> > > Beethoven, Ludwig van: Sinfonie Nr. 5 & Tripelkonzert
Donnerstag, 14. Dezember 2017

Beethoven, Ludwig van - Sinfonie Nr. 5 & Tripelkonzert

Heilige Nüchternheit


Label/Verlag: ACCENTUS Music
Detailinformationen zum besprochenen Titel


Halb leer ist halb voll.

Das Gewandhausorchester sei verlottert. In der Spätzeit Masurs seien Einbußen an handwerklicher Genauigkeit und musikalischer Ambition in Kauf genommen worden. Dann habe Herbert Blomstedt das Orchester übernommen und mit behutsamer Strenge für Ordnung gesorgt. Der vielbeschworene Aufstieg zu altem Glanz und alter Gloria sei weniger Riccardo Chailly, dem Liebling der Medien, zu verdanken, als dessen greisem Amtsvorgänger.

Blomstedts Habitus ist nicht dazu angetan, Begeisterung zu wecken. Kein Rezensent versäumt es, das Ungestalte der Bewegungskadenz zu tadeln – nicht ohne das musikalische Resultat postwendend zu bejubeln. In Zeiten, da Gauklern vom Schlage Currentzis’ gestattet ist, heiligen Salzburger Boden mit Schwarzen Messen des Narzissmus zu schänden, tut Herbert Blomstedts ‚heilignüchterne’ Sachlichkeit wohl.

Sachlichkeit empfiehlt sich auch dem Rezensenten – wohlan: Es handelt sich um ein Beethoven-Programm im Gewandhaus, aufgenommen im Januar 2017: Tripelkonzert und Fünfte Sinfonie. Isabelle Faust (Violine), Jean-Guihen Queyras (Cello) und Martin Helmchen (Klavier) geben die Solisten. Ute Feudel verantwortet eine (im guten Sinne) unspektakuläre Regie, der unverwüstliche Paul Smaczny die Produktion für Arte, MDR und Accentus samt gehaltvollem Beiheft. Das Klangbild lässt äußerste Strahlkraft vermissen, ernsthafte Einwände bestehen jedoch nicht.

Blomstedt macht sicht- und hörbar keine Faxen: Bassgründiges, mattes Klangbild (nach Leipziger Art), unaufgeregtes Sostenuto (ohne Verfettung), kompakte Homogeneität (nicht ohne Durchblick), spiel- und hörbare Tempi, gediegenes Mezzoforte, das dynamische Differenzierung nicht ausschließt. Zumal der Fünften Sinfonie bekommt dieser Zugriff. Man musiziert aus der Substanz. Die Musik, nicht der Musiker, bringt sich zum Ausdruck. Wer beckmessern wollte, könnte ein höheres Maß innerer Komplexität fordern. Das horizontale und vertikale Gefüge aus- und ineinanderzufalten, wäre die zweitschönste und -schwierigste Aufgabe. (Das Schwierige einfach zu machen, die erste.) Vielleicht könnte Blomstedt mehr wollen. Doch immerhin will er nichts Falsches.

Auch das Tripelkonzert ist gelungen: spröde Musik, spröde musiziert. Man nimmt sich alle Zeit der Welt, Themen bedeutungsvoll (aber unprätentiös) auszuphrasieren. Die klangliche Balance ist gegeben und die Solisten bewähren sich. Faust, Queyras und Helmchen erbringen hochachtbare Leistungen, technisch wie musikalisch, doch keiner macht sein Künstlertum zur Attitüde. Dies ist die größte Leistung des Menschenfischers Herbert Blomstedt: Eine Hundertschaft Musiker samt hochmögenden Solisten zur unangestrengten Einheit zu formen.

Interpretation:
Klangqualität:
Repertoirewert: 
Features:
Regie:






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Detail-Informationen zum vorliegenden Titel:



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    Beethoven, Ludwig van: Sinfonie Nr. 5 & Tripelkonzert

Label:
Anzahl Medien:
Veröffentlichung:
ACCENTUS Music
1
26.05.2017
EAN:
4260234831382

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ACCENTUS Music

ACCENTUS Music wurde 2010 als Produktionsfirma mit einem sehr erfahrenen Team aus Produzenten, Regisseuren, Kameraleuten, Tonmeistern und Cuttern und als gleichnamiges DVD Label auf dem Klassikmarkt gegründet. Die Firma mit Sitz in der Musikstadt Leipzig, unweit der Thomaskirche, produziert weltweit erstklassige Konzertereignisse, Opern sowie Künstlerportraits und Dokumentarfilme. Auf den DVD- und Blu-ray Veröffentlichungen finden sich herausragende Künstler wie Claudio Abbado, Daniel Barenboim, Evgeny Kissin, Martha Argerich, Riccardo Chailly, Pierre Boulez, Joshua Bell, Lucerne Festival Orchestra, New York Philharmonic und das Simón Bolívar Jugendorchester. ACCENTUS Music erfüllt sowohl künstlerisch wie auch technisch höchste Ansprüche von Klassik-Liebhabern rund um den Globus.


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