen Fach. Wie es zu solchen Bekundungen kommt, lässt sich auf ihrer ersten Solo-CD beim Label Oehms nachvollziehen. Hier präsentiert sich die Künstlerin mit Arien und Szenen aus Werken Richard Wagners, ergänzt um die große Leonoren-Arie aus Beethovens 'Fidelio'. Begleitet wird Strid auf diesem 2016 in Sofia eingespielten Album vom Bulgarian National Radio Symphony Orchestra unter der Leitung von Ivan Anguélov.

Die Fußspuren, in die Elisabet Strid tritt, sind groß. Schnell tauchen Erinnerungen an Berit Lindholm, Birgit Nilsson oder in heutiger Zeit an Nina Stemme auf. Tatsächlich lässt so mancher Trompetenton Strids an die Nilsson denken, wobei die Sopranistin nun wirklich keine Nilsson-Kopie darstellt. Elisabet Strid geht selbstbewusst ihren eigenen Weg, singt seit vielen Jahren in Stockholm, Helsinki, Oslo, Leipzig mit Partien von Dvoráks Rusalka bis hin zu Strauss' Chrysothemis. 2013 war sie auch in Bayreuth als Freia zu erleben. Ohnehin scheinen die Heroinen Wagners eine mittlerweile wichtige Rolle in der Karriere Elisabet Strids zu spielen, was auch ihre Szenen-Auswahl auf der vorliegenden CD stützt.

Viele der hier repräsentierten Partien hat Strid bereits auf der Bühne gesungen. Das hört man vor allem ihrer fulminanten Senta an. Die Ballade zieht den Hörer unmittelbar in ihren Bann, weil Strid direkt und situativ mit ihrem Gesang agiert. Es entsteht eine wirkliche Erzählung, keine Demonstration von Gesangskünsten. Ihr jugendlich strahlender Klang, das Leuchten in der Höhe und das helle Timbre passen hervorragend zu dem jungen Mädchen, das vom Unheimlichen fasziniert ist.

Mit ähnlicher Verve kommt Elisabeths Hallenarie aus 'Tannhäuser' daher. Strids Jubelton ist entwaffnend. Überhaupt sind es die feurige Attacke und der dramatische Gestus, der in Elisabet Strid Gesang besonders überzeugen. Mit Leidenschaft und Temperament gestaltet sie die liebenden Frauengestalten und der CD-Titel 'Leuchtende Liebe' steht geradezu stellvertretend für diesen unerhörten Effekt. Strids Sopran wirkt im besten Sinne wie ein vokaler Flammenwerfer, der unter Kontrolle gehalten wird. Ihr langer Atem, ihre Phrasierung und Beweglichkeit sind beeindruckend. Die gefürchtete Passage "Ich folg dem innern Triebe" aus Leonores Arie meistert die Sängerin mit Furchtlosigkeit und Strahlkraft.

So kraftvoll und authentisch manch dramatischer Gestus gelingt, so wenig aufregend sind einige der introvertierten Nummern. Elsas 'Einsam in trüben Tagen' klingt sehr ordentlich, lässt emotional aber ziemlich kalt, ebenso Elisabeths Gebet aus 'Tannhäuser'. Auch Isoldes Liebestod gehört noch nicht zu Strids Glanzstücken, obwohl eine erste komplette Isolde anscheinend ansteht. Strid gestaltet hier mit angezogener Handbremse und verlässt sich zu sehr auf einige leuchtende Töne. Bleibt zu hoffen, dass dieses Manko bei einem vollständigen Rollenstudium und ihrer offenbar großen schauspielerischen Wirkung behoben wird. Eine Empfehlung für Elsa und Isolde ist die Sopranistin aber fraglos.

Adas 'Wie muss ich doch beklagen' aus den 'Feen' ist ein wahres Schmankerl unter den ausgewählten Szenen, macht aber auch deutlich, weshalb dieses Werk nicht zu den meistgespielten Werken Richard Wagners zählt. Dafür machen die beiden Ausschnitte aus dem ersten Aufzug der 'Walküre' Lust auf mehr Sieglinde von Elisabet Strid und Brünnhildes 'Ewig war ich' ist ein gelungener Abschluss für dieses CD-Debüt, weil hier trotz großen Tones eine schlanke Stimmführung und Beweglichkeit gefordert sind – und beides gelingt Strid tadellos.

Ivan Anguélov erweist sich mit seinen Musikern als bescheidener Begleiter. Eigene Akzente setzt der Dirigent nicht, vielmehr stützt er die junge Sängerin mit einem luftigen Klangteppich, der dadurch etwas an Kraft und Farben vermissen lässt. Das Orchester spielt aber hoch anständig, und die Hörner jagen eingangs bereits souverän durch Beethovens heikle Läufe. 'Leuchtende Liebe' ist mit einer Laufzeit von gerade mal 54 Minuten eine kurze, aber wirkungsvolle Empfehlung an alle großen Opernhäuser, die vielversprechenden dramatischen Nachwuchs suchen – sofern sie nicht schon längst von Elisabet Strid gehört haben sollten.

Interpretation:
Klangqualität:
Repertoirewert: 
Booklet:





Dieser Beitrag hat Ihnen gefallen? Empfehlen Sie ihn weiter!

Ihre Meinung? Kommentieren Sie diesen Artikel

Jetzt einloggen, um zu kommentieren.
Sind Sie bei klassik.com noch nicht als Nutzer angemeldet, können Sie sich hier registrieren.



Detail-Informationen zum vorliegenden Titel:



Cover vergrößern

    Leuchtende Liebe: Sopranarien von Beethoven und Wagner

Label:
Anzahl Medien:
Veröffentlichung:
OehmsClassics
1
28.07.2017
EAN:

4260330918826


Cover vergössern

OehmsClassics

Ein erfülltes Leben ist ohne Musik kaum denkbar. Musik spiegelt unsere Wahrnehmung der Umwelt und die Realität heutiger wie vergangener Zeiten. Gute Musik ist immer neu, immer frisch, immer wieder entdeckenswert. Deshalb bin ich überzeugt: Es gibt nicht -die- eine, definitive, beste Interpretation der großen Werke der Musikgeschichte. Und genau das macht klassische Musik so spannend: Jede Musikergenerationen experimentiert, entdeckt neue Blickwinkel, setzt unterschiedliche Schwerpunkte - derselbe Notentext wird immer wieder von anderen Strömungen belebt.

Deshalb ist ein Musikstück, egal aus welchem Jahrhundert, auch immer Neue Musik. OehmsClassics hat es sich zur Aufgabe gemacht, am Entdecken der neuen Seiten der klassischen Musik mitzuwirken.

Unser Respekt vor den künstlerischen Leistungen der legendären Interpreten ist gewiss. Unser Ziel als junges CD-Label sehen wir jedoch darin, den interpretatorischen Stil der Gegenwart zu dokumentieren. Junge Künstler am Anfang einer internationalen Karriere und etablierte Künstler, die neue Blickwinkel in die Interpretationsgeschichte einbringen - sie unterstützen wir ganz besonders und geben ihnen ein Forum, um auf dem Tonträgermarkt präsent zu sein.

Sie, liebe Musikhörer, bekommen damit die Gelegenheit, heute die Musikaufführung zu Hause nachzuvollziehen, die Sie gestern erst im Konzertsaal oder Opernhaus gehört haben. Wir laden Sie ein, gemeinsam mit uns die neuen Seiten der klassischen Musik zu erleben!


Ihr
Dieter Oehms


Mehr Info...


Cover vergössern
Jetzt kaufen bei...
Titel bei JPC kaufen


Weitere Besprechungen zum Label/Verlag OehmsClassics:

  • Zur Kritik... Im Volkston: Eine bemerkenswerte Veröffentlichung von einigem Interesse für das Repertoire, für die man Dieter Oehms dankbar sein kann. Musikhistorisch lohnend ist es in jedem Fall, dank hochklassiger Interpreten voller ernsthafter Ambition ist es auch ein Hörgenuss. Weiter...
    (Dr. Matthias Lange, )
  • Zur Kritik... Lehár-Graf und Wagner-Diva: Dieser neue 'Graf von Luxemburg' kann erstaunlich viel: Er vermittelt Freude am Genre, er ist musikalisch auf hohem Niveau angesiedelt und kann sogar eine zentrale Besetzungsschwachstelle als ungewöhnlichen Coup verkaufen. Weiter...
    (Benjamin Künzel, )
  • Zur Kritik... Aufgewühlt: Der Mitschnitt eines Konzerts, bei dem sich Ingolf Turban der drei Violinsonaten von Johannes Brahms angenommen hat, zeigt mitunter die hohe Musikalität dieses Künstlers, ist aber nicht frei von Schwachstellen. Weiter...
    (Manuel Stangorra, )
blättern

Alle Kritiken von OehmsClassics...

Weitere CD-Besprechungen von Benjamin Künzel:

  • Zur Kritik... Dunkles Ritterepos: Diese neue 'Schöne Magelone' ist zweischneidig in ihrer Wirkung: Auf der einen Seite lädt sie nicht wirklich zum Mitfiebern oder Angesprochensein ein. Auf der anderen Seite ist sie zumindest in ihrer konsequenten Schwermut und Düsternis bemerkenswert. Weiter...
    (Benjamin Künzel, )
  • Zur Kritik... Barenboim legt nach: Dieser 'Dream of Gerontius' punktet mit einem muttersprachlichen Ensemble und erstklassigem Klang. Wer bei Elgars Oratorium einen unaufgeregten, fast schon schlichten Zugriff bevorzugt, kommt hier klar auf seine Kosten. Weiter...
    (Benjamin Künzel, )
  • Zur Kritik... Lehár-Graf und Wagner-Diva: Dieser neue 'Graf von Luxemburg' kann erstaunlich viel: Er vermittelt Freude am Genre, er ist musikalisch auf hohem Niveau angesiedelt und kann sogar eine zentrale Besetzungsschwachstelle als ungewöhnlichen Coup verkaufen. Weiter...
    (Benjamin Künzel, )
blättern

Alle Kritiken von Benjamin Künzel...

Weitere Kritiken interessanter Labels:

  • Zur Kritik... Die vierte Neunte: Historisch wertwoll mit leichter klangtechnischer Patina: Das NDR Sinfonieorchester spielt unter Kurt Sanderling Mahlers Neunte. Weiter...
    (Dr. Aron Sayed, )
  • Zur Kritik... Hörenswerte Erstaufnahme: Belcanto in Hochform macht die Wiederentdeckung dieser venezianischen Oper zum außergewöhnlichen Hörgenuss für alle Opernfreunde, die auf der Suche nach musikalischem Neuland sind. Weiter...
    (Sonja Jüschke, )
  • Zur Kritik... Rauschhaft und vielfarbig: Eine wunderbare Hommage an Skrjabin gelingt Maria Lettberg mit ihrer neuen CD, in der sie mit Fokus auf das musikalische Davor und Danach Skrjabin impressionistische Meisterwerk "Poéme de l´extase" umso wirkungsvoller in Szene setzt Weiter...
    (Michaela Schabel, )
blättern

Alle CD-Kritiken...

Magazine zum Downloaden

Class aktuell (2/2017) herunterladen (0 KByte) NOTE 1 - Mitteilungen (7/2017) herunterladen (0 KByte)

Anzeige

Jetzt im klassik.com Radio

Feliks Nowowiejski: Quo Vadis - The Lord be with thee...

CD kaufen


Empfehlungen der Redaktion

Die Empfehlungen der klassik.com Redaktion...

Diese Einspielungen sollten in keiner Plattensammlung fehlen

weiter...


Portrait

Julian Prégardien im Portrait "Das ganze Projekt ist eine Reise durch die Musik"
Julian Prégardien macht die Aufführungsgeschichte großer Werke anschaulich - und setzt Impulse für die Zukunft

weiter...
Alle Interviews...


Sponsored Links

Hinweis:

Mit Namen oder Initialen gekennzeichnete Beiträge geben die Meinung des Verfassers, nicht aber unbedingt die Meinung der Redaktion wieder.

Die Bewertung der klassik.com-Autoren:

Überragend
Sehr gut
Gut
Durchschnittlich
Unterdurchschnittlich