> > > Enescu, Ravel & Skalkottas: Werke für Violine & Klavier
Dienstag, 21. November 2017

Enescu, Ravel & Skalkottas - Werke für Violine & Klavier

Ausgezeichnetes Erzählvermögen


Label/Verlag: CAvi-music
Detailinformationen zum besprochenen Titel


Der Geiger Jonian Ilias Kadesha stellt auf seiner Debüt-CD drei Komponisten gegenüber: George Enescu, Maurice Ravel und Nikos Skalkottas. Entstanden ist eine packende Einspielung, die von musikalischem Gespür und stilistischem Feinsinn zeugt.

Zu den vielen jungen, aufstrebenden Geigern unserer Zeit gehört auch der 24-jährige Grieche Jonian Ilias Kadesha. Mit seinem langjährigen Kammermusikpartner, dem Pianisten Nicholas Rimmer, hat er sich jetzt ins Tonstudio begeben. Herausgekommen ist ein außerordentlich spannendes Debüt. Zu hören sind die Violinsonate Nr. 3 von George Enescu (1881-1955) und die Violinsonate in G-Dur sowie die Rhapsodie 'Tzigane' von Maurice Ravel (1875-1937), die hier mit den zwei kleinen Suiten des griechischen Komponisten Nikos Skalkottas (1904-1949) kombiniert werden. Nikos Skalkottas scheint ein wichtiger Komponist für den jungen Geiger zu sein, spielt er dessen Werke doch gerne auch im Konzert. Dementsprechend dürfen sie natürlich auch auf seiner Debüt-CD nicht fehlen. In Kombination mit Enescu und Ravel gelingt hier eine überzeugende Gegenüberstellung. Erschienen ist die Einspielung, eine Co-Produktion mit Deutschlandradio Kultur, bei CAvi-Music.

Den Auftakt macht die Violinsonate Nr. 3 op. 25 von George Enescu. Das Duo Jonian Ilias Kadesha und Nicholas Rimmer illustriert ein wunderbar farbiges und facettenreiches Spiel. Die vielen akribischen Angaben und Vortragsbezeichnungen der Partitur meistern die beiden scheinbar mühelos. Treffsicher nimmt Kadesha den besonderen Tonfall auf, der den Violinwerken Enescus innewohnt. Doch bei allen spieltechnischen Hürden und kompositorischen Raffinessen verlieren die beiden nie den großen Bogen aus den Augen. Bei Ravels Sonate in G-Dur sind die jazzhaften Elemente besonders gelungen. Der dritte Satz 'Perpetuum mobile. Allegro' kommt nach seinem langsam ansteigenden Spannungsbogen mühelos ins Grooven, was Rimmer durch seinen stets variablen und zugleich bestimmten Anschlag rhythmisch untermalt – ein nahtloses und herrliches Zusammenspiel der beiden Musiker.

Die kleinen Suiten Nr. 1 und 2 von Nikos Skalkottas strotzen vor Energie und wilder Virtuosität. Das Duo treibt die sprudelnde Klangintensität der Werke immer weiter voran und gestaltet sie in zupackender Manier. Im 'Folk Song. Andante moderato' der ersten Suite arbeiten sie das lyrische Moment heraus, das durch alle Steigerungen hindurch letztlich immer wieder zu sich selbst zu finden und dort zu ruhen scheint. Der zweite Satz der zweiten Suite ist kontrastierend und beginnt insbesondere in der Violine sphärisch. Er entführt geradezu in eine andere, leisere, ja gar gedämpft anmutende Klangwelt, welche die beiden aber nicht weniger spannungsarm gestalten. Auch in den schwindelerregenden Höhen des Violinparts bleibt Kadeshas Intonation lupenrein. Das anschließende 'Allegro vivace' reißt den Hörer mit seinem forschen Beginn und seinem aufbrausenden Charakter dann wieder (abrupt) aus dem Tagtraum.

Maurice Ravels 'Tzigane' ist dann noch das Tüpfelchen auf dem I. Als hätte er nicht schon bei den vorherigen Werken seine außerordentliche Klangintensität und seinen Gestaltungsgeist unter Beweis gestellt, beginnt Kadesha die lange Violinkantilene musikalisch so farbenreich und spannungsgeladen, dass man förmlich in sein Spiel hineingesogen wird. Der Einsatz des Klaviers steht diesem intensiven Eingang in nichts nach. Die beiden Interpreten spielen sich die Melodie mühelos zu, können zurücktreten, ohne an Spannung zu verlieren und schöpfen auch hier wieder aus ihrer dynamisch enorm großen Bandbreite.

Jonian Ilias Kadesha und Nicholas Rimmer loten die klangliche Balance der Werke bis ans Maximum aus und gestalten teils extreme Gegensätze, was den Werken aber außerordentlich gut zu Gesicht steht. Kadeshas lupenreine Intonation bei diesem anspruchsvollen Programm ist an dieser Stelle nochmal explizit zu betonen. Nicholas Rimmer erweist sich als aktiver Duopartner, dessen Lesart sich mit Kadeshas Zugriff wunderbar ergänzt. Ihre Sichtweise auf diese drei Komponistenpersönlichkeiten überzeugt auf ganzer Linie – spannungsreich und energiegeladen kommt dieses Debüt-Album daher und setzt ein fulminantes Ausrufezeichen.

Interpretation:
Klangqualität:
Repertoirewert: 
Booklet:






Dieser Beitrag hat Ihnen gefallen? Empfehlen Sie ihn weiter!

Ihre Meinung? Kommentieren Sie diesen Artikel

Jetzt einloggen, um zu kommentieren.
Sind Sie bei klassik.com noch nicht als Nutzer angemeldet, können Sie sich hier registrieren.



Detail-Informationen zum vorliegenden Titel:



Cover vergrößern

    Enescu, Ravel & Skalkottas: Werke für Violine & Klavier

Label:
Anzahl Medien:
Veröffentlichung:
CAvi-music
1
16.06.2017
EAN:

4260085533824


Cover vergössern

CAvi-music

"Es muss nicht viel sein, wenn's man gut ist" heißt die Devise für das Label, das stets den Künstler in den Vordergrund stellt, das partnerschaftlich Projekte realisiert, das persönliche Wünsche und Ideen der Künstler unterstützt, das sich vorwiegend auf Kammermusik konzentriert, das handverlesen schöne Musik in hervorragender Interpretation anbietet, mit einer Künstlerliste, die sich sehen lassen kann. Eine sehr persönliche Sache, die von Herzen kommt !! Außerdem kommen neben dem Label CAvi-music auch die Labels "SoloVoce" und "CAvi-Autentica" aus dem Hause Avi-Service for music.


Mehr Info...


Cover vergössern
Jetzt kaufen bei...
Titel bei JPC kaufen


Weitere Besprechungen zum Label/Verlag CAvi-music:

  • Zur Kritik... Fantastische Vier: Das Boulanger Trio hat sich für sein neustes Album Verstärkung geholt: Zusammen mit Bariton André Schuen schaffen sie hervorragende Interpretationen verschiedener Beethoven-Lieder. Weiter...
    (Maxi Einenkel, )
  • Zur Kritik... Haydnscher Mahler: Die Düsseldorfer Symphoniker und Ádám Fischer präsentieren auf ihrer zweiten Mahler-CD eine sachlich bestens ausgearbeitete Interpretation ohne jedoch die emotionalen Konflikte der Sinfonie zu vertiefen. Weiter...
    (Daniel Eberhard, )
  • Zur Kritik... Klangbilder aus Osten: Viola Wilmsen und Kimiko Imano erschließen neue Welten Weiter...
    (Michaela Schabel, )
blättern

Alle Kritiken von CAvi-music...

Weitere CD-Besprechungen von Yvonne Rohling:

  • Zur Kritik... Intensives Farbenspiel: Bratschist Nils Mönkemeyer spielt Werke von William Walton, Max Bruch und Arvo Pärt und bringt sein Instrument wahrhaft meisterlich zum Klingen. Weiter...
    (Yvonne Rohling, )
  • Zur Kritik... Familienbande: Antonín Dvorák und Josef Suk im direkten Dialog: Das tschechische Josef Suk Piano Quartet wartet mit einer facettenreichen Einspielung zweier Werke von bekannten Landsleuten auf. Weiter...
    (Yvonne Rohling, )
  • Zur Kritik... Formidable!: Die neueste Einspielung des Feininger Trios steht ganz im Zeichen der französischen Kammermusik und fasziniert wieder einmal mit einem enorm großen Spektrum von Klangfarben und Nuancen. Weiter...
    (Yvonne Rohling, )
blättern

Alle Kritiken von Yvonne Rohling...

Weitere Kritiken interessanter Labels:

  • Zur Kritik... Klarinetten-Facetten: Carolin Renner spürt mit dieser Zusammenstellung den vielfältigen Ausdruckswelten der Klarinette im frühen 20. Jahrhundert nach. Weiter...
    (Michaela Schabel, )
  • Zur Kritik... Eigenes in Eigenem: Die Pianistin Sabine Liebner überzeugt mit einer klugen und durchdachten Anordnung von Klavierstücken Mauricio Kagels. Weiter...
    (Prof. Dr. Stefan Drees, )
  • Zur Kritik... Stillstellung der Zeit: Die neueste Produktion des Organisten Dominik Susteck bringt Werke mit ungewöhnlicher Zeitstruktur von John Cage und Toshio Hosokawa mit eigenen Orgelimprovisationen zusammen. Weiter...
    (Prof. Dr. Stefan Drees, )
blättern

Alle CD-Kritiken...

Magazine zum Downloaden

NOTE 1 - Mitteilungen (11/2017) herunterladen (0 KByte) Class aktuell (4/2017) herunterladen (0 KByte)

Anzeige

Empfehlungen der Redaktion

Die Empfehlungen der klassik.com Redaktion...

Diese Einspielungen sollten in keiner Plattensammlung fehlen

weiter...


Portrait

 4442 im Portrait Musik ohne Grenzen
Programme abseits der Konventionen beim Festival Printemps des Arts de Monte-Carlo

weiter...
Alle Interviews...


Sponsored Links

Anzeige

Hinweis:

Mit Namen oder Initialen gekennzeichnete Beiträge geben die Meinung des Verfassers, nicht aber unbedingt die Meinung der Redaktion wieder.

Die Bewertung der klassik.com-Autoren:

Überragend
Sehr gut
Gut
Durchschnittlich
Unterdurchschnittlich