> > > Europäische Wege: Werke für Violine von Bortkiewicz, Chausson, Kreisler u.a.
Dienstag, 11. August 2020

Europäische Wege - Werke für Violine von Bortkiewicz, Chausson, Kreisler u.a.

Homogene


Label/Verlag: Musicaphon
Detailinformationen zum besprochenen Titel


Programmtechnisch begibt sich der Violinist Alois Kottmann mit seiner neuen CD auf eine Reise quer durch Europa, dabei bleibt er aber seinen Eigenheiten im Spiel stets mehr als treu.

‚Europäische Wege‘ - der Titel von Alois Kottmanns 2017 bei Musicaphon erschienener CD bezieht sich auf die Programmauswahl, die Werke von Komponisten aus zahlreichen Ländern vereint: Der Sonate in g-Moll op. 26 des 1877 in der Ukraine geborenen Komponisten Sergej Bortkiewicz folgt 'Poème' von Ernest Chausson, der in Frankreich lebte. Wie die beiden zuerst genannten Komponisten war auch der aus Österreich stammende Fritz Kreisler um die Jahrhundertwende tätig; sein 'Präludium und Allegro' im Stile Gaetano Pugnanis wurde 1905 veröffentlicht. Mit der Sonate 'Folies d’Espagne' op. 5/12 des Italieners Arcangelo Corelli hat Kottmann aber auch ein barockes Werk ausgewählt, die 'Seikilos'-Variationen des Tschechen Otmar Mácha dagegen wurden erst 1995 uraufgeführt.

‚Im direkten Vergleich fasziniert die musikkulturelle Vielfalt und Unverkennbarkeit der Charakteristika der einzelnen Länder im europäischen Raum‘, schreibt Kottmann selbst im Booklet. Ein bunter Mix der musikalischen Stile ist dieses Programm eigentlich schon, durch Kottmanns wenig wandelbares Spiel jedoch nicht so abwechslungsreich, wie der Titel vermuten lässt. Zunächst ist es natürlich anerkennenswert, dass der 1929 in Hanau geborene Violinist in solch hohem Alter noch eine CD herausbringt. In allen Einspielungen punktet er mit absolut präziser Intonation und einem kräftigen, klaren Ton.

Was die Interpretationen betrifft, so lässt sich unabhängig von Geschmacksfragen feststellen, dass der Geiger zur eher glatten, dafür sehr souveränen Gestaltung neigt. Kottmanns Spiel hat keine extremen Gipfel und Täler, die Phrasierung ist äußerst zurückhaltend. Besonders fällt das in den 'Folies d’Espagne' von Corelli auf: Durch seine weichen, sehr im Legato gehaltenen Linien, die gedämpfte Artikulation und die fast an Glissando erinnernden Läufe hat die Aufnahme wenig mit der heute üblichen Spielpraxis Alter Musik gemeinsam. Starke Artikulation oder sehr emotionale Ausgestaltung sind freilich nicht jedermanns Sache, in diesem Fall wünscht man sich aber mehr Farbenreichtum. So wirkt 'Poème' von Chausson, das eigentlich als zartes, inniges Stück mit einer Vielzahl an Möglichkeiten zur Gestaltung, trotz der Makellosigkeit fast schon spröde. Neben Kottmanns vollem, aber doch immer ähnlichen Ton mag das vor allem an seinem selten differenzierten Vibrato liegen.

Umso größer ist jedoch die Wirkung, wenn der Geiger dann einmal ein Rubato einbaut, sodass die Agogik in 'Präludium und Allegro' von Fritz Kreisler sehr unvermittelt auftritt: Nach einer rhythmisch fast schon buchstabierten Einleitung folgt eine große Verzögerung, die an der Grenze zum Manierismus steht.

Außer beim letzten Werk, das für Violine solo geschrieben wurde, begleitet der Pianist Rudolf Dennemarck auf einfühlsame, klangschöne Weise in allen Einspielungen. Es ist schade, dass über ihn im auf Deutsch und Englisch geschriebenen Booklet nichts außer seinem Namen geschrieben ist, da man aufgrund seines feinfühligen Spiels gern mehr über ihn erfahren hätte.

Das Highlight der CD sind mit Sicherheit die 'Seikilos'- Variationen von Otmar Mácha. Zu einem in uralter Notenschrift auf einen Grabstein auf der Insel Kreta gravierten Grundthema schrieb der tschechische Komponist Variationen, die nach eigenen Angaben von Johann Sebastian Bachs Solosonaten und Partiten für Violine inspiriert wurden. Der Interpret Alois Kottmann beweist hier einmal mehr seine hervorragende Intonation in zahlreichen Akkorden und Doppelgriffen, sowie einen besonders strahlkräftigen, obertonreichen Klang. Beispielsweise durch die hervorgehobenen Dissonanzen und sich intensivierenden Repetitionen kostet er die Gestaltungspalette mehr aus, deshalb ist dies der am meisten überzeugende Beitrag auf der CD.

Eine gezielte, vielseitige Programmauswahl mit kleinen Abstrichen in der etwas zu homogenen Interpretation machen diese CD hörenswert, jedoch nicht zu einem Must-Have.

Interpretation:
Klangqualität:
Repertoirewert: 
Booklet:





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Detail-Informationen zum vorliegenden Titel:



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    Europäische Wege: Werke für Violine von Bortkiewicz, Chausson, Kreisler u.a.

Label:
Anzahl Medien:
Veröffentlichung:
Musicaphon
1
10.05.2017
Medium:
EAN:

CD
4012476590035


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Musicaphon

Ende der 50er Jahre gründete Karl Merseburger, Inhaber des Tonkunstverlages in Darmstadt, das Label CANTATE. Etwa zur gleichen Zeit rief Karl Vötterle (Bärenreiter-Verlag) in Kassel MUSICAPHON ins Leben. In beiden Fällen sollte vorrangig das jeweilige Verlagsprogramm auf Tonträgern dokumentiert werden. Nachdem Merseburger den Tonkunstverlag 1963 aufgeben mußte, übernahm Bärenreiter das Label CANTATE und führte beide gemeinsam unter dem Dach der 1965 gegründeten Vertriebsfirma "Vereinigte Schallplattenvertriebsgesellschaft Disco-Center" fort. Auf beiden Labels erschienen in den 60er und 70er Jahren bedeutende Aufnahmen. Besondere Schwerpunkte setzte Wilhelm Ehmann, Leiter der Westfälischen Kantorei in Herford, mit seinen historischer Aufführungspraxis verpflichteten Interpretationen der Werke von Heinrich Schütz. Bach-Kantaten wurden von Helmuth Rilling mit der Gächinger Kantorei und dem Figuralchor der Gedächtniskirche Stuttgart eingespielt. MUSICAPHON gewann daneben Profil mit der Veröffentlichung musikethnologischer Aufnahmen, herausgegeben von der UNESCO (Musik des Orients und Musik Afrikas) bzw. vom musikwissenschaftlichen Institut der Universität Basel (Musik Ozeaniens und Musik Südostasiens). 1994 erwarb der Musikwissenschaftler Dr. Rainer Kahleyss (Kassel) die Label, 1996 auch die Vertriebsfirma von Bärenreiter, die jetzt als "Klassik Center Kassel" firmiert. Seitdem werden auf CANTATE geistliche Musik, auf MUSICAPHON weltliche Musik vom Frühbarock bis zur Gegenwart veröffentlicht. Auch für die Rezeptionsgeschichte bedeutsame Aufnahmen der Altkataloge werden sukzessive auf CD umgestellt.


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