> > > Afierossis: Werke von Walton, Hummel, Penderecki u.a. für Cello solo
Samstag, 21. April 2018

Afierossis - Werke von Walton, Hummel, Penderecki u.a. für Cello solo

Drängende Intensität


Label/Verlag: ARS Produktion
Detailinformationen zum besprochenen Titel


Michael Heupel erweist sich hier als eigenwilliger Deuter, der manchen Werken für Violoncello solo eine ganz eigene Färbung angedeihen lässt..

Mehr als ein halbes Jahrhundert umspannen die auf dieser SACD vorliegenden neun Werke für Cello solo von acht Komponisten, Werke ganz unterschiedlichen Umfangs und unterschiedlicher Konzeption, und dies nicht nur durch den Entstehungskontext bedingt. Michael Heupel, 1988 in Athen gebürtiger ehemaliger Schüler von David Geringas, Anner Bylsma, Jens Peter Maintz und anderen, erkundet, ganz entsprechend seinem besonderen Interesse am weniger Bekannten, diese zum großen Teil stark im Schatten stehenden Kompositionen, deren bekannteste die beiden ‚Eckwerke’ sind, William Waltons 'Passacaglia' (1979-80) und György Ligetis Sonate (1948-53). Heupels Zugang zu den Werken ist ein durchaus eigener. Waltons Passcaglia erhält unter seinen Händen nicht nur eine eigene Architektur, sondern auch die Klangtexturen und das harmonische Verständnis sind von Waltons eigentlichem Idiom weit entfernt. Das ist reizvoll, auch ungewohnt, und lässt die Komposition viel moderner klingen als unter den Fingern anderer Interpreten. Ähnliches lässt sich von Miklós Rózsas 'Toccata capricciosa' op. 36 (1974-78) sagen, bei der Heupel weniger das Metrisch-Klare denn das Rhapsodisch-Expressive hervorhebt. Auch Krzysztof Pendereckis 'Per Slava' (1985-86) interpretiert Heupel in intensiv eigenem Ton – da ist kein Schatten Mstislav Rostropovichs zu hören; der Cellist hat sich das Werk ganz zu eigen gemacht und seinen ganz eigenen Zugang gefunden.

Ligeti scheint sich Heupel näher zu fühlen – hier ist die Verbindung von Deutung und kompositorischen Konzept stärker verbunden. Wie in Aulis Sallinens Elegie 'Sebastien Knight’ille' op. 10 (1964) oder Bertold Hummels 'Fantasia II in memoriam Pablo Casals' op. 97a (1993) pflegt der Cellist hier einen energischeren Zugriff als frühere Einspielungen, was der Musik gut tut. Gleichzeitig überhetzt er nichts, sondern lässt vielmehr die Dichte für sich sprechen. Gerade Hummels Komposition, für Julius Berger entstanden, erweist sich als besonders wertvolle Entdeckung – und hier ähnelt Heupels Ton interessanterweise auch jenem des Widmungsträgers.

Die einzige Tonträgerpremiere ist Efi Markoulakis 'Kretische Suite', 2014-16 für Michael Heupel entstanden. Die Komposition basiert teilweise auf Volksgut, das teilweise auch noch gut identifizierbar ist. Selbst gewisse Schwächen der Komposition (die eine oder andere Stimmführung ist etwas schwach, manche Fortführung allzu zitathaft, manche Formulierung etwas äußerlich) weiß Heupel durch interpretatorische Dichte zu überwinden, siegt so sozusagen über die Materie. Zwei kurze Sätze von György Kurtág (wie auch die 'Fantasia' von Hummel) erweisen sich als perfekte Folie für Markoulakis fünfsätziges Werk, auch wenn gerade die Polarität beider Werke die herausragende Qualität der Kurtág-Stücke umso deutlicher aufscheinen lässt.

Das Solocello wurde in der Wuppertaler Immanuelskirche aufnahmetechnisch vorbildlich ‚eingefangen’ – der Eindruck, den Musiker in seiner unmittelbaren Nähe zu erleben, drängt sich immer wieder auf. Das ausführliche Booklet informiert den Leser mehr als nur hinlänglich, geht aber nur teilweise in die Tiefe. Insgesamt eine empfehlenswerte Platte mit schönen Querbeziehungen zwischen den Werken, mit einem teilweise ganz eigenen interpretatorischen Zugang.

Interpretation:
Klangqualität:
Repertoirewert: 
Booklet:





Dieser Beitrag hat Ihnen gefallen? Empfehlen Sie ihn weiter!

Ihre Meinung? Kommentieren Sie diesen Artikel

Jetzt einloggen, um zu kommentieren.
Sind Sie bei klassik.com noch nicht als Nutzer angemeldet, können Sie sich hier registrieren.



Detail-Informationen zum vorliegenden Titel:



Cover vergrößern

    Afierossis: Werke von Walton, Hummel, Penderecki u.a. für Cello solo

Label:
Anzahl Medien:
Veröffentlichung:
ARS Produktion
1
02.06.2017



Cover vergössern

ARS Produktion

Das exquisite Klassiklabel ARS Produktion wurde 1987 von Annette Schumacher mit dem Ziel gegründet, jungen, aufstrebenden Künstlern und interessanten Programmen gleichermaßen eine individuelle musikalische Heimat und entsprechende Marktchancen, u.a. durch internationalen Vertrieb und Vermarktung zu geben. Die bei Paul Meisen ausgebildete Konzertflötistin hat sich damit nach langer aktiver Musikerlaufbahn einen geschäftlichen Traum erfüllt.
Für die hervorragende Aufnahmequalität der zahlreichen ARS Produktionen ist Manfred Schumacher, Tonmeister und Aufnahmeleiter, verantwortlich.
Spezifisch für das Label und die Haltung seiner Macher/in: stets wird u.a. den klanglichen Erfordernissen der jeweiligen Werke, Musikepochen und Instrumente in größtmöglicher Weise Rechnung getragen sowie im Übrigen die neueste, beste Technik eingesetzt.
Annette und Manfred Schumacher sind ?Überzeugungstäter?. Zwei Individualisten, die Kunst, Kommerz und Können geschickt vereinbaren.
?Die SACD - Super Audio CD kombiniert die Präzision der digitalen Reproduktion mit der Wärme des analogen Klanges. Das hat uns überzeugt.?


Mehr Info...


Cover vergössern
Jetzt kaufen bei...


Weitere Besprechungen zum Label/Verlag ARS Produktion:

  • Zur Kritik... Musikalische Seelenverwandtschaft: Das Klavierduo liefert auf dieser Platte das Gesamtpaket aus pianistischer Perfektion, professioneller Kammermusik und zugleich einer rührenden klanglichen Sensibilität, die der melodiebetonten Musik Griegs mehr als gerecht wird. Weiter...
    (Nicole Overmann, )
  • Zur Kritik... Herausforderung angenommen: Tatiana Chernichka debütiert mit einer technischen Leistungsschau, die beeindruckt, auch wenn ihr Spiel manchmal allzu sportlich wirkt. Weiter...
    (Sebastian Rose, )
  • Zur Kritik... Äußerst kunstfertige Natürlichkeit: Die norwegische Sopranistin Siri Karoline Thornhill interpretiert gemeinsam mit Pianistin Reinild Mees vier Liedzyklen von Edward Grieg. Sie besticht dabei durch die Schönheit ihrer Stimme ebenso wie durch die Natürlichkeit ihrer Interpretation. Weiter...
    (Silke Meier-Künzel, )
blättern

Alle Kritiken von ARS Produktion...

Weitere CD-Besprechungen von Dr. Jürgen Schaarwächter:

  • Zur Kritik... Jenseits des Scheins: Volle Hingabe an die Musik: Werke für Viola von Grey, Gorb, Britten, Bliss u.a. Weiter...
    (Dr. Jürgen Schaarwächter, )
  • Zur Kritik... Echte Alternative: Stefania Neonato bricht eine Lanze für Giacomo Gotifredo Ferrari. Sie ist eine denkbar berufene und vor allem stilistisch sattelfeste Anwältin für Ferraris Tastenmusik. Weiter...
    (Dr. Jürgen Schaarwächter, )
  • Zur Kritik... Erfrischend: Marek Janowski begegnet den Orchesterwerken Paul Hindemiths mit quicklebendiger Frische und einem Höchstmaß an geistiger Durchdringung. Ein Glücksfall. Weiter...
    (Dr. Jürgen Schaarwächter, )
blättern

Alle Kritiken von Dr. Jürgen Schaarwächter...

Weitere Kritiken interessanter Labels:

  • Zur Kritik... Darmstädter Eigensinn: Christoph Graupner ist und bleibt eine bemerkenswerte Figur: Gelassen steht er mitten in der mitteldeutschen kirchenmusikalischen Tradition, ohne je auf das Alte fixiert zu sein. Gleichzeitig wendet er sich explorativ mutig Neuem zu. Weiter...
    (Dr. Matthias Lange, )
  • Zur Kritik... Klangverliebt: Dieses neue Strauss-Album ist an Klangschönheit kaum zu überbieten und kann problemlos im Hintergrund laufen. Wirklich fesselnde Interpretationen bekannter und ein wenig unbekannterer Strauss-Lieder bietet die CD leider nicht. Weiter...
    (Benjamin Künzel, )
  • Zur Kritik... Jenseits des Scheins: Volle Hingabe an die Musik: Werke für Viola von Grey, Gorb, Britten, Bliss u.a. Weiter...
    (Dr. Jürgen Schaarwächter, )
blättern

Alle CD-Kritiken...

Magazine zum Downloaden

NOTE 1 - Mitteilungen (4/2018) herunterladen (2494 KByte) Class aktuell (1/2018) herunterladen (3364 KByte)

Anzeige

Empfehlungen der Redaktion

Die Empfehlungen der klassik.com Redaktion...

Diese Einspielungen sollten in keiner Plattensammlung fehlen

weiter...


Portrait

 Folkwang Kammerorchester Essen im Portrait Mit Vollgas ins Haus des Teufels
Das Folkwang Kammerorchester Essen – jung, energiegeladen, hochmusikalisch

weiter...
Alle Interviews...


Sponsored Links

Anzeige

Hinweis:

Mit Namen oder Initialen gekennzeichnete Beiträge geben die Meinung des Verfassers, nicht aber unbedingt die Meinung der Redaktion wieder.

Die Bewertung der klassik.com-Autoren:

Überragend
Sehr gut
Gut
Durchschnittlich
Unterdurchschnittlich